Skip to content
 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Das späte NEIN zum Sex

Das späte „Nein“ zum Sex (und nicht nur zum Sex) behandelt einen Konflikt, über den viel zu wenig gesprochen oder geschrieben wird: Gefühle sind nicht immer eindeutig.

Es gibt eine recht bekannte Geschichte, in der zwei Menschen nach einer Party leicht angeschickert in einem Hotelzimmer landen. Sie trinkt ein paar Gläser von seinem Whisky und hat eine Vorstellung, davon, was er will - und was sie akzeptiert. Doch er will ihren Körper auf konservative Weise. Also stehen über das „wie“ zwei unterschiedliche Meinungen im Raum, und letztlich gibt es kurz vor dem Lustgewinn ein heftiges „Nein“.

Sie zog also Schuhe, Strümpfe, Strumpfhalter, Schlüpfer aus, zog ihren Rock hoch und setzte sich in den Sessel, die nackten, weißen Beine über die Armlehnen gehängt, und war bereit.

Und wie ging es aus?

Bevor er wusste, wie ihm geschah, sprang sie auf, packte Schuhe, Strümpfe und Strumpfhalter, sauste in den Korridor hinaus und schlug die Tür zu.

Ich las gerade einen Blogbeitrag, in dem es auch ein „spätes Nein“ gab. Die Frau ist, wie in der erwähnten Kurzgeschichte, in einem Zwiespalt, und zögert das „Nein“ lange heraus. Warum es „Nein“ ist? Sie weiß es selber nicht genau. Angenehmer Mensch, attraktiv. Aber ihr Gefühl passt nicht zu seinem Gefühl.

Unterschiedliche emotionale Konsequenzen von "Ja" oder "Nein"

Die generelle Frage, die sich viele stellen, ist: Warum war es ein „Ja“, obwohl ich so viel Zweifel hatte? Aber auch: Warum habe ich „Nein“ gesagt und es später bedauert? Das gilt im Grunde nicht nur für die Frage: „Hey, wie ist es mit mir, will ich ihn (oder sie) vögeln?“ Sie taucht vielmehr schon bei der Frage nach einem „weiteren Treffen auf“ auf. Das „Nein“ wird rationalisiert, begründet, mit Höflichkeit verkleistert und meist „endgültig“. Das „Ja“ für das zweite Treffen ist unverbindlich und keinesfalls bereits ein Verlöbnis.

Muss die Entscheidung wirklich "in dieser Minute" fallen?

Was ich sagen will: Es gibt außer klaren und unmissverständlichen Entscheidungen auch noch jene, die auf einer Bandbreite liegen. Und insofern ist die Haltung „ich warte mal ab, wie es mir geht, wenn …“ nicht die schlechteste Entscheidung.

Welche Wert weist du dem Sex zu?

Zurück zum Sex. Fast jede Frau erinnert sich, einmal aus „Höflichkeit oder Naivität“ ein „Ja“ zu viel gesagt zu haben. Manchmal, damit ein Mann für seine Ausdauer, seine Nettigkeit oder den Unterhaltungswert, den er immerhin hatte, noch ein bisschen belohnt wurde. „Ist doch keine große Sache“ fand eine Bekannte, die am Ende mindestens ein „kleines Geschenk“ für ihre Lover hatte, die „nett genug“ waren.

Erfahrungen mit JA, NEIN und dem "Verhandeln" über das, was sein darf

Über die „Größe der Sache“ denkt offenbar jede Frau anders. Frauen, die viele Partner im Leben hatten, wollen die Erfahrungen mit dem „Ja“ nicht missen, weil sie erst daran gelernt haben, was gut für sie ist. Und wirklich: Erfahrungen machst du nur nach einem „Ja“ – jedenfalls, wenn du es logisch siehst. Und du lernst dabei auch, wann es wirklich nötig ist, das „Nein“ konsequent auszusprechen.

Wir haben (hoffentlich) heute alle gelernt, dass die wirklichen sexuellen Wünsche nur zum Vorschein kommen, wenn wir darüber sprechen. Wenn du von jemandem Cunnilingus willst, heißt das nicht, dass du auch PiV-Sex (2) willst. Und dass du überhaupt Sex willst oder gibst, heißt nicht, dass du ihn heiraten wirst. Klare Worte helfen, und wer sie scheut, sollte wenigstens klare Gesten beherrschen.

Die Konflikte? Die bleiben vermutlich. Denn die Diskussion darüber, ob das „Nein“ ethisch korrekt ist, oder ob nur das „Ja, bitte“ wahrhaftig zählt, verschleiert, dass Gefühle oft mehrdeutig sind. Das gilt für viele Gefühle, auch solche, bei denen der Verstand eingreift. Und vergessen wir bitte nicht: schon ein Zungenkuss kann die Drogen freisetzen, die in den Menschen ein „Ja“ befeuern, auch wenn der „Funke“ zuvor nicht „übergesprungen“ war.

1.) Zitat von Chester Himes. Die Übersetzung von "Partyausklang" klingt etwas holprig, sie wurde aus Goldmann Band 6652 zitiert. (Original von 1968, Titel "Mamie Mason"). Eine britische Bloggerin führte mich dieser Tage zum Thema.
2.) PiV - Penis in Vagina.

Zwischen Furcht und Lust - was wird siegen?

In den alten Lehrbüchern kann man nachlesen, der sexuelle Appetit der Frau sei „gering“, und wenn überhaupt, dann sie sie nur wegen der Liebe bereit, das Joch des Geschlechtsakts hinzunehmen. Man erspare mir, dieses pseudo-wissenschaftliche Geschwafel auch noch mit den entsprechenden Quellen zu belegen.

Ist es einfach die Angst, die uns hemmt?

Später lesen wir, dass es die Ängste sind, die da im Frauenkörper lauern, und da kommt noch die dicke Keule hinterher: Wir haben es mit einer der „Grundformen der Angst“ zu tun, und die wirkt sich nach einer psychologischen Meinung so aus (1):

Personen, deren grundlegendes Problem die Angst vor der Hingabe ist, werden zu schizoiden Persönlichkeiten, die die Selbstbewahrung überbewerten.

Immerhin redet man jetzt von „Personen“, und auch nur dann, wenn die Furcht vor der Hingabe ein „grundlegendes Problem“ ist, also eines, was viele andere Schwierigkeiten, Sorgen und Fehlreaktionen nach sich zieht. Die Idee, dass „schizoide Persönlichkeiten“ sich Schutzschilder aufbauen, um mit Sicherheit niemandem zu verfallen, ist allerdings ein Extrem. Besonders die Sexualität und die heftige Begierde, die damit verbunden ist, überwindet viele psychische, ethische und religiöse Normen.

Reichen "schlechte" Erfahrungen, um Angst auszulösen?

Gut - so viel ist sicher: Wer mehrfach „schlechte Erfahrungen mit der „völligen“ Hingabe gemacht hat, der scheut möglicherweise den Sex als solchen. Die Steigerung von „schlechten Erfahrungen ist „traumatische Erfahrungen“. Mit ihnen kennt sich der Psychiater oder Psychologe besser aus, denn „schlechte Erfahrungen mit irgendjemandem zu machen“ ist etwas, das fast jedem Menschen im Leben passiert - es ist auch kein Grund zur Sorge.

Es bleibt oft nicht beim "ersten" ersten Mal

Weiterhin wird die „Angst vorm Unbekannten“ genannt. Sie betrifft nicht nur, wie in vielen Beiträgen behauptet wird, DAS erste Mal, sondern JEDES erste Mal, das mit Erotik, Sex oder anderen intimen Körperkontakten in Zusammenhang steht. Dies Angst kann also jedes Mal aufs Neue auftreten, wenn eine sexuelle Begegnung nicht nach dem bekannten Muster abläuft. Bei Männern - wir wissen es oft schmerzlich - kann es eine plötzliche auftretende Impotenz sein oder gar die Tatsache, bei bestimmten Frauen potenzschwach zu sein, bei anderen jedoch nicht. Auch das eigene Körperbild (zu dick, nicht schön genug, zu schwach) kann Auswirkungen auf die Angst haben, eine Art von Sex oder andere intime Begegnungen zu genießen.

Das Schlimmste, was passieren kann - wäre es so schlimm?

Nun hat jede Frau und jeder Mann seine Schranke, die er (jetzt, hier) nicht überwinden will. Das ist sehr verständlich - doch ein Satz muss nachgeschoben werden: „Was könnte denn schlimmstenfalls passieren?“

Frauen glauben so gut wie immer, dass sie ihren „Ruf verlieren“ könnten, wenn sie einen großen sexuellen Appetit an den Tag legen. Noch schlimmer wirkt es auf sie, wenn sie „Schlampen“ genannte werden, weil sie das (angebliche) Repertoire von Prostituierten oder Dominä beherrschen. Falls dies ruchbar würde, so würden sie „ihren guten Ruf“ verlieren - was immer das heißt. Selbst, wenn sie wegen ihrer Auswahl, ihrer Vorsicht und ihrer Geheimhaltung niemals um ihren Ruf fürchten müssten, haben viel noch „Mutters Stimme“ im Ohr: „Keine anständige Frau tut so etwas.“

Sollte dies für eine über 40-jährige, emanzipierte und erfolgreiche Frau ein Grund sein, auf ein lustvolles Sexleben und sinnliche Experimente zu verzichten?

Wahrscheinlich ist es ein Grund. Aber eben auch ein Grund, auf den sich niemand zurückziehen sollte.

Männer fürchten sich manchmal vor Frauen - und vor ungewöhnlichen Praktiken

Männer haben nicht nur Angst um ihre Potenz. Sie fürchten auch nicht nur, dass sie ihren „kostbaren“ Penis beschädigen könnten. Ähnlich wie manche Frauen bangen sie um ihren Ruf, und gelegentlich sind sie dabei empfindlicher als viele Frauen. Kein Wunder - denn ihr sexuelles Verhalten wird in Grenzsituationen viel schärfer verurteilt.

Wenn eine Frau sich von einer anderen Frau befriedigen lässt, weil Frauen eben besser wissen, wie man einen Cunnilingus ausführt, dann schreit kein Huhn oder Hahn danach. „Die sind lesbisch“ krähen dann höchstens noch ein paar unbedarfte Teenager. Tun es zwei sogenannte „heterosexuelle“ Männer per Fellatio, und fliegt dies auf, dann ist die Hölle los. Diejenigen Männer, die sich im wahrsten Sinne des Begriffs körperlich „einer Frau hingeben“, werden verlacht, diffamiert und mit Ausdrücken bedacht, die ich hier gar nicht erst erwähnen mag.

Was schlimmstenfalls passieren könnte

Grenzen sind beim Sex flexibel, und Hürden kann man überwinden. Und jede/ jeder muss - wirklich - selber wissen, was er oder sie sich zutrauen kann und was nicht.

Und wie war es mit der Frage: „Was könnte den schlimmstenfalls passieren?“ Wenn du jetzt zehn oder gar zwanzig Jahre voraus denkst, wirst du dich möglicherweise schon mit deinen Erinnerungen beschäftigen. Und dann wirst du vielleicht sagen: „Oh, wie dumm von mir, dass ich damals solche Bedenken hatte - heute kann ich es leider nicht mehr.“ Das gilt für das Reisen, für das Essen und Trinken - und eben auch für viele sexuelle Abenteuer.

(1) Stangl.

Das Weibliche im Mann und die "Wissenschaften"

Das Weibliche im Mann und die „Wissenschaften“ beruht auf den - meiner Ansicht nach höchst fragwürdigen - Forschungsergebnissen eines Wissenschaftlers, der bereist in das Online-Lexikon "Wikipedia" Eingang fand.

Bist du ein Mann? Dann hat ein US-amerikanischer Professor eine Neuigkeit für dich: Wenn du nicht ruppig genug bist und deine Männlichkeit herauskehrst, dann hast du etwas Weibliches in dir.

Nun ist die unwahrscheinlichste Annahme überhaupt, dass Männer nur „männliche“ Eigenschaften haben und Frauen ausschließlich weibliche. Im Kern haben wir beide Anlagen, bei Mann eben ein wenig mehr Männliche und bei der Frau eben ein wenig mehr Weibliche.

Die Queer-Theorie wird immer mehr zum „Maßstab“

Die Queer-Theorie hat uns alle ein bisschen „queerer“ gemacht. Und deswegen sind alle Jungs, die Freude an „weiblichen“ Interessen haben, nun (Wikipedia-Formulierung) „Hetero-Tunten“, oder nach der englischen Bezeichnung eben „Straight Sissy Boys“ – wobei „Sissy“ ein ebensolches Schimpfwort ist wie „Tunte“. Außerhalb der Queer-Theorie würde man dies als „blanken Unsinn“ bezeichnen, aber seit die sogenannten „Heterosexuellen“ fast ausschließlich aus der Sicht der Queer-Theorie beurteilt werden, müssen wir offenbar jeden Unsinn „schlucken“.

Einsatz für „Quere“ Menschen heißt: Du bist eigentlich auch „Queer?“

Du setzt dich dafür ein, dass Queere Menschen anerkannt und integriert werden? Wenn du ein Mann bis, dann heißt du ab sofort: „Social-justice straight-queer“. Mit anderen Worten: Wenn du sie verteidigst, hast du selbst solche Anteile. Was im Umkehrschluss heißt: Ein echter Mann will nichts mit „Schwulen“ zu tun haben. Ich frage mich, ob man den gleichen Unsinn auch Frauen zuschreiben würde, die sich für die Rechte homosexueller Frauen einsetzen.

Praktiken werden mit sexuellen Identitäten verwechselt

Wenn du dich nicht als homosexuell bezeichnest, aber mit einigen Praktiken kokettierst, wirst du zum „Elective straight-queer“. Das heißt, dass durchaus Praktiken magst, die als „schwul“ gelten, du dich aber emotional nicht zu Männern hingezogen fühlst. Dieses Thema klingt höchst brisant, ist aber völlig trivial. Denn eine sehr große Anzahl von Männern weiß durchaus, was „Pegging“ bedeutet und welche Gefühle Männer dabei haben können. Niemand hat etwas dagegen, wenn Typen mit „stahlharter Männlichkeit“ darauf verzichten – aber es hat wirklich wenig mit „Queer-Sein“ zu tun. Auch hier ergibt sich die Frage: Würde man jemals einer Frau solch ein Attribut zuweisen, wenn sie – beispielsweise – den Cunnilingus aktiv ausübt? Oder ihn lieber von einer Frau empfängt als von einem (unrasierten) Mann?

Die freie Wahl der sexuellen Praktiken als Verschärfung?

Wenn du das noch ein bisschen ausbaust, gehörst du schließlich zu den „Committed straight-queers- das sind jene, die Praktiken, die als „nicht-heterosexuell“ gelten, in ihr Sexualleben integriert haben. Das trifft nur auf wenige Männer zu, aber auch sie verdienen keine Etikettierung.

Mode und Körperpflege – typisch weiblich?

Die nächste Kategorie kennen wir nur zu genau: Ein durchschwitztes, oft gewaschenes und nicht gut sitzendes T-Shirt samt billigster, schon leicht fleckiger Jeans ist das, was der echte Mann tragen sollte. (Vergaß ich die Feinripp-Unterhosen?). Wenn du es nicht tust, kommst du in Verdacht, metrosexuell zu sein oder eben ein „Stylistic straight-queer“, die bunten Klamotten trägt, sich für Kunst interessiert und Körperpflegemittel verwendet. Merke: Ein richtiger Mann boxt, spiel Fußball und stinkt ab dem späten Nachmittag nach Schweiß. Tust du es nicht, steht dir bald auf der Stirn geschrieben, dass du ein Weichling oder Sitzpinkler bist. Oder mit anderen Worten: Ein Mann, der nicht auf das gängige Männlichkeitsideal passt.

Schattensexualitäten als Veranlagung?

Ei, ei – aller guten Dinge sind sechs. Nun folgt noch der Schattenmann. Der ist „eigentlich das Ideal eines Menschen, weil er keinem Klischee folgt. Oder im Sinne von Wikipedia: Männer, die sich zwischen Anpassung und Nicht-Anpassung an klassische männliche Rollenbilder befinden, ohne eine bewusste Entscheidung treffen zu können oder zu wollen, im Neo-Soziologen-Schnack „Males living in the shadow of masculinity“. Das heißt so ungefähr: Männer, deren Männlichkeit im Schatten lebt, aber nicht in den Vordergrund gestellt wird.

Wer sich als "echter Kerl" erweisen will, der hat nichts "Weibliches"?

Na, Mann, hast du dich als „echten Kerl“ vorgefunden? Dann bist du eisern „Hetero“ und PiV ist die einzige Art, in der du dich sexuell betätigst. Du sagst überall, dass du nichts gegen Schwule hast, aber wandelt sich der Satz so, dass du Schwule hasst. Natürlich hast du nie von einem Mann geschwärmt, nie seine Nähe genossen und deine Dreier (real oder in der Fantasie) waren immer MFF-Dreier. Dir hat niemand jemals auch nur einen Finger in den Anus gesteckt (auch keine Frau) und schon gar keine Plugs, Dildos oder so. Du liebst es, in Jeans oder gar im Trainingsanzug herumzulaufen, und du trägst Feinripp. Falls du ein „Schlipsträger“ bist, besitzt du zwei Krawatten und vier einfarbige Oberhemden. Du stets immer deinen Mann und weißt genau, was für einen Mann gut und richtig ist. Klar, dass du auch weißt, wie Frauen zu sein haben … oder?

Das Problem der Definition entstand mit dem Begriff "Heterosexualität"

Wie ich schon mehrfach erwähnt habe, entstand das Problem, Heterosexualität ständig neu definieren zu müssen, aus Abgrenzungsproblemen der Psychologen und Sozialwissenschaftler. Man kann sagen: Sobald die „Heterosexualität“ als Begriff erfunden wurde, musste sie ständig neu definiert werden. Da dies sogenannten „Heterosexuellen“ darin gar nicht interessiert sind, weil sie sich nicht angesprochen fühlen, versuchen Personen der sogenannten „Wissenschaften“, die selbst erzeugte Verwirrung durch neue Begriffe zu stützen – und damit abermals neue Verwirrungen hervorrufen.

Und eine Frage bleibt: Würde man die gleichen „Erkenntnisse“ auf sogenannte Hetero-Frauen übertragen können? Wäre beispielsweise eine natürlich wirkende Frau, die sich weder schminkt noch betont modisch daherkommt, schon eine „non-stylistic straight-queer“ Person? Ist eine Installateurin schon ein Tomboy, weil sie sich für mehr für Technik interessiert als für Spitzenunterwäsche?

Oder ganz generell: Würde man eine sexuell selbstbewusste Frau, die einige durchaus sinnliche herb-männliche, verdeckte Eigenschaften hat, als „queer“ bezeichnen?

Vermutlich nicht.

Die Forschung: Hier eine Kurzfassung.
Die Interpretation im deutschen Wikipedia-Lexikon.
Das Thema erweitert und mit Kritikpunkten versehen: Englisches Wikipedia. Zusätzlich empfehle ich das Buch "Straight" von Hanne Blank, Boston 2012.

Deine erotischen Fantasien – was machst du damit?

Fantasien, Tagträume, getragen werden auf Wolken der Lust ...
Fantasien entstehen aus vielen Gründen, aber einer der wichtigsten besteht darin, sich etwas vorzustellen, was nicht erreichbar ist. Jedenfalls nicht hier und auf keinen Fall jetzt.

Erotische Fantasien kommen in drei Varianten

Dabei gibt es drei Varianten, die sich deutlich voneinander unterscheiden:

1. In der ersten erinnern wir uns an eine bestimmte Situation, die wir schon einmal erlebt haben. Wir nehmen das Schöne und Erregende heraus und führen die Fantasie in unserem Gehirn fort. Das heißt: Die positiven, erregenden Lusterlebnisse, an die wir uns erinnern, mischen sich mit der Fantasie. Wir tauchen gewissermaßen in eine Wolke der Lust ein.
2. Die zweite Art der Fantasien führt uns in erotische Bereiche, die wir nie erfahren haben oder die nach „Lage der Dinge“ für uns unerreichbar sind. Je intensiver wir uns vorstellen, was geschehen könnte, umso mehr Details werden in das fantastische Geschehen eingebunden. Diese Fantasien sind oft ungleich heftiger, weil wir dabei eine Hürde überwinden müssen.
3. Der dritte Teil bestehst aus Fantasien über Situationen, die wir in der Realität weder erleben können noch wollen. Bei dieser Art von Fantasien spielt die Gefahr eine besondere Rolle.

Vielleicht wisst ihr, dass realistische erotische Fantasien in den Vorstellungen der Menschen ganz oben stehen. Demnach ist „Oralverkehr“ (Cunnilingus oder Fellatio) die am häufigsten genannt erotische Fantasie, gefolgt von Seitensprüngen und verschiedenen Formen und gegenseitiger Masturbation. Zur zweiten Gruppe gehören populäre Fantasien wie Rollenspiele, Dreier und Gruppen. Die eher in den Bereich der nicht wirklich ausgeführten, aber andererseits sehr intensiven Empfindungen fallen. Zur dritten Gruppe gehören dann die Wünsche nach gleichgeschlechtlichen Beziehungen, „harten“ SM-Träumen und vor allem der geheime Wunsch nach Unterwerfung und Domination.

Das Tor zur Fantasiewelt – Prinzessinnen und Drachen

Falls du überhaupt in deine Fantasiewelt eintauchen willst, ist eine Entscheidung fällig. In der Fantasiewelt wohnen sowohl Hexen und Drachen wie auch Prinzessinnen und hilfreiche Gnome. Weniger blumig ausgedrückt: Es ist einerseits möglich, dass du dich in deinen Fantasien über dich selbst erschrickst. Andererseits ist es aber auch möglich, dass sich dich sanft davontragen.

Sobald du dich entschlossen hast, das Tor deiner sinnlichen Fantasien zu öffnen, werden Geschichten daraus.

Autorinnen gehen jeden Tag mit Fantasien um

Vielleicht hilft dir, wie Autorinnen mit ihren Fantasien umgehen. Als Rita Mae Brown gefragt wurde, inwieweit ihr Buch „Rubyfruit Jungle“ persönlichen Erlebnissen geprägt wurde, sagte sie:

Ich weiß es nicht. Wenn ich schreibe, tauchen Dinge einfach auf. Ich gehe davon aus, dass jeder Autor bis zu einem gewissen Grad auf Erfahrung und Beobachtung zurückgreift, aber dass er die Verstrickungen nicht entwirren kann.

Dieser Satz kann sehr beruhigend auf all jene wirken, die sich vor ihren Fantasien fürchten. Denn Autorinnen und Autoren schicken ihre Figuren gerne auf die Reise in die erotische Fantasie. Diese Figuren erleben als „Stellvertreter(innen) “ all das, was weder ihr Schöpfer(innen) noch die Leser(innen) jemals selbst getan haben.

Hürden und Abgründe in Fantasie und Realität

Vielleicht hattest du schon erotische Erlebnisse, bei denen du am Rand deiner Möglichkeiten gewandert bist, aber dann doch eben nicht vom „Weg abgekommen“ bist. In der Realität gibt es eine Fülle von Hürden, und ein Teil davon würde dich stolpern lassen. Du überwindest sie nicht, um dich selbst zu schützen – und das ist meist sehr vernünftig. Aber in der Fantasie kannst du sein, wer du willst und dich einlassen, auf was du willst.

Die Menschen, die man nach ihren erotischen Fantasien befragt hat, betonten nahezu alle, dass sie „die Träume der Lust“ niemals in die Realität umsetzen würden. Und dies unabhängig davon, ob sie darin die aktive oder passive Rolle eingenommen hatten.

Das Fazit

Niemand muss sich schämen, Fantasien zu haben. Autorinnen und Autoren leben davon, andere sehen darin kleine Fluchten vor dem Alltag. Es gibt vereinzelt Situationen, in denen sich Fantasie und Realität kreuzen, aber sie sind recht selten.

Zitat aus einem Interview, hier die Quelle. Das Buch heißt auf Deutsch "Rubinroter Dschungel" und erschien zuerst 1973.
Daten und Fakten über Fantasien aus der Studie: "What Exactly Is an Unusual Sexual Fantasy?"
Christian C. Joyal, PhD, Amélie Cossette, BSc, and Vanessa Lapierre, BSc, Department of Psychology, Université du Québec à Trois-Rivières, Trois-Rivières, Québec, Canada; Philippe-Pinel, Institute of Montreal, Montreal, Québec, Canada.
Benutzt wurden auch Teile aus "Fühlen ist ein wundersames Gefühl" vom Autor dieses Artikels

Klischees, Cougars, Verführerinnen und Perversionen

Vision einer sinnlichen, älteren Cougar
Klischees treffen wir allzu oft dort an, wo wir eigentlich erhellende Gedanken erfahren. Beispielsweise in der Literatur. Seit es betont lustvolle viktorianische Romane gab, erfuhren wir von Verführerinnen, die deutlich älter sind als die jungen Männer. Dem Zeitgeschmack der Epoche folgend, waren die jungen Männer naiv, ihre weiblichen Gegenstücke hingegen so durchtrieben, ihre Unerfahrenheit zu nutzen und die jungen Herren in Lust und Schmerz in die Welt der Sinnlichkeit zu entführen.

Das Prinzip der viktorianischen Romane: durchtriebene Verführerin, naiver Jüngling

Seit dem Roman „Gynecocracy“ der die Erfahrungen eines jungen, naiven Gentlemans mit einer verführerischen Gouvernante schildert, werden Beziehungen zwischen erfahrenen und hinreichend skrupellosen Damen immer wieder verwendet. Zu viktorianischen Zeiten spielten die Gedankenwelten Freuds noch keine Rolle. Spätere Autorinnen hingegen bemühten sich, diesen Mythos zu verbreiten: Der ältere „perverse“ Mann muss ein „Jugenderlebnis“ mit einer schönen, überaus niederträchtigen Frau gehabt haben.

Die Ideen von Herrn Freud fließen in den Cocktail der Klischees ein

In den „Shades of Grey“ (Autorin: E. L. James) ist es die geheimnisvolle „Mrs. Robinson“, die als Verführerin herhalten muss. Befragt welche Praktiken der Herr Grey schon kennengelernt hatte, fällt auch der Begriff des „Analverkehrs“, und die Autorin erklärt, wie ein feiner Gentleman zum analen Vergnügen kam (und nicht nur dazu, wie ihr sicherlich gelesen habt). Nach einem längeren Geplänkel sagt Herr Grey, seine Erfahrung beruhe auf deiner Aktivität eben jener „Mrs. Robinson“, die dazu „einen langen Gummi-Dildo als Strap-On“ benutzt hätte. Bei Gigi Martin („Die Herrin“) wird dem masochistischen Geschäftsmann „Burt“ ebenfalls eine Jugenderinnerung mitgegeben. Auch hier wird als frühe Erfahrung eine ältere Gouvernante ins Rampenlicht gebracht, diesmal wie in pornografischen Klischees üblich, mit Leder-Slip und Leder-BH bekleidet.

An diesen Beispielen mag jeder erkennen: Je klarer die Rollen im Geschlechterspiel verteilt werden, umso mehr werden Männer, die nach Lusterfüllung lechzen, in den Schuhkarton der „Perversen“ gedrängt. Da musste selbst die gängige Küchenpsychologie herhalten, die sich immer noch auf Sigmund Freud beruft.

Die Rollenverteilung und die aktive Verführerin heute

Um dem etwas entgegenzusetzen, muss man im Grunde nur das „Skript“ ändern. Bis weit ins 21. Jahrhundert hinein erkennen wir noch die „feste Rollenverteilung“, die mal im Vordergrund, mal im Hintergrund das Geschehen bestimmt:

1. Männer suchen sexuelle Lust – Frauen wollen begehrt oder umworben werden.
2. Sex heißt Geschlechtsverkehr (PiV) und Fellatio (Blowjob). Es geht also darum, von der Frau Lust zu empfangen.
3. Männer sollen die Choreografie beim Sex schreiben, Frauen sollen sie tanzen.
4. Frauen sollen während des Geschlechtsverkehrs „kommen“. Das sei ein „gegenseitiger Anspruch“ aneinander.

Solange dieses Konzept fest in die Köpfe eingegraben ist, ändern sich die Verhältnisse nicht – und es bleibt solange einbetoniert, wie sich Männer einerseits und Frauen andererseits an ihm orientierten. Die sogenannten „Cougars“, also ältere Verführerinnen, waren Pioniere darin, dieses Konzept zu durchbrechen.

Andere Skripte im Kopf - sinnlichere Lust

Das Grundkonzept besteht darin, dass jüngere Männer neugieriger sind und bereiter, ihre „inneren Skripte“ aufzugeben. Anders als die viktorianischen Jünglinge des ausgehenden 19. Jahrhunderts sind sie nicht mehr so „naiv“, aber deutlich lernwilliger. Ein Psychologe schreibt dazu:

Cunnilingus … ist der Schlüssel zu den Orgasmen und der erotischen Befriedigung der meisten Frauen. Viele Cougars sagen, sie hätte erfolglos versucht, gleichaltrige Liebhaber zu überzeugen den Oralverkehr an ihnen zu vollziehen. Sie stellten fest, dass jüngere Liebhaber offener für ihre Wünsche und Anregungen waren und sich nicht scheuten, jedes Mal einen ausgedehnten Cunnilingus zu geben.

Wer bestimmt, wie der Geschlechtsakt abläuft?

Ähnliche gilt für die gesamte „Choreografie“ des Liebesakts. Männer glauben, dass sie verpflichtet seien, Frauen mithilfe der Penetration einen Orgasmus zu verschaffen, was offenbar nur in wenigen Fällen gelingt. Unabhängig von den Praktiken, die zur Anwendung kommen, sind es die Hinweise der Frauen, die Männer zu besseren Liebhabern machen. Und die Beziehung zwischen einem recht jungen Mann, sagen wir zwischen 20 und 30, und einer reifen Frau hat deshalb einen enormen Nutzen. Im Grunde, so heißt es weiter, seinen die jungen Männer noch „gelehrig“ und dies nützte letztendlich beiden.

Wenn nicht die erfahrene Frau - wer lehrt die jungen Männer dann?

Werfen wir einen kurzen Blick auf die anderen Möglichkeiten junger Männer in die „Liebeslehre“ zu gehen. Gleichaltrige Frauen ähnlicher Bildung interessieren sich für diese Männer bekanntlich „nicht die Bohne“. Also gab es nur drei Möglichkeiten für sie: das Bordell, das Einlassen auf eine ältere Partnerin mit viel Erfahrung oder (in typischen Klassengesellschaften) bei den „niedrigen“ Ständen, in denen die Sexualität nicht tabuisiert war. Was sie dabei „lernten“ war aber nicht das, was sie benötigten, um Frauen zu gefallen oder ihnen erotisch zu begegnen. Sie erlernten dabei üblicherweise nur, wie der normale (kurze) Geschlechtsverkehr zu vollziehen war. Es war eher eine grobe Vorbereitung auf „richtige Beziehungen“ als eine Offenbarung.

Daran hat sich übrigens wenig geändert. Ein Mann in seinen 20ern ohne sexuelle Erfahrung wird von Frauen im Allgemeinen gemieden. Das liegt nun wieder darin, dass Frauen passenden Alters keine „Sexlehrerinnen“ für „Anfänger“ sein wollen.

Für diesen Artikel wurden Ideen und Hintergründe aus „Psychology Today“ über Cougars genutzt.