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Die festgelegten sexuellen Identitäten schwinden

Zweifel, Erregung, Scham?
Die festgelegt sexuellen Identitäten schwinden - im Grunde überall. Geredet wird darüber kaum - es passiert einfach. Und wer als erster redet, verliert - das ist leider die Regel. Wir versuchen es so neutral zu sagen, wie es möglich ist.

Zunächst berufe ich mich auf einen Blogbeitrag, den ich dieser Tage las. Da er weder werbefrei ist noch dem Schamgefühl der Öffentlichkeit (NSFW) entspricht, wurde er ohne Quellenangabe verwendet:

Ohne eine neue Diskussion zu initiieren, können wir in jedem Fall sagen, dass die sexuelle oder „geschlechtsspezifische“ Identität heutzutage so differenziert gesehen werden kann, wie die Menschen selbst eben unterschiedlich sind. Im Vordergrund stehen die Gewohnheiten, die sich sehr eng an ein gewähltes Schema halten können, aber eben auch je nach persönlichem körperlichen und emotionalem Geschmack variieren können.


Gilt die Heteroflexibilität nur für Frauen?

Viele Männer meinen nun, diese Erkenntnis würde nur für Frauen gelten. Sie sagen, Cunnilingus von einer Frau zu bekommen unterscheide sich nicht wesentlich von dem Zungenspiel, das ein Mann offeriert. Und also sei es nur verständlich, dass Frauen sich dann und wann anderen Frauen hingäben.

Wenige Männer bekennen sich so „schrägen“ Lüsten

Doch viele Männer beschleicht inzwischen der Zweifel, ob die eigene Lust wirklich nur von einer Frau zur Blüte gebracht werden kann. Der Autor Jonathan Ames beschreibt beispielsweise solche Szenen ohne Scham.

Hetero-Paare können Gender-Grenzen gemeinsam brechen

Anale Lüste hingegen stehen völlig zu Unrecht in Verdacht, die sexuelle Identität zu verletzen. Wir wissen nicht, wie viele Männer danach dürsten, dass ihre Prostata massiert, unter sanften Druck gesetzt oder „angestupst“ wird, aber sicher ist, dass eine ungeheuer große Anzahl an Umschnall-Dildos verkauft wird. Wie viele? Das wissen wir nicht. Es gibt nicht einmal belastbare Verkaufszahlen über Dildos und Vibratoren, geschweige denn über P-Punkt-Dildos, Umschnallgeschirre und dergleichen.

Kein Details - aber vertraue auf die "Fünf Großen G"

Nein, wir werden nicht über Details reden. Nicht, weil wir uns schämen, sondern weil es wirklich genügend Informationen über die „fünf großen G“ gibt, die du brauchst: Geduld, Gefühl, Gleitmittel, ein stabiles „Geschirr“ und einen guten G-Punkt-ähnlichen Dildo, der dann meist P-Punkt-Dildo heißt.

Bild: nach einem historischen Foto - Herkunft unbekannt

Oral

Der Musikproduzent Khaled Mohamed Khaled sorgte vor einiger Zeit für eine Internet-Aufregung (aka Shitstorm), als er in einem Interview Intimes verriet: Ja, er würde von einer Frau Oralverkehr verlangen, aber er würde einer einer Frau auf keinen Fall Oralverkehr schenken.

Da sind wir also mal wieder bei „Oral“. Also dem, was angeblich keine Frau tut, es sei denn, sie täte es, und wovon nahezu jede Frau träumt. „Bekommen oder geben“ ist eine der Fragen – aber nicht die Einzige.

Lüsterne Männer lieben "französisch natur"

Mindestens seit den „Großstadtweibern“ oder „Sex in the City“ ist ja klar, dass es manche Frauen tun – so ganz selbstverständlich, auch mal vor dem Aufstehen. Doch was tun sie eigentlich? „Going down on him“ ist die feine Version, „Blowjob“ der gebräuchlichere Ausdruck, und die gebildete Dame würde immer noch sagen: "Fellatio.“ Das steht für „Saugen“ was auch eher zutrifft als „Blasen“. Im Rotlicht-ABC finden wir abgestufte Varianten: „Ohne mit Aufnahme“ ist die krasseste, „französisch Natur“ die etwas vornehmere. Und genau das das soll die Freundin, Geliebte oder Ehefrau tun. Ohne Lümmeltüte und mit Schlucken.

Das also tut sie an ihm, wenn er lieb ist, nett duftet und sich brav bedankt.

Die andere Seite - wer tut es an "ihr"?

Das ist aber nur die eine Seite. Die andere heißt mit ihrem edelsten Ausdruck „Cunnilingus“, und das gebräuchlichste Wort im Deutschen dafür ist „lecken“. Neuerdings sagt man im englischen Jargon auch „Going down on her“, oder – wie ich finde, sehr amüsant: „Dining at the Y“, also „speisen am Y“ – wobei ihr euch wahrscheinlich denken könnt, wo sich das „Y“ befindet.

So und nun – das medizinische Risiko mal beiseitegelegt und nur auf die Lust bezogen - wäre natürlich die Frage, warum so viele Männer gar nicht daran denken, „ihr“ die Wonnen des Cunnilingus zu gönnen. Und wenn die geklärt ist: Wie viele Frauen verlangen danach, und wie viel schreckt allein der Gedanken ab, solches in der Realität zu fordern?

Fantasie und Realität - nicht alle Lippen locken

Jenseits der Realität hockt schamvoll die Fantasie. Fellatio geben und (nicht unbedingt zeitgleich) Cunnilingus zu empfangen ist der Traum von nahezu 80 Prozent der Frauen. Etwas weniger träumen davon, Fellatio zu vollziehen, und etwa ein Drittel der Frauen würde auch Cunnilingus geben. Diese Zahlen korrespondieren auffällig mit der Fantasie lesbischer Beziehungen.

Und die Männer? Nachdem klar ist, dass sie generell vom Oralverkehr angetan sind, wünschen sich beachtliche 78 Prozent, die Zunge am „Y“ einzusetzen. Und trotz des bekannten Widerstands der Männer, einem anderen Mann Fellatio zu geben, träumen immerhin noch 27 Prozent davon – bei nur 20 Prozent virtueller Bereitschaft, auf der anderen Seite des Zauns zu grasen.

Die Differenz zwischen „tatsächlich“ vollzogenem Cunnilingus und seiner erträumten Variante ist enorm. Zwar gibt es dafür keine verlässlichen Zahlen, aber die Faustregel sagt aus: Wovon am meisten fantasiert wird, das wird am meisten entbehrt.
Neben dem Oralverkehr steht übrigens auch der Handverkehr höher im Kurs, als die meisten gedacht hätten.

Das historische Internat als Schule der Begierden

Zwei Frauen mögen einander ...
Das historische Internat als Schule der Begierden - eine späte Betrachtung der Fakten und Meinungen, die über
gleichgeschlechtliche Liebe unter Frauen in Internaten der Jahrhundertwende bekannt wurden.


Nicht nur Schriftsteller, auch Zeitzeugen, unter ihnen „höhere Töchter“ und andere Absolventen von Mädchenpensionaten, aber auch Psychiater, schrieben mal offen, mal etwas verblümt über die brodelnden sexuellen Begierden in den Internaten zwischen dem Victorianschen Zeitalter und den frühen 1930er Jahren. Es mag sein, dass entsprechende Aktivitäten und Umstände auch später noch auftraten - aber dann unter anderen Gesichtspunkten.

Eine der bekanntesten und freizügigen Schriftstellerinnen jener Zeit, Franziska Gräfin zu Reventlow, eine Zeitzeugin des ausgehenden 19. Jahrhunderts, schreibt durchaus aus eigener Anschauung (1):

Das moderne junge Mädchen ist fast durch die Bank demi-vierge, wenn es die Schule verlässt. Es ist auch kaum anders möglich bei der starken Betonung des Sexuellen (… ) in Schule und Pension wird die Neugier geweckt und gesteigert …“


Wesentlich genauer sagt es eine Zeitzeugin der viktorianischen Ära, die möglicherweise auch heute noch schockierend wirkt (Pseudonym Mary, 1870).(2):

Als ich zwölf Jahre alt war, wurde ich in ein … Internat für junge Damen geschickt. Mit vierzehn Jahren habe ich mir angewöhnt, mich selbst zu missbrauchen, und zwar durch die Lehren meiner Mitbewohnerin, die einige Jahre älter ist als ich.

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Petting – Begleiter der Jugend in den 1920er und 1960er Jahren

Alles, nur kein "echter" Sex?
Petting – die verschwiegene Lust der Jugend - zweiter Teil: Petting als Kulturphänomen

Petting – ein Kulturphänomen

Zwei Mal in der Geschichte des 20. Jahrhunderts wird „Petting“ zum Thema. Einmal im Zusammenhang mit den „Flappers“ der 1920 Jahre, die man damals in den USA als selbstbewusste junge Frauen ansah. Sie trugen kurze Röcke, hörten Jazz und führten ein Leben nach eigenen Vorstellungen. Die Presse griff dieses Thema begierig auf und lancierte Meldungen über geheime Partys, bei denen sich diese Frauen in frivoler Weise jungen Männern preisgaben. (1). Oder weniger spektakulär:

Petting Partys erlaubten jungen Menschen, mit der Sexualität zu experimentieren, wobei sich sich eigene Grenzen setzten. Die Clique, zu der sie gehörten, ermutigte diese jungen Leute sowohl zu Experimenten, wie sie auch die Grenzen kontrollierte.


Das ist schön erdacht, doch war es in der Praxis wahrscheinlich eher so, dass die jungen Frauen die Grenzen nach eigenem Gutdünken festlegten. Es war die große Zeit der „Halbjungfrauen“, also solcher Frauen, die sexuelle Kontakte zuließen, solange sie nicht in „echtem“ Geschlechtsverkehr endeten.
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Petting – die verschwiegene Lust der Jugend

Wie sinnlich war es wirklich?
Petting – die verschwiegene Lust der Jugend - erster Teil: was ist eigentlich Petting wirklich?

Warum sollte ein Jüngling die Genitalien eines Mägdeleins berühren? Oder warum sollte die Maid ihrerseits daran interessiert sein, seine hervortretende Lustbeule zu streicheln? Und was war (oder ist) eigentlich „Petting“?

Das Internet, ansonsten als Alleswisser bekannt, übt sich im betretenen Schweigen. Nicht aus moralischen Gründen – sondern weil das Leben der jungen Menschen zwischen Kriegsende und Anfang 1970 zu den Null-Informations-Zonen gehört. Die „Bravo“ als Informationsquelle für die erotisch interessierte Jugend gab es zwar schon seit 1957. Aber erst gegen 1969 wurde sie zum meistgelesenen Medium für sexuelle Fragen. Wir erinnern uns: Da war „Dr. Sommer“, der zwar nicht Sommer hieß, aber tatsächlich Arzt und Psychotherapeut war. Und der redete für die damalige Zeit „richtig Tacheles“ und verwendete dabei so „obszöne“ Ausdrücke wie „Glied“ und „Scheide“.

Und Petting? Warum gab es das? Wie funktionierte das eigentlich? Wer machte das? In welchem Alter tat man das? Und ... was fühlten die jungen Frauen und Männer dabei?

Was passiert eigentlich beim „Petting?

Beginnen wir einmal damit, was „Petting“ eigentlich ist. Recht ungenau wird dies oftmals so formuliert:

(Unter Petting verstehen wir) … jede Form der sexuellen Stimulierung unterhalb des Kopfes, die nicht zum Koitus führt.


Wer es etwas genauer wissen wollte, musste schon nachfragen. Zum Beispiel bei bei Michael George Schofield, der 1965 sein Buch „Das Sexualverhalten junger Leute“ veröffentlichte (1). Er hat recht genau untersucht, in welchem Alter welche Form von „Petting“ ihre Höhepunkte fand und wie viele junge Frauen davon prozentual betroffen waren. Zusammengefasst und mit anderen Forschern verglichen, kommt dabei ein sehr sprechendes Zeitzeugnis heraus.
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