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Kann man sich darüber freuen, geschlagen zu werden?

Etiketten sind schnell aufgelebt: Wer sich daran freut, von einem anderen geschlagen zu werden, ist entweder meschugge oder selbstzerstörerisch veranlagt oder schmerzgeil. Na ja – oder eben ein Masochist. Der olle Besserwisser Richard Fridolin Joseph Freiherr Krafft von Festenberg auf Frohnberg, dem heute noch alle Ehren seines Standes gewährt werden, hat das Etikett erfunden. Mal was zum Amüsieren? Ach, Wikipedia, wie säuselst du so süß:

Er war zeitlebens ein liebevoller, besorgter Gatte und Vater für seine Familie, war mehrerer Sprachen kundig und fand oft Erholung vom Beruf im Klavierspiel.


Wie niedlich, nicht wahr? Und so ganz nebenbei hasste er noch den Freigeist Leopold Ritter von Sacher-Masoch, und zwar so sehr, dass er die Schmerzlust sogleich als „Masochismus“ brandmarkte und Sacher-Masoch damit zu erniedrigen versuchte.

So also kam der Masochismus in die Welt … und manche andere Theorie, über die der moderne, emanzipierte und liberale Mensch nur den Kopf schütteln kann.

Was vom "liebevollen Klavierspieler" nachwirkte, war vor allem die Definition: Masochismus – und weil das Wort so schön gelehrt klingt, ist es auch gleich in mehrere Kombinationen eingegangen: den Sadomasochismus und in das daraus abgeleitete Unwort „Sadomaso“. Die Theorie dahinter: Wer an Schmerz Lust hat, muss zwangsläufig auch die Lust verspüren, anderen Schmerzen zuzufügen, also parallel auch ein Sadist zu sein. Und das ist dann eben ein Sadomasochist, oder für Illustrierten- und Boulevardblattleser: Sadomaso.

Der besorgte Bürger, der besorgte Gatte und die Etiketten für Abweichler

Sehen Sie – und das ist eben jedem Mann, der ein „liebevoller, besorgter Gatte“ ist, ein Gräuel, und jeder liebevollen, besorgten Gattin ebenso. Und den „besorgten Bürgern“ natürlich auch.

Kein leuchtendes Bespiel, aber ein Beispiel der Lust
Der heutige Mensch etikettiert alles, und man kann sagen: Hast du ein Etikett, bist du das, was draufsteht. Sogar, wer nicht abweicht, muss sich etikettieren lassen. Vor 100 Jahren noch hätte man sich darüber amüsiert, falls sich jemand als „heterosexuell“ definiert, heute verdächtigt man Personen, die sich nicht ausdrücklich dazu bekenne, als „möglicherweise lesbisch/homosexuell“. Nicht etwa vor 50 Jahren, sondern aktuell.

Und so ist es auch mit „Sadomasochistisch“ oder „Masochistisch“. Die Psychiater und Psychologen, die sich damit wichtig gemacht haben, geben vor, den Menschen geholfen zu haben, von dem Stigma der „Perversionen“ loszukommen. Doch stattdessen trugen sie danach den Stempel der „Kranken“ oder sagen wir mal: der „sexuell Gestörten“.

Nun möchte niemand mit jemandem leben, der sich in Extreme hineinsteigert, der an sich selbst leidet oder der Freude daran hat, anderen ein Leid anzutun. Wer sich selbst über alle Maßen gefährdet, gleich, ob Extremsportler oder „Masochist“, muss mindestens davor gewarnt, besser noch davor bewahrt werden.

Die süße Lust braucht kein Etikett

Doch bei den meisten Menschen, die sich daran ergötzen, Rock oder Hose herunterzulassen, um sich der süßen Lust von Handschlägen (oder auch mehr) hinzugeben, sind keine „Masochisten“, sondern einfach sinnliche Liebhaber der Kombination von Lust und Schmerz. Es ist eine bittersüße Erfahrung, in der Imagination, Realität und das Verhältnis der Personen zueinander eine merkwürdige Melange eingehen – ähnlich wie beim Sex, nur dass sich das Spiel mit der Lust am Schmerz viel ausgiebiger fortsetzen lässt. Personen, die häufiger und aus purer Lust Sex mit Fremden haben, sind ja oft enttäuscht, weil die kurze Lust, die sie dabei empfinden, den Frust der Umstände nicht aufwiegt. Da, so meinen jedenfalls die Freunde sinnlicher Schläge, würden sie doch wesentlich zufriedener sein, zumal sie die „Echo-Effekte“ gerne nutzen, um die Szenen noch einmal zu erleben, wenn sie längst vorüber sind.

Ob Frau oder Mann – wer sich an der Lust sinnlicher Schläge erfreut, soll dies tun, und wer sie verachtet, soll es eben bleiben lassen.

Bild: historische Illustration

Katzenliebhaber sind angeblich schmerzgeiler

Behaltet euer Katze, bezweifelt eure Presse
Katzenliebhaber sollen angeblich schmerzgeiler sein als andere Menschen. Das ist zwar nicht objektiv beweisbar, wird aber in vielen Studien dennoch in ähnlicher Form behauptet und angeblich "bewiesen." Klar – wo eine Wissenschaft ist, ist auch ein Weg.

So wollen Jaroslav Flegr und Radim Kuba abermals ermittelt haben, was sie schon in vorausgegangenen Studien in ähnlicher Weise herausgefundene haben wollen, nämlich dass mit Toxoplasma infizierte Menschen sich häufiger von Fesselungsspielen (Bondage) und sexueller Gewalt hingezogen fühlen. Männer sollen demnach sogar einerseits zum Masochismus und andererseits zu Vergewaltigungen neigen.

Wie bei Forschern üblich, schränken sie ihre „unglaublich aufschlussreichen“ Forschungen am Ende ein.

Es muss betont werden, dass Toxoplasmose-Infektionen nur einen kleinen Teil der verschiedenartigen Varianten von BDSM-Merkmalen erklären.


Die Krankheit, die für Menschen meist unbemerkt verläuft, wird direkt durch Katzenkot übertragen, aber auch durch ahrunsgmittel. Sie könnte eventuell (aber just das ist eben unbewiesen) das menschliche Verhalten beeinflussen. Allerdings wurde dies bisher nur bei Ratten und Mäusen bewiesen, die von Natur aus eine angeborene Aversion vor dem Geruch von Katzen haben. Bei infizierte Nagern soll diese Schutzfunktion angeblich ausgehebelt werden.

Die sogenannte „Durchseuchung“ soll in Deutschland extrem hoch sein und bei mehr als 50 Prozent liegen. Der Besitz einer Hauskatze ist allerdings nicht die einzige Möglichkeit, sich zu infizieren, wie Gesundheitsratgeber berichten.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Toxoplasmose für ansonsten unerklärbare Phänomene verantwortlich gemacht wird. So will eine dänische Studie „bewiesen“ haben, dass bei Müttern, die an Toxoplasmose leiden, das Suizidrisiko erheblich höher ist als bei Müttern, die niemals von der Krankheit befallen wurden. Auch an der Bedeutung dieser Studie gab es erhebliche Zweifel.

Dominante Frau sein oder lustvolle Sklavenhalterin?

Schicke Vorstellung, schwierige Realität
Zwischen einem unterwürfigen Mann und einem Sklaven besteht ein großer Unterschied, wie schon der berühmte Sacher-Masoch feststellen musste. Aber es ist eben auch ein großer Unterschied zwischen einer ganz gewöhnlichen dominanten Frau und einer Sklavenhalterin. Ich bezweifle, ob du beliebig zwischen dem Einen und dem Anderen wechseln kannst, wenn du in einer Beziehung lebst oder mit einem leicht unterwürfigen Mann verheiratet bist.

Ich denke, der Unterschied besteht darin, einen Mann ernsthaft einzuschüchtern und ihm seinen Platz zuzuweisen. Und das alles muss ein Spiel bleiben, finde ich. Aber stimmt das wirklich? Und geht das eigentlich?

Nimm mal an, dein Mann hat wirklich die Fantasie, sich von dir für einige Zeit versklaven zu lassen. Ich sage „für einige Zeit“, weil’s ja ein Spiel blieben soll. Sonst könnte es eure Beziehung zerstören, und das ist ja nicht das Ziel, oder?

Fantasien sind schillernd, doch Schläge schmerzen

Selbst, wenn er zustimmt, sind seine Augen vielleicht größer als sein Magen. Damit will ich sagen, dass er sich die Haltung als Sklave hübsch zusammenfantasieren mag, die Realität dann aber … nun ja, sehr überraschend für ihn sein kann. Das gleich gilt auch für dich selbst, wenn du deine Dominanz damit krönen willst, dass du deinen Mann in „strenger Zucht“ hältst.

Körperliche Züchtigung kann auch in der Liebe Wunden erzeugen

„Sklaven“ im erotischen Spiel müssen und wollen, wie du schon bei Sacher-Masoch nachlesen kannst, körperlich gezüchtigt werden. Doch die Reaktion auf die ersten heftigen Hiebe mit echtem Schmerz können sowohl ihn wie auch dich davon abhalten, das Spiel noch irgendwie weiterzutreiben. Schließlich ist er meistens kein „geborener“ Masochist und Schmerliebhaber, und du bist keine geborene Sadistin.

Wie du mit der neuen Realität zurechtkommen kannst, wenn du doch weitermachen willst oder er dich beständig darum bittet?

Eine Freundin will wissen, dass du mit kurzen, aber intensiven Phasen beginnen solltest. Na ja, und um in meinem Beispiel zu bleiben: Der Appetit kommt dann beim Essen. Und schließlich wird dein Freund, Geliebter, Verlobter oder Ehemann immer mehr davon verlangen, meint jedenfalls meine Freundin.

Ob du’s wirklich willst? Ob er es wirklich will? Alles, was ihr zusammen tut, soll ja vor allem Lust machen.

Was passiert eigentlich, wenn es der Partner nicht wirklich will?

Ich finde auch, dass es noch schwieriger wird, wenn nur einer von euch beiden die Lust spürt und den anderen damit nervt, nun endlich mal eine S/M-Beziehung zu haben. Das Schlimme an solchen Sachen ist ja immer, dass sich die Beziehung dadurch radikal verändern kann – vielleicht bist du am Ende nicht mehr das, was du vorher warst – und vielleicht verändert er sich so, dass du Angst bekommst. Und schließlich kann sich eure Beziehung in eine Richtung veränder, die ihr SO nie geplant hattet.

Na, was meint ihr? Was wirklich zählt, ist doch, wie ihr euch fühlt, oder nicht?

Kann eine dominante Frau wirklich sadistisch sein?

Gute Schauspielerin oder echte Sadistin?
Kann eine dominante Frau wirklich sadistisch sein?

Sadistische Neigungen oder konsequente Methoden zur Disziplinierung sind nicht zu verwechseln mit echtem Sadismus. Und ob professionelle „Dominas“ wirklich eine „sadistische“ Veranlagung haben oder einfach nur emotionslose und kaltschnäuzige Dienstleister sind, die ihren Job tun – wer will es schon wissen? Sie sind: Dienstleisterinnen für Illusionen, die den meisten Menschen ziemlich „krank“ zu sein scheinen, die aber von den Klienten als durchaus als erotisch empfunden werden.

Was wir herausfinden konnten: Professionelle Domina-Frauen, die emotional überleben wollen, suchen sich einen Ausgleich (zum Beispiel einen ziemlich gewöhnlichen Freud, jedenfalls aber einen, der nicht masochistisch ist). Es kann auch eine liebevolle Freundin sein. Dies würde dafür sprechen, dass Dominas nicht von Natur „sadistisch“ veranlagt sind.

Viele Dominas äußern sich ausgesprochen plakativ auf ihren Webseiten, zum Beispiel, dass sie über alle Grenzen hinausgehen würden und die Herren so lange schinden, bis sie ihre eigenen Vorstellungen durchgesetzt hätten - sogar in "Überzeit".. Das halte ich für unwahrscheinlich. Warum sollte sich eine Domina länger mit einem Kunden beschäftigen, als er dafür bezahlt?

Wir wissen aus vielen Schilderungen, dass es Männer gibt, die extremen Schmerzen und Erniedrigungen ausgesetzt werden wollen, ohne wirklich „echte“ Masochisten zu sein. Doch auch sie würden bei einer „echten“ Sadistin“ kaum auf ihre Kosten kommen. Und die „Sadistin“ selbst? Hat sie Freude am Sadismus, wenn sie doch nur eine Episode im Leben der Männer darstellt, einem Callgirl nicht unähnlich?

Oder müssen Dominas im Internet einfach behaupten, „Sadistinnen“ zu sein, weil dies zu den Illusionen gehört, die sie verkaufen? Schließlich arbeiten sie in einer Branche, in der die Illusionen weitaus mehr zählen als die Tatsachen.

Soweit der Teil, den wir in Webauftritten sehen. Daneben gibt es Paare, in die in DS-Beziehungen leben - also äußerlich meist ganz normalen Ehen mit bürgerlichem Anstrich, die innen von weiblicher Dominanz und Unterwerfung geprägt sind. Zumeist gehören die Paare zur sogenannten „Szene“, einige aber auch nicht. Es ist schwer vorstellbar, dass Frauen in solchen Beziehungen wirklich sadistisch sind.

Was meint ihr?

Ich als übrigens zuletzt: „The Story of Control“. Eine hübsche Lebens- und Liebesgeschichte. Und ein ziemlich realistisches und differenziertes Bild von einer Frau, die ihr Leben abseits der Gesellschaft lebt, aber immer und überall selbstbewusst und kontrolliert handelt.

Allein aus Lust ein bisschen pervers?

Die Füße küssen - Machtspiel, pure Lust oder Perversion?

Manchmal juckt es mich, ein Thema wieder aufzugreifen. Zum Beispiel, dass erotische Spiele manchmal etwas mit Macht und Ohnmacht zu tun haben. Und ob das nun wirklich "pervers" ist.

Wer macht da sofort dicke Backen? Meistens die Leute, die nicht wissen, was was Macht ist und wie man mit ihr spielerisch umgehen kann. Nie versucht, mit Körpereinsatz ein bisschen mehr zu kriegen als andere? Nö? Auch nicht den Gedanken daran verschwendet? Immer schön brav gewesen und alles durch Leistung bekommen?

Wie schön für euch. Ich kenn’ jemanden, der eigentlich immer schön brav war und trotzdem mal ein Geschäft im Bett abgeschlossen hat. Die Frau schämt sich nicht mal dafür. Alles ganz normal. Und ich denke, jeder von euch kennt eine, die immer alles von den Kerlen bekommt. Mal was umsonst, mal was billiger, und mal was, was du nirgendwo bekommst. Wenn du sie fragst, dann finden sie das ganz normal. Ich hab wirklich mal eine Freundin gefragt, ob die Kerle nicht vielleicht doch ein Bonbon kriegen, wenn sie Regale anbringen, Wohnungen renovieren oder einen Umzugswagen organisieren. Meine Freundin hat nur gelacht: „Klar hoffen die darauf, aber sie kriegen nichts. Trotzdem machen sie’s das nächste Mal wieder.“

Womit mal wieder klar wäre, dass die Kerle ein bisschen pervers sind. Reine Masochisten, wenn ihr mich fragt. Wobei ich mal wieder bei den Masochisten bin. Die sind ja, wie mir gerade jemand schrieb, psychische Krüppel. Ist bloß komisch, dass manche davon in Führungspositionen der Wirtschaft sitzen. Sogar bekannte Künstler sollen darunter sein. Und natürlich auch ein paar Spinner.

Klar kann man darüber streiten, wer perverser ist – jemand, der sich die Zehen lecken lässt oder jemand, der sie leckt. Ich finde nur, dass es den Leuten doch nun wirklich wurscht sein kann, um sich jemand die Zehen lecken, lässt oder einen Kurs für spirituelle Erleuchtung besucht. Oder ist es etwa nicht pervers, sich einem Guru zu unterwerfen?