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Kerle scharf machen

Die Macht über den psychisch gebrochenen Mann
Ein Teil der Frauen ist der Meinung, mit der Liebe niemals spielerisch umgehen zu dürfen. Sie betonen, wie ehrlich und aufrichtig sie sind und dass sie ausschließlich „echte“ Gefühle verspüren und übermitteln.

Ein anderer Teil setzt bewusst die Elemente des intensiven Flirts ein und heizt die Männer so weit auf, dass sie „echt scharf werden“, ohne dass sie selbst in der gleichen Stimmung sind. Sie sagen, es sei ein Genuss für sie, die Männer im Zustand höchster Erregung zu sehen, auch wenn ihrerseits keinerlei Absicht besteht, mit ihnen eine Beziehung irgendwelcher Art einzugehen. Sie genießen einfach die Macht, die sie auf diese Weise erlangen können.

Die "Halbjungfern" sollen das Spiel erfunden haben

Machtspiele dieser Art nenn man „Tease and Denial“, also „Reizen und Verweigern.“ Das System ist uralt – es wurde im 19. Jahrhundert von zahllosen jungen Frauen benutzt, um sich einerseits quasi-sexuelle Vergnügungen zu gönnen und andererseits physisch jungfräulich zu bleiben. Die Frauen, die auf diese Weise wollüstige Gefühle in den Männern erzeugten, hießen folgerichtig „Halbjungfrauen“.

Die Fähigkeit, „Kerle scharfzumachen“ ist inzwischen verpönt – eine „anständige“, intelligente und emanzipierte Frau aus der Mittelschicht wird sich kaum noch die Mühe machen, das Spiel zu erlernen und auszuführen.

Die Kerle scharf machen und wimmern lassen?

Anders sieht es bei den Frauen aus, die sich darauf spezialisiert haben, die Psyche von Nadelstreifenträgern aus dem Gleichgewicht zu bringen. Und anders als Tischdamen oder Stripperinnen geht es ihnen nicht nur um das Geld, das dabei in ihre Taschen oder Slips wandert. Sie wollen vielmehr die Macht über dem Mann genießen. Erst, wenn seine Selbstsicherheit gebrochen ist und er Dinge tut, für sich jeder Mann schämen würde, falls sie jemals an die Öffentlichkeit geraten sollten. Dass es dabei auch um Geld („Tribut“) geht, steht allerdings außer Zweifel.

Ich fand dazu eine Stellungnahme, die ich leicht verändert hier wiedergebe:

Die Kerle scharfzumachen ist die Grundlage meiner Sexualität. Was mich wirklich anmacht, ist der Ausdruck ihres Lechzens und ihrer Verzweiflung, wenn sie darauf warten, endlich zu bekommen, wonach sie gieren. Nach und nach bröckelt die Fassade, die sie mir zu Anfang noch zeigen wollen. Und am Ende verschwindet ihre Würde völlig in ihrem Betteln – und aus ist es mit der zur Schau getragenen Selbstsicherheit. Und wenn es soweit ist, dann habe ich die Macht über sie – das ist für mich die Krönungen meiner Lust.
Für diese Handlungen besteht offensichtlich ein Markt. Wie es heißt, sei das Bedürfnis, durch Hiebe zu leiden, unter masochistisch veranlagten Männern nicht mehr so verbreitet wie etwa im 19. Jahrhundert oder gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Stattdessen, so wird berichtet, sei die mentale Demütigung eine Art Modetrend der Branche.

Illustration: Aus einem in Frankreich erschienen Buch, 1933, Anonym, Teilansicht

Cuckolding – was es ist und warum es Paare tun

Gehörnte Ehemänner - glücklich im sinnlichen Leid?
„Cuckolding“ ist ein von Mythen geschmücktes, weitgehend kommerziell und pornografisch ausgeschmücktes Thema, das zumeist in eine Parallelwelt führt. Die Beschreibung ist relativ einfach::

- Cuckolding basiert darauf, dass die ständige Partnerin, mit einem Dritten vor den Augen ihres Partners mit einem anderen Mann kopuliert, ohne dass sich dieser beteiligen darf.


Das Wort kommt von einem berühmten Vogel, dem Kuckuck, dessen Weibchen ihre Eier in fremde Nester legt. Im Deutschen würde es am besten dem Begriff „Hörner aufsetzen“ entsprechen – in diesem Fall in Anwesenheit des Partners.

Scharf hinsehen - die Wahrheit ist scher erkennbar

Man muss dabei zwischen Fiktion, Pornografie, Sektiereransichten, erotischen Wünschen und gelebten Realitäten trennen. In der Erlebnis- und Fantasiewelt der „gewöhnlichen“ Paare gibt es weder ein „Hotwife“ noch einen „Cuck“ oder einen „Bull“ wie die Slang-Ausdrücke heißen. Auch die Psychologie glaubt eine Erklärung gefunden zu haben und nennt den Wunsch nach „Cuckolding“ für eine masochistische Regung des Mannes, in diesem Fall die Lust daran, entwürdigt zu werden. Überhaupt wurden allerlei abenteuerliche und klischeehafte Erklärungen in Zeitungsartikel verwendet, beispielsweise „die Spermienkonkurrenz“. All diese Absonderlichkeiten scheinen aus einer einzigen Quelle zu stammen, die Frauenzeitschriften gegen Ende 2018 anzapften.

Diskussion um Cuckolding - Trend oder Presse-Rummel um einen Begriff?

Inwieweit Frauen und Männer tatsächlich solche Vorstellungen haben, ist unsicher – der Wunsch, Paaren beim Sex zuzusehen, ist aber ebenso verbreitet, wie der Traum, lustvoll gedemütigt zu werden.

Gegen das lustvolle Zusehen spricht die Angst des Mannes, der Partner könne mit dem „Dritten“ zufriedener sein als mit ihm selbst, und Elemente der Eifersucht spielen dabei ebenso mit. Tatsächlich wird „Cuckolding“ daher selten in die Praxis umgesetzt, so wie nahezu alle erotischen Wünsche, die mit Verlustängsten oder extremer Beschämung verbunden sind.

Weil das „Zusehen ohne Eifersucht“ im Swingerkreisen sehr verbreitet ist, und die Eifersucht dort durch den Wechsel der Sexpartner ohnehin abgestumpft ist, wird in diesen Kreisen tatsächlich auch Cuckolding betrieben. Ebenso verdächtigt wird die SM-Szene wegen des Verdachts, dass dort die Spezialisten für „lustvolle Entwürdigungen“ beheimatet sind.

Cuckolding und „Vanille-Paare“

Im Gegensatz zur „landläufigen“ Meinung, der Mann, würde sich danach sehnen, von seiner Partnerin solcher Weise „dominiert und erniedrigt zu werden“ ist das „Cuckolding“ für Vanille-Paare eher ein Versuch, „Lust an der Eifersucht“ zu gewinnen und dabei sexuell erregt zu werden. Als emotionaler Gewinner gilt dabei der Partner, der passiv ist, als Verlierer steht meist von vornherein der Dritte fest, der nur „Mittel zum Zweck“ ist. In welcher Weise der Wunsch „von der Frau ausgeht“, wie in einer inzwischen zurückgezogenen „Studie“ behauptet wird, ist zweifelhaft. Insgesamt sind bei gewöhnlichen "Vanille-Paaren" die geheimen Fantasien ausgeprägter als der Wunsch, sie tatsächlich auszuführen.

Andere Varianten - Cuckolding ist nicht nur das, was so heißt

Cuckolding als Grundform ist nicht auf eine bestimmte Situation beschränkt – das Etikett täuscht. Aus ähnlichen Gründen wie zuvor erwähnt, kann die ständige Partnerin „passiv“ sein, während sich der Mann mit einer Fremden vergnügt, und nicht immer muss es sich um heterosexuelle Kontakte handeln.

Bei gewöhnlichen Dreiern gibt es ähnliche Situationen, in denen ein Partner „passiv“ bleibt und die Rolle des Voyeurs oder der Voyeuse annimmt.

Schließlich entstehen ähnliche Situationen auch beim sogenannten „Partnertausch“ oder während einer Swinger-Party.

Fantasie, Pornografie, Literatur

In der modernen, visuellen Pornografie werden Klischees verwendet. Bei Cuckold-Themen ist die Frau sexuell hyperaktiv und meist hinterhältig, der Mann schwach, dickbäuchig, verweichlicht und meinen einem kleinen Penis ausgestattet, während der Gast eine sportive, schlanke, „gut bestückte“ Figur hergibt.

In der Vergangenheit bot die Literatur Auswege aus dem Dilemma der Klischees: Einst lag der Partner (die Partnerin) unter dem Bett, lauschte oder sah aus einer geheimen Öffnung oder einem verdeckten Spiegel zu, wie der Partner oder die Partnerin „fremdging“. Heute könnte sie vor einem Monitor sitzen, während der Raum aus mehreren Winkeln von Kameras überwacht wird.

Fazit - Cuckold - überreizt, aber dennoch unvollständig

In der Fantasie ist Erotik normalerweise begeisternder als in der Realität. Das gilt vor allem für Situationen, vor denen sich Menschen zugleich fürchten und über die sie dennoch stark fantasieren. Neidlos und emotional unbewegt anzuerkennen, dass die/der Fremde dem Partner / der Partnerin lustvollere oder intensivere Lüste bereitet als man selbst es vermag, ist sicher schwierig – und „gewöhnliche Paare“ meiden daher eher Cuckold-Spiele, als dass sie die forcieren. Ganz zum Schluss wäre noch zu sagen, dass alle Thesen und Antithesen über Cuckolding ausschließlich von Männern vorgebracht wurden. Ob und welche Wünsche Frauen haben, ihren Männer beim Masturbieren oder Kopulieren mit anderen zuzusehen, ist weitgehend literarisches Ödland.

Bild "Fellow Sufferers" von 1799, englischen Ursprungs

Der erotische Sadismus – kaum Tatsachen, viele Spekulationen

Klischee einer Sadistin
Ob Sporttrainerin, Tanzlehrerin oder Domina … etwas Sadismus steckt in vielen Menschen. Jedenfalls dann, wenn sie andere Menschen bis zu den Grenzen ihrer Leistungs- und Leidensfähigkeit treiben wollen.

Doch alle die Genannten haben sozusagen ein gutes Alibi: Sie dienen ja den anderen, um ihre ultimativen Grenzen zu erreichen. Sie sind sozusagen „Sadisten im Dienste der masochistischen Personen.

Die Puppen sollen nach Vertrag tanzen - das Klischee über Sadismus

Angebliche „echte“ erotische Sadisten hingegen wollen „die Puppen tanzen sehen“. Ihnen macht es Freude, Menschen zu etwas zu bewegen, was sie eben nicht tun würden, wenn sie nicht genötigt würden. Der Sadismus kann demnach darin bestehen, Menschen zu demütigen oder zu beschämen oder sie in ihrer Beweglichkeit zu hemmen (Fesseln). Sadisten können unsinnige Regelwerke vorschreiben (Kleidung, Arrest, Keuschhaltung, Mittelentzug, Zwangsfasten, Sklavenverträge) und die Körper ihrer Mitspieler beliebig sexuell nutzen. Oder sie nach Lust und Laune körperlich bestrafen. So jedenfalls die Klischees und ständig wiederholten Behauptungen aus einschlägigen und weniger einschlägigen Publikationen und Romanen. Ihr Wahrheitsgehalt ist so gut wie gar nicht recherchierbar, weil nahezu alle einschlägigen Werke zum Thema von Frauen verfasst worden sind, die Dominanz gegen Geld anbieten. Man kann nicht behaupten, sie seinen repräsentativ für "echte Sadisten".

Sadisten und Sadistinnen aus der Sicht der Psychologie

Ob sie daraus unmittelbar sexuelle Erregung gewinnen, ist nicht verbürgt. Angeblich wollen viele nur erleben, inwieweit sich Menschen knechten oder quälen lassen, ohne ernstlichen Widerstand zu leisten. Die folgenden Meinungen sind Extrakte aus psychologischen Verlautbarungen.

Allgemeiner Sadismus

Der allgemeine (nicht zwangsläufig sexuelle) Sadismus zielt nach Meinung der Psychologie darauf ab, möglichst die absolute, in jedem Fall aber die partielle Herrschaft über einen anderen Menschen zu gewinnen. Darin legt also eher ein Glücksgefühl als eine erotische Komponente.

Sexueller Sadismus

Der sexuelle Sadismus wird, wie ebenfalls von Psychologen behauptet, als erregende Begleitung zum Geschlechtsverkehr angesehen – entweder zuvor, währenddessen oder aber auch danach. Viele Paare geben immerhin an, dass leichter Sadismus im Vorfeld zu den üblichen Praktiken ihres Liebeslebens gehört. Leichte Schläge und bestimmte Handlungen führen zumeist auch dann zur Erregung, wenn der Partner nicht „schmerzgeil“ ist. Ist er es es dennoch, so werden auch härteste Schläge eingesetzt, um ihn oder sie sexuell zu berauschen.

Sexueller Sadismus ohne Befriedigung

Als eine „Sonderform“ des sexuellen Sadismus gilt psychologisch gesehen die Qual und Erniedrigung ohne darauf folgenden Geschlechtsverkehr. Man kann sich das so vorstellen: Der Sadist oder die Sadistin quält ihren Gegenspieler so lange, bis er das Maximum an aufgeilendem Schmerz oder schmervoller Geilheit erlangt hat. Der Sadist/die Sadistin befriedigt sich später nicht an ihrem Gegenspieler und lässt sich von ihm/ihr auch nicht befriedigen. Der teilnehmende Masochist wird ebenfalls nicht befriedigt, sondern „darf“ sich später selbst befriedigen. Die Frage ist, ob dies eine Sonderform ist, da Geschlechtsverkehr nicht zwangsläufig zu SM-Spielen gehört. Dazu ein Zitat (Doccheck):

Eine Sonderform des sexuellen Sadismus und nach Eric Bornemann sogar eine zusätzliche Ausprägung, stellt der perverse oder kompensationsatorische Sadismus dar.
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Lust und Schläge – wie hängt das zusammen?

Eher augenzwinkernd: der Gentleman entblößt sein Gesäß, um die Rute zu empfangen
Fragst du „das Internet“, welche Empfindungen die Menschen haben, die sich nach körperlicher Züchtigung sehnen, so wirst du auf betretenes Schweigen stoßen. Zwar wurden im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen Vermutungen darüber angestellt, wie sich die Züchtigung in den Jugendjahren auf das Verhalten der späteren Erwachsenen auswirke. Aber wir wissen aus keiner zuverlässigen Quelle, wie die Betroffenen selbst ihre Züchtigungen empfanden – und warum sie sich manche von ihnen in späteren Jahren danach sehnten, die Erfahrung erneut zu machen.

Die hilflosen Erklärer - Psychiater und Psychologen

Sowohl die Psychiatrie wie auch die Psychologie haben Denkansätze zum Thema, sie sind aber nicht sonderlich schlüssig. Etwas reißerisch schildert zum Beispiel der forensische Psychiater Krafft-Ebing, wie viele Menschen der Geschichte (und hier insbesondere Frauen) aus der Züchtigung Wollust empfingen.

Der im 19. Jahrhundert lebende Schriftsteller Otto von Corvin befasste sich intensiver mit den Geißlern und schrieb:

Elisabeth von Genton gerieth durch das Geißeln förmlich in bacchantische Wuth, was aber die Pfaffen heilige Verzückung nannten. Am meisten raste sie, wenn sie, durch ungewöhnliche Geißelung aufgeregt, mit Gott vereinigt zu sein glaubte, den sie sich als einen schönen nackten Mann und im beständigen Bräutigamstaumel mit seiner irdischen Geliebten dachte.


Geißler(innnen) lustvoll und Masochisten erbarmungswürdig?

Die Geißler sind die Einzigen, die sich zu ihren Handlungen bekannten, die zunächst als gottgefällige Buße galt. Doch schon sie erkannten, dass die Lust am geschlagen werden (passive Flagellation) offenbar eine Abweichung von normativen Verhalten war, und Krafft-Ebing meint selbstherrlich:

Der Geist der Unreinigkeit blies ihr (Elisabeth von Genton) die wollüstigsten und üppigsten Fantasien ein, sodass sie mehrmals nahe dran war, ihre Keuschheit zu verlieren.


Wenn einige der Geißler solche Gelüste hatten, müssten sie dann nicht schlechthin zum Menschsein gehören? Wenn der bereits zitierte Krafft-Ebing allerdings von seiner offenkundigen Faszination für historische Flagellantinnen wieder in sein Arbeitsgebiet abtaucht, sieht er die Flagellation plötzlich anderes: Nun stehen Männer im Mittelpunkt, die er nach dem von ihm gefundenen Begriff „Masochisten“ nennt. Uns sie handeln nicht aus Wollust, sondern:

(Für sie ist …) die Unterwerfung unter das Weib die Hauptsache, die Misshandlung nur ein Ausdrucksmittel für dieses Verhältnis und zwar eins der stärksten.


Träfe dies nicht zu, so Krafft-Ebing, dann suche der Mann nur eine „mechanisch vermittelte Reizung seines spinalen Zentrums.“

Diese Erklärung ist fragwürdig und widerspricht zudem den vorigen Behauptungen.

Schriftsteller suchen die Ursachen gerne in der Pubertät

Auslöser Pubertät?
Unsere Schriftsteller neigen dazu, eine andere Erklärung für die Lust an Schlägen zu geben – sie erfinden dazu Szenen, die sich während der Pubertät abgespielt haben. Zum Beispiel, indem der pubertierende Jüngling von einer schönen und sexuell ansprechenden Gouvernante auf das nackte Gesäß geschlagen wird und er dadurch eine Erektion bekommt. Entsprechende Handlungen sollen unter anderem dazu geführt haben, dass junge Männer (manchmal auch eine junge Frau) danach zu masturbieren begonnen hat – auf diese Weise, so wird behauptet, sei dann die Lust an den Schlägen entstanden.

Gibt es eine allgemeine Lust auf erotische Züchtigungen?

Das erträumte Szenario
Das mag in einzelnen Fällen zutreffen – sehr glaubwürdig ist aber auch dies nicht. Wir wissen nun ziemlich sicher, dass ein beachtlicher Anteil der Männer (29 Prozent) und ein ausgesprochen starker Anteil der Frauen (38 Prozent) davon träumt, erotisch gezüchtigt zu werden.

Warum die meisten davon nicht „zur Ausführung schreiten“ hat viele Gründe: Scham, Angst vor der Realität – und zumeist auch, einfach niemals mit einer Person in Berührung gekommen zu sein, die bereits Praxis in derartigen Verhaltensweisen hat.

Schmerzlust und schmerzliche Wollust überwiegen

Stellt man nun emotionslos und nach logischen Gesichtspunkten eine Reihe von Gründen auf, die zum Wunsch nach Züchtigung führen, so kann mit einigem Recht behauptet werden, dass die Lust nach wie vor die größte Rolle spielt.

1. Um die erotische Lust intensiver zu empfinden.
2. Als Vergeltung für Sünden, Fehlverhalten und dergleichen, die eigentlich niemals mehr gesühnt werden.
3. Um dem Partner zu beweisen, „wie viel man aushält“
4. Um den aufgespeicherten psychischen Schmerz eine andere Ausdrucksform zu geben (zum Beispiel das Hinausschreien).
5. Um einen Grund zu haben, sich „in Tränen aufzulösen“.

Unterwerfungsfantasien kontra Züchtigungsfantasien

Die Lust daran, dominiert zu werden (körperlich, physisch oder sexuell) und dabei Schläge zu empfangen, liegt bei submissiven weiblichen wie auch männlichen Träumern bei etwa 55 Prozent, wobei diese Zahlen rechnerisch ermittelt wurden und deshalb nicht völlig zuverlässig ist.

Trotz all dieser Forschungen, Zahlen oder Fakten haben wir alle keine Ahnung, was wirklich in jenen vorgeht, die sich „übers Knie legen“ lassen, um von einer sanften, aber kraftvollen Hand gezüchtigt zu werden. Und wir wissen auch nichts über jene, die sich auf Prügelböcken schnallen lassen und dabei bis zur psychischen Erschöpfung leiden und lüsten.

Es mögen wenige sein - doch wenn die Fantasie ein starkes Drittel der Frauen und ein ebenso starkes Viertel der Männer befällt, dann sollten wir diese Menschen nicht verachten, sondern ihre Lüste als das nehmen, was sie sind: menschliche Regungen, die wir nicht verstehen, aber akzeptieren müssen.

Bild oben: Grafik, genaue Herkunft unbekannt, "The Cully Flaug'd", 17. Jahrhundert.
Bild Mitte: Nach einer Buchillustration
Bild unten: Traumsequenz, Quelle unbekannt..

Welchen Preis zahlst du für die Liebe?

Das den Annehmer bewegende Gefühl ist der Schmerz. Die Erfahrung des Schmerzes als Preis für die Liebe, der er erhält, ist ihm vertraut. Er kann damit leben.

Daniel Casriel

Emotionen ausgelaugt ... keine gute Lösung
Liebe ist keine beliebig verfügbare Ressource. Das heißt: Es gibt nicht genügend Menschen, die Liebe im Überfluss verschenken können oder wollen. Hingegen gibt es einen riesigen Bedarf an Liebe, der vom Angebot nicht gedeckt werden kann.

Wie gehen die Menschen mit der Ressource „Liebe“ um?

Ganz grob können wir Menschen in zwei Kategorien enteilen:

Ablehner

Die Einen haben eine lange Zeit (mindestens in der Kindheit) Liebe erfahren, ohne etwas dafür tun zu müssen. Sie sind überrascht, wenn für die Liebe später ein Preis aufgerufen wird, und besinnen sich dann oft darauf, sich selbst lieben zu können, wenn es an der Liebe anderer mangelt.

Annehmer

Die Anderen mussten schon bald etwas leisten, um geliebt zu werden. Sie lernten: Liebe hat einen Preis, und es kann schmerzlich sein, ihn zu entrichten. Weigere ich mich aber, ihn zu bezahlen, geht es mir schlecht. Idealerweise müsste ich nun ökonomisch denken: für möglichst wenig Schmerz viel Liebe einzuhandeln.

Der zitierte Daniel Casriel nennt die eine Gruppe die „Ablehner“ die andere die „Annehmer“. Ein extremer „Ablehner“ wäre bereit, auf die Liebe anderer zu verzichten, um sich selbst und seien Ideen zu verwirklichen, gleich, ob man ihn dafür liebt oder nicht. Hingegen würde ein extremer „Annehmer“ jeden Verlust, jeden Schmerz und jede Erniedrigung hinnehmen, um auch nur ein wenig Liebe zu erhalten.

Die meisten Menschen liegen mit ihren Gefühlen nicht an den Extremen, sondern irgendwo im Mittelfeld, das heißt, sie kennen den Preis, den sie für die Liebe zu zahlen bereit sind, und sie können „damit gut leben“.

Liebe, was ist dein Preis?

Der übliche Preis für die Liebe ist der Verlust der völligen Freiheit, also „zu fühlen, zu denken und zu handeln, wie man selber will“. Typisch für die Ausgangslage wäre die Aussagen eines „ablehnenden“ Singles: „Ich kann tun was ich will, reisen, wohin ich will und schlafen, mit wem ich will.“ Bindet sich dieser Single, so sind diese Freiheiten erheblichen Einschränkungen unterworfen. Der „Annehmende Single“ würde sagen: „Ich verzichte gerne auf meine Freiheiten und tauschen dafür Liebe, Geborgenheit und Sinnhaftigkeit.“

Wenn der Preis für die Liebe zu hoch wird

Das alles wäre akzeptabel, wenn die Annehmer nicht mit gefühlssaugenden menschlichen Vampiren rechnen müssten. Jene wissen, dass manche liebebedürftige Menschen sozusagen „jeden Preis“ zahlen, sogar den, sich selbst emotional zu zu zerstören. Ob man solche Menschen, wie Casriel vorgibt, als „neurotisch“ oder „charaktergestört“ bezeichnen kann, ist eine Frage, die Psychiater und Psychologen unter sich klären sollten. Der Mensch, der liebt, kennt seine Bedürfnisse und Entbehrungen, seine Triebe, Lüste und Tränen, aber er handelt auf keinen Fall vernünftig. Der Preis für die Liebe ist zumeist dann zu hoch, wenn die eigene Selbstachtung dauerhaft verloren geht, die finanziellen Ressourcen aufgebraucht sind, der Körper nachhaltig geschädigt wird oder die sozialen Grundlagen wegbröckeln.

Geld, Emotionswährung und „Niedergang“ als Preis

Geld und Gut als Tauschmittel für die Liebe sind nicht gerne gesehen, was nicht heißt, dass es dennoch recht viele Menschen gibt, die sich auf solche „Deals“ einlassen. Zwar wird hier nur die Illusion der Liebe „verkauft“, aber sie wird in längeren Beziehungen oft so perfekt gespielt, dass wenigstens der „Käufer“ meint, echte Liebe zu erhalten.

Weniger verpönt ist die Liebe gegen Emotionswährung. Dabei versucht der Partner, Liebe zu geben und damit sein „psychisches Einkommen“, also seine emotionale Zufriedenheit, zu steigern. Erwünscht ist, einen Mehrwert zu erzielen: „Ich gebe Liebe – davon habe ich reichlich. Ich tausche dafür Glück und Zufriedenheit, davon habe ich nicht genug.“ Der Mehrwert kann auch in Macht, Einfluss oder einer besseren sozialen Stellung bestehen.

Die wirklichen Gefahren und dreckigen Methoden

Obgleich beide Methoden als „unethisch“ gelten mögen, sind sie immer noch gefahrloser als „Liebe gegen Seelenausverkauf“. Bei dieser Variante erlaubt die/der Liebessehnsüchtige, dass ihre/seine Emotionen bis zur Neige, möglicherweise gar bis zum Wahnsinn erschöpft werden. Abgemildert könnet man sagen: Dabei wird der letzte Cent an Emotionswährung verschenkt, ohne einen einzigen Penny an Glück zu gewinnen.

Was bedeutet Sadismus und Masochismus in diesem Fall?

Ablehner sind keine typischen Sadisten – sie haben es nicht nötig, denn sie genügen sich selbst. Und obwohl „Annehmer“ keine „geborenen“ Masochisten sind, können sie offenbar leicht in solche verwandelt werden. Die Gefahr geht davon aus, durch die Liebe, die ja bereits eine Abhängigkeit ist, in weitere Abhängigkeiten hineingetrieben zu werden. Geschieht dies mithilfe der bekannten „Salamitaktik“, so können die Betroffenen am Ende nicht einmal mehr feststellen, wann die „totale Unterwerfung“ stattfand. Der fließende Übergang ermöglicht dem böswilligen Partner, den Annehmer emotional auszubluten.

Das Fazit - der Preis der Liebe

Liebe hat einen Preis, aber kein Etikett, von dem er ablesbar ist. Er wird normalerweise in der Aufgabe gewisser Freiheiten bezahlt. Je größer das Liebesbedürfnis ist, und umso schwerer es erfüllbar ist, umso mehr steigt der Preis.

Seit einigen Jahren ist üblich, das „psychische Einkommen“ mithilfe von Liebe aufzubessern. Dabei wird versucht, Liebe (alternativ auch puren Sex) als Tauschmittel gegen Glück einzusetzen. Den Preis legt jeder selbst fest – wichtig ist nur, dass ein fühlbarer Gewinn erzielt wird. Das jedenfalls behauptet der Ökonom und Historiker Gérard A. Böcklemann.

Wer mit einem beinahe erschöpften „psychischen Einkommen“ dennoch versucht, den Preis der Liebe zu bezahlen, macht psychische (gelegentlich auch soziale, finanzielle oder körperliche) Schulden, die das Ende der glücklichen Existenz einläuten können.

Anmerkung: Daniel Casriel ist wegen einer seiner Methoden umstritten, trifft aber mit dem Zitat dem Nagel durchaus auf den Kopf. Gérard A. Böcklemann hat versucht, den Preis der Liebe näher zu definieren, und zwar ins seinem Buch „Ökonomie der Sexualität“.