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Feuchtes Papier

Die blaue Tinte wird verlaufen ... so oder so
Essays sind manchmal sinnreicher als erotische Geschichten. Und was macht der Schriftsteller eigentlich, wenn die Geliebte gerade während einer Schreibhemmung an die Klapperkiste tritt? Gramse glaubt, es zu wissen

Sie betritt mein Arbeitszimmer und sie weiß, dass ich es hasse, wenn sie mich stört. „Hast du etwas Brauchbares geschrieben?“, fragt sie scheinheilig. Ich wehre sie ab: „Süße Schweinereien, wie immer. Meine Heldin sitzt gerade auf dem Schreibtisch des Personalchefs und beginnt, die Beine zu spreizen.“

„Trägt sie ein Höschen?“

„Ich überlege noch. Was meinst du, sollte sie ein Höschen tragen?“

Sie tritt neben mich, hält sich mit einer Hand an der Schreibtischkante fest und zieht mit der anderen ihr Höschen herunter, schlüpft mit den Füßen hindurch, zupft den Rock wieder zurecht. „Versuchs mal ohne“, sagt sie fast tonlos, und dann, interessierter: „Wie sieht der Schreibtisch aus, auf dem sie sitzt?“ „Unordentlich. Der Personalchef arbeitet gerade an einem Referat über 'Die Folgen von Sex am Arbeitsplatz', weißt du? Da ist eine Kaffeetasse, da sind Entwürfe. Der Chef schreibt mit der Hand, mit einem Füllfederhalter in Königsblau.“

„Warum sitzt die Frau da?“ „Sie kam einfach herein, sagte, dass sie in dringend in einer wichtigen Angelegenheit sprechen müsste, und ließ sich nicht abweisen. Und sie ist verflixt attraktiv.“

„Und nun?“ „Nun verführt sie ihn, und sie wird Spuren hinterlassen, um ihn zu beschämen.“

Sie denkt nach. „Was denn? Menstruationsblut, Urin, Scheidenflüssigkeit?“ „Ich dachte nicht an so etwas, es ist zu … unanständig, glaube ich.“ Sie lacht. „Frauen sind viele einfallsreicher als Männer. Wenn sie drauf pinkelt, verläuft die Tinte und vielleicht kleckert alles auf seine Hose!“ „Das würde in ähnlicher Weise auch mit dem umgekippten Kaffee geschehen“, entgegne ich, „und der riecht angenehmer.“

Derweil sitzt meine Heldin immer noch auf der Kante des Schreibtisches des Personalchefs und versucht, ihn zu verführen. Wenn sie dort bleibt, habe ich nichts zu bloggen. Jedenfalls keine Kurzgeschichte.

Oh, die Geliebte scheint zu ahnen, dass ich meine Geschichte zu Ende bringen will.

„Nimm den Kaffee“, sagt sie schließlich, „sie soll die Tasse umwerfen, wenn er ihren Schoß küssen will, dann werden alle Papiere auf seinem Schreibtisch feucht, und sie wird sich in die Kaffeelache setzen. Du weißt schon, wie so etwas ausgeht, oder?

Nun musste ich lachen. „Ist das die Hausfrauenversion?“, frage ich. Sie lächelte hintergründig. „Ja, und nun zeige ich dir, wie unsere Version ausgeht.“ Sie legt ihren Rock ab, setzt sich auf die Schreibtischkante, sodass sie frontal vor mir sitzt. Sie sieht mich fordernd an, öffnet langsam die Schenkel, und lässt den Inhalt einer kleinen Flasche Piccolo zwischen ihren Beinen zerrinnen, bis sich ein Bächlein bildet, das langsam und stetig in meine Richtung fließt. „Leck deinen Schreibtisch ab, du kleine perverse Sau, und wenn er ganz trocken geleckt ist, dann darfst du mir ein bisschen näherkommen mit deiner süßen Zunge.“ Ein neues Spiel, hübsch erdacht, und eigentlich genau das, was ich jetzt brauche.

Der Personalchef, so beschließe ich gerade, wird die feuchte Tinte auflecken müssen, die aus dem Papier ausgeschwemmt wird und sich mit dem Sekt vermischt. Wie konnte ich nur an Kaffee denken? Und sein Penis wird hart werden, und er wird hoffen, dass sich die fremde Dame auch noch um dessen Wohlergehen bemüht. Und während dies alles geschieht, hat die Dame mit einer Handtaschenkamera längst alles gefilmt, und sie wird das Ergebnis als Trailer zeigen, wenn er seinen Vortrag über die bösen Folgen von Sex am Arbeitsplatz hält.

Ich muss mich nur noch erkundigen, ob Tinte heutzutage noch zu giftig ist, um sie aufzuschlabbern. Mir war so, als hätte ich es einmal gelesen - so wahr ich Gramse heiße.

Der anständige Mann steht lange an

Die Mutti hat ihm gesagt, dass er „anständig“ zu Damen sein soll. Vor allem zurückhaltend, höflich und aufmerksam.

Irgendwann kommt der süße Bubi dann in Kontakt mit Damen, und er ist zurückhaltend, höflich und aufmerksam. Ab und an sagt ihm mal eine Dame mit schönem Augenaufschlag: „Ach, du bist so anständig, mein Guter, ich wünschte, du wärest mein Freund.“

Ja, ihr Freund. Aber nicht ihr Lover. Wer mit Frauen über das Thema spricht, dem schallt bald entgegen: „Ach, die meinen gar nicht, dass du zu anständig bist – du bist nur zu langweilig.“

Um nicht langweilig zu sein, muss der Mann dann also die Mutti ausblenden. Wie war das noch? Nicht zu zurückhaltend sein, auch Mal etwas direkt werden, und statt aufmerksam an ihren Lippen zu hängen, einfach mal zu sagen: „Ich weiß jetzt deinen Nick und deinen Namen – aber wie soll ich dich eigentlich im Bett nennen?“

Ja? Nein, das ist zu viel! Wer’s mal versuchen will bei einer Dame in reiferen Jahren wird bald ein tomatenrotes Gesicht sehen – und vielleicht bekommt der Mann gleich eine Ohrfeige, wenn er „so etwas“ sagt. Jedenfalls wird sie pikiert und aufs Höchste beleidigt sagen: „Ich darf doch wohl ein Mindestmaß an Anstand erwarten.“

Ja, ja, „Anstand ist eine Mindestvoraussetzung“, tönt es uns da entgegen, „den darf man als Frau immer von einem Mann erwarten.“ Und „keine Frau weist dich ab, weil du zu anständig bist.“ Höchstens weil du so bescheuert bist, zu glauben, dass Anstand wirklich zählt, du Trottel.

Na. Mann, hat’s geklingelt? Ob sie schon ein feuchtes Höschen spürt oder nur "sanft flügelschlagende Schmetterlinge" im Bauch hat, ja selbst, wenn sie noch gar nicht so genau weiß, was gerade mit ihr geschieht oder nicht geschieht. Sie erwartet,, dass du nicht zu „anständig“ bist, weil sie will, dass du sie begehrst. Und ein anderer Satz, um das auszudrücken, heißt „Sie will wissen, dass du Interesse hast, sie zu vögeln.“ Wenn sie es weiß, kann sie dich entweder süffisant abweisen oder aber mit in die Heia nehmen – daran dann merkst du, ob sie selbst selbst Anstand hat. Hat sie keinen, wird sie, wie bereits erwähnt, tomatenrot anlaufen, dir eine Kleben oder schimpfend und lamentierend den Kaffeehaustisch verlassen.

Mann, höre: Eine Dame darf erröten – das ist ein Privileg, das ich die Frauen bis heute herausnehmen. Ist sie selbstbewusst, so wird sie „Nein“ sagen oder auch „Ja“ oder „Später“ oder „es ist noch zu früh dafür.“ Sollte sie aber ausflippen, dann ist vor allem das Eine mal klar: Diese Frau ist keine Dame, sie hat keinen Anstand, und sie ist kein Umgang für einen Mann wie dich.

Ein Mann mit zu viel „Anstand“ steht lange an. Und wenn du dich auch immer ganz hinten anstellst und brav bist, und tust, was die Deerns sagen, dann erreichst du nie etwas – so wahr ich Gramse heiße.

Männer hassen Sex aus Barmherzigkeit

Unser alter Freund Johann Fürchtegott Gramse hat seinen "Sendeplatz" auf einem namhafte Blog verloren. Was macht der alte Rotweinsäufer und Freund fragwürdiger Damen eigentlich heute? Er schreibt. Wir geben ihm einen Gnadenplatz für seine schrägen Ideen.

Wenn der Sex schön sein soll ...


Es mag ja sein, dass Männer Frauen erjagen wollen, und es mag auch sein, dass sie die Jagdbeute ein paar Stunden genießen wollen und dann möglichst niemals wieder etwas von ihr hören wollen. Übrigens sind Jäger dieser Art nach wie vor erfolgreich – auch deshalb, weil manche Frauen insgeheim auf wilde Freibeuter oder böse Räuber warten – die sind wenigstens noch „richtige Männer“.

Affentänzchen und Erniedrigungen für ein bisschen schlechten Sex?

Der schnöde Durchschnittsmann kann nicht damit rechnen, dass er förmlich über Frauen stolpert, die sich ihm zu Füßen legen. Er entwürdigt sich, um Lust, Liebe oder Sex zu bekommen. Führt lachhafte Affentänzchen auf, imponiert damit dennoch nicht. Irgendwann findet er eine Frau, die sich dazu herablässt, aus Güte und Barmherzigkeit, Geilheit oder Trunkenheit mit ihm zu vögeln. Hinterher will die Frau meistens, dass der Mann unendlich dankbar für das große Geschenk ist, dass sie ihm gemacht hat.

Gnadensex für männliche Loser?

Großes Geschenk? Was denn? Nach den vielen Mühen, die sich dieser arme Mann gemacht hat, nichts weiter als ein bisschen halbherzig dargebotener Sex? Etwas Gnadensex für den Mann wie das Gnadenbrot für abgehalfterte Gäule?

Klar – es gibt Frauen, die wirklich schönen Sex schenken – manche selbstlos und manche aus Berechnung. Aber sie sind deutlich in der Minderzahl. Bei angeblichen vier Sexpartnern im ganzen Leben inklusive alkoholbedingten ONS und „Jugendsünden“? Wie soll da eine Frau auch an die nötigen Erfahrungen kommen, um wirklich guten Sex zu schenken?

Sex-Deals - alternativlos?

Ahem … da bleiben natürlich noch Frauen, die genau wissen, welche Geschenke Männer gerne hätten, und die ihnen diese auch gerne und ausgiebig anbieten, falls der Mann zuvor Tribut bezahlt hat oder sich als dauerhafter Sponsor erweist.

Oh, oh … nun werden all die Normalos unter Frauen und Männer aufbellen, nicht wahr? Was sich die Männer eigentlich einbilden würden und so … Und schließlich könne man nicht erwarten, dass emanzipierte Frauen sich in den vielen Formen erniedrigen würden, die Männer als „tollen Sex“ empfinden würden, man denke nur an Fellatio … pfui Teufel!

Klaro. Wie hieß noch dieses Wort? „Alternativlos“. Für den Durchschnittsmann, aber auch für den männlichen Genießer, ist die Wahl alternativlos. Entweder du machst dich zum Hampelmann oder du machst einen Deal mit einer Frau, die dir sagt, was sie will und was du dafür bekommst. Oder du bist einer dieser tollen Hengste, die Schönheit, Reichtum, Charme und Potenz in sich vereinigen und dauernd über Frauen stolpern, die ein bisschen davon abbekommen wollen.

Das Leben ist hart und alternativlos, so wahr ich Gramse heiße. Oder vielleicht doch nicht?