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Lernen von Menschen mit besonderen sexuellen Vorlieben?

Ungewöhnliche Wünsche müssen besprochen werden - auch bei Vanille-Paaren


Kann die Gesellschaftsordnung oder können ganz normale Vanille-Paare etwas von Menschen mit besonderen sexuellen Vorlieben lernen? „Oh, bitte nicht“, höre ich da einen ganzen Chor von verschreckten Menschen schreien.

Und doch lässt sich etwas mitnehmen von all dem, was als „Kink“, „schräg“, „hart“ oder „ungewöhnlich“ bezeichnet wird.

Kommunikation ist alles

So wie die meisten von uns sich an den Sex herangepirscht haben, sollte es eigentlich nicht sein: Was nicht deutlich abgelehnt wurde, galt als erlaubt, was nie versucht wurde, galt als nicht erwünscht. Daran ändert auch die Sexualkunde nichts: Es geht nicht ausschließlich darum, zu wissen, was „normal“ ist. In Wahrheit sollten wir wirklich wissen, wonach unser Partner lüstet. Da ist im Grunde nur möglich, wenn uns nichts peinlich ist und ein „ja, können wie versuchen“ oder ein „Nein, das geht mit mir leider gar nicht“ akzeptiert wird. Praxis ist: Partner, die sexuelle Wünsche äußern, werden oft schroff zurückgewiesen. Menschen in Beziehungen mit besonderen Lüsten müssen reden – natürlich nicht pausenlos, aber mindestens, bevor sie etwas zum ersten Mal erproben.

Übereinstimmung nötig

Ob Sex „wirklich“ einvernehmlich ist oder nicht, ist ein beliebter Streitpunkt – nicht nur am Stammtisch oder bei Damenkränzchen. Tatsächlich nehmen alle Männer an, er sei einvernehmlich, wenn die Frau nicht NEIN sagt – die aber empfindet den Sex oft keinesfalls als einvernehmlich, sondern als – nun ja, lästige Pflicht oder Routine. Übereinstimmung ist etwas anderes. Es bedeutet: „Ja, ich habe Lust darauf und fein, und wir probieren es, weil ich so neugierig darauf bin wie du.“ Das wäre wirklich einvernehmlich, und das sollten Vanille-Paare sich durchaus zu Herzen nehmen.

Variationen über Sex müssen als Themen erlaubt sein

Sexuelle Aufklärung, so wollen es viele, soll immer auch moralische Aspekte behandeln. Natürlich eist es legitim, die Fragen der Gesellschaftsordnung, wie zum Beispiel Monogamie und Heterozentrierung, in die Sexualerziehung zu integrieren. Und sie beschäftigt sich,, was auch legitim ist, überwiegend mit penetratrivem Vanille-Sex, weil dieser zu Schwangerschaften führen kann. Doch all diejenigen, die von anderen Dingen gehört haben, oder die sich absolut nicht in den Mainstream einordnende wollen, müssen auch ihren Weg zur Sexualität finden. Es gilt zu sagen: „Nun gut, das ist nicht mein Ding, aber sie sollen es tun, wenn es ihnen Freude bereitet – und – aha – falls ich es auch will, muss ich dies oder jenes beachten.“ Seien wir doch ehrlich: Bei allen Abweichungen herrscht Unsicherheit – und viele junge Leute sind neugierig auf Abweichungen. Und wenn sie neugierig sind, werden sie auch abweichende Praktiken erproben. Es wäre gut, wenn wir „Normalen“ lernen würden, wie man mit Abenteuern umgeht.

Sex im Vorbeigehen, Sex aus Lust oder, Sex aus Liebe?

Nur die Praxis lehrt wirklich, was Sex für uns bedeutet. Sexualkunde ist manchmal peinlich, manchmal langweilig und vor allem schrecklich theoretisch. Die Praxis schafft Lust und Schmerz, und mancher junge Mensch wird vom tatsächlichen Sex abgestoßen, während andere die „kleine Lust gerne mitnehmen“, die ihnen Orgasmen bieten. Beides ist nicht wirklich erwünscht, denn Sex soll vor allem Freude bringen. Kritiker machen sich’s leicht: Sie sagen, man solle eben die Liebe in den Sexualkundeunterricht einbinden. Das nützt definitiv überhaupt nichts, denn Lust entsteht nicht parallel zur Liebe, sondern auch unabhängig davon. Beim Sex geht es um Lust, und Sex ohne Lust ist wirklich entsetzlich, während Sex ohne Liebe erträglich ist. Also ist das Ziel, mehr Lust aus dem Sex zu gewinnen.

Meinungen zu Lasten der Wahrheit?

Sicher – man kann über all dies anderer Meinung sein. Viele Deutsche wollen, dass vor allem die Variationen gedeckelt werden. Andere beharren darauf, dass zum Sex innige Liebe gehört. Doch was nützt dies alles, wenn Paare nicht über die gegenseitigen Wünsche sprechen können, weil sie sich einer von beiden schämt, auch nur einen Schritt vom sexuellen „Mainstream“ abzuweichen?

Nach einer Idee im Blog theblackpomegranate.

Presserummel um ein angebliches „Entjungferungs-Gen“

Was müssen Sie sich zu dem Syncam2, auch CADM2 genannt, merken, wenn Sie kein Biologe sind? Eigentlich ganz einfach: Das Gen wird verdächtigt, ein Protein zu produzieren, das die Kommunikation innerhalb des Gehirns beeinflusst, weshalb angenommen wird, dass es Einfluss auf die Geschwindigkeit der Denkprozesse haben könnte. Dies zu erforschen, ist löblich, denn über die exakten Kommunikationsprozesse im Gehirn wissen wir fast gar nichts.

Gene und Zeitpunkt für den ersten Sex - vorerst eine gewagte Hypothese

Aber Sie dürfen ohne Weiteres vergessen, dass dieses Gen möglicherweise auch dafür sorgen könnte, dass Sie früher oder später – Sex hatten. Denn wenn’s so wäre, könnten wir daran sowieso nichts ändern, es sei denn mit den Methoden moderner Frankensteins.

Die angeblich verantwortlichen Gene und das "erste Mal" in der Presse

Doch in der Presse steht es mal wieder anders: Denn nichts ist so toll wie eine Nachricht über „den ersten Sex“. Dabei geht es um vielerlei Gene, aber genannt wird explizit CADM2, ein Gen, das möglicherweise Einfluss auf die interne Kommunikation des Gehirns hat. Vermutet wird, dass es Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung haben könnte und dass deshalb eventuell auch eine Verbindung zum "ersten Sex" bestehen könnte. Und egal, ob SPIEGEL, WELT oder ZEIT: SEX treibt die Auflage in die Höhe, nicht wahr? Vor allem, wenn man dabei ein klein wenig mit der Wissenschaft herumwedeln kann wie eine Dirne mit dem Po.

Heise schreibt sogar von den Entjungferungs-Genen: Ei, ei, wie nett man es doch sagen kann … von anderen „Quellen“, die die AFP-Nachricht kritiklos übernommen haben gar nicht zu reden.

Mir war es - bei der "Liebe Pur" eine Satire wert, und obgleich das Wort "Satire" zutrifft, finden Sie dort auch weitere Aufklärung über das, was wirklich gesagt und geschrieben wurde.

Sex-Seuchen durch Dating-Apps?

Im Mittelalter bezichtigt, die Syphilis zu verbreiten: Badehäuser, Bademägde
Sex-Seuchen, besser bekannt als Geschlechtskrankheiten oder sexuell übertragbare Erkrankungen, werden – wie kann es anders sein – überwiegend durch den Geschlechtsverkehr übertragen.

Einstmals waren es die Badehäuser, die angeblich die Syphilis verbreiteten

Im Mittelalter wurden Badehäuser bezichtigt, für die Ausbreitung der Syphilis, die man damals bezeichnenderweise „Franzosenkrankheit“ nannte, verantwortlich zu sein. Das lag nicht daran, dass man sie sich beim frohen Baden und Zechen ansteckte – wir erinnern uns, dass Frau und Mann damals durchaus gemeinsam nackt badeten und dabei auch Mahlzeiten zu sich nahmen. Vielmehr waren dafür die Bader verantwortlich, die sich neben den Bademägden für die Bedienung am Zuber auch solche hielten, die für die Bedienung geneigter Herren in bereitgestellten Betten zuständig waren.

Die Angst vor "Geschlechtskrankheiten" und die Huren

Anti-Prostitutionsplakat für Soldaten
Seither bezichtigt man entweder Huren oder aber „lose“ Frauenzimmer, die Syphilis und andere Geißeln des Geschlechtsverkehrs zu verbreiten und warnt davor, die Orte zu besuchen, an denen dies möglich ist.

Heute gibt es virtuelle Orte, an denen den Geschlechtsverkehr verabredet wird. Und zu den Huren und „losen“ Frauenzimmern sind nun auch ganz gewöhnliche junge Frauen gestoßen, die den Geschlechtsverkehr schon nach einer recht kurzen Kennenlernphase mehr oder weniger spontan ausführen. Und heute sollen diese Orte, die man jetzt Dating-Apps nennt, angeblich verantwortlich für die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten sein.

Wer etwas naiv ist, dem wird die Formel, die gerade verbreitet wird, eingängig sein: Je schneller das Vögel-Karrusell rotiert, umso rasanter wird die Bevölkerung durchseucht. Und die Horrorversion wäre die, die ein junger Mann der BBC sagte:

Du kannst es jedenfalls mehrfach am Tag tun, mit beliebigen Leuten, und du weißt nie was sie haben und was sie dir verbergen.


Die angeblich unaufhaltsame Verbreitung von STDs durch Apps

Natürlich nicht echt - der "Wink mit dem Zaunpfahl"
Angeblich spricht die Statistik dafür, dass sich die Geschlechtskrankheiten mit Unterstützung der Apps rasant verbreiten. Bei Steigerungsraten der Gonorrhoe von 19 Prozent und der Syphilis von angeblichen 33 Prozent allein im Jahr 2014 kann der Bürger schon mal erbleichen, nicht wahr? Und an allem sollen die Apps schuld sein?

Man muss genau hinschauen, wenn man diese „Tatsachen“ bewerten will, die natürlich durchaus bewiesen werden können – allerdings nicht für die Gesamtbevölkerung. Denn die Neuerkrankungen mit Syphilis waren 2014 bei den Frauen in England auf einem der niedrigsten Stände seit 2005 – und fielen seither fast auf die Hälfte. Lediglich bei der Gonorrhoe ist auch bei den Frauen seit 2011 ein permanenter Anstieg zu verzeichnen, für den es keine hieb- und stichfesten Ursachen gibt.

Heizt der Datenverkehr den Geschlechtsverkehr an?

Möglich wäre s also schon, dass Apps nicht nur für mehr Datenverkehr, sondern auch für mehr ungeplanten Geschlechtsverkehr sorgen. Allerdings darf man dann nicht die Dating-Apps alleine sehen, denn auch andere Kommunikationswege berücksichtigen, wie die „ganz normalen“ sozialen Netzwerke des Internets und schnelle Kommunikationsdienste, die Sexting und Spontan-Chats erlauben.

Und schließlich bekommt man STDs nicht vom Smartphone und nicht von Apps, sondern von Menschen – und hier vor allem von Menschen, die gar nicht daran denken, Kondome zu benutzen. Wobei mir nur dies einfällt: Bessere Aufklärung und der Gebrauch von Kondomen sind die Voraussetzungen dafür, dass Menschen gesund bleiben, die aus Vergnügen vögeln wollen.

Mehr bei der BBC.

Frühsexualisierung – Unwort der klerikalen Sektierer

Sektierer als Sprachverfälscher?
Das Wort „Frühsexualisierung“ finden Sie nur dort, wo mit der Wahrheit relativ großzügig umgegangen wird. Solche verfälschenden und tendenziösen Worte sollten eigentlich nicht zum Vokabular der Menschen gehören, die sich für die „besseren Menschen“ halten.

Das Wort an sich ist schlüpfrig: Menschen können nicht „sexualisiert“ werden, weil sie von Geburt an sexuelle Wesen sind, nämlich Mädchen einerseits und Jungen andererseits.

Was von den genannten konservativen oder sektiererischen Kreisen als „Frühsexualisierung“ beschrieben wird, bezieht sich in der Regel auf den Aufklärungsunterricht in den Schulen, besonders aber in der Grundschule. Die meist aus einem klerikalen Umfeld stammenden Eltern, die den Begriff verwenden, glauben, dass der Bereich der Sexualität in das alleinige Hoheitsgebiet der Familien fällt und sehen im Unterricht der Schulen eine Gefahr für Ehe und Familie. Es ist leicht auszumachen, dass es sich dabei um reine Ideologie handelt, denn neben den von diesen Kreisen strapazierten Elternrechten gibt es längst auch Kinderrechte.

Selbstverständlich könnte man seitens der Eltern argumentieren, dass Kinder heute durch die Medien zu sehr mit der Sexualität konfrontiert würden. Es wäre dann aber Aufgabe des Elternhauses, sich mit den Kindern über daraus entstehende Probleme auseinanderzusetzen. Im Grunde verhält es sich doch genau umgekehrt: Kinder und Jugendliche erhalten durch die Medien Informationen, die sich nicht begreifen und über die sie gerne Aufklärung hätten. Wenn die Eltern ihre Fragen nicht beantworten mögen oder die Eltern aus Angst vor den Reaktionen gemieden werden, ist die Schule mit Sicherheit der sicherste und verlässlichste Ort, um Fragen zu stellen.

Dieser Artikel kann auch in anderen Medien gefunden werden. © 2013 by Gebhard Roese.

Warum das Internet mehr Sex braucht

sex-lehrerin
Erotik lernen - sicherlich nicht durch Druckknopf-Sex, aber auch nicht durch Pornografie
Das Internet ist voll von Sex – das sagt Ihnen jeder, nicht wahr?

Im Grunde zeugt diese Meinung von extremer Ignoranz. Denn das Internet ist voller visueller (und mancher nicht-visueller) Pornografie. Aber es ist nicht „voller Sex“, nicht „voller Erotik“ und schon gar nicht „voller Liebe“.

Machen wir uns doch nichts vor: das moderne Establishment (ja ihr da, mit den Nasen nach oben, ihr seid gemeint) hat längst beschlossen, dass es ein „gutes“ Internet und ein „böses“ Internet gibt. Im „guten“ Internet gibt es langweilige Online-Lexika, betuliche Aufklärungsversuche, tantenhafte Ratschläge und schrecklich naive Frauenmagazine. Im „schlechten Internet“ gibt es hingegen die "Früchte des Bösen": Leiber, die niemals schwitzen, zelebrieren endlosen Durchhalte-Sex mit sichtbarer Spermaflüssigkeit in allen Körperöffnungen.

Wer sagt: „Wir brauchen eine bessere, realistischere und lebensnahe Aufklärung“, wird bald mit Hohn und Spott übergossen. Das Volk versucht, sich an der Wahrheit vorbeizumogeln, und die Wahrheit heißt: Menschen jeden Alters sind sexuell neugierig, und wer neugierig ist, findet im Internet alle Arten von Informationen – richtige und falsche, frisierte und erlogene. Auf keinem anderen Gebiet des Wissens aber gibt es so eine große Diskrepanz zwischen „Märchen“ und „Realitäten“, wie auf dem Gebiet der Sexualität. Und das Schlimme daran: Viele Märchen werden für Realitäten gehalten, weil es die Menschen (und nicht nur die jungen Menschen) nicht besser wissen.

Lucinda "Cindy" Lee Gallop will dies ändern – und stößt allenthalben auf Widerstand. Diese Frau ist keine junge Wirrköpfin – immerhin zählt sie schon 55 Lenze, und dennoch stoßen Ihre Thesen auf Widerstand.

Dabei will Cindy Gallop nichts mehr als uns dies sagen: „Sex ist nicht so, wie ihr ihn im Internet seht.“ Und weil sie mutig ist, versucht sie dies auch zu verbreiten. Das Schlimme an den Bumsfilmen ist ja nicht, dass Sie pornografisch sind, sondern dass es kein adäquates Gegengewicht gibt, das die sexuelle Wahrheit zeigt. Tatsächlich will sich niemand daran die „Finger verbrennen“, denn nichts ist einfacher, als einen Menschen zu diffamieren, der sich für Erotik und realistischen Sexbetrachtungen einsetzt.

Es ist eine Schande – und die Macht all dieser Pseudo-Moralisten, die das Thema am liebsten vermeiden würden, ist entwürdigend für die menschliche Kultur.

Wahrscheinlich wird alles so bleiben, wie es ist: Junge Menschen gehen mit dem lächerlich geringen Wissen des Aufklärungsunterrichts ins Leben. Erwachsene erschrecken vor erotischen Herausforderungen und Seitenwegen. Paare wissen nicht, ob dun wohin sie ihre erotischen Möglichkeiten erweitern sollten. Wer naiv ist, wird Pornografie für realistisch halten – und niemand wird ihn daran hindern können, denn es gibt kein Gegengewicht.

Das Internet braucht mehr Sex – mehr sinnliche Träume, mehr realistische Möglichkeiten, und vor allem mehr Wissen über alles, was Lust bereitet. Es gibt sie doch, die Magazine, die uns über gutes sinnliches Essen und Trinken informieren. Warum, bitte, nicht über genussvollen Sex?