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Das Wichtigste an der Liebe

Sehr plakativ, aber dennoch beliebt: die Botschaft auf dem Lebkuchenherz
Heute wende ich mich einmal an jene, die sich – in jungen oder fortgeschrittenen Jahren – unsicher sind, wie sie mit der Liebe umgehen sollen.

Die Kernfrage lautet: Was ist wirklich wichtig an der Liebe? Was ist Beiwerk, was Flitterkram – und was ist ganz offenkundig erlogen? Ich beginne mit einer Grundlage, die absolut unerlässlich ist. Aber dazu muss ich erst einmal etwas erklären. Mehr kann man auch in meinem Blog über "Liebe und Beziehungen" nachlesen.

Die Liebe aus deiner Sichtweise

Zunächst ist es die Tatsache, dass du den Kern der Liebe, also das Gefühl, das du beim Lieben hast, nur aus deiner eigenen Sicht kennst. Jeder andere Mensch fühlt die Liebe anders als du. Jede Frau und jeder Mann. Behauptet wird, dass Frauen untereinander ein besseres Gefühl für das haben, was sie mit „Liebe“ meinen – aber das ist nicht beweisbar. Es könnte allerdings daran liegen, dass Frauen sich mehr Mühe geben, ihre Gefühle zu verdeutlichen.

Die künstlichen Gefühle aus Minnesang und Kitschromanen

Minnesänger in der Verkleidung eines Händlers
Weil wir in Wahrheit bei der Liebe so gut wie gar nichts über die Gefühle anderer wissen, wird versucht, uns solche Gefühle vorzugeben. Ob die Minnesänger, die Gartenlauben-Literatur, der moderne Kitschroman oder der Schlager: Alle versuchen, uns Modell der Liebe zu verkaufen, die auf der Vermutung aufbauen, alle Menschen würden die gleiche Gefühlsuniform tragen. Nur sehr selten werden wir darauf hingewiesen, dass es sich dabei um Extrakte der Liebe handelt, die zu Illusionen aufgebauscht werden.

Idealisiertes Paar, 19. JH
Bei den Minnesängern wird dies besonders deutlich: Sie himmelten die „Minne“ an, um Edelmut vorzutäuschen, während sie in Wahrheit tricksende Bittsteller an den Bettkanten adliger Dame waren. Auf Täuschung beruhten auch die Grundlage der Gartenlauben-Literatur: Die meisten der bürgerlichen Leserinnen hatten nicht die geringste Chance, jemals eine Liebschaft einzugehen, sondern wurden „unter die Haube gebracht“. Die Literatur diente dazu, eine Illusion aufrechtzuerhalten: die der Liebe aus Neigung. Heute ist die Welt bunter und liberaler – aber dennoch steht die Illusion hoch über der Realität der Liebe.

Die eigene Liebe - die Liebe anderer

Wenn wir einmal festhalten, nichts über die Liebe anderer zu wissen, dann bedeutet dies für die meisten von uns: Wir müssen lernen, dass andere nicht so sind wie wir selbst. Es geht normalerweise darum, die Liebe zu finden, die wir am meisten genießen können und auch darum, das anderen der Genuss unserer Liebe gefällt. Alles, was erheblich davon abweicht, erzeugt „schräge“ Beziehungen. In ihnen liebt beispielsweise eine Frau den Mann erheblich mehr als umgekehrt, was sich im Satz „ich habe so viele Gefühle investiert“ manifestiert. Oder jemand genießt die körperliche Schönheit oder den sozialen Stand des anderen mehr als die Liebe zu ihm (oder ihr).

Das Wichtigst an der Liebe

Das Gleichgewicht der Gefühle oder gar die Harmonie der Gefühle in der Liebe zu empfinden, beruht allerdings wieder auf Gefühlen und nicht auf „belastbaren Tatsachen“, sodass wir darauf angewiesen sind, unseren Gefühlen zu trauen.

Das Vertrauen in die eigenen Gefühle ist deshalb das wichtigste an der Liebe. Leider haben nicht alle Menschen diese wichtige Eigenschaft erlernt und verinnerlicht. Und manche von uns wurden getäuscht oder gar enttäuscht. Zudem kann der Körper unsere Gefühle zeitweilig überlagern, indem er „zu viel des Guten“ an körpereigenen Drogen produziert, die unsere bekannten und vertrauten Gefühle überlagern.

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen: Das Vertrauen in die eigenen Gefühle ist in der Liebe die bewährteste und zuverlässigste Eigenschaft, um selber zu lieben und Liebe annehmen zu können.

Bild oben:© 2019 by Liebesverlag.de.
Bild Mitte: Minnesänger Dietmar von Aist als fahrender Händler. Aus dem Codex Manesse.
Darunter: Bild aus einer Schrift des späten 19. Jahrhunderts, koloriert.

Über die Wahrheit und die Liebeszeitung

Die Wahrheit ... mal ist sie bitter, mal ist sie süß
Ich bin ich und du bist du …
… und meine Wahrheit ist nicht deine Wahrheit.


Als Redakteur eines Magazins um Liebe, Lust und Leidenschaft ist man ständig in der Zwickmühle, denn nirgendwo gibt es so wenig Wahrheit, aber so viele Wahrheiten, wie in der Liebe.

Meine Wahrheit ist nicht deine Wahrheit. Wie sollte es auch sein? Ich lebe mein Leben und du deines. Warum sollten unser Wahrheiten also deckungsgleich sein?

Manche Menschen suchen nach „der Wahrheit“. Je mehr sie suchen, umso kläglicher scheitern sie. Es gibt sie nicht, die Wahrheit.

Ich schreibe euch dies heute, weil ich euch sagen will: Ich bin nicht im Besitz der Wahrheit, so wenig wie ihr.

Wie ich mit der Wahrheit umgehe

Normalerweise fasse ich mehrere Wahrheiten zusammen, bilde sozusagen eine Melange aus unterschiedlichen Auffassungen, die gemeinsam einen Sinn ergeben. Ich akzeptiere, dass deine Meinung zum Thema anders ist, solange du sie nicht als „die einzige Wahrheit“ bezeichnest und mich einen Dummkopf, Ketzer oder sonst etwas Abwerfendes nennst.

Eigene Realitäten sind nicht „die Realität“

Manche typischen Abweichler vom Mainstream leben in einer anderen Form von Realität – durch Gruppenbildung und sektenähnliches Verhalten bestätigen sie sich darin, die Wahrheit gepachtet zu haben. Das könnt ihr alles gerne tun, nur könnt ihr mich nicht damit beeindrucken.

Manchmal fragen mich Menschen: „Hast du das selbst probiert?“ Oder gar „warum hast du es nicht selbst probiert?“ Gelegentlich sagen Gruppen: "Du hättest uns fragen sollen, dann wäre dein Urteil anders ausgefallen!“ Nein, wäre es nicht. Ich habe ein sehr lebendiges Beurteilungsvermögen, ich kann es selbst verantworten, und ich kann zugeben, wenn ich mich irre.

Das heutige Internet trübt das Beurteilungsvermögen

Nachdem ich dies gesagt habe, will ich auch sagen, was das Beurteilungsvermögen trübt:

1. Google und andere Suchmaschinen, bei denen verdeckte (!) Werbeartikel, Lobbyisten und kommerzielle Stellungnahmen vor Sachthemen und Sachbegriffen kommen. (Gebt mal als Selbstversuch „Sugar Baby“ ein).
2. Das Lesen von Beiträgen in sozialen Netzwerken. Sie sind sehr selten objektiv und müssen noch sorgfältiger gelesen werden als Blogs und Bürger-Zeitungen.
3. Informationen aus „spezifischen Blogs“ zu entnehmen, in denen Meinungen vertretenden werden, die für „Adepten“ bestimmt sind. Dazu gehören fast alle religiösen und weltanschaulichen Blogs, aber auch solche über sexuelle Abweichungen.
4. Auch die Sex-Blogs, bieten immer weniger Informationen und immer mehr offenkundige Werbung für Toys, Bücher, exotische Lebensformen oder gar für Formen der Prostitution.
5. Bei der Berichterstattung und der Meinungsbildung über die Liebe oder die Sexualität kann kaum unterschieden werden, ob Fakten oder Meinungen verwendet werden. Das gilt sogar dann, wenn Wissenschaftler oder „Fachleute“ zitiert werden. Das liegt daran, dass in allen Suppentöpfen der Wissenschaft mit anderen Zutaten (und oft mit anderen Zielen) „gekocht“ wird.

Das Fazit

Es ist keinesfalls einfach, hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber immerhin versuche ich es wenigstens. Und falls ihr Unterschiede zwischen den Berichten erkannt haben solltet, die wir vor fast 10 Jahren hier veröffentlich haben und der heutigen Überzeugung, so kann ich nur sagen: Niemand wird mich jemals dran hindern, dazuzulernen.

Was erklärt Liebe wirklich?

Liebe hat viele Namen
Liebe kann man rein wissenschaftlich aus mindestens drei Perspektiven sehen: psychologisch, neurobiologisch oder ökonomisch. Daneben gibt es zahlreiche andere Sichtweisen, wie etwas Philosophie, Soziologie oder Anthropologie. Da Wissenschaftler gerne ihr Süppchen kochen, ohne jemals einen Blick in die Nachbarküche geworfen zu haben, denken sie eindimensional. Das heißt, alles was Sie beforschen und alle ihre Vorgänger derselben „Fakultät“ beforscht haben, geht mit allen Annahmen und Spekulationen die nächste Generation von Forschern über.

Selbst in den Wissenschaften, in denen unzweifelhaft über Fakten geredet wird, werden oft erhebliche Scheuklappen getragen. Was dort ermittelt wird, beforscht wird, ist zumeist Fakt – die möglichen Auswirkungen sind auch beweisbar - und dennoch machen sie ihre Rechnungen ohne den Menschen auf, der liebt.

Das ist der Grund, warum es keine Grundlagenforschung in der Liebe geben kann. Ich will nur einen Umstand nennen: Kein Forscher ist in der Lage, wirklich und wahrhaftig zu beschreiben, wie die Botenstoffe (der mächtigsten Liebesfaktoren überhaupt) das individuell Denken und Fühlen beeinflussen. Das liegt unter anderem daran, dass kein Forscher einen Zugriff auf die Denkprozesse hat, die dabei wirksam werden.

Empfehlenswerte Artikel von Jane Hergert

Ungeachtet dessen empfehle ich zwei Artikel, die ich jüngst auf Blogs fand: Sie stammen von Jane Hergert und sie erklären zunächst aus der Sicht verschiedener Psychologen und Neurobiologen, wie wir uns die Liebe erklären könnten.

Ein Teil der Kommentare zeigt mir, wie viele Menschen noch so verbohrt sind, die Liebe zu idealisieren, statt sie aus verschiedenen Winkeln zu beleuchten und dabei zu einer eigenen Erkenntnis zu kommen. Ich bin sehr gespannt darauf, was wir von Frau Hergert noch erfahren werden.

Übrigens könnt ihr auch bei SEHPFERD ein umfassendes Bild der Liebe und der Beziehungen bekommen. Es ist noch nicht ganz fertig, aber wir arbeiten daran, alles über Liebe und Beziehungen einzusammeln, zu vereinfachen und zu veröffentlichen.

Grundlagenforschung in Sachen Liebe? Geht’s noch?

Die WELT hat ein Thema aufgegriffen, das eigentlich keines ist: Christian Thiel hat – wie üblich in der Welt unter vielfachen Titeln – dort einen Artikel geschrieben, der etwas reißerisch als „Alles wird, erforscht, nur die Liebe nicht“ vermarktet wird. Nächster Titel: „Wissen ist in der Liebe eine ungeheure Macht“. Weiter heißt es:

Astrophysiker dringen in jeden Winkel des Weltalls vor - aber die Partnerschaft ist, trotz diverser Erhebungen, noch seltsam unerklärt. Wieso eine fundierte Grundlagenforschung in Sachen Liebe weiterhelfen würde, erklärt Paarberater Christian Thiel.


Nun könnte Herr Thiel wissen, dass über die Liebe wahrlich gründlich geforscht wurde. Und es sind wahrhaftig Ergebnisse dabei herausgekommen. Sie sind wissenschaftsabhängig und kulturabhängig durchaus ernst zu nehmen - aber sie sind dennoch nicht als Facetten, weil Wissenschaftler nur Facetten über die Liebe erfassen können. Unabhängig von meiner Meinung sind diese 100 Stellungnahmen sicherlich ausreichend, um jedermann einen Überblick über den Stand der Forschung im Bereich der Liebe zu ermöglichen. ("The Wolrd Book of Love" Köln 2013)

Für mich ist immer wieder erstaunlich, dass Paarberater, Psychologen oder andere Berufsgruppen glauben, die Liebe „grundlegend“ enträtseln zu können, die ja stets zwischen zwei Personen abspielt, die sehr selten (außer bei Paarberatern) das Fenster zu ihrer Liebe öffnen.

Wie sollen bitte „Forscher“ das komplizierte Geflecht von Denken, Fühlen, interpersonellen Prozessen, Begleitumständen und Redundanzen entflechten? Und wer hat sie dazu überhaupt ermächtigt? Natürlich dürfen Wissenschaftler an der Liebe forschen – aber sie dürfen sie nicht für die Liebenden definieren. Das wäre ein unzulässiger Übergriff auf die Definition des Menschseins, denn jeder hat die Freiheit, sich selbst und seine Liebe zu definieren, wie er mag.

Grundlagenforschung in Sachen Liebe? Ach, Herr Thiel. Hätten Sie’s nicht ein paar Nummern kleiner?

Zitat und Zitate der Überschriften und Erläuterungen aus: DIE WELT (ICON).

Drei Thesen zu Sex und Liebe

Beginnt alles so? Und wenn nicht, wie sonst?
• Das Gehirn hat von Natur aus mehrere Möglichkeiten, Begierde, Lust, Verliebtheit und Verbundenheit hervorzurufen.
• Verliebtheit (Geilheit, Lust, Sinnlichkeit) kann allerdings in wenigen Millisekunden erzeugt werden. Das spricht gegen die Vorstellung einer „längere Phase der Verliebtheit“, die für die Ausführung des Geschlechtsverkehrs angeblich nötig ist.
• Ob Sex ohne Liebe funktioniert oder nicht, ist eine Frage der Definition der Begriffe und der persönlichen Sichtweise. Es ist sicher keine Frage der Wissenschaft.