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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Der Heiratsantrag – ein Antrag mit Folgen



Viele Menschen glauben, der Heiratsantrag sei etwas „ungeheuer Romantisches“, und das ist auch das Ziel einer sogenannten Blogparade, die ich in diesem Zusammenhang gerne erwähnen will.

Zunächst aber: Es gibt gar keinen „Heiratsantrag“, denn der eigentliche Name dafür ist „Verlobung“ oder „Verlöbnis“ – und dieser Begriff war bei „traditionellen Herren“, wie es in einem Blog heißt, keinesfalls mit „einem Kniefall vor der Angebeteten“ verbunden, sondern mit einem Geschäft. Der Bräutigam musste nämlich beim Vater „um die Hand anhalten“ – und zwar nicht um die der Dame, sondern um die des Vaters: Verhandelt wurde daraufhin ein Rechtsgeschäft, das genau festlegte, wie die zukünftigen Vermögensverhältnisse sein sollten – vor allem aber das Wichtigste: die Höhe der Mitgift. Die Braut wurde dazu zwar gehört, hatte aber wenig Mitspracherecht – das ist der Grund, warum sie später in der Kirche vor der Gemeinde ihr Ja-Wort geben musste, um in den Vertrag endgültig einzuwilligen.

Seid ihr jetzt entzaubert?

Falls immer noch nicht, dann solltet ihr dies wissen: Die große weiße Hochzeit, die man heute als „selbstverständlich“ ansieht, wenn man „romantisch“ heiratet, gibt es im Bürgertum erst seit etwa hundert Jahren. Zuvor heiratete man als Bürgerin im besten Abendkleid und auf dem Lande in der Feiertags-Tracht.

kitschromantik
Natürlich ist die Frage: „Willst du mich heiraten“ eine ganz besondere Frage, die sich für die Menschen der heutigen Zeit ganz anders stellt. Noch vor 50 Jahren nämlich war sie für Mädchen eine Erlösung aus den Fesseln des Elternhauses: Wenn jemand das Mädchen fragte, dann hatte es Chancen, aus dem „Fräulein-Dasein“ herauszukommen und endlich eine vollwertige Frau zu sein – und man durfte endlich haben, was man so lange entbehrte: Sex. Heute geht man davon aus, dass es „nur noch“ um das Glück zu zweit geht – übrigens sehr zu Unrecht. Das Verlöbnis hat Rechtsfolgen, und die Eheschließung als solche ist ohnehin eher ein Rechtsgeschäft als ein Schlüssel zum Glück. Viele Paare wissen gar nicht, was sie sich mit der Eheschließung alles an Rechtsfolgen einhandeln.

Zurück zur Romantik? Lasst mich mal dies sagen, Freude: Der erste Heiratsantrag ist der schönste, und er sollte auch wirklich romantisch sein: an einem stillen, intimen und möglichst abgeschiedenen Ort, an dem man gerade auf wunderbare Weise festgestellt hat, dass man außerordentlich gut miteinander harmoniert. In Deutschland gehören zum Antrag nicht unbedingt die Ringe – im Gegenteil. Die sollte das Paar gemeinsam nach dem Antrag aussuchen, wenn man überhaupt welche tragen will. Üblich ist dies eigentlich nicht mehr. In englischsprachigen Ländern ist dies anders: Dort versucht man, sich dort zu verloben, wo man sich kennengelernt hat, und nur die Braut erhält einen meist aufwendig gestalteten Ring, den Verlobungsring – der Mann trägt dort keinen Ring.

Ja – andere Länder, andere Sitten. In Deutschland kaufen die Menschen für viel Geld nutzlose Brautkleider, weil sie es romantisch finden – in Ungarn verwendet man das Geld lieber für die gemeinsame Zukunft und leiht sich das Brautkleid.

Weil ich gerade bei der Braut bin – sie ist die eigentliche Trägerin der Braut- und Heiratsromantik, wenn sie „Hochzeit“ feiert. Deshalb empfiehlt sich auch heute noch, die Braut möglichst vom Stress der eigentlichen Hochzeitsfeier zu befreien und sie an diesem Tag eben nur „ganz Braut“ sein zu lassen.

Nun, seid ihr zurück auf Wolke sieben, ja? Dann hole ich euch jetzt wieder zurück und sage euch, was mir ein Standesbeamter anlässlich einer Rückfrage zu Problemen mit einer Eheschließung sagte: „Wissen Sie, eine Heirat ist eine sehr ernste Sache“. Übrigens machen es euch Staat und Gesellschaft nur bei der ersten Heirat leicht: Ab der Zweiten geht das Theater mit den Behörden los, und wenn ihre gar einen Menschen heiraten wollen, der EU-Ausländer ist oder bereits einmal im Ausland verheiratet war, dann wünsche ich euch schon jetzt starke Nerven.

Titelfoto © 2009 by Kat Clay

Trackbacks

liebepur am : Heiratsanträge auf den Knien?

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Heiratsanträge sind ja immer etwas ganz Besonderes – aber stimmt eigentlich das Klischeebild des „romantischen Heiratsantrags“ alter Zeiten, bei denen der Bräutigam auf die Knie geht und der „Angebeteten“ einen Heiratsantrag auf Knien macht? Wenn Sie

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