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Gehören Sex- und SM-Themen zur Liebe?

Romantisierter Sex oder romantische Liebe?
Was wir über die Liebe in populären Darstellungen sehen und hören, ist ein frommer Betrug. Fast alles, was wir dazu wissen, berührt die Seitenränder unbestimmter Gefühle, die wir als schön, sinnlich oder erregend empfinden. Was wir Liebe nennen, ist die Verliebtheitskultur, der sehr viele Menschen (und insbesondere Frauen) leidenschaftlich anhängen.

Es ist wie der Duft eines Steaks, die Schaumkrone eines Bieres oder der Gedanken an eine reife Himbeere: Das rührt uns an, macht und hungrig, durstig oder sinnlich. Mag sein, dass unser Steak in der Realität zäh ist, das Bier bitter und die Himbeere madig. Aber die Illusion – ach, die Illusion – sie war allemal schön.

Freude am Bekannten – und am Unbekannten

Sex als Verheißung der Liebe
Wir wissen aus der Erfahrung, wie viel Lust die Menschen überkommt, wenn sie an laue Sommernächte, Kerzenschein und sanft prickelnden Champagner denken. Und wir wissen aus der Forschung, dass erstaunlich viele Menschen Freude an Schlägen, Fesselungen oder anderen „perversen“ Lüsten haben. Obgleich es nicht so scheint, gibt es eine Gemeinsamkeit: die Illusion, dass all dies unglaublich erregend sein könnte, und dies auch dann, wenn es kein Erlebnis gibt, das als Referenz infrage käme.

Die wenigen, sinnlichen Momente der Lust, gleich welchen Ursprungs, sind immer dann schön, wenn sie erträumt oder aus der Vergangenheit geschöpft werden. In der Realität oder in der Gegenwart sind sie einfach heftige Gefühlsregungen, die mal lustvoll und sinnlich, dann aber wieder auch enttäuschend und lustlos sind. Die besseren von ihnen werden konserviert, und nicht selten später aufgeschönt.

Sex mit Liebe oder Sex aus Liebe?

Das alles hindert uns nicht, immer wieder die heftig-sinnliche Variante der Lust zu suchen: Sex. Die Frage, ob er sich von der Liebe entkoppeln lässt, ist müßig: Der Penis wird nicht hart durch die Liebe, und die Vagina wird nicht feucht davon. Sex existiert, weil er ein Naturphänomen ist, und unser Hirn macht daraus eine Melange aus Leidenschaft, Liebe, Lust, Penetration und Orgasmen. Frauen, die sagen, sie könnten keinen Sex genießen, wenn sie nicht verliebt wären, vergessen, dass andere oder sie selbst dieses Programm in ihrem Hirn hinterlegt haben. Es ist kompliziert und sagt ja nicht einmal aus: „Aha, wenn Liebe, dann Sex.“ Vielmehr sagt es: „Falls verliebt, dann muss dies eintreten und jenes und schließlich, wenn alles auf den Punkt gebracht ist, dann schenke oder begehre ich Sex.“

Sex allein erzeugt andere Gefühle als Sex in Verbindung mit Liebe. Und wenn wir es genau nehmen, dann ist die Kombination „Sex und Liebe“ nicht durchgängig positiv zu bewerten, sondern oft eben auch eine fragwürdige psychische Vermengung, die zu Verwirrungen und Trugschlüssen führen kann. Andererseits ist gerade diese Kombination sehr gefragt – und sehr sinnvoll, wenn man eine dauerhafte Beziehung plant.

Wie ist es nun mit der Liebe, dem Sex und SM-Gelüsten?

Unterwerfung in der Ehe
Die Vorstellung, jemandem „ganz zu gehören“ ist zwar bedenklich, aber deshalb unter Liebenden dennoch populär. Wer dem anderen „ganz gehören“ will, verschreibt sich ihm (oder ihr) mit Leib und Seele. Von dieser Vorstellung bis zu den Rollenspielen liegt nur ein kleiner Schritt: „Jetzt will ich dir zeigen, wie ernst ich es mit der Unterwerfung meine“. Es ist sozusagen die Überhöhung einer im Grunde genommen schwachen, aber doch vorhandenen Abhängigkeit. Und es erscheint plausibel, das Gefälle in Beziehungen spielerisch zu senken, als es dem anderen ständig vorzuhalten. Wer im realen Leben um Geld, Gunst oder Freiräume betteln muss, ist allemal schlechter dran als derjenige, der sie im Spiel ausleben kann. Dies sollten all jene bedenken, die sich vor Abscheu umdrehen, wenn von SM-Spielen in Beziehungen die Rede ist.

Liebe, Sex, Lust und Schmerz – alles Liebe oder was?

Themen über die Liebe und Themen der Liebe sollten eigentlich immer alles umfassen, was im Namen der Liebe oder aus Liebe getan wird, gleich, wo es auf der Bewertungsskala steht. Es ist keine Frage, dass sich Sex und Liebe im Alltag sowohl vermengen als auch separieren lassen, und also ist Sex ein wichtiges Thema für jede Liebesbeziehung – aber es kann auch separat behandelt werden. Und die Lust am Besonderen, an Gehorsam, Unterwerfung, Schlägen, Fessellungen und ähnlichen SM-Spielen? Niemand würde danach fragen, wenn das Thema nicht so herrlich spektakulär wäre. Ob es zur Liebe gehört? Das zu klären, würde mehr Raum erfordern. Aber es gehört allemal zu den intensiven sinnlichen Empfindungen.

Bilder: Historische Buch-Illustrationen, Fotomontagen.

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