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Der Morgen danach –der Lendemain

Der Morgen danach - geht es nun weiter?


Der Morgen danach – er hat etwas Mystisches, auch heute noch. Doch im Gegensatz zu früheren Zeiten ist die Frage nicht mehr: „Schwanger geworden oder nicht?“ Sonder immer häufiger: „Was bedeutete es eigentlich?“

Einem auch heute noch verbreiteten Psychiatrieglauben zufolge wollten „es“ Frauen eigentlich nie, sondern taten „es“ weil sie bedrängt wurden oder „aus Liebe zu ihm“. Doch sieht man genauer hin, so hätten viel mehr junge Frauen im Bürgertum gerne sinnliche Bettaffären gehabt – doch sie fürchteten den „Lendemain“, genau gesagt: das Aussetzen ihrer Regel und damit die Schwangerschaft vom „falschen“ Mann. Bekanntlich waren die bürgerlichen Ehefrauen darin nicht so zimperlich – sie schoben ihre Bankerts dem Ehemann unter – der solche Kinder besser akzeptierte, wenn er keinen Skandal riskieren wollte.

Ein Zitat aus dem Jahr 1899:

Sie hatte auch die Angst vorm Lendemain. Sie wartete auf den Lendemain. Und dann war’s wirklich Morgen und der allerschönste Sonnenschein und Vogeljubilieren – und sie lachte, lachte übers ganze Gesicht: „Ich bin so froh, Schatz! Ich glaub’, ich könnte fliegen!“


Das Zitat von „Hans von Kahlenberg“ stammt in Wahrheit von einer Frau, Helene Keßler (geborene Helene von Monbart). Man könnte endlos über die Zeit schreiben, in der es entstand: fast genau zur 1900er Jahrhundertwende. Die „Konvenienzehe“ war groß in Mode: Die Tochter wurde „nach der Vernunft“ verhökert, nicht nach ihrem Willen. Man kann davon ausgehen, dass insbesondere die „höheren Töchter“, die damals ja nicht nur Zugang zu Lexika, sondern auch zu gewissen erotischen Schriften hatten, durchaus lustvoll angeheizt waren. Sicher, die Eltern versuchten, die Triebe zu unterdrücken - doch das nützte bisweilen wenig.

Die Triebe der jungen Frauen waren auch schon 1900 aktiv

Auch die beste Triebunterdrückung half nichts gegen die Neugierde. Der Körper hat ein gewisses Verlangen, und das hatte er auch damals schon, nur stand noch der Ruf dagegen – und die Möglichkeit, schwanger zu werden. „Sie murmelt: 'Nur kein Baby, Liebchen! Nicht wahr, du thust mir nichts?'“ sagt die Heldin zu ihrem Geliebten, doch was sie will, ist klar: Einmal leidenschaftliche Glut erleben, bevor sie in eine öde Ehe geht, in der sie doch nur die Gebärerin der Nachkommen ist.

Bis heute: Angst vor dem "Morgen danach"

Ganz weggewischt ist die Angst vor dem Lendemain, dem „Morgen danach“ auch heute nicht – nicht beim ersten „ersten Mal“ und auch nicht beim dreißigsten „ersten Mal“. Eine weitläufige Bekannte von mir hatte besonders viele „Lendemains“, und damit auch häufiger einmal eine dadurch bedingte Krankheit, die sie dann eine Weile am Dating hinderte. „Es ist halt schöner ohne“, pflegte sie zu sagen, wenn man sie daraus ansprach, „und außerdem hat nicht jeder Mann Kondome dabei.“

Sehr viel geändert hat sich daran unter Erwachsenen leider nicht. Immer noch wird Männern geraten, möglichst mit verheirateten Frauen zu schlafen: „Die haben meistens nichts“ – und vor Schwangerschaften sie man bei ihnen auch ziemlich sicher. „Bestenfalls checkt man, ob der Partner ‚so etwas‘ häufiger macht“, sagte mir eine Dame mittleren Alters, die seit einiger Zeit Causal Dating betreibt.

Das alles gilt für Erwachsene, die beide Herren ihrer Sinne sind, und nicht bereits so stark angetrunken, dass sie nicht mehr wissen, was sie tun. Doch ist dies die Realität? „Ich trinke immer eine halbe Flasche Wein, bevor ich zum Date gehe“, wusste eine andere Dame zu erzählen, „dann bin ich locker genug, um es zu tun.“ Andere erzählen Horrorgeschichte, wie sie „abgefüllt“ wurden – doch sind die meisten Schilderungen höchst unglaubwürdig. Spezielle Cocktails, die das „Höschen rutschig“ machen, sind zwar immer noch das bestgehütete Geheimnis der Barkeeper, aber letztendlich beruht alles darauf, den Alkohol hinter Zucker zu verstecken, und spätestens bei dem zweiten „einschlägigen“ Versuch sollten Damen eigentlich wissen, wie diese Arten von Trick-Verführungen funktionieren.

Was passierte in der Nacht? Hatte ich Sex?

Irgendwann wachen die Damen auf – und sind entsetzt über das, was sie taten. Doch was taten sie eigentlich? Schon mancher Frau riss der Film, als sie sich auf Bett oder Couch legte, und was war dann gewesen? Hatte sie der Mann ausgezogen, oder sie sich noch selbst? Und wie weit war sie noch gegangen, bevor sie den Filmriss hatte?

Wenn die Nacht schön war - könnte man es dabei belassen

Selbst, wenn die Nacht eigentlich schön war, muss der Morgen nicht ebenso schön sein. Ist es ein „zweites kennenlernen“, wenn man neben einem Bettpartner aufwacht? „Wieso eigentlich ein zweites Kennenlernen“, wand einmal eine Dame mir gegenüber gegen die Aspekte ein, der „Morgen danach“ sei der Moment der Wahrheit für die Beziehung. „Gehst du denn davon aus, dass jede Frau eine Beziehung will, nur weil sie mit einem Mann schläft?“

Der nächste Morgen - falls man eine Beziehung will

Ja, sicher – wenn man eine Beziehung will – dann ist der Lendemain der Moment der Wahrheit. Aber falls die Sache liebevoll, halbwegs nüchtern und lustvoll ausging, muss man den Moment der Wahrheit auch nicht fürchten. Die Wahrheit beim ONS hingegen hat viele Aspekte: Man sieht die Dame viellicht erst spät im hellen Licht eines Flures und erschrickt … oder sie zieht sich aus und man denkt: „Nein, um Himmels willen, nicht das …“. Nun und dann der nächste Morgen: Blass, abgeschminkt, verkatert liegt sie da, will sich vielleicht nicht einmal berühren lassen, weil sie sich nun schämt …

Der Lendemain? Der Morgen danach? Es gibt nur zwei Wege, die Nacht in bester Erinnerung zu behalten: Zu verschwinden oder sofort wieder zu kuscheln und sich neu zu erregen. Gerade die Liebe am nächsten Morgen hat schon manchen Mann zum Bleiben verleitet. Wehe der Frau, die jetzt sagt: „Nein, Liebster, jetzt nicht … ich rieche doch jetzt nicht gut.“

Womit ich schließen will und sagen: Der Geruch einer lustvollen Frau am Morgen kann wesentlich attraktiver sein als die Parfümüberlagerung vom Abend.

Trackbacks

liebepur am : Was über den „Morgen danach“ zu sagen wäre …

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Heute ein Blind Date – morgen neben jemandem aufwachen. Ist das nun ein Liebestraum oder ein Albtraum? Es kommt darauf an, was man zuvor wollte. Nüchtern, im vollen Bewusstsein dessen, was man tut, kann die Entscheidung einfach die pure Lust gewesen s

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