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Affront gegen die 50-Plus-Generation: verantwortungsloses Vögeln?

Du nimmst doch bestimmt ein Kondom, Liebling?

Journalisten im populären Wissenschafts-Bereich sind manchmal wie Hyänen: Sie stürzen sich auf Themen, die nach Aas riechen. Zunächst machen sie die tolle Entdeckung, dass manche ältere Damen und Herren noch lustvoll Sex genießen. Sie tun dies oft mit dem süffisanten Unterton, das alte Haut vielleicht nicht mehr so sinnlich duftet und schmeckt: Na, Jungs und Mädels? Musstet ihr nicht früher eure Großmutter küssen? Und habt ihr euch vor der faltigen, mit Altersflecken übersäten Haut geekelt? Irgendwie wird doch da der Gedanke geweckt: Ey, guck mal, die Tattergreise vögeln noch, wie ekelhaft!

Eines der angeblichen Forschungsergebnisse, von denen wir immer wieder lesen, ist das angeblich „kolossale“ Anwachsen von sexuell übertragbaren Erkrankungen, früher schlicht „Geschlechtskrankheiten gekannt. Sogar die angesehen US-Zeitung „New York Times“ trat hier in die Pampe: Ein gewisser Ezekiel Jonathan "Zeke" Emanuel (geboren 1957, also selbst „Senior“) will festgestellt haben, dass „Senioren“ nie hingehört haben, wenn es um „Safer Sex“ geht. Er schreibt:

Selbst, wenn die Botschaft zu ihnen vordränge, glaubten sie nicht, dass sie auf sie zuträfe … und sie wuchsen auf, bevor die Safe-Sex-Zeit begann.


Dann wirft der Herr Emanual ein bisschen mit Zahlen um sich, die ganz erschreckend klingen: Die Syphilis ist auf dem Vormarsch … sie stieg angeblich um 52 Prozent bei den US-Amerikanern über 65. Wer sich die Zahlen genau ansieht, wird feststellen, dass dieser „Anstieg“ zwar vorhanden, aber in absoluten Zahlen (und nicht in Prozent) lächerlich gering ist. Bei Frauen wird sogar von „null“ ausgegangen. In der Altersgruppe 65+ tauchen also weniger Neuinfektionen mit Syphilis auf als in allen anderen untersuchten Altersgruppen – nur die 10-14-jährigen kamen günstiger weg. (Danke an Kent Sepkowítz von „The Daily Beast“).

Die angeblichen Gründe für die "Epidemie" unter den über 65-Jährigen

Angeblich – so der NYT-Autor ist das „Anwachsen“ der sexuell übertragbaren Krankheiten, die er als „Epidemisch“ bezeichnet, auf vier Punkte zurückzuführen:

1. Wohngemeinschaften von Rentnern.
2. Länger Lebenszeit.
3. Nicht gewohnt, Kondome zu benutzen.
4. Viagra.


Erstaunlich, dass der vorlaute US-Amerikaner die Lösung hat, bevor das Problem klar beschreiben wurde - das hat er nämlich vermieden.

Möglicherweise könnte es ja so sein, dass nur sechs Prozent der US-Männer „über 61“ Kondome verwenden, weil sie ihnen bereits bekannte Frauen (möglicherweise gar Ehefrauen) vögeln. Und ob die sechs Prozent mit Huren oder Strichern verkehrten, und deshalb Kondome nahmen.

Unabhängig davon: Es ist purer, hinterhältiger Populismus, wenn man „Männer über 61, 65 oder über welchem Senioren-Alter“ sonst verantwortlich dafür macht, dass sich sexuell übertragbare Krankheiten ausbreiten. Und es ist eine Unverschämtheit, wenn man sie bezichtigt, zu blöd zu sein, um etwas über Kondome zu wissen. Schließlich gibt es HIV nicht erst seit 10 Jahren (und Safe Sex bereits seit über 15 Jahren) – und gelebt (und gevögelt) hat man auch schon vorher.

Quellen:
NYT für den Originalartikel.
Widerspruch in The Daily Beast.
Beispiel für de tatsächlichen Zahlen.
Bild: Original von Ferdinand von Reznicek, nachträglich koloriert.

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