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Peitschenfrauen und peitschende Frauen

Moderne Darstellung in einem PULP-Magazin
Frauen mit Peitschen tauchen nicht nur in der erotischen Trivialliteratur auf und sie erscheinen keinesfalls nur in pornografischen Heften oder Filmen.

Postkarte zum Theatherstück "The Lion Tamer"
Frauen mit Peitschen in der Werbung
Vor allem in der Werbung für Zirkusse, Raubtiershows und sogar Theaterstücken wurden sie genutzt, um das männliche Publikum zugleich in Verzückung und Erregung zu versetzen.

Unvergessen ist das Porträt von Lulu Glaser, die 1891 am Broadway im Theaterstück „Die Löwenbändigerin“ zu sehen war. Sie ließ sich später mit Peitsche und Zylinder porträtieren – das Bild soll als Postkarte tausendfach verkauft worden sein.

Die berühmte Comtessa de X
Zu jener Zeit gab es bereits weibliche Dompteure und die Zirkusse überbotene sich damit, diese als Sensationen herauszustellen. In der Werbung musste die Frau in der Manege natürlich noch wesentlich erotischer wirken als in der Realität – und das schaffte der „Cirque d’Hiver“ am besten mit seiner Darstellung der Frau mit der Maske, die als „Comtessa de X.“ bekannt wurde.

In der Trivialliteratur wurde das Motiv der exotischen Peitschenfrau als Dompteurin von Frauen und Männern häufig aufgegriffen, sei es im Dschungel oder anderwärts, wie im Titel gezeigt.

Heute sind die Fotografien, die als Werbung für „Männer-Dompteusen“ verwendet werden, vergleichsweise fantasielos – da reicht eine Peitsche in der Hand einerseits und ein strenger Gesichtsausdruck andererseits. Ob Lederklamotten, Rock und Pullover oder Dessous – irgendein Outfit wird die Zielgruppe „unterwürfiger Mann“ immer erreichen.

Bilder: Oben - Titel eines Groschenhefts "Sex Circus", darunter Postkarte, historisch, darunter: Zirkusplakat, ca. 1900.

Weibliche erotische Dominanz im Wandel der Zeiten

Sinnbild einer "Englischlehrerin", nach einem Foto um 1925
Seit weit mehr als einem Jahrhundert beschäftigt sich die Welt der erotischen Literatur mit femininer Dominanz.

Je nachdem, wer die Heldin ist, aus welchen Kreisen sie stammt und welche Reputation sie genießt, kann diese Figur alles sein. Sie kann Schauspielerin, Tänzerin oder Modell gewesen sein, Krankenschwester oder Medizinstudentin, Gouvernante, Kindermädchen oder Lehrerin. Nur sehr selten werden in Romanen „Stiefelfrauen“ oder Bordellbesitzerinnen erwähnt, die solche Dienste verrichten.

Die Suche per Zeitungsanzeige: Strenge, attraktive Englischlehrerin ...

Früher begannen solche Beziehungen oftmals mit Anzeigen (Zeitungsanzeige, Frankreich, aus einem Roman):

Dame, alleinstehend, wünscht sich einen sehr unterwürfigen Schüler, um ihm Englischlektionen zu geben. Zuschriften unter …


Damals verstand jeder Mann, was gemeint war: Die Englischlektionen hatten nicht mit Sprache zu tun, und die Lehrerin verstand sich nicht auf Shakespeare, sondern auf verbläute Männerhintern.

Wir lesen etwa aus der gleichen Zeit (1):

«Unter der Flagge des „englischen Sprachunterrichts“ bieten sich sehr häufig Damen an, die entweder sadistisch empfinden oder aus masochistischen Passionen Gewinn schlagen wollen.»


Wir dürfen gerne annehmen, dass die zweite Möglichkeit die Regel war – denn Anzeigen dieser Art wurden selten aus Neigung aufgegeben. In der damaligen Zeit kam es sehr, sehr selten vor, dass sich ein Herr aus seiner Bedürftigkeit herauswagte und selbst eine Such-Annonce für eine „Englischlehrerin“ aufgab. Dr. Leo Perry hat es zu Testzwecken gewagt und tatsächlich antwortete ihm eine der Damen. Sie verwies zunächst darauf, wirklich Sprachkenntnisse zu haben, ging aber dann bald ins Detail.(1)

Mit ausgezeichneten Sprachkenntnissen verbinde ich Energie, ja Strenge und Unerbittlichkeit bei gewissen Fehlern in der Aussprache – bei mir muss man parieren – da gibt es nichts.


Gut, alles klingt ein klein wenig vermufft – aber die Vorstellung durchzieht die Jahrhunderte gerade so, als würde heute jemand nach der „englischen Erziehung“ verlangen.

Gibt es sie noch, die "Englischlehrerinnen"?

Heute ist die Verschleierung in der Kombination „streng“ oder „unerbittlich“ mit „Englischlehrerin“ oder „englischer Erzieherin“ meist nicht mehr nötig.

Neulich lasen wir einen Internet-Beitrag, (2) der sich an Herren mit derartigen Interessen wendet:

Du sehnst dich nach einer strengen Lehrerin, die dich nach den Regeln der alten Schule konsequent unterrichtet? Und deine Geilheit hindert dich daran, ein braver und fügsamer Mensch zu sein? Dann ist die strenge Erziehung mit dem Rohstock genau das, was du brauchst! Als selbstbewusste Englischlehrerin weiß ich, was geile Böcke wie du brauchen: Respekt vor Frauen. Und den bekommst du von mit eingebläut, und zwar nachhaltig. Du kannst sicher sein, dass meine Methoden auch schwere Fälle von Lüstlingen zu Disziplin und Demut bringen.



Offenbar spukt der alte Geist immer noch in den Köpfen der Männer. Sie schämen sich ihrer Geilheit und hoffen, diese unter dem Rohrstock oder der Peitsche zu verlieren – wohl wissend, dass sie die nur noch mehr aufgeilt.

Sie können eine andere Version dieses Artikels mit noch mehr Hintergrundinformationen auf "sinn und sinnlichkeit" lesen.

(1) Aus "Auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege", Wien 1927).
(2) (Das Zitat wurde sprachlich verändert, sodass keine Rückschlüsse auf den Urheber gefunden werden können).

Sie können eine andere Version dieses Artikels mit noch mehr Hintergrundinformationen auf "sinn und sinnlichkeit" lesen.

Wer liest (denn schon) erotische Literatur?

Erotik - manchmal als Eheliteratur getarnt
Eine der interessantesten Fragen zu Romanen, Novellen und Kurzgeschichten besteht darin, warum es sie überhaupt gibt. Wenn man einmal alle historischen, sozialen und kulturellen Aspekte weglässt, dann ist es die Neugierde auf das Leben anderer, aber auch auf das, was andere Menschen stellvertretend erlebt oder erdacht haben.

Die Schilderung der sexuellen Lust - Stiefkind der Literatur

Literatur kann dreierlei: reduzieren, schildern oder überhöhen. Die erotische Literatur wäre eine Meisterin darin, mehr noch als jede andere Literaturgattung – aber der Konjunktiv ist berechtigt, denn sie ist es nicht. Sie leidet vielmehr unter ihren vielen Dilettanten, die nicht in der Lage sind, alle Aspekte des erotischen Handelns und Fühlens zu schildern. Ja, sie zwingt sogar bekannte Schriftsteller zu einer Verflachung und Verfälschung des Ausdrucks, sobald von Sexualität die Rede ist.

Vorauseilende Furcht vor der Zensur

Zudem muss der Schriftsteller die Zensur fürchten, wenn er die Vorgänge realistisch aus der Sicht des Voyeurs oder gar des Betroffenen schildert. In der Erotik ist nichts so brutal und ehrlich wie die Wahrheit, und sie schreckt bisweilen ab. Tendenzen, wie etwa die Bigotterie, die Wohlanständigkeit, das Gutmenschentum oder der Feminismus, wirken mit, um Schriftsteller(innen) in die Ecke der „Schmutzfinken“ und „Menschenverächter“ zu stellen.

Erotik - schlecht weil sie erregend ist?

Erotische Literatur wir – daran kann kein Zweifel bestehen – einerseits zur Information, andererseits zur Erregung geschrieben. Wir vergessen oft, dass insbesondere junge Leute, neugierige Menschen mittleren Alters und solche, die ihre Lust bereichern wollen, tatsächlich an authentischen oder quasi-authentischen Informationen interessiert sind. Das heißt, sie wollen genau wissen, wie sich Menschen in ungewöhnlichen erotischen Situationen fühlen, vom ersten Eindringen eines Penis in die Vagina bis zur Fesselung an ein Andreaskreuz. Frauen wollen wissen, mit welchen Mitteln Verführerinnen arbeiten, Männer suchen nach Möglichkeiten, Frauen ins Bett zu bekommen und Grenzgänger(innen) suchen nach Informationen über die Lust am anderen Ufer.

Nahezu jeder Autor versteht sich darauf, Erotik zu reduzieren, und eine beträchtliche Anzahl von Schundschreiber (inne)n und Autoren (Autorinnen) mit Millionenauflagen tut nichts anderes als dies. Nur eine Minderheit schreibt realistisch, inklusive Verletzungen und Grenzüberschreitungen, und ebenfalls sehr wenige überhöhen die Lust, wie es einst Salomon tat.

Was wir nicht lesen - die realistische Schilderung der Lust

Überzeugende Sprache? Handwerkliches Können? Eine realistische, teils sinnliche, teils brutale Darstellung dessen, was in Körper, Geist und Psyche beim Sex abläuft? Nein, das lesen wir nur selten.

Dabei wäre es durchaus eine literarische Aufgabe. Wenn es wahr ist, dass Schriftsteller Welten vermitteln wollen, dann sollten sie das, was im Kosmos der Lust geschieht, so intensiv und realistisch schildern, wie es sich tatsächlich darstellt.

Gefühle beschreiben, um sie nachvollziehbar zu machen?

Wer erotische Literatur liest – gleich, ob aus dem 19. Jahrhundert oder dem 21. Jahrhundert - findet dergleichen nur selten. Nähe zu den geschilderten Personen ist dabei so wichtig wie der nötige Abstand zu ihnen. Ein junger Mann kann die Gefühle während seines ersten vollständigen Geschlechtsakt noch gar nicht schildern – er bracht Abstand und das Vermögen, sich später noch einmal gedanklich und emotional auf den Prozess einzulassen. Ebenso vermessen ist es, nur „Betroffene“ zu Wort kommen zu lassen, wenn es um homoerotische Begegnungen, Partnertausch oder SM-Aktivitäten geht. Immer und überall ist nötig, sich in die Person einzufühlen und somit eine Vorstellungskraft für fremde Gefühle zu entwickeln. Denn nur, wer selbst Gefühle „nachempfinden“ kann und über sprachliche Macht verfügt, kann sie auch vermitteln.

Nun gut – fast schon zu viel gesagt. Wer lüstet und dabei lernen will, sollte ja keine Pornografie sehen, sondern lesen. Fragt sich nur: was denn eigentlich?

Dieser Artikel erscheint auch in "Mehrhaut"

Warum die unperfekte Frau perfekt ist

Da geht sie die Straße lang, die unperfekte Frau. Sie hat keine Frauenzeitschrift abonniert. Das ist schon mal ganz wichtig. Denn dann ist sie nicht ständig unsicher über das, was sie tut. „Soll ich Dates eingehen oder lieber nicht?“ „Was darf ich das sagen, und was sag ich lieber nicht?“ „Muss ich vorher zum Friseur oder zu Kosmetikerin?“ Sie geht einfach die Straße entlang. Sie hat gehen gelernt, aufrecht und selbstbewusst.

Sie kennt das Wort „Selbstoptimierung“ nicht. War nie bei einer Stilberatung, nicht einmal auf einen Make-up-Kurs. Manchmal kauft sie Klamotten im Second Hand, manchmal im Warenhaus und dann und wann im ersten Haus am Platze. Aber sie geht weder in ein Fitness- noch in ein Beauty-Studio, macht kein Yoga und kein Tai-Chi. Sie isst, was sie mag, auch wenn es schrecklich ungesund ist, und sie trinkt, was ihr schmeckt.

Sie lacht darüber, was Frauen tun oder lassen sollten, was sie denken dürfen und was nicht. Sie meint aber von sich, sie sei feminin und sie wisse besser als andere, was ihr gut täte. Zum Beispiel, wann sie Lust auf Sex hat. Dafür hat sie Strategien. Sie holt sich, was ihr gut tut, wenn es gibt, was sie mag. Wenn nicht, sucht sie ein bisschen – sie weiß, wo sie hingehen muss. Und wenn es mal nicht klappt, hat sie ihre kleine Sammlung von Instrumenten – nicht ganz dasselbe, aber dafür ziemlich zuverlässig.

Sie besitzt schöne Augen, kann hübsch lächeln und hat eine unwiderstehliche Stimme. „Mein Kapital“, sagt sie, manchmal, „kleiner Einsatz – große Wirkung.“

Sie ist in jeder Hinsicht unperfekt. Und sie findet das perfekt. Vermutlich gehört sie zu den bedrohten Arten. Oder doch nicht?

Was interessierte den Uropa an der Frauenbrust?

Erst scheu, verdeckt, dann offen: für Liebhaber der Frauenbrust in alten Zeiten
Was interessierte eure Urgroßväter (oder Ur-Urgroßväter) an der Frauenbrust?

Vor allem, dass ein junger Mann, der nicht verheiratet war und niemals ein Bordell besuchte, gar keine Chance bekam, eine Frauenbrust zu sehen. Nicht nur die Brust war fest zugeknöpft, sogar die Kleider der vornehmen Damen waren knöchellang.

So wie hier:

Keine Chance, die Brüste auch nur zu erahnen: Vornehme deutsche Dame Anno 1908