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Sind Nicht-Beziehungen ein Trend?

Trends sind immer das, was in der Presse verbreitet wird – meist ohne genaues Hintergrundwissen. Die „Generation beziehungsunfähig“ oder „Generation Nichtbeziehung“ wird nach allen Regeln der journalistischen „Kunst“ ausgeschlachtet, wobei man sich kaum um Kollateralschäden kümmert.

Das Erstaunliche: Alle machen mit, und deshalb soll aus zett zitiert werde, einem Partner von ZEIT Online:


Das Problem dabei ist natürlich, dass sich eine Nicht-Beziehung gar nicht wirklich erklären lässt. Denn genau darum geht es ja bei Nicht-Beziehungen: Man will es nicht definieren. Aber es lohnt sich trotzdem, dieses Phänomen mal ein bisschen aufzuschlüsseln. Denn Nicht-Beziehungen sind typisch für unsere Generation und sagen daher einiges über uns aus.

Sind WIR Beziehungsunfähig?

Das „Uns“ bezieht sich auf junge Leute, und zwar überwiegend solche, die im Wohlstand aufgewachsen sind und selber wirtschaftlich ausgesprochen gut dastehen. Es scheint, als ob die „Wohlhabenden und Schönen“, mögen sie nun Redakteure oder Psychotherapeuten sein, ihre Beobachtungen, die sie im Kreis der „gut Situierten“ machen konnten, auf alle übertragen – oder auf „uns“, womit dann allerdings eher die saturierte Jugend gemeint ist.

Frauen damals und heute

Es gab sie immer, diese eigenartige Form des wenig zielsicheren Suchens, der vorschnellen Liebesschwüre und der Beziehungen „auf Zeit“. Der Unterschied ist allerdings, dass die Frauen früherer Jahre darauf angewiesen waren, irgendwann „bemannt“ durch die Welt zu ziehen. Das hatte moralische, soziale, vor allem aber wirtschaftliche Gründe. Wenn eine Frau mit über 25 Jahren noch ledig war, dann wurde sie nach vor 50 Jahren „schräg“ angesehen – sie war auf dem besten Wege, eine „alte Jungfer“ zu werden und bis ans Lebensende irgendwo als „Kontoristin“ zu vermiefen.

Das alles ist längst vorbei – zwei Generationen später sind Frauen erfolgreich berufstätig, verdienen viel Geld und können sich selber eine sichere Existenz bürgenden. Und sie können etwas tun, was ihre Großmüttern nicht konnten: „Unverbindliche Formen des Zusammenseins“ wählen. Beziehungen, die zwischen einigen Stunden, ein paar Wochen und wenige Monate reichten.

Das gilt nicht nur für Frauen – auch der Mann sieht keine Notwendigkeit mehr, vom ersten Lohn oder Gehalt etwas zurückzulegen, um einmal „heiraten zu können“. Warum sollte er? Frauen gibt es zwar nicht mehr für jeden Mann – aber wer halbwegs aussieht und genügend verdient, kann sich seine Beziehungen aussuchen, kann sie beenden und wechseln – wie die entsprechenden Frauen auch.

Beste ökonomische Bedingungen führen in die Unverbindlichkeit

Klug ist das sicher nicht – weder für Frauen noch für Männer. Nur die Argumente, die jetzt an den Haaren herbeigezogen werden, beruhen auf Fantasien: Niemandem wird „Unverbindlichkeit in die Wiege gelegt“, wie ich neulich lesen musste.

Ich will das begründen: Wenn Wohnraum für sie wirklich knapp wäre, dann müsste vor allem die Singles zusammenziehen, um noch eine Wohnung zu ergattern. Wenn die Altersversorgung wirklich als unsicher empfunden würde, dann müsste Menschen sich darauf vorbereiten, im Alter „zusammenzulegen“. Wenn Jobs so unheimlich befristet wären, dann würden Paare zusammenleben, damit wenigstens einer einen Job hat. Der „Imperativ der Flexibilität?“ Da kann ich nur lachen. Die meisten Menschen mit mittlerer oder schwacher Bildung hängen an ihrer „Heimat“ und wollen weder für Jobs noch für Beziehungen fortziehen.

Für mich ist klar: Nur die deutlich verbesserte ökonomische Lage der Jugend ermöglicht das Leben in sogenannten Nicht-Beziehungen. Es ist eben möglich, Beziehungen auf Zeit einzugehen und sie zu genießen – und dabei wirklich niemandem einen Schaden zuzufügen.

Aber – es ist nicht klug. Nicht emotional, nicht sozial, nicht körperlich und schon gar nicht wirtschaftlich. Die meisten Menschen merken es ab 40, manche erst später. Auch dann ist immer noch Zeit, den Schaden zu begrenzen, aber es wird deutlich schwieriger.

Nicht-Beziehungen - kein Trend - aber nicht besonders schlau

Um eine Antwort auf die Eingangsfrage zu geben: Nicht-Beziehungen sind kein Trend, sondern eine unsäglich dumme Erfindung – von wem auch immer. Beziehungen sind Beziehungen, auch wenn sie „auf Zeit“ angelegt sind. Die Partner gehen aufeinander ein, sie stützen einander, und sie erleben berauschenden Sex miteinander. Das bedeutet nun auf keinen Fall, dass die Aneinanderreihung von Beziehungen sozial und wirtschaftlich sinnvoll ist – aber jeder ist seines Glückes Schmied, und wer sein Glück in der Unverbindlichkeit vermutet, der hat auch ein Recht, es zu erproben.

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