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Warum Deutschland die führende Nation im Online-Dating wurde

"Warum Deutschland die führende Nation im Online-Dating wurde" beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Matchmaking, also der Online-Partnervermittlung. Es beleuchtet die Branche und ihre Entwicklung von den Anfängen bis zum heutigen Tag,

Als das Online-Dating noch in den Kinderschuhen steckte, versuchten US-amerikanische Unternehmen, den deutschen Markt „mit leichter Hand“ zu erobern. Sie alle haben kläglich versagt, wenn man einmal von dem weltweiten Erfolg von Tinder absieht.

Es mag viele Gründe geben, warum sich die US-Firmen in Deutschland kaum durchsetzen konnten. Ein Teil kann damit begründet werden, dass die Amerikaner keine Ahnung von europäischer oder gar deutscher Mentalität hatten - es fällt ihnen bis heute schwer. Ein anderer Teil ist sicher darauf zurückzuführen, dass sie kein Verständnis für die Feinheiten er deutschen Sprache hatten und dachten, schlechte Übersetzungen seien immer noch besser als gar kein Deutsch.

Allerdings scheint auch eine Rolle zu spielen, dass „Dating“ damals in Deutschland ein völlig unbekanntes Spiel war. Hier sah man sich neue Partner oder neue Partnerinnen an, und wenn das erste Treffen „gut lief“, dann versuchte man, zusammenzubleiben. Ein Teil ging den anderen Weg: Hauptsache, man verlebte ein paar schöne Tage miteinander. Aber Dating-Rituale wie in den USA gab es in Deutschland nie.

Der Absturz der Heiratsanzeige – und eine neue Idee

Diese Tatsache machte sich vor allem der Holtzbrinck-Verlag zunutze, der voraussah, dass das Anzeigengeschäft bei Heiraten und Bekanntschaften mit dem neuen Medium „Internet“ zurückgehen würde. Das Geschäft ging recht gut, jedenfalls von 2001 bis 2015. Just zu diesem Zeitpunkt ging das Unternehmen an eine Investorengruppe. „Parship“ war von vorn herein anders als andere. Exklusiver, teurer und nach eigenen Vorstellungen „wissenschaftlicher“ als der damalige Wettbewerb. Dabei war die Idee keinesfalls neu: „Matching per Computer“ war schon längst bekannt - aber man brauchte das Internet, damit es so effektiv werden konnte wie heute.

Der Erfolg der Online-Partnervermittlungen in Deutschland

Das damalige Vorbild war die angeblich erste Online-Partnervermittlung, die Algorithmen einsetzte, der Name: eHarmony. Der Mythos, ein zwar geheimnisvolles, aber wissenschaftlich völlig beweisbares System der Partnersuche zu besitzen, war das wesentliche Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens.

Die Mythen und der Pragmatismus

Die Gründer von Parship übernahmen den Mythos, und nach ihnen alle anderen Unternehmen, die jemals ins sogenannte „Matchmaking“ einstiegen. Jedes der ähnlich gelagerten Unternehmen, das danach auf der Welt gegründet wurden, strickte seinen eignen Mythos. Mal berief man sich auf Sigmund Freud, dann wieder auf Carl Gustav Jung. Manchmal wurde behauptet, man nutze Myers-Briggs, dann wieder die „Big Five“. Doch bald zeigte sich, dass diese Konzepte nicht recht tauglich waren, und man begann, sogenannte „beziehungsrelevante Faktoren“ zu extrahieren. Diese beruhen darauf, dass es Persönlichkeitseigenschaften gibt, die für Beziehungen wichtig sind und solche, die zwar psychologisch erfassbar sind, aber für persönliche, intime Zweierbeziehung kaum eine Rolle spielen.

Warum so kompliziert, wenn es auch einfacher geht?

Inzwischen spielen diejenigen, die behaupten, die einzig richtigen, psychologisch genau definierte Algorithmen zu besitzen, wie sie beispielsweise von Fernando Ardenghi vertreten werden, kaum noch eine Rolle. Aus diesem Grund ist auch die Meinung einiger KI-Anbieter irrig, mit modernsten Supercomputern „bessere Matches“ erzeugen zu können.

Die Erfolgsgeschichte bis zum heutigen Tag

Zurück nach Deutschland: Holtzbrinck hatte auf das richtige Pferd gesetzt. Matchmaking, im deutschen Sprachgebrauch „Online-Partnervermittlung“ genannt, entsprach genau dem, was die Menschen hier wollten: einen schnellen und relativ sicheren Weg zum Lebenspartner aus einem begrenzten Angebot. Nicht nur suchen, sondern Partner vorgeschlagen bekommen. Auf Vorschläge einzugehen, ist nun einmal wesentlich bequemer, als Datenbanken zu durchwühlen. Als Holtzbrinck sich zurückzog, waren die Bedingungen für alle Unternehmen der Branche härter geworden, weil sich die Werbung mehr und mehr auf extrem teure Medien verlagerte. In der Folge gab es zahlreiche Fusionen, die darin gipfelten, dass Pro-Sieben-Sat1-Media die beiden stärksten deutschen Matchmaker, Parship und Elite-Partner, die vormals heftig konkurrierten, unter einem Dach vereinte. Vor einiger Zeit (2018) übernahm Pro-Sieben-Sat1-Media dann sogar das US-Unternehmen eHarmony, das ebenfalls einmal davon geträumt hatte, den europäischen Markt zu erobern.

Hennig Wiechers (Metaflake) referierte kürzlich auf der LTR-Konferenz über diese Entwicklung der deutschen Online-Dating-Branche, über das Versagen der US-Unternehmen und über Deutschland als bevorzugten Standort für Online-Dating-Firmen. Ich empfehle jedem sehr, sich das Video einmal anzuschauen.

Quellen (unter anderem) Online Personal Watch
Hinweis: Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es weitere Anbieter im Dating-Bereich in Deutschland gibt. Dieser Artikel wurde nicht gesponsert.

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