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Mythos zwei: Männer entwickeln beim Sex keine echten Gefühle

Es ist erstaunlich, wie oft im Zusammenhang mit Sex der Begriff „echte Gefühle“ verwendet wird. Er ist inzwischen so abgewertet wie „wahre Liebe“. Die Faustformel für den Mythos, Männer würden weder lieben, wenn sie Sex haben, noch würden sie wirklich intensiver Gefühle für die Frau entwickeln, lautet (1):

Eine Frau muss sich zuerst geliebt fühlen, um sich auf den Sex einzulassen, beim Mann hingegen führt die Liebe über den Sex.


Nicht nur von Vorurteilen besessene Frauen, auch Wissenschaftler verbreiten der Vorwurf, Männer würden „beim Sex“ keine echten Gefühle entwickeln, sondern von der Lust getrieben werden. Sie wollen wissen, dass Männer keine Gefühlssymbiose mit der Frau anstreben, sondern in Wahrheit nur an ihre Lustbefriedigung denken, die völlig unabhängig von der Person ist, die sie gerade beschlafen. Der Vorwurf wäre also: Frauen werden nicht „als Person“ geliebt, sondern als beliebige Sexualobjekte.

Dieser Vorwurf geht davon aus, dass der Mann beim Sex eine enge emotionale Bindung an die Person haben sollte, und diese Aussage basiert wieder darauf, dass Sex und Liebe untrennbar miteinander verbunden sein müssen.

Mythos "echte Gefühle"

Dafür gibt es allerdings nicht den geringsten Beweis, wie es überhaupt für das Vorhandensein „echter Gefühle“ beim Sex keinerlei Beweis gibt. Hier wird eine Idealvorstellung aus der Kultur auf Frau und Mann projiziert: Die Liebe führt zu besonders intensivem Sex. Besonders „kluge“ Sexualwissenschaftler wollen sogar herausgefunden haben, dass es ein doppeltes Paradoxon gibt – demnach müssen Frauen zuerst „gefühlt“ Liebe empfinden, bevor sie Sex schenken, während Männer erst „Sex ausführen“ müssten, um dann Liebe schenken zu können.

Mehr oder weniger Lust - und wieso eigentlich "echte" Gefühle?

Richtiger schient zu sein, dass Männer bei manchen Frauen während der sexuellen Spiele mehr Lust entwickeln, bei anderen aber weniger. Worauf das genau zurückzuführen ist, wissen wir nicht – aber wir dürfen annehmen, dass es an der Frau oder am Zusammenspiel zwischen Frau und Mann liegt. Und wir dürfen mit absoluter Sicherheit annehmen, dass sich Frauen wie Männer Illusionen über „echte“ Gefühle beim Sex machen. Sex ist – besonders in den Phasen höchster Ekstase – an kein eindeutiges Gefühl mehr gebunden. Wer das Gegenteil behauptet, möge es beweisen.

Männer würden gerne mehr fühlen - mehr Lust, vor allem

Die meisten Männer, so wage ich zu behaupten, fühlen sich etwas unwohl dabei, nur in Vaginen einzudringen und ihn Ihnen abzuspritzen. Wir wissen, dass manche Huren in Luxusbordellen diese Aussagen bestätigen würden. Und nur, weil Männer nicht darüber erden und nicht sagen, was sie fühlen oder gerne fühlen würden, heißt dies nicht, dass sie gefühllos sind.

Rein theoretisch könnte es sogar so sein: Während die Lust wächst und der Körper immer mehr auf sexuelles Begehren zusteuert, zieht sich das Fühlen immer mehr auf das Bekannte zurück. Also auf das, was in jeder der beiden Personen als „lustvolles Empfinden“ oder eben auch „sinnlich Fühlen“ angelegt wurde. Was im Klartext heißen würde: Beide leben „ihre Gefühle“ mithilfe des Körpers des/der anderen. (2) Diese Betrachtung ist keinesfalls abwegig, sondern kann überprüft werden. Wenn sie nicht wahr wäre, dann hätten Paare mit der innigsten Zuneigung zueinander den heftigsten, sinnlichsten und befriedigendsten Sex.

Eine ganz andere Frage wäre, ob Männer nicht „mehr fühlen“ möchten als das, was sie bei den Hubbewegungen in einer Vagina erleben dürfen. Das wäre freilich eine ganz ander Art der Betrachtung.

Immer wieder: Der Mythos von den "wirklichen" Gefühlen

Schließlich bliebe noch die Frage, was Männer denn nun „wirklich“ fühlen, bevor sie ihren Penis bemühen, während sie dies tun und nachdem sie Ejakulation und Orgasmus absolviert haben. Offenbar nutzen Männer dazu eine Art „geheimen Code“, den sie nicht einmal selbst entschlüsseln können. Denn soviel dürfte klar sein (3):

Nur, weil Männer ihre Gefühle nicht ausdrücklich äußern, sollten (Frauen) nicht einmal einen Moment daran denken, dass sie nichts fühlen oder nicht intensiv fühlen.


Oder aus männlicher Sicht: Männer nehmen die Gefühle auf, horten sie, vergleichen sie und kehren zu jenen Frauen zurück, bei denen sich sich wirklich wohlgefühlt haben.

Wenn ich Ihnen noch etwas ergänzen darf: Die meisten Männer wünschen sich intensivere und länger anhaltende Gefühle beim Sex, aber sie werden fast nie darüber reden – außer in Bordellen und zu Escort-Frauen.

mythos mannZum Thema: "Mythen über männliche Sexualität" erscheinen weitere Folgen

(1) Männerseite nach Zitaten aus "wissenschaftlichen" Werken.
(2) Mithilfe der Kybernetik ist dies ebenfalls beweisbar. Bei einem Paar, das zum ersten Mal gemeinsamen Sex hat, schöpfen beide emotional aus den Vorräten, die sie angesammelt haben und nicht aus dem gegenseitigen Fühlen.
(3) Psychology Today.