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Träume und Sehnsüchte

Natürlich wissen wir, wer diesen Brief geschrieben hat, aber wir sagen es nicht. Möchten Sie auch an uns schreiben? Vielleicht veröffentlichen wir Ihren Brief dann auch. Übrigens hoffen wir noch auf eine Autorin, die aus Lust und Liebe etwas für uns schreibt – über Belohnung und Strafe, zum Beispiel.

niemand ahnt die geheimen sehnsüchte der frauen


Lieber Freund,

du hattest mich gebeten, etwas über die erotischen Sehnsüchte der Frauen zu schreiben, und ich muss dir sagen, dass ich es nicht kann und nicht will. Ich mag dir aber sagen, was ich darüber denke, denn ich glaube in tiefster Seele, dass der Kern von uns allen mehr verbirgt als er zeigt. Wie du weißt, bin ich kein „gutes Mädchen“ und ich will es auch nicht sein. Aber zu einem „schlechten Mädchen“ fehlte mir auch immer der Mut.

Wer erotische Wünsche hat und diese in Träume verpackt, ist immer auf der sicheren Seite. Im Traum kannst du alles sein: unverschämt, fordernd, dominant, ja sogar lesbisch oder gewalttätig.

Selbstverständlich zählt da auch die andere Seite: Du kannst verschämt sein, akzeptierend, unterwürfig, feminin oder ein Gewaltopfer.

Ach, ihr anderen, sagt bitte nicht, dass ihr so etwas nicht träumt – es ist immer die Frage, was man für sich selbst zulässt. Ich kenne eine junge Frau, die oft träumte, sie würde in Ketten auf einem Sklavenmarkt angeboten, und obgleich sie jung und schön war, wollte kein Mann auf sie bieten. Es störte sie offenbar gar nicht, als Sklavin auf einem Markt angeboten zu werden. Was sie störte, war allein, dass sie nicht attraktiv genug war, dass man sie ignorierte oder zurückwies.

Die Träume finden oft nicht des Nachts satt. Sie werden vielmehr zu Tagträumen in jenen stillen Momenten, wo wir die erotische Fantasie noch zulassen, und das tun nicht alle. Autorinnen und Autoren sind da anders. Sie müssen Träume und Sehnsüchte aufnehmen, aber auch erschaffen und weitergeben. Das Los der meisten Schriftstellerinnen (und auch der Schriftsteller, das wirdt du ja kennen) besteht darin, dass sich unglaublich spannend über Dinge schreiben, die sie nie wirklich getan haben. Sie waren und sind weder Huren noch Sklaven noch Gewaltopfer, aber sie schreiben darüber.

Nur wenige Frauen nähern sich, glaube ich, den verbotenen erotischen Wünschen: „Würdest du …“ wird von meinen Freundinnen oft mit „Nein, nicht wirklich, ich hätte am Ende Angst“ beantwortet. Der Teil, der es „dennoch“ tut, benutzt oft einen Trick: „Ich war es ja nicht“. Nein, du nicht. Du bist nur dorthin gegangen, wo du vielleicht eine Bi-Frau triffst, du bist in einer Bar gegangen, von der bekannt ist, dass Frauen dort nichts anderes als Objekte sind, die sich Männern hinzugeben haben. Nein, du bist nicht neugierig mitgegangen, als dich zwei Männer ansprachen, ob du nicht vielleicht zu einem Dreier mitkommen wolltest, und auf der du soviel getrunken hast, dass du am Ende dann alles zugelassen hast. Nein, nicht du. Du warst überall zufällig, ohne arg. Ein anderer war verantwortlich. Die Bi-Frau hat dich mit Berührungen kirre gemacht, um dich dann langsam in ihr Bett zu ziehen, und du hättest ruhig zugeben dürfen, dass es dir gefallen hat. Aber das darfst du nicht. Du bis ganz ausversehen in dieser Bar gewesen, hast unwissentlich die drei starken Cocktails getrunken und dachtest, dein Galan wollte dich nach Hause fahren statt in seine Mädchenfalle. Natürlich hattest du keinen Verdacht, dass du nichts als eine Stute für die beiden Männer sein würdest, die dich so nett angesprochen haben. Nein, nein, ich weiß – du doch nicht.

Das Ganze folgt dem bekannten Muster: Wenn ich nicht aktiv bin, bin ich nicht verantwortlich.“ Ich wurde … man hat mir … ich konnte ja nicht … „ alles wundervollw Ausreden, um nicht verantwortlich zu sein. Die meisten Frauen lernen frühzeitig, wie sich durch die passive Haltung herausreden können. „Es ist eben passiert. Nun, ja, so was passiert eben mal, nicht wahr?“ Ich habe selbst einmal gesagt „Ich weiß gar nicht, wie mir das passieren konnte“. Wohlgemerkt: Das sind Aussagen von über Dreißigjährigen, und als ich es mir selbst sagte, war ich auch in diesem Alter.

Ja, und was soll man nun tun? Nicht mehr Träumen? Weiterträumen? Einen erotischen Rollenspieler bestellen, der solche Dinge und noch viel mehr mit einem durchführt? Oder einfach sagen: „Ich wollte es - und ich stehe dazu?“

Ich will es gar nicht wissen. Ich komme mit kaum jemanden über die ganz leichten Perversionen hinaus und diese wundervollen Tragträume … mein Gott, wenn ich sie meiner Umgebung verraten würde, ich wäre verloren. Wahrscheinlich wärst du es auch, mein Lieber. Ich erkenne da eine Seelenverwandtschaft. Aber schon dies würde ich niemals zugeben, wenn du mich im wirklichen Leben fragtest.
Manchmal ist es gut, ganz gar mit sich selbst beschäftigt zu sein.

Deine ***

Das Copyright an dem Brief der Autorin liegt beim Liebesverlag.de

Bild © 2008 by Jorge Mejía Peralta

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