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Sugar Babys – Huren, Escorts oder Geliebte?

Sugar Babies sind vor allem - zuckersüß


Auf keinem Gebiet der Beziehungen wird die Frage nach „finanzieller Unterstützung“ so oft und nachdrücklich gestellt wie bei einer Geliebten. Es scheint so, als ob die Moralisten eine neue Wunde im System der Wohlanständigkeit entdeckt hätten, die sie nun schließen wollen.

Dabei ist die Verbindung von Geld oder Geldeswert mit Liebe eine der Grundlagen der konventionellen Beziehungen – der „legalen“ wie der „illegalen“. Wir erinnern uns: Der biblische Jakob musste sich gleich bei zwei Frauen einkaufen – die Gegenleistung (in Fronarbeit) erhielt freilich der Schwiegervater. In der bürgerlichen Epoche, in der Stadt und in einer neuen Zeit, musste der Vater seiner Tochter eine beträchtliche Geldsumme als „Mitgift“ aussetzen, damit sie jemand „kaufte“, also standesgemäß ehelichte. Von Kaufleuten, Fürsten und sogar Königen und Kaisern ist bekannt, dass sie für die Gunst mancher Damen erhebliche Summen lockermachten – wenn man überhaupt etwas dazu sagte, so wurde dies Verhalten belächelt.

"Anständige Frauen", Sklavinnen und Huren

Wer eine „anständige Frau“ war, wer Geliebte, wer Sklavin und wer Hure war, unterschied sich zumeist vor allem darin, ob es im Austausch für sexuelle Leistungen zu Bargeldzahlungen kam. War die Ehe geschlossen, so war die angetraute Ehefrau immer „ehrbar“, solange man ihr nichts Gegenteiliges nachweisen konnte. Ihre Herkunft spielte dabei keine Rolle mehr. Sklavinnen und Gesinde gehörten zum Besitz des Gutsherrn und konnten deshalb zum „Nulltarif“ beschlafen werden. Huren hingegen waren „lose“ Frauenzimmer, die bezahlt wurden – was, wie biblisch bekannt, nicht jedem Propheten gefiel. Möglicherweise waren damit allerdings Tempelhuren gemeint, die in den Kultstätten einer konkurrierenden Gottheit Dienst taten. Dies wäre dann allerdings keine moralische Frage, sondern eine Folge des ersten mosaischen Gebots. Und eine Geliebte? Solange sie nicht „deines Nächsten Weib oder Besitz“ war, sprach wenig dagegen.

Sugar Babies und Bademägde - gewisse Parallelen

Schon die Bademägde des Mittelalters wurden verdächtigt, gelegentlich als Luxushure zu fungieren. Wem das Badehaus offenstand, der hatte – zumindest in vielen Badehäusern – auch die Möglichkeit, die körperliche Gunst der Dame zu genießen, wenn er einen Zusatzobolus dafür aussetzte. Als "Prostitution" im eigentlichen Sinne galt dies zunächst nicht.

Die Sugar Babys der Gegenwart nehmen im Grunde diese Tradition auf: Essen, Trinken, Baden und Wollust teilen sie mit einem Herrn, der wesentlich älter ist als als sie selbst. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und auf die „ungerade“ Beziehung hinweist. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass heute noch viele der "Geliebten auf Zeit" medizinische Berufe ausführen sollen. Die Quelle für die Behauptung ist allerdings unsicher.

Zehn Argumente, warum Sugar Babies keine Prostituierten sind.

Ist es nun Prostitution? Vieles spricht dagegen, dass die Damen, die heute das „Sugar Baby“ geben, Prostituierte sind. Dafür gibt es gute Argumente:

1. Sugar Babys bieten keine vorab definierte erotische Dienstleistung an, sondern halten sich für ihre Lover zur Verfügung. Das tun andere „Geliebte“ auch.
2. Diese Frauen erwarten, dass sie während der kurz- und mittelfristigen Beziehungen auch finanziell unterstützt werden – aber nicht „pro Sexualakt“, sondern für ihre „Gunst“.
3. Üblicherweise entsteht eine Art „Beziehung“ zwischen beiden Partnern – selbst wenn sich diese deutlich von „legalisierten“ Beziehungen unterscheidet.
4. Die Meinung, dass „Beziehungen zum gegenseitigen Nutzen“ nur auf „einschlägigen“ Dating-Seiten für Sugar-Beziehungen geschlossen werden können, ist ein Irrtum. Jede Dating-Seite ermöglicht die Bekanntschaft von altersmäßig stark abweichenden Partnern, und auf nahezu allen werden auch „Kurzzeitbeziehungen“ geknüpft.
5. Gewöhnliche Dating-Seiten werden von Damen manchmal dazu benutzt, sich zu großen Abendessen einladen zu lassen und zu hoffen, dass dabei auch noch Bargeld herausspringt, falls anschließend Sex gewünscht wird. Ob das bereits Prostitution ist? Die Einladung zum Abendessen mit anschließendem feuchten "Bedanken“ war über Jahrzehnte in Mode.
6. Der Liebesmarkt, auf dem sich Sugar Babys versuchen, ist seitens der Anbieterinnen stark umkämpft: Ein Nachfragedruck ist nicht erkennbar. Mit anderen Worten: Nicht die „Sugar Daddys“ sind die Verursacher des Marktgeschehens, sondern die „Sugar Babys“ selbst. Dies an die Adresse der Feministinnen, die glauben, Prostitution entstehe durch männlichen Nachfragdruck.
7. Sugar Babys gehen ihren Weg nicht aus Armut. Sie wissen genau, worauf sie sich einlassen. Sie prostituieren sich nicht ausdrücklich, sondern erwarten eine Entschädigung für die Zeit, die sie ihren Lovern opfern.
8. In jeder Online-Bekanntschaft liegen Chancen und Risiken eng beieinander. Das gilt allerdings für beide Partner. Die Horror-Szenarien sind selten, und plötzliche Geldforderungen ebenfalls. Beim „Seitensprung“ kann man eben hereinfallen. Das hat nichts mit einer Rotlicht-Situation zu tun.
9. Jemanden der Prostitution zu bezichtigen, setzt allgemein voraus, dass Personen beständig („notorisch") sexuelle Dienstleistungen anbietet. Das ist bei bei Sugar Babys nicht erkennbar.
10. Die als Beziehung verbrämte angebliche „Prostitution“ in Studentenkreisen ist wirklich nicht Neues: In sehr alten Zeiten hatten die Studenten ihre „Schürzenstipendien“, später ihre „Bratkartoffelverhältnisse“. Warum man dies neuerdings nicht mehr „augenzwinkernd“ sieht, seit Frauen in die Rolle der Lust-Stipendiaten fallen, ist nichts als eine Zeiterscheinung.

Alles in allem wird das „Sugar Baby“-(Un-)wesen vermutlich stark überschätzt – und das gilt sowohl für die Chancen wie auch für die Risiken. Und insofern glaube ich, dass hier einmal mehr eine Riesenseifenblase schwabbert, die schillernd aussieht, in der aber nichts als Luft ist.

Auch zum Thema: Finanzierung des Studiums durch Sugar Daddies? , sowie die Lust daran, verwöhnt zu werden - aus anderer Sicht.

Und SIE was meinen SIE?

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