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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Blinde Liebe, rote und grüne Fahnen

Der Volksmund will wissen, dass „Liebe blind macht“. Heute wissen wir es besser: Es ist ein kleiner Trick der Natur. Die Realität hat immer ein paar Nebenwirkungen, also produziert der Körper für uns Drogen, die uns einlullen.

Und nun fragen sich gewöhnliche Menschen, Agenturen und Psychologen: Ist das nun falsch oder richtig? Bringt es uns Vorteile oder Nachteile?

Ein Satz im Vorfeld: Was die Natur mit diesen Drogen beabsichtigt, ist nicht falsch. Doch was hat das mit „roten Fahnen“ zu tun?

Rote Fahnen beim Dating - welchen Sinn haben sie?

Eigentlich gar nichts. Die roten, grünen oder vielleicht auch gelben Fahnen entspringen dem Verstand. Die Agentur "Parship" fragte neulich, wann eine potenzielle Beziehung keinen Sinn ergeben würde. Und dabei stellte man fest, dass eine negative Lebenseinstellung des Gegenübers zu etwa 50 Prozent eine „rote Fahne“ darstellt.

Wie bitte? So gering war der Prozentsatz? Würde das heißen, dass die zweite Hälfte einen Menschen mit negativen Lebenseinstellungen wählen würde? Wahrscheinlich nicht.

Wann gehen eigentlich die "roten Fahnen" hoch?

Die „roten Fahnen“ gehen fast immer dann hoch, wenn du auf jemanden triffst, der eine Eigenschaft hat, die dir schon mal „sauer aufgestoßen“ ist. Trunksucht, Untreue, Unzuverlässigkeit oder etwas in der Art. Ich nehme also mal stark an, dass wenigstens die ungefähre Hälfte der Befragten noch keine Erfahrungen mit „negativen Lebenseinstellungen“ eines vorausgegangenen Partners hatte.

Interessant ist für mich, dass die Frage an sich schon negativ ist: „Welche Beziehung ergibt keinen Sinn?“

Warum keinen "Grünen Fahnen"?

Wie wäre es, mal nach den grünen Fahnen zu fragen? Nach dem Positiven, nach alldem, was eine Beziehung erleichtert?

Ich sag euch etwas: Das ist wesentlich schwieriger. Jeder, die sich um Beziehungen bemüht, hat schon einmal versucht, vorauszusehen, wer zueinander passt. Oder wer sofort ins Nest darf. Oder wer ein zweites Daten bekommt. Und nahezu alle Blicke in Kristallkugeln oder den Sternenhimmel, die Volkspsychologie oder die richtige Psychologie scheitern daran. Wenn man genau hinhört, warum es „nicht geklappt hat“ dann dringt aus den Sätzen heraus: „Ach, ich weiß auch nicht“. Kein „Rot“, kein „Grün“, selten ein „Gelb“. Ich könnte auch sagen: Der Verstand bringt Paar selten zusammen.

Mir fällt dazu ein, dass ich jüngst recht eigenartige Antworten bekommen habe, als ich fragte: „Würdest du jemandem empfehlen, im Hier und Jetzt zu leben?“ Und was sagten die meisten Antwortenden sinngemäß? „Was soll die Frage, ich lebe doch sowieso im Hier und Jetzt?“

Begegnungen im Hier und Jetzt sind sinnvoll

Auf die Partnersuchenden bezogen: Sie leben offenbar nicht im Hier und Jetzt. Sondern irgendwo im „Dort und Dann“. Sie versuchen, die Orakel der Vergangenheit einzubeziehen und projizieren ihr Sein in die Zukunft. All das mag „verständlich“ sein, aber es ist dennoch falsch. Und um mit Walter Andreas Schwarz zu sprechen: Sie vergessen, es ist ja noch heute – ach die armen, armen, armen Leute.“

Seht mal: Das Leben findet nicht mehr in der Vergangenheit statt, und noch nicht in der Zukunft. Es findet JETZT statt. Ist das wirklich so schwer zu verstehen?

Wie gut, dass die Natur immer noch ihr alten Drogen ausschüttet. Sie helfen uns letztlich, die kritischen Teile des Verstands ein bisschen zu beruhigen.