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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Sugar Baby - eine Süße zum Verzuckern

Die1920er Jahre - das Magazin hinterfragt, ob die Revuetänzerinnen alle dumm sind
Sugar Baby - eine Süße zum Verzuckern - behandelt das "Sugar Baby" der 1920-er Jahre und versucht, Parallelen mit dem heute verwendeten Begriff darzustellen.

Zucker - oder wie man die Geliebte verzuckert

Wie hängen das „Sugarbaby“ der Zucker, die „Süße“ und das Verzuckern eigentlich zusammen? Um das zu verstehen, muss man weit in die Vergangenheit blicken, und auch etwas in angelsächsische Länder.

Tatsächlich gilt der Zucker einerseits als Synonym für Geld, andererseits aber auch für sexuelle Genüsse. Folgt man dem geschriebenen Wort, so war als erstes der „Sugar Daddy“ da - der Galan oder Kavalier, den man in Deutschland auch „Spendierhose“ nannte.

Willkommen in der Halbwelt der 1920-er Jahre

Wir beitreten nun die Welt oder Halbwelt der 1920er-Jahre mit Theatern, Revuen und anderen Lustbarkeiten. Sie brachte Frauen auf die Bühne, die sehr begehrenswert wirkten und die teils fanatische Anhänger hatten. Dabei kam es verständlicherweise auch zu Begegnungen, woran zumeist eine besonders begehrte, aber dennoch schlecht bezahlte Frau (Revue-Girl) und ein „betuchter“ Mann beteiligt waren. Auch weniger betuchte Männer spendierten ihren Favoritinnen im Theater manche Geschenke, von Blumengebinden über Düfte bis hin zu Einladungen zum Essen. Dieser Text warnt allerdings, dass Verehrer meist keine großen finanziellen Mittel haben (Jerome Kern, Show Boat):

Stage-door Johnnies aren't raging over you
With gems and roses.
When you let a feller hold your hand,
Which means an extra beer or sandwich.

Andererseits waren die Männer mit den wirklich großen Spendierhosen rar, denn die Schauspielerin warnt junge Mädchen (1):

Wild old men who give you jewels and sables only live in Aesop's Fables.

All dies deutet darauf hin, dass es gar nicht so einfach war, das „Sugar Baby“ eines Mannes zu werden. (Gelegentlich auch einer Frau, wie man in Zeitschilderungen immer wieder lesen kann).

Zucker in die Schüssel und "Honig geben"

Das Wort „Zucker“ existierte schon damals in der Mehrfachbedeutung von Geld, Vergnügen („jemandem etwas verzuckern“) oder gar verdeckten sexuellen Wünschen. Die gefeierte Blues-Sängerin Bessie Smith sang, dass ihr Liebhaber ihr doch bitte „etwas Zucker in ihre Schüssel“ geben sollte. In ähnlicher Wiese wurde auch das Wort „Honig“ für sexuelle Aktivitäten verwendet.

Zu Anfang war noch nicht ganz klar, wie man mit dem Begriff umgehen sollte, bis die Presse das Wort "Sugar Baby" benutze.

Stark mit Zucker überzogen

Das Wort „Zucker“ galt damals allgemein als Synonym für Geld. Im Ursprung sagte man „stark gezuckerte Geliebte“, wenn man eine Frau meinte, die „ganz mit Zuckerguss überzogen wurde“, was bedeutete: Sie hatte besonders reiche Liebhaber. (Heavy Sugar Baby).

Man ging - auch wenn die nach heutiger Lesart nicht gefällt - davon aus, dass die Initiative von den Tänzerinnen oder Schauspielerinnen selbst ausging. Da der Kontakt zwischen „Liebhabern des Schönen“ und den Schauspielerinnen und Tänzerinnen möglich war, gab es auch Begegnungen, und aus den Begegnungen folgten Einladungen.

Sugar Babys und "Goldgräberinnen"

Gab eine Frau zu, Männer nach diesem Schema auszusuchen und sie entsprechend auszubeuten, so nannte man sie „Goldgräberin“. Welche Gegenleistungen für das „Verzuckern“ des Alltags erbracht wurden, blieb stets unklar, jedoch vermutete man, das es nicht „bei der netten Gesellschaft“ blieb, die die Damen den Herren gönnten. „Sexuelle Zuwendungen“ werden in manchen Berichten der damaligen Zeit erwähnt - aber wir werden nie erfahren, ob damit die Fantasie der Zeitungsleser angeregt werden sollte. Angenommen wird jedoch, dass sie versuchten, den „eigentlichen“ Geschlechtsverkehr zu vermeiden oder deutlich in Grenzen zu halten. Insofern könnte ihr Verhalten durchaus den „Demivierge“ (Halbjungfrauen) entsprechen, die sich ähnliche Spiele erdachten, um ihre Liebhaber „auf Abstand“ zu halten.

Kontakte offenbar auch durch Kupplerinnen

In einem Fall wird berichtet, dass es durchaus "Kupplerinnen“ gab, die Kontakte zwischen den Damen auf der Bühne und den Zucker-Papas vermittelten. Ich zitiere:

Eine Dame, die sie per Zufall kennenlernte, hatte ... ihr vielen netten, reichen Männern vorgestellt, genau das richtige Material für „Zucker-Papas“. Diese netten, reichen Männer verfielen ihr oftmals sofort. Es dauerte nicht lange, bis ... sie ... auf dem Weg zum Wohlstand war. Schnell lernte sie, wie man den „Papas“ nahebrachte, dass „dieses nette junge Mädchen“ wirklich ein neues Kleid oder ein neues Armband oder sonst etwas Neues benötigte.

Gegenwart und Vergangenheit

Was hat die damalige Zeit mit der weiteren Entwicklung der Beziehungen von genannten „Sugar Daddys“ und ihren „Sugar Babys“ seit den 1920-er Jahren zu tun?

Was ähnlich ist wie in den 1920-ern

Recht viel. Schon damals schien es sehr viele überaus begehrenswerte Frauen zu geben, die an der Gesellschaft reicher Männer interessiert waren. Auf der anderen Seite gab es zwar viel Männer, die solche Frauen begehrten - aber nur wenige, die sich „eine solche Frau leisten konnten“, wie man im Jargon sagte. Das ist heute nicht anders.

Auch die Vermutung, dass es „Vermittler“ solcher Beziehungen gab und dass sie nicht als solche bezeichnet werden wollten, ist alt. Sie trifft auch heute noch zu.

Auch damals wurde bereits verschleiert, was genau die Beziehung beinhaltete. Natürlich wurden die Frauen, die sich auf eine „verzuckerte“ Beziehung einließen, heimlich bezichtigt, sich im Gegenzug „sexuell erkenntlich“ zu zeigen, doch sie waren sehr erpicht drauf, dafür zu sorgen, dass dergleichen nicht öffentlich bekannt wurde.

Was heute überwiegend anders ist als damals

Wer aus heutiger Sicht beurteilen will, wie es „damals“ war, sollte nicht vergessen, in welche Zeit ich euch hier geführt habe. Es galten andere Regeln, andere ethische Vorstellungen und andere Beurteilungen von Frauen, die sich auf der Bühne zur Schau stellten. Gerade war der Charleston populär geworden, und allein im „Charlestonkleid“ zu tanzen, galt schon als entsetzlich frivol. Und die ersten Frauen, damals „Flapper“ genant, setzten sich öffentlich über alle Regeln des bürgerlichen Anstands hinweg.

(1) Stage-Door Johnnies: Verehrer.
(2) Sinngemäß: Die Männer, die dir echten Schmuck und Zobelpelze schenken, gibt es nur in Äsops Fabeln.

Quellen und Zitatquellen:

Wortgeschichte: Sugar Daddy (englisch)
Slang Marktplatz (englisch)
Blog (sehr ausführlich, englisch)
Texte aus "Show Boat (Musical)
Bild: Cover (weitgehend entfleckt) des Magazins "Sex" von 1927

Was bedeutet Geld eigentlich für die Liebe?

Hier Geld – das Liebe. Beides zusammen geht gar nicht. Geld kann keine Liebe kaufen – und Liebe darf nicht zu Geld gemacht werden.

Doch in Beziehungen spielt Geld eine Rolle, so wie alles andere auch eine Rolle spielt – die Wahl des Wohnorts, der Fortgang der Karrieren – alles. Zwar wird die Versorgungsehe immer seltener, aber manche Frage bleibt.

Geld verbindet

Denn wer auch nur zusammenzieht, muss voneinander wissen, auf welchen Gebieten man „genügsam“ sein will und in welchen Bereichen das Leben ein wenig großzügiger angelegt werden kann. Und eines kann immer auftreten: Phasen, in denen einer von beiden wesentlich weniger Einkommen erzielt als der andere. Und das ist nicht immer vorhersehbar.

Männer mit Zukunft werden immer noch bevorzugt

Junge Männer, die eine „aussichtsreiche Zukunft“ haben, werden von jungen Frauen deutlich bevorzugt. Doch worin besteht die „aussichtsreiche Zukunft?“ Für die meisten gehört dazu, Geld zu verdienen, und zwar möglichst viel. So viel Geld, dass man sich etwas davon zurücklegen kann. Oder ein Kind aufziehen kann, ohne von der Hand in den Mund leben zu müssen.

Geld ist durchaus attraktiv

Geld kann also durchaus dazu führen, schneller, sicherer und müheloser zu einer Beziehung zu kommen. Und doch wird jene Frau, wie auch jeder Mann, bestreiten, das Vermögen im Auge zu haben, den Wohlstand oder das „gemachte Nest“.

Wie du damit umgehen kannst? Indem du beginnst, über Geld zu sprechen, sobald feststeht, wo ich euch niederlasst. Denn ab dann muss „irgendwie geteilt“ werden.

Ich denke, das wird jeder vernünftige Mensch einsehen.