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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Nach Lust und Schlägen lechzen - wie geht das zusammen?

Die literarische Mär: Reife Dame in sinnlicher Bekleidung züchtigt jungen Mann
Die Ära der „häuslichen Disziplin“ liegt schon lange zurück. Wer in seiner Kindheit noch einen „Hinternvoll“ auf den „Blanken“ bekommen hat, bezieht inzwischen wahrscheinlich Rente. Selbst im Vereinigten Königreich, wo Schülerinnen und Schüler noch damit rechnen mussten, dass im Rahmen der Schuldisziplin eine „körperliche Züchtigung“ vollzogen wurde, war damit 1987 endlich Schluss (1). Und seither wurden auch notorische „Wiederholungstäter“ nicht mehr mit den gefürchtete „Six oft the best“ (2) bestraft, die mit dem Rohrstock vollzogen wurden.

Die Suche nach den Ursachen - ungelöst

Jahrzehntelang hatte man befürchtet, dass körperliche Schläge zu einer erheblichen Störung der Psyche führen würde, und in der Tat konnte man dies unschwer an verhaltensgestörten Jugendlichen nachweisen. Doch eine Frage blieb unbeantwortet: Warum erregten manche jungen Frauen und Männer die Schläge auf das Gesäß sexuell? Wie kam es zustande, dass sie begierig auf Schläge wurden, so sehr, dass sie sich förmlich danach drängten, jemandem das Gesäß zu präsentieren, um lustvoll geschlagen zu werden?

Um es vorwegzunehmen: Eine glaubwürdige Antwort darauf steht noch aus. Von dem Begriff „passive Algolagnie“ bis zum modernen Wort „Masochismus“ ist die Literatur zwar voller Erklärungen. Doch eine eindeutige Ursache konnte aus der Sicht der Psychologie und der Psychiatrie nicht gefunden werden. (3)

Die Freudianer verweisen auf die Kindheit

Aus der Psychotherapie hören wir, dass diese Frauen und Männer in ihren frühen Jahren körperlich geschlagen oder psychisch gedemütigt wurden. Obgleich diese These auch heute noch recht häufig vertreten wird, gilt sie als widerlegt, denn es erwies sich als unmöglich, dafür den Beweis anzutreten. Verdächtigt wurden aus psychiatrischer wie auch aus psychologischer Sicht einerseits „negative Einstellungen gegenüber der Mutter“ und Störungen in der „analen Phase“, die eine Verbindung von Lust und Schmerz ermöglichten. Körperliche Züchtigungen wurden seltener erwähnt, gelten aber, gelten aber in populärwissenschaftlichen Berichten weiterhin als Ursache für die Schmerzlust.

Die Pubertät – Doppelbindungen im Strudel der Sinne?

Den sadomasochistischen Helden und Antihelden in der Literatur wird oft unterstellt, dass ihre Prägung durch Erlebnisse im Jugendalter entstand. (3) Beschrieben wird oftmals, dass die Jünglinge oder auch die jungen Frauen weit nach Eintritt der Pubertät gezüchtigt wurden. Wenn es sich um junge Männer handelte, so würden sie sich während des Körperkontakts zur strafenden (weiblichen) Person erregen – und gegebenenfalls gar ejakulieren. Als Verursacher kommen Gouvernanten oder entfernte weibliche Verwandte infrage, vorzugsweise Tanten oder Cousinen. Angenommen wird, dass die jungen Männer dabei eine Doppelbindung an die Sinnlichkeit und an den Schmerz entwickeln, ähnlich wie bei den pawlowschen Hunden. Für junge Frauen mag dies in gleicher Weise zutreffen, doch fehlen Beweise aus der Literatur und der Realität.

Gedankliche Schmerzlust im Erwachsenenalter

Im Widerspruch zu beiden Theorien steht vor allem, dass viele junge Menschen weder das eine noch das andere erlebt haben. Und dennoch kreisen ihre Fantasien darum, in der Lust den Schmerz zu erleben und im Schmerz die Lust. Wer sich darauf einlässt, benötigt allerdings einen Menschen, der ähnlichen oder gegenteiligen Begierden hingibt. Es scheint sich herauszukristallisieren, dass heterosexuelle Frauen dabei oft gleichgeschlechtliche Begegnungen vorziehen, weil sie Männer für zu brutal und unüberlegt halten. Heterosexuelle Männer hingegen wollen sich ganz bewusst vor Frauen erniedrigen und dabei die Schläge genießen, die sie dabei empfangen.

Einfachere Erklärungen für die Schmerzlust

Die einfachste Erklärung für die Schmerzlust besteht allerdings darin, dass Schläge, die eine flächige Rötung der Haut verursachen, sich auch auf die Durchblutung der Genitalien auswirken. (6) Es scheint zumindest so, als ob dieser Grund im Dschungel der komplizierten Denkweisen untergegangen ist.

Ebenso naheliegend erklärt die Gehirnforschung die Nähe von Lust und Schmerz. (7) Demnach ist ein gemeinsames Zentrum im Gehirn für Lust und Schmerz verantwortlich, und angenommen wird nun, dass sich beide ergänzen.
Eine weitere Erklärung, die zwar psychologisch motiviert ist, aber sehr leicht nachvollzogen werden kann, kommt aus den Kreisen jener Welt, in der „Entspannung durch Schläge“ angeboten wird. Das liest sich textlich so (noch 4):

Viele Männer aus der Mittelschicht … wurden in dem Glauben erzogen, dass Erfolg alles ist. Wir sind dann ständig bemüht, uns diesen Erfolg zusichern – und wir empfinden es daher als Erleichterung, unsere Macht vorübergehend abzugeben.

Für nichts verantwortlich zu sein, nicht ständig „seinen Mann stehen zu müssen“. Die Kontrolle völlig abzugeben und sich nur der strafenden Hand der Partnerin hinzugeben – das scheint die neue Wonne für viele Männer zu sein. Es heißt, dass vor allem solche, mit Macht und Einfluss ausgestattete Männer, die exklusiven Studios dominanter Frauen besuchen.

Die aufkommende Macht der Frauen

Wo wir gerade bei machtvollen Männern sind – unsere Gesellschaft befindet sich in einem ständigen Wandel. Frauen drängen an die Macht und beginnen, diese nach gleichen Regeln auszuüben wie Männer. Und sie erfahren bald, welche Anstrengung damit verbunden ist, Macht auszuüben und Macht zu erhalten. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, wann auch sie nach Möglichkeiten suchen, sich ganz in die Hände einer dominanten Person zu begeben – zeitweilig und ohne Verbindlichkeit.

(1) Informationen im britischen Schulmuseum.
(2) Gemeint sind sechs heftige Schläge auf das Gesäß mit dem gefürchteten "Cane" (Rohrstock).
(3) Auf "Psychotherapeuten"
(4) In zahllosen viktorianischen Schriften, auch in "gehobener Literatur".
(5) Aus der "Spectatorworld" - weitgehend eine sinnreiche Spekulation.
(6) Den Schilderungen von Personen entnommen, die als glaubwürdig gelten.
(7) Aus "wissenschaft.de"

Illustration: Aus "Painful Pleasures", erschienen 1931.

Warum feste Vorstellungen nicht zu Beziehungen führen

Auch, wenn ich mir selbst eine Abstinenz verordnet habe, was das Schreiben über die Partnersuche betrifft, will ich euch einen wesentlichen Gedanken nicht vorenthalten.

Stolperstein Zukunft - genau planen oder sich überraschen lassen?

Er ist für alle wichtig, die noch niemanden gefunden haben - noch wichtiger ist er aber für diejenigen unter euch, die „verzweifelt suchen“.

Im Grunde gibt es zwei Einstellungen zur Partnersuche. Ich beginne mit der populärsten Version:

Die Beziehung muss genau deinen Vorstellungen entsprechen

1: Du wünscht dir eine Beziehung, deren Eckpunkte vorgegeben sind: Bodenständigkeit, Hochzeit, Harmonie, Kinder und vielleicht ein Häuschen mit Garten.

2. Dazu hast du bereits genau genaue Vorstellung entwickelt, mit welchem Menschen du diesen Weg beschreiten wirst.

3. So weit es dir möglich ist, versuchst du, alle potenziellen Risiken auszuschalten.


Du bist flexibel und offen für die Entwicklung einer Beziehung

1. Du versuchst, deinen eigenen Weg in die Zukunft zu finden und Klischees über Beziehungen, Ehe und Familie zu vermeiden.

2. Dennoch willst du diesen Weg nicht allein gehen. Du siehst einen Vorteil darin, diesen Weg mit einem Menschen zu beschreiten, mit dem du dich wohlfühlst.

3. Für dich ist klar, dass Beziehungen immer ein gewisses Risiko beinhalten, und du bist befreit, es einzugehen.



Rein theoretische ist es ungleich schwieriger, mit der ersten Methode einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Mag es auch möglich sein, einen Menschen zu finden, der ähnlich leben will, so ist es doch schwierig, diese Eckpunkte in der Kennenlernphase „festzuklopfen“. Der zweite Punkt ist allerdings entscheidender: Menschen mit Persönlichkeitseigenschaften „nach Katalog“ zu finden, ist ein Irrglaube, auch wenn er häufig von Agenturen genährt wird. Und die Risiken lassen sich zwar reduzieren, aber nie völlig ausschalten. Denn niemand weiß, ob dein gewählter Mitmensch irgendwann einmal eine Entwicklung nimmt, die von seiner heutigen Sichtweise abweicht.

Der zweite Weg erscheint mühevoller, doch die Möglichkeiten, einen Partner oder eine Partnerin zu finden, sind wesentlich größer. Auch bei dieser Methode kommt es auf den zweiten Punkt an. Wenn du nämlich für möglich hältst, dich mit diesem Menschen noch weiter zu entwickeln und gemeinsam neue Ziele anzugehen, bestehen mehr Chancen für eine aktive Gestaltung der Zukunft. Und das Risiko ist in Wahrheit nicht größer als bei den Vorstellungen jener, die ein festes Konzept für die Zukunft haben.