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Die Liebeszeitung: Mehr Liebe, mehr Sex oder mehr Abweichungen?

Alles in einem - Liebe und Sex?
Über nichts auf dieser Erde lässt sich so viel Unsinn schreiben wie über die Liebe: Die Philosophen wissen genau, was sie ist, die Soziologen wissen all dies noch etwas besser (und vor allem komplizierter). Die Groschenromane (auch diejenigen, die fast 20 Euro kosten) verfälschen sie zum Kitsch, und die Psychologen verherrlichen sie vom Keller bis zum Dachgeschoss – von den Christen mal ganz abgesehen.

Liebe - alles ziemlich verworren oder verkitscht

Was ist Liebe? Ein schräges, unklares, unbestimmtes Gefühl mit einem biologischen Bindungshintergrund. Oder einfach ein „unordentliches“ Gefühl, wie einst Richard David Precht schrieb. Die Presse hat inzwischen orakelt, Liebe sei „mehr als ein Gefühl“ und dabei vergessen, dass unser Gehirn ohnehin ein biochemisch gesteuerter Computer eigenartiger Bauart ist, bei dem man „Gefühle“ nicht losgelöst betrachten kann. Auch so kann man „Fake News“ produzieren.

Der Zielgruppe schmeicheln, aber Unsinn verzapfen?

Soweit die Liebe. Wir können alles über Liebe schreiben, und immer ist alles richtig oder falsch, je nachdem, auf welche Leserin oder welchen Leser unsere Worte treffen. Das führt dazu, dass manche Zeitschriften und Internet-Blog genau das schreiben, was ihre Zielgruppe hören will. Es ist Schlabberfutter zum Verschlingen für Bedürftige und Bekloppte, aber man bezeichnet dergleichen gerne als „gepflegte Unterhaltung“. Insbesondere bei Frauen kommt die Wahrheit über die Liebe gar nicht gut an – sie wollen immer, dass etwas mehr dahinter steckt – ein Mysterium, eine romantsche Verklärung, ein Geheimnis, das niemand ergründen kann. Irgendjemand muss diese Gefühle bedienen – und es gibt genau Autorinnen, die solche Gefühlsregungen wie Gummibärchen unters Volk streuen. Doch wäre das etwas für uns?

Sex - eigentlich nichts Aufregendes?

Nun gut, dann wäre da Sex. Das wird schon eher als biochemische Reaktion auf visuelle und taktile Eindrücke verstanden. Beim Mann vielleicht eher etwas visuell, bei der Frau möglicherweise eher taktil. Jedenfalls dient das Ganze dazu, die attraktive Außenwelt in innere Begierde umzumünzen. Hat sich diese dank der biologisch determinierten Vorgänge genügend aufgeschaukelt, wir der Penis steif oder der Schritte feucht. Dann fehlt nur noch, dass das Dings ins Dings kommt.

Sie wissen sicher selber, wie toll sich so etwas ausschmücken lässt – bis hier.

Was dann folgt, ist eine enorme Reibung an den Nervenden, die beim Mann fast immer, bei der Frau aber nur gelegentlich zum finalen Lustgewinn, dem Orgasmus führt. Fehlt die Ergänzung, dass bei der Frau die Klitoris am besten geeignet ist, um das Gehirn mit Lustreizen zu bombardieren. Soweit also Sex ohne die dazugehörigen Illusionen.

Abweichungen: Pfui Teufel oder Englein singen hören?
Gar kein Sex, nur seltsame Gefühle mit dem Nervenrad

Folgen Abweichungen. Die hauptsächlichen Abweichungen liegend darin, dass Penis und Vagina nicht gemeinsam beteiligt sind, und wenn beide gar nicht mitwirken, runzeln sich bereits die Augenbrauen der Moralisten. Zunge und Füße zum Beispiel. Oder Hand und Pobacken, Seile und Handgelenke, Leder und Haut … und was es sonst so gibt in der Welt des Skurrilen, von Zungen-Ziehern über Wartenberg-Räder bis zu Natursekt.

Und sonst?

Etwas vergessen: ja. Wenn beide dem gleichen Geschlecht angehören oder mehr als zwei Personen beteiligt sind. Manchmal reicht es schon, wenn die Geschlechterrollen getauscht werden. Dann dreht sich das Karussell eine Spur schneller.

Und am Ende? Am Ende schreiben wir, dass es all dies gibt, aber dass es nicht jedem Freude bereitet. Der eine freut sich eben daran, wenn er mit der Zunge endlich die Schranke der Zähne überwunden hat, der andere, wenn er die die Zunge endlich zwischen die Zehen der Geliebten versenken darf.

Ein Redaktör hat’s bekanntlich schwör. Aber Sie da draußen, die Sie dieses Magazin lesen – Sie könnten uns helfen, indem Sie uns anregen, über was wir schreiben sollen.