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Vorurteile über Sex – durch Wissenschaft seriös veredelt?

Ob Boulevardblatt oder Intelligenzblatt – jeder braucht Artikel über Sex, um zu überleben. Und weil es viel, viel einfacher ist, Klischees zu bestätigen als gründlich zu forschen und dabei zu Erkenntnissen zu kommen, lieben Soziologen, Psychologen und natürlich Sexualforscher das Thema Sexualität. Biologen und Mediziner sind deutlich zurückhaltender – sie müssen ja allzeit beweisbare Fakten liefern.

Dazu meinen nun sogar die „Stuttgarter Nachrichten

Klischee, Klischee? Sicher. Gerade deshalb sind auch Legionen von Sexualforschern, Soziologen, Psychologen und Medizinern damit beschäftigt, all den Vorurteilen, Plattitüden und Stammtischparolen über Sex und Erotik eine wissenschaftliche Grundlage zu geben.


„Lediglich ein Drittel“ oder „deutlich mehr als zwei Drittel?“ Kommt drauf an, welches Drittel schlecht gemacht oder schön geredet werden soll. Und im Übrigen: Ein Drittel ist möglicherweise eine Mehrheit, weil nämlich die restlichen zwei Drittel durchaus ein Konglomerat aus verschiedensten Ergebnissen sein können.

Noch unverschämter gehen Forscher in ihren Interpretationen vor: Was aus den „Forschungsergebnissen“ möglicherweise folgt, wird oftmals nahezu beliebig interpretiert, so als säße man am Stammtisch und spekuliere über die Sexualität der Menschheit. Typisch dafür ist der Verweis auf den „Urmenschen“ oder „Steinzeitmenschen“ – über dessen Gestaltung des Sexuallebens wissen wir wenig, also kann man stets behaupten, der Gegenwartsmensch habe nahezu die gleichen Bedürfnisse wie der Neandertaler.

Tatsache ist: Wie sich tatsächliche Personen in ihrem wirklichen Leben situativ verhalten, kann nicht erforscht werden. Man kann – und auch das ist noch zweifelhaft - bestenfalls Tendenzen erkennen.

Wie pervers ist eigentlich ... sich zu masturbieren?

Gar nicht. Es ist wundervoll. Männer tun es sowieso, weil es toll für sie ist und sie sowieso nachts regelmäßig „einen Steifen“ bekommen. Frauen brauchen zuerst einen Stups – und wenn du es nur einmal getan hast, willst du es immer wieder tun – mit dem Finger, mit einem Dildo oder einem Vibrator. Meistens bekommst du mit dem Vibrator mehr Orgasmen als mit einem Penis. Ist zwar blöd für die Männer, ist aber so.

Ein „bisschen pervers“, aber ziemlich aufregend ist es, sich vor dem Partner zu masturbieren. Meistens musst du erst mal dein Schamgefühl ablegen – aber dann geht’s ab wie die Post mit ihm/ihr und dir.

In dieser Serie vertreten unsere Autoren ihre persönliche Meinung, aber nicht ihre persönliche Praxiserfahrung. Das Wort „pervers“ wird hier im Sinne des bürgerlichen Gebrauchs im 19. Jahrhundert verwendet. Die Verbreitung als Fantasie liegt erstaunlicherweise bei Frauen wie auch Männern bei mindestens zwei Drittel bis zu drei Viertel der Befragten.



Casual Sex – ist das gut für Sie?

Der Moment kurz vor dem Orgasmus - beim Casual Sex heißt ersehnt
Casual Sex? Kann das gut sein? Und wann ist „Casual Sex“ eigentlich gut?

Sie wollen alles über Casual Sex wissen? Wir haben zugehört – und können Ihnen dies berichten:

Gelegenheit macht Sex - warum nicht?

Causal Sex ist zunächst einmal ein recht oberflächlicher Begriff. Übersetzen kann man ihn ganz gut mit „Gelegenheitssex“. „Causal“ heißt ja eigentlich „fallweise“, also könnet man auch sagen: „Feier den Sex, wenn du ihn bekommst.“

Der Anteil von Gelegenheitssex an allen sexuellen Aktivitäten hat in den letzten Jahren stark zugenommen - darin sind sich alle einig. Der Grund liegt im Wesentlichen in einem neuen Selbstverständnis: „Sex ist gut, und was man dabei empfindet, ist sehr erregend“. Das gilt inzwischen für beide Geschlechter, und es ist weit entfernt von dem, was Frauen einst als „eheliche Pflichten“ erlebten.

Der Orgasmus und Casual Sex

Doch von der geistigen und psychischen Aufgeschlossenheit für Sex – und damit eben auch für Gelegenheitssex – bis zum wirklich befriedigenden, aufregenden Orgasmus ist ein weiter Weg. Inzwischen ist in den USA viel die Rede von der „Orgasmus- Lücke“ (Orgasm-Gap). Die Sache ist relativ einfach: Während Männer innerhalb weniger Minuten die lustvolle Auslösung bekommen, die man gemeinhin „Orgasmus“ nennt, brauchen Frauen dazu länger – und sie müssten eigentlich auch anders stimuliert werden, wenn sie zu einem wirklich ekstatischen Orgasmus kommen wollen. Die Gründe dafür machen die meisten Forscher an der Klitoris fest, die während eines „normalen“ Geschlechtsverkehrs (PiV) auf keinen Fall genügend gereizt wird, um das Gehirn zur Auslösung des Orgasmus vorzubereiten. Man nimmt an, dass manche Frauen die fehlende Reizung durch erregende sexuelle Gedanken wieder wettzumachen versuchen und auf diese Weise dennoch zum Orgasmus kommen.

Junge Männer sollten lernen, ungewöhnliche Praktiken zu akzeptieren

Besser wäre freilich, wenn junge Männer erlernen würden, wie sie ihre späteren Geliebten so stimulieren könnten, dass der ekstatische Orgasmus tatsächlich stattfinden würde. Innerhalb des Sexualkundeunterrichts würde das Thema kaum behandelt – wohl auch, weil es nach wie vor als „unseriös“ oder „peinlich“ gilt. Schließlich müssten dabei solche Themen wie weibliche Masturbation und Cunnilingus behandelt werden, wenn sowohl Frau wie auch Mann zutreffende Informationen über die Erregung oder Verstärkung weiblicher Orgasmen bekommen sollten. Das allerdings grenzt an einen Tabubruch – und selbst wenn nun, wie manchmal berichtet wird, die Klitoris als Modell in den Bio-Unterricht eingebaut werden soll, wird immer noch nicht klar, warum sie am intensivsten reagiert, wenn sie manuell, maschinell oder oral stimuliert wird.

Liebe und Sex - wohl dem, der beides voneinander trennen kann

Neben der Art der Stimulation jedoch spielt – so hörten wir – auch ein sozio-psychologischer Faktor mit. Denn über Jahrhunderte hinweg wurde zumindest den Frauen gesagt, Sex sei untrennbar mit Liebe verbunden. Es ist ein Wunder, dass sich dieser fatale Irrtum so lange halten konnte, und man geht vermutlich nicht fehl, wenn man dahinter eine erzieherische Manipulation vermutet. Doch wie auch immer – wer Liebe und Sex für untrennbar verbunden hält, oder wer sich ausschließlich „aus Liebe hingibt“, der wird immer Probleme mit dem Lustgewinn aus „Casual Sex“ haben. Das gilt insbesondere für Frauen, die von sich sagen: „Ach, ich freue mich doch daran, wenn es ihm gefällt“. Wer hingegen Lust als Leidensfaktor und Sex als Erfüllung ansieht, der wird auch Freude am Casual Sex haben – und wenn nicht immer, dann doch umso mehr, je mehr sinnliche Sensationen er auslöst.

Casual Sex muss – wenn er gut sein soll – beiden beteiligten Personen Freude machen. Am besten eignen sich ganze Nächte oder Wochenenden dazu, die gemeinsame Lust zu erproben – und vielfach bleibt es dabei. Denn in einem sind sich viele Frauen und Männer heute einig: Sex ist ein Vergnügen an sich, das nur die Bereitschaft erfordert – aber keine Liebe.

Wir lasen dazu unter anderem: Goop.

Bild nach einer Illustration zu einem Text aus dem 18. Jahrhundert (Teilansicht)

Wie pervers ist eigentlich ... sich fesseln zu lassen?

Wie lange sollen die Fesseln halten, und wozu sind sie gedacht?
Ha, ha. Das ist überhaupt kein klitzekleines Bisschen pervers. Ob Handfesseln, Masken oder Augenbinden – wenn du so etwas richtig einsetzt, schärft das die Sinne. Das kann sehr, sehr aufregend sein und deine Lust erheblich steigern.

Fesseln aus Lustgewinn oder mehr - was ist pervers?

Anders sieht es aus, wenn du „streng gefesselt“ werden willst und dich der Schmach aussetzen, dich nicht mehr wehren zu können. Dann bist du bei „harten“ Spielen angekommen und solltest dir gut vorher überlegen, mit wem du dich einlässt. Mehr erfährst du unter dem Strichwort "BDSM" im Lexikon.

In dieser Serie vertreten unsere Autoren ihre persönliche Meinung, aber nicht ihre persönliche Praxiserfahrung. Das Wort „pervers“ wird hier im Sinne des bürgerlichen Gebrauchs im 19. Jahrhundert verwendet. Die Verbreitung als Fantasie liegt bei ungefähr bei 50 Prozent, wobei Frauen etwas häufiger davon träumen als Männer.

Sex als Event … ist das die Zukunft?

Eigentlich gab's sie schon im Mittelalter, die Sex-Partys
Sex als Event … ist das die Zukunft für lustvolle junge Leute?

Sex kann wirklich intim sein oder zwar nicht wirklich intim, aber wenigstens abgeschieden. Und er kann sehr Exquisit sein, ohne wirklich intim zu sein – als Event.

Solche Veranstaltungen, die kaum noch an „Swinger-Klubs mit rustikaler Eiche, in denen die Gäste in Badelatschen herumlaufen“ erinnern, würde es immer mehr geben, sagte Christian Schumann, der Sprecher des Joy-Clubs, den „Stuttgarter Nachrichten“. Seine Prognose: Ein tolles Essen, echtes Vergnügen und Tanz – und eben auch Sex – das könnte die Zukunft des Vergnügens junger, aufgeschlossener Erwachsener sein.

Aus dem Vereinigten Königreich und aus den USA hören wir das schon seit längerer Zeit. Man trifft sich mehr oder weniger halb-öffentlich unter einem meist recht frivolen Motto, und dann geht entweder etwas oder auch nicht.

Klar, dass manche Bürger dies für Sodom und Gomorrha halten, zumal, wenn sie hören, dass es Fetisch- und BDSM-Liebhaber waren, die so etwas veranstalteten. Aber die Menschen, die hingehen, wissen, was sie erwartet. Und warum sollten Sie es eigentlich nicht tun? Irgendwie war Sex ja auch das Ziel vieler Partys der 1960er Jahre ... nur dass sich die Paare meist schnell verzogen, wenn sie einander gefunden hatten.

Bild: Darstellung aus einem Badehaus im Mittelalter, Details unbekannt