Skip to content
Werbung Email:

Sugar Babys, Wahrheiten und Grauzonen im Dating-Bereich

Sugar Baby sein: Ein Traum? Eine Illusion? Oder einfach eine Geldsache?
Heute will ich euch ein bisschen Interna der Liebeszeitung verraten, nämlich, wie wir unsere Artikel finden. Und wie wir – trotz aller Sorgfalt, eben auch mal in die Honigtöpfchen verdeckter, oft gutgläubiger Beeinflusser (Influencer) fallen konnten.

Dabei will ich ich euch auch die beiden Artikel nennen, die am meisten Leser (oder Begucker) brachten.

Die Dating-Branche entdeckt „edle“ Sexkontakte

Der erste Artikel beschäftigte sich mit einem seit etwa 2010 aufkommendem Phänomen in der Dating-Branche: Sugar Babys und Sugar Daddys. Das Thema wurde damals von der Presse zu Anfang noch bewusst „flach gehalten“. Ausgangspunkt waren die hohen Kredite, die viele Studenten aufnehmen mussten, um ihre Studiengebühren zu zahlen. Um diese Schulden abzutragen oder überhaupt erst einmal zu vermeiden, stellten sich einige Studentinnen tatsächlich die Frage: Als Bedienung im Pub jobben, Strippen, Escort-Service oder Spendierhose? In einer Betrachtung kam dabei heraus, dass die „Spendierhose“, also der Sugar-Daddy, die bei Weitem bequemste und einträglichste Lösung sei. Ich schrieb damals darüber, ohne zu bemerken, wie fragwürdig die Quellen waren, sowohl in der Sache als auch in der „Höhe der Unterstützung“ die ein Sugar Baby zu erwarten hat.

Die Suche nach Gelegenheitssex und Geld-Beziehungen

Kurz zuvor war auch das „Casual Dating“ bekannt geworden, dass trotz des verschleiernden Namens eigentlich eine Bezeichnung für „Suche nach Gelegenheitssex“ ist. Meine Warnung wurde allerdings eher überlesen:

Tatsache ist, dass sich Frauen auf mehreren deutschen und internationalen Dating-Seiten gegen Bezahlung anbieten, die sich nicht als „Prostituierte“ kenntlich machen. Die Betreiber gehen manchmal mit der größtmöglichen Nonchalance darüber hinweg: ob Seitenspringerin, Goldgräberin, Gelegenheitshure oder Abzockerin: Eine Frau ist eine Frau, und Frauen braucht man, um das Geschäft aufrechterhalten zu können.

Ich würde diesen Satz heute ohne Änderungen noch einmal schreiben.

2015 waren wir kritischer mit Sugar Babys

Der zweite Beitrag ist von 2015, und er wurde anhand von etwas seriöseren Zeitungsberichten, Verlautbarungen und eigenen Recherchen sowie Insiderkenntnissen von Branchenkennern sorgfältig und kritisch gefasst. Als es darum ging, den Artikel in der Urform zu veröffentlichen, dachte ich: Nun ja, wir wollen die Sache der „Unterstützung“ nicht als völlig negativ darstellen – sie mag ja auch ihr Gutes haben.“ Wenn ein „Schürzenstipendium“ oder ein „Bratkartoffelverhältnis“ nicht allzu anrüchig war, warum sollte es dann die Finanzierung durch einen „Sugar Daddy“ sein? Also habe ich als verantwortlicher Redakteur relativiert:

Beide können zumindest behaupten, ein „ganz gewöhnliches Paar“ zu sein. So sehen das auch die Agenturen, die solche „schrägen“ Beziehungen vermitteln. Für sie ist alles eben nur „Dating“.


Also doch Prostitution? Niemand legt sich wirklich fest

Hier zeigt sich eine der Schwierigkeiten: Uns allen, Branchenkennern wie Branchenfremden, Bloggern und investigativen Journalisten, ist nicht möglich, den Graubereich der Prostitution in „Schwarz“ und „Weiß“ oder gar in ein Farbenspektrum aufzuteilen, ohne dass wir den Wahrheitsgehalt abwägen und bewerten. Selbst die Giganten der Presse, also große Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehstationen tun sich damit schwer. Wenn es um die Kernfrage geht, nämlich „Wann und wie wird geldliche Unterstützung von Personen zur Prostitution?“, dann müssen wir letztendlich passen. Zwar kann man die Frage nach den Gesetzen unterschiedlicher Länder in der einen oder anderen Weise beantworten, aber diese Methode schließt eine ethische Bewertung aus. (1)

Das heißt: Weder die Frage nach der Legalität noch nach der ethischen Perspektive kann uns Aufschluss darüber geben, ob es sich lediglich um ein „Dating besonderer Art“ oder um eine besondere Form der Prostitution handelt, wenn von Sugar Babys und ihren Unterstützern die Rede ist.

Selbst bedeutende Medien scheiterten bei der Wahrheitssuche

Wo hätten wir also damals (wie auch heute) „die Wahrheit“ gefunden? Wir hätten sie gar nicht gefunden, denn das haben längst andere versucht – mit größeren Möglichkeiten und sogar unter Einsatz von Undercover-Girls. Und obgleich dabei herauskam, dass dieses „Geschäft“ sehr mühevoll ist und der Einsatz oftmals höher als erwartet oder befürchtet war: So recht wollte niemand mit einer Beurteilung heraus. Es hieß nur, dass die „Sugar Babys“ ihre „Höhen und Tiefen“ durchlebten – die sie nach diesem Bericht offenbar daraus ableiten, ob sie einem einzigen Lover bequem 3000 GBP pro Woche aus der Tasche ziehen konnten oder um die „Belohnung“ geneppt wurden. Da ich keinen Zugriff auf die Dokumentation der BBC bekam, las ich einen Artikel darüber in der „SUN“. Er strotze nur so von Lob über die Verdienstmöglichkeiten und der leichten und lockeren Lebensart, die man bei dieser Art Tätigkeit hat (Zitat SUN):

Natürlich will ich mit ihm schlafen … ich genieße es und es macht mir Spaß“ Trotz des Sex und der Geldgeschenke glaubt Valentina, dass sie in einer Beziehung wie jeder anderen lebt. Sie besteht darauf, dass es nicht dasselbe ist, wie ein Escort-Girl oder eine Prostituierte zu sein.


Die Grauzonen werden nicht farbiger

Ich schreibe diesen Zusatz (der Beitrag der BBC datiert von von 2019), um zu zeigen, dass auch wesentlich mächtigere Medien etwa fünf Jahre später nicht zum Kern des Phänomens „Sugar Baby-Beziehungen“ vordringen konnten.

Und was sich daraus noch ergibt: Es gibt Grauzonen, die niemand der Beteiligten, also Dating-Seiten-Anbieter, Unterstützer oder „Unterstützung Suchende“, um es neutral zu formulieren, jemals einem Journalisten vorbehalt- und schnörkellos offenbaren würden.

(1) Der entsprechende Pressebericht war nicht wirklich eindeutig, weil nicht klar wurde, was eigentlich vom Gericht gerügt wurde. Es heiß nur, dass der Anbieter wegen "Anstiftung zur Prostitution" angeklagt wurde.
Bild: Teil einer Illustration von Becat

Die Hingabe in der Literatur

Trotz aller Hingabe ist der Vogel ausgeflogen ...
Die Hingabe in der Literatur - oft nur ein fragwürdiges Synonym für den Geschlechtsakt.

Zunächst will ich euch sagen, dass ich stets versuche, mich in meinen Artikeln völlig der Kunst des Schreibens hinzugeben. Ob mir das immer gelingt, mag zweifelhaft sein. Sicher aber ist, dass ich viel über die Wörter in Erfahrung bringe, die ich verwende. Heute ist es die Hingabe.

Hingabe als "Preisgabe", selbstloses Geschenk oder eigener Genuss?

Ich habe mir überlegt, was das Wort „Hingabe“ für einen Schriftsteller bedeuten könnte und mir einen Text schreiben lassen, der keinen literarischen Anspruch hat, sondern das Wort mehrfach ventiliert, sodass es verschieden Bedeutungen annimmt. (1)

Ihrem ersten wirklichen Liebhaber hatte sie sich hingegeben, ohne lange nachzudenken. Ihre Mutter meinte, sie habe sich an ihn verschenkt, weil sie das größte Gut einer Frau dabei preisgegeben hätte. Indessen hatte ihre „Hingabe“ an einen Mann dazu geführt, dass sie darüber nachdachte, wie es wäre, sich wirklich ganz der Lust hinzugeben, die sie zumindest einen Moment lang gespürt hatte. Sie fragte sich, wieso sie überhaupt etwas „von sich gab“, wenn sie sich dem Manne „hingab“, und sie überlegte, wie es wohl wäre, lediglich in der Lust zu versinken. Nein, es wäre kein Hinnehmen, auch nicht einfach ein Aufnehmen – eher wäre es schon ein Eintauchen in die Wollust des Leibes, wenn alle anderen Wahrnehmungen schwänden.


Ist es möglich, sich passiv hinzugeben?

Es ist möglich, aber dennoch fragwürdig, von einer „aktiven“ und einer „passiven“ Hingabe zu sprechen. So schreiben die Autorinnen gerne von der „passiven“ oder „willenlosen“ Hingabe im Sinne einer „Hinnahme“ des Unvermeidlichen – und schon sind sie in eine Falle geraten: Hingabe enthält das Wort „Gabe“, das seinerseits einen Willensakt beinhaltet. Die „Hingabe“ im also im Grunde ausschließlich ein Akt des Willens: Etwas von sich selbst zu geben oder zu schenken, aber auch sich selbst mit dem ungeteilten Genuss zu beschenken.

Hingabe als Synonym für "Geschlechtsakt"

Das Wort „Hingabe“ wird in vielen Liebesromanen in höchst eigenartiger Weise benutzt. Einige Autorinnen versuchen damit, den Liebesakt „als solchen“ weiträumig zu umschiffen. Bei den ganz Vorsichtigen beginnt die Hingabe bereits mit dem Entschluss, sich irgendwie ineinander zu verkuscheln. Manchmal schmilzt der innere Widerstand wie Gelee, und mit ihm erwischt das Gefühl dann auch das Herz. Bei anderen muss die Seele eingebracht werden, die „von der Lust ergriffen“ wird, um dann ihrerseits die Hingabe auszulösen.

Völlig unklar: die Gefühlslage

Damit es keinen Zweifel gibt, was wirklich geschieht, muss die Hingabe noch mit „völlig“ oder „willenlos“ geschmückt werden. Dabei wird die Hingabe oft schon erwähnt, bevor die Dame „ihre Lust verspürt“. Wobei die Motive höchst zweifelhaft sind. Mal wird behauptet, die Frau gäbe sich hin wie einst Eva – dann erwartet die Frau durch ihre Hingabe, dass der Mann ihr das Glück schenken und sie heiraten würde. Die Gefühlslage bleibt dabei unklar – mal wird das Verlangen erwähnt, das den Körper erbeben lässt, dann wieder entsteht aus der Hingabe eine „plötzliche Leidenschaft“. Und gelegentlich gibt sich die Frau einfach hin, weil sie wissen will, wie sie sich danach fühlt. Auch die klassische Version wird noch veröffentlicht – in ihr gibt sich die jungfräuliche oder jedenfalls unerfahren Frau dem hin, was offenbar unerlässlich ist – und wundert sich, dass sie auf ein „ungebremstes Begehren“ des Gatten trifft.

Um Texte zu zitieren, die für viele andere steht, nehme dich diese Beispiele (2):

Ich gab mich völlig hin und spürte dabei meine immer größer werdende Lust.


Oder etwas länger, aber ähnlich banal:

Ich gab mich diesem Mann völlig hin. Meine lange unterdrückte Sehnsucht nach einem männlichen Körper überwältigte mich, und die unglaublichen Empfindungen, die ich dabei hatte, ließen meinen Körper erschauern.


Man muss nicht literarisch gebildet sein, um festzustellen, dass beide Texte nicht das Geringste aussagen. Die Hingabe wird dabei zu nichts als einem Hohlwort. Die Lust wird „nachgeliefert“, klingt aber nun völlig blutleer, und die Gefühle werden so flach abgehandelt, als hätten beide Damen gesagt: „Und dann schaltete ich die Waschmaschine in den Schleudergang, sodass der Zahnputzbecher erzitterte.“

Aussagen und Hingabe, einfach und doch differenzierter

In differenzierten Texten wird die Hingabe dann aktiver, bewusster und offener angesprochen. Dann gibt sich die Frau beispielsweise hin, weil sie dem Mann angehören will – und nicht etwa die „Frau für eine Nacht“ sein. Das klingt zumindest glaubwürdig. In einem anderen Text wird der Autorin klar, dass es den „Moment ohne Rückkehr“ gibt, und sie schildert die Hingabe knapp nüchtern als „Ausschalten des Gehirns.“ Wieder eine andere Autorin erwähnt, dass sich ihre Figur im Grunde jedem Mann „hingeben“ könne – er müsse ihr nur gefallen. Immerhin erklärt der knappe Satz, wie diese Frau ihre „Hingabe“ versteht.

Klartext: Wenn die „Hingabe“ ein Prozess ist, dann sollte er mit allen Steigerungen und möglichen Hemmungen sinnlich beschrieben werden – sei es in gedanklichen Konstruktionen oder in unmittelbaren Gefühlen.

Selbstverständlich kann man die Hingabe auch kühl abhandeln, aber dann ist die Rede von Frauen, die gegenüber der zufälligen Leidenschaft bereits abgestumpft sind. Oder eben von solchen, die mit ihrer Hingabe und anderen vorgetäuschten Emotionen eine Art Handel betreiben.

Das Fazit: "Hingabe" nur benutzen, wenn das Wort wirklich passt

Fassen wir zusammen: Das Wort „Hingabe“ für den „Vollzug des Geschlechtsakts bei Frauen“ ist antiquiert und sollte nur noch verwendet werden, wenn es in die Zeit passt, in der die Geschichte handelt. Die „passive Hingabe“ existiert nicht, auch wenn sie von vielen Autorinnen angeblich so beschrieben wird. Wenn sich jemand „passiv hingibt“, dann nimmt er etwas hin, was er für unvermeidlich hält. Zudem ist „Hingabe“ keine einzelne Handlung, sondern ein Prozess, der sich beschreiben lässt.

(1) Textkonstruktion, um unterschiedliche Bedeutungen des Wortes zu veranschaulichen, von Isidora Fecekazi.
(2) Umschreibungen (abgewandelte Texte, um die Nachforschung zu erschweren) aus tatsächlich existierenden Texten.
Bild: Aus "La Vie Parisienne" von 1911 (Ausschnitt) Künstler: fabiano.

Die absolute Hingabe

Einst eine Erwartung, heute umstritten: die Hingabe
Was eine Hingabe eigentlich bedeutet, ist im Deutschen nicht völlig klar. Grimms Deutsches Wörterbuch (1) sagt aus, dass die Hingabe“ nach „neueren Quellen“ die „Hingebung in Liebe“ bedeute. Ursprünglich war die Hingabe eines Gutes gemeint, im Extremfall die Hingabe der Freiheit. Im weiteren Sinne überwiegen aber Bezüge, die mit der Liebe zur Kunst oder zu einem Menschen zusammenhängen. So wurde in Teilen Deutschlands auch die Verlobung der Frau als „Hingabe“ bezeichnet. Ein anderer Begriff dafür wäre das ebenso altertümliche Wort „die Preisgebung“(2). Das Wort „Hingabe“ wird nicht immer positiv bewertet, und im 19. Jahrhundert lesen wir gar, dass „Prostitution die gewerbsmäßig betriebene Hingabe“ sei.

Sich hemmungslos hingeben?

Was bedeutete es nun, sich jemandem „hemmungslos“, „absolut“ oder „völlig“ hinzugeben?

Die Redensart kommt in modernen, schnell dahingeschriebenen Liebesromanen vor. Nachdem die Partnerin in irgendeiner Weise sexuelle erregt wurde, gibt sie sich ihm/ihr unvermittelt „völlig hin“.

Hemmungslose Geilheit ?

Gemeint ist zumeist, dass ihre Geilheit auf einem Punkt angekommen war, an dem sie an nichts anderes mehr dachte, als befriedigt zu werden. Das heißt: alle Gedanken an die Begleitumstände, und damit auch alle eventuell vorhandenen Bedenken waren plötzlich verschwunden. Mit ihnen vergingen dann auch die eigenen Wünsche und Vorstellungen.

Die völlige Hingabe ist – wenn sie nicht gespielt wird oder durch romantische Verzückung mental gestützt wird – eine Folge des Einsatzes körpereigener Drogen, also an sich etwas völlig Natürliches. Die Natur drängt ihre Geschöpfe, einen einmal eingeleiteten Geschlechtsakt in jedem Fall zu vollenden und versucht daher, den Rückzug in jedem Fall zu vereiteln.

Einfache Formel für die Hingabe


Oder, sehr einfach:


Je weniger der Geschlechtsakt durch Gedanken „gestört“ wird, umso größer ist die Möglichkeit der „absoluten Hingabe“.

Die Hingabe als ideologische Unmöglichkeit

Aus der Sicht der „Neusprech-Bewegung“, die für „soziale Korrektheit“ sorgen will, ist die die Lust, sich hinzugeben, ein Tabu. Die Vertreter dieser Philosophie sehen im Geschlechtsakt einen gleichberechtigten, durchgängig bewussten Prozess. Jede Form von Asymmetrie wird dabei ausgeschlossen, und Hingabe wird in diesem Zusammenhang mit „Unterwerfung“ gleichgesetzt. Erstaunlich dabei ist, wie Menschen in ihrem Lusttaumel noch „psychische Prozesse“ oder gar Feinheiten des „neuen Lust-Knigges“ wahrnehmen wollen. Und um es zu verdeutlichen: Hier ist nicht von SM-Aktivitäten die Rede, sondern von der reinen, unverfälschten Begierde gewöhnlicher Paare.

Psychologie und Esoterik als Helfer für die Hingabe?

Manche Psychologen sagen, die Hingabe sei ein „psychischer Prozess“, der erlernt werden könne, weil die Hingabe etwas mit „Urvertrauen“ zu tun habe. Das mag stimmen, wird aber zur Farce, wenn es mit zu viel esoterischem Unsinn ummantelt wird. Natürliche Prozesse wie die Hingabe kann man durch psychische Hemmungen, falsches Lernen, verinnerliche Ideologien, Ängste vor den Folgen oder Gedankenkonstruktionen verhindern. Es mag verschiedene Meinungen dazu geben, wie sie sich auflösen lassen – doch sicher nicht dadurch, dass man behauptet, man müsse neue veränderte psychische oder esoterische Methoden entwickeln, um dies zu tun.

Männer, analer Zugang und SM-Spiele

Nicht ausschließlich Frauen, auch Männer haben gelegentlich Vorbehalte unterschiedlicher Art, sich „absolut hinzugeben“, und sie drücken sich je nach Art und Veranlagung so aus, dass sich der Penis nicht versteift oder die Ejakulation gehemmt ist. Die größten Vorbehalte haben Männer immer dann, wenn sie selbst (anal) penetriert werden sollen – das betrifft auch heterosexuelle Männer, die sich auf Rollenspiele oder Pegging einlassen.

Hingabe gleich Kapitulation?

Hingabe, das Hingeben oder Aufgeben, auch die „Kapitulation“, wie man wörtlich übersetzt im Englischen sagen würde, sind Reizwörter, weil sie in einem Zusammenhang mit Macht, Aufgabe der Macht und sogar Ohnmacht verwendet werden. Die Forderung, sich hinzugeben, ist deshalb ehrenrührig, der Wunsch, sich hinzugeben, aber durchaus vorhanden und ein Beweis des Selbstbewusstseins. Denn nur derjenige oder diejenige wird sich lustvoll hingeben, der/die weiß, dass der nächste Tag wieder die Person hervorbringt, die man zuvor darstellte.

Lösung: sich der animalischen Natur bewusst werden

Es gilt also, wie so oft in der Liebe, sich seiner animalischen Natur bewusst zu sein und sie mit der Lust und der Realität verbinden zu können. Das ist allemal hilfreicher als jede Diskussion um die Berechtigung der Hingabe.

Es ist eine große Aufgabe – möglicherweise eine, die viele Jahre in Anspruch nimmt – und wohl dem, der dabei eine einfühlsame Partnerin oder einen entsprechenden Partner hat.

(1) Bei Grimm - nachlesen.
(2) Preisgebung ist noch stärker als "Hingabe" mit dem Begriff "sich als Beute hingeben" verbunden. Weitere Gedanken zur Hingabe und zum Konflikt um den Wortgebrauch in DIE ZEIT.
Bild: Buchillustration,oberer Teil des Bildes, ca. 1925

Der Sex – das Hauptcharakteristikum unserer Zeit

Darstellung einer Halbjungfrau gegen 1885 zwischen Begierde und Jungfräulichkeit
Alle, die sich heute das Maul wund reden über die „Frühreife“, die „Frühsexualisierung“ oder die Überbetonung des Sexuellen sei ein Beitrag empfohlen, den ich hier zunächst ohne Jahrgang wiedergebe:

Das moderne junge Mädchen ist fast durch die Bank demi-vierge, wenn es die Schule verlässt. Es ist auch kaum anders möglich bei der starken Betonung des Sexuellen – wie Laura Marholm sagt: des «zentralen Gebietes», die das Hauptcharakteristikum unserer Zeit ist. In Schule und Pension wird die Neugier geweckt und gesteigert, und dann bekommt man irgendwie einmal ein sogenanntes schlechtes Buch in die Hand, das auf dem Schreibtisch des Vaters entdeckt oder von einem Bruder eingeschleppt wird.


Ich habe versprochen, das Rätsel zunächst auszulösen: der Text stammt aus dem Jahr 1898, wurde also vor etwa 120 Jahren verfasst.

Ich will aber noch auf einen weiteren Punkt eingehen: welche Bedeutung hatte die Sexualität der Frau für die Beurteilung des Mannes?

Der erfolgreiche Weg, mit Männern umzugehen (1898)

Indessen suchte die Autorin auch nach dem „Weiblichen“, und aus ihren Worten klingt auch die Bewunderung nach, die sie für Frauen mit „normalem, unverkümmerten, unentwegten Geschlechtsinstinkt“ verspürt. Sie schreibt darüber in seltener Offenheit:

In der Kokotte, dem «Mädel» und der Lebedame aus Fin de siecle-Kreisen, da vielleicht noch am ehesten ist «das Weib» zu finden, das absolute Weib, das den Mann am besten kennt und am richtigsten zu beurteilen und zu nehmen weiß. Das «lasterhafte» Weib hat oft mehr richtiges, ja sogar mehr Feingefühl auf dem Geschlechtsgebiet wie die beste Gattin und das keuscheste Gretchen, denn grade kraft seiner Lasterhaftigkeit, das ist: vielseitigen Kenntnis der Männer, sieht es in ihm weder den Übermenschen noch den Schurken, sondern einfach «den Mann», nicht als X, sondern als feststehende, gegebene Größe, ohne welche das Exempel nicht aufzulösen ist.


Was ist heute anders?

Heute würde man nicht mehr „das Weib“ sagen, und doch ist das Thema weiterhin aktuell: Eine erfahrene, sinnlich versierte Frau wird die Männer immer von der pragmatischen Seite betrachten – ungeachtet ihrer Einstellung zur Emanzipation. Die große Masse wird das Thema ignorieren und sich „irgendwie am Thema vorbeimogeln“. Doch, was ist mit den Kritikerinnen der Männer?

Sinnloses Verhalten gegenüber Männern – damals wie heute

Die „anderen“ Frauen, die Männer damals als „komisch“ einstuften und glaubten, die besseren Menschen zu sein, sind inzwischen ebenfalls emanzipiert und weit entfernt von „Gretchen“, „Halbjungfrauen“ und „Gattinnen“. Aber sie glauben nach wie vor, dass sie die Männer besser beurteilen, können als diese sich selbst sehen. Vielleicht können sie es wirklich: Aber das Vorhaben ist nicht sinnvoll. Es führt dazu, recht haben zu wollen und dennoch nichts zu erreichen: Wer andere beurteilt, muss ich selbst der Kritik stellen – und dies bei größter persönlicher Nähe. Man kann sagen, dass dies zwangsläufig zu ständigen Streit führt. Der Beurteilte wird sich kaum ändern, und die Beurteilende wird aufgefordert, die eigenen Mängel zu beseitigen, bevor sie sich weiter äußert. Und manche Frauen werden sich einfach dadurch aus der Affäre ziehen, dass sie Männer generell verurteilen.

Quelle und Begriffe:

Franziska Gräfin zu Reventlow – „Das Männerphantom der Frau“ von 1898. Daher stammen die Zitate.
demi-vierge – Halbjungfrau – eine Frau, die erotische Kontakte pflegt, aber keine sexuellen.
Gretchen - Sinnbild der Jungfrau in bürgerlichen Kreisen.
Kokotte - elegant angezogene Halbwelt-Dame im 19. Jahrhundert - eine Art "Luxusprostituierte"
"Mädel" - eine junge Frau, die zum Geschlechtsverkehr bereit war.
Pension - Internat
Lebedame - Frau, die dem (sexuellen) Genuss nachging, wann es ihr gefiel.
Laura Marholm – Frauenrechtlerin, Schriftstellerin. Schrieb überwiegend in deutscher Sprache.


Die Überhöhung

Die Illusion ist oft mehr als die Realität hergibt - und eine Falle für Gutgläubige
Während sich die Erniedrigung offenbar erst im Erwachsenenalter zu einer sinnlichen Lust entwickelt, gilt die Überhöhung der geliebten Person als eine Untugend der Jugend. Sie beginnt mit der sinnlichen Schwärmerei, die möglicherweise in einer Glorifizierung oder Vergötterung endet.

Gelingt es dem jugendlichen und manchmal auch bereits erwachsenen Menschen nicht, diesem Zwang zu entfliehen, so gerät die Person möglicherweise in die Falle jener Frauen und Männer, die nur darauf warten, sie in die Abhängigkeit zu zwingen.

Ich tue alles für ihn ... oder für sie

Ein typischer Satz für eine gefährdete Person wäre: „Ich würde alles für sie (ihn) tun.“ Nun weiß man, dass kein vernünftiger Mensch „alles“ für einen Fremden tun würde, schon gar nicht für einen emotionalen Ausbeuter, aber die Betroffenen glauben es tatsächlich. Sie würden lügen, betrügen und stehlen und sich selbst in jeder Form erniedrigen, nur um den Personen zu gefallen, die sich selbst als „Herrinnen/Herren“ über andere verstehen.

Fragen - aber niemals konkrete Antworten über die Motive

Zumeist wird nicht ganz deutlich, welchen Vorteil oder Nutzen der Konterpart wirklich davon hat. Eine allzeit verfügbare, unproblematische Gespielin (oder einen entsprechenden Gespielen)? Eine Geldquelle, die sich anzapfen lässt, solange das Vermögen nicht aufgebraucht ist? Eine sadistische Veranlagung? Oder einfach der Wunsch, für einige schwache Persönlichkeiten tatsächlich die Herrscherin oder den Herrscher spielen zu können?

Machthunger oder Geldgier als Motiv?

Wer Antworten darauf sucht, wird sie nirgendwo finden. Ob jemand sich 24 Katzen hält oder per E-Mail 24 Männer in emotionalen Stress versetzt, immer ist es das Gefühl, wenigstens über irgendjemanden Macht ausüben zu können. Noch besser läuft es für Damen im Internet, denen es überwiegend um Geld und erst dann um die Macht über Menschen geht: elende Abzockerinnen, die sich schwache und bedürftige Männer aussuchen, die keine Chance auf Beziehungen haben. Das Prinzip ist so abartig, dass man es kaum für möglich hält: Sie versprechen nichts, sagen aber, dass es günstig wäre, ihnen Geschenke zu geben – Geld oder Sachwerte. Der Tick: Es ist nie genug, aber der „Kunde“ bekommt niemals, was er sich erhofft.

Unterwerfung per Korrespondenz

Kaum jemand weiß, warum Männer ständig wieder auf diese Masche hereinfallen. In den Vor-Internet-Zeiten waren mehrere Fälle bekannt geworden, in denen lüsterne, leicht sonderbar angehauchte Männer sich im Rahmen einer Korrespondenz unterwarfen.

Es handelte sich dabei um Männer, die ganz offensichtlich kaum sexuelle Kontakte zu Frauen hatten, aber deutlich machten, dass sie diese gerne hätten. Die Frauen, oftmals gebildete, schreibkundige Damen, verschickten Briefe an Männer, die sie „im Vorübergehen“ oder in einer besonderen nicht-erotischen Situation kennengelernt hatten.

Von drei eng beschriebenen handschriftlichen Seiten“ die voller „versteckter sexueller Andeutungen“ waren, berichtet ein Zeitzeuge in dem Buch "Hörigkeit" von Karin Dietel-Wichmann. (1)

Die Vorstellung, dass der Mann masturbiert, reicht mancher Frau

Die Frau manipuliert den Mann extrem – und sucht die virtuelle Rückkoppelung. Er soll ihr gehören, aber nicht physisch. Ob er antwortet oder nicht, ist ihr gleichgültig. Sie vermutet, der Mann würde über den erotischen Inhalt ihrer Briefe und in Gedanken an ihre erotische Erscheinung masturbieren. Und obgleich der Mann ihr nie zurückschreibt, hält sie ihn Woche für Woche mit ähnlichen, anonymen Briefen in Atem.

Erotisch faszinierend zu sein, aber auf keinen Fall Intimitäten zuzulassen, war lange Zeit eine Methode der „Halbjungfrauen“, die sich einladen ließen, Geschenke annahmen und kokettierten, aber streng darauf achteten, dass es niemals intime Berührungen gab, werde aktiv noch passiv. Doch sie gingen dabei das Risiko der Nähe ein – davor hüteten sich die Briefschreiberinnen ebenso, wie es heute die Abzockerinnen im Internet tun.

Reizen und nicht erfüllen - das Spiel hört nie auf

Die Methode „Anreizen und nicht erfüllen“, scheint nach wie vor eine beliebte Methode zu sein, sich zu überhöhen und als göttliches Wesen verehren zu lassen. Was nur als logisch erscheint: Göttinnen haben nun mal keinen Geschlechtsverkehr mit kriecherischen Erdenwürmern.

(1) Karin Dietel-Wichmann: Hörigkeit. Die Sehnsucht nach der Unterwerfung.
Bild: Nach einem bekannten historischen Foto.