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Die Wahrheit über Frauen? Räusper …

An Stammtischen kennt sie jeder, die Wahrheit über Frauen, und mit jedem Bier erhellt sich, was sie sind und was sie wollen. Neulich überfiel mich in einem Lokal einer dieser Wichtigtuer, der mir kurzerhand bierumwölkt erklärte: „Heute wollen die Frauen doch nur noch f**en“, mit denen is doch nix mehr los“.

Nun, auf der Reise von Altenburg nach Leipzig, bei der sogar der Regionalexpress neben jeder Milchkanne hält, erwartete ich ruhige Minuten und kaufte mir den „FOCUS“, weil der „SPIEGEL“ mir irgendwie zu verkohlt war – und da stand nun „Die Wahrheit über Frauen“. Ab Seite 71 konnte man lesen, „was sie wirklich will“, und weil dies möglicherweise relevant für mein Hauptthema, die Partnerwahl, sein könnte, griff ich zu.

Schmalbrüstige Fragen, wenig überzeugende Antworten

ausgedient, aber immer noch im hinterkopf: leitbild hausfrau
Der FOCUS ist, mit einem Wort, schmalbrüstiger als ich annahm. Eine „repräsentative FOCUS-Umfrage“ sollte die Antwort auf alle Fragen zu Selbstverständnis, Karrierewünschen und Familienplanung geben, aber was dabei herauskam, war bestenfalls ein etwas glücklos gestalteter Überblick. Der Versuch, dem zwiespältigen Frauenbild der Deutschen Frauen von sich selbst nahezukommen, ist jedenfalls kläglich gescheitert. Dies war kaum anders zu erwarten, wenn man Fragen stellt wie „Wo fühlen sie sich wohler, im Büro oder zu Hause?“, wobei 47 Prozent der Befragten für „Zuhause“ votierten. Auch andere Fragen gaben zu denken: So fragte der FOCUS beispielsweise „Wen ziehen Sie vor: einen attraktiven Hausmann oder einen erfolgreichen Geschäftsmann?“ auf die man eigentlich nur die Antwort geben kann, die im „Wife of Barth“ gegeben wurde: "Ich würde mich weder für das eine noch für das andere entscheiden“ – aber das wagten nur 15 Prozent der Befragten, während die restlichen Frauen auf die Frage hereinfielen und entweder den Geschäftsmann oder den Hausmann wählten. Ob sich auch nur eine einzige der Frauen, die zu 41 Prozent den „Hausmann“ gewählt hatten, die Konsequenzen dieser Entscheidung überlegt hatten, muss bezweifelt werden.

Aus diesem dürftigen Material konnten selbst gewiefte FOKUS-Redakteure kaum eine richtige Story machen – und so verwundert es nicht, wenn bereits auf Seite 73 über das weibliche Wesen und die weibliche Sexualität schwadroniert wird.

Schlagen zwei Seelen in ihrer Brust?

Was am Ende blieb? Das gleiche uneinheitliche Bild, wie es uns bereits bekannt ist, und das sieht so aus: Von Frauen wird angeblich erwartet, dass die die liebevolle Hausfrau und Mutter geben, und das verinnerlichen Frauen offenbar zu 53 Prozent, wobei 68 Prozent hinter ihrem Partner zurückstehen würden, wenn es um die Karriere, ginge. Es scheint, als wohnten nicht nur in der deutschen Männerbrust, sondern auch in der Frauenbrust zwei Seelen, die unvereinbar nebeneinander existieren und von denen sich keine wirklich durchsetzen mag. Dies alles hindert die Theoretikerinnen und Theoretiker allerdings nicht, beispielsweise Frauenquoten einführen zu wollen.

Bei der Partnersuche sind Frauen angeblich aktiv - wirklich?

Blieben noch die Beziehungen. Hier wurde seitens des FOCUS die spektakuläre Frage gestellt, ob die Frau die Initiative ergreifen würde, wenn ihr ein Mann gefällt. Hier votierten 40 Prozent der Frauen für „Ich ergreife die Initiative“ – doch es bleibt die Frage, was sie in einer konkreten Situation wirklich tun würde, denn das Thema „Frau spricht Mann konkret an“ ist nur in der Theorie leicht mit „na klar, mach ich doch“ zu beantworten.

Blick in die Glaskugel: "Frauen werden viele Männer haben"

Ja, also … wie ist es denn nun? Vielleicht weiß es ja Lidewij Edelkoort, die man am Schluss des Artikels „Die Wahrheit über Frauen“ gefragt hatte, und das will ich Ihnen nicht verheimlichen: „Mädchen, die heute aufwachsen, werden viele Männer in ihrem Leben haben wollen“.

Na bitte schön, da habe ich doch kurz vor Leipzig Hauptbahnhof noch die Stelle gefunden, die meine Leserinnen und Leser möglicherweise wirklich interessiert. Habt ihr gehört, Mütter? Eure Töchter werden viele Männer in ihrem Leben haben. Wobei mir gerade noch so nebenbei einfällt, dass eine neuseeländische Therapeutin gerade entsetzt darüber war, wie viele Männer die Kiwi-Frauen im Lauf des Lebens vernaschen – und das waren lächerliche 20.

Karriereturbo Auslandseinsatz? Da sagen Frauen eher "nein danke"

Zurück zum Ernst: Karrieren für Frauen gehen schneller und problemloser, wenn sie ins Ausland gehen – aber gerade da wollten nun wirklich wenige Frauen hin. 39 Prozent lehnten solches Ansinnen brüsk ab – und damit zeigt sich recht schnell, woran offenbar viele Frauenkarrieren scheitern: Sie wollen viel verdienen und Macht gewinne, aber möglichst wenig am gewohnten Lebensstil verändern – und diese Rechnung geht nun wirklich nicht auf.

Quellenmaterial: FOCUS Nummer 28/11 vom 11.Juli 2011, Printausgabe