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Selbstbewusstsein: im Osten die Regel, im Westen Krampf?

Die Sommer-Provokation der Liebeszeitung: Zweiter Teil. Gibt es eine "emotionale Verwahrlosung" hinter der "schicken Fassade" der Erfolgs- und Anspruchsfrauen im Westen? Und warum ist dies im Osten anders?

Das Wort „Emanzipation“ hat überall in Osteuropa, ja sogar in Ostdeutschland, einen ganz anderen Klang als im Westen Deutschlands. Kurz und knapp: Im Osten hat die staatlich verordnete Gleichheit der Geschlechter das Bewusstsein verändert, aber dabei die innere Haltung zur Geschlechtlichkeit nicht zerstört. Im deutschen Westen hingegen herrscht eine schwer erklärbare Melange aus der Adenauerpolitik, der künstlich aufgebauschten, aufbruchartigen Emanzipationswelle der 1970er Jahren und einem „neuen“ Frauenbild, das auf vermeintlicher Bildung und hohem Einkommen aufbaut, und das durch die allgemein übliche gewordene Anspruchshaltung nun zu einem Schreckgespenst geworden ist.

Keine Erdung mehr bei den "neuen" West-Frauen

Es scheint, als sei diesen „neuen“ Frauen jegliche Erdung verloren gegangen. Die Herkunftsfamilie wird ignoriert, die Religion hat (sicher mit Recht) abgewirtschaftet, glaubhafte Vorbilder sind weit und breit keine erkennbar, und vor allem das „Frau sein“ ist ihnen abahnden gekommen. Sie machen sich selbst zu Rädchen in einem Gefüge, deren Herrinnen sie gerne sein würden. Die Macht, die sie einst aus Ausstrahlung, Charme und femininer Lenkung gewannen, ist perdu – was ihnen bleibt, sind die Schalthebel der Macht, die sie mühsam zu ergattern versuchen.

Die aufgesetzte Emanzipation und die Wahrheit

Die Geschichte der Emanzipation der deutschen West-Frauen ist oft beschrieben worden. Was selten gesagt wird: Sie war eine von wenigen Intellektuellen, Gewerkschaftlerinnen und lesbischen Gruppen getragene Bewegung, die von der Presse weidlich ausgeschlachtet wurde. In Wahrheit war alles restlos verkrampft, intellektuell überfrachtet und kaum nachvollziehbar – vor allem für Arbeiterinnen und weibliche Angestellte nicht. Am Ende, so etwa Anfang der 1980er Jahre, trennte sich die Spreu vom Weizen. Das ungeheure intellektuell und emotionale Potenzial der Frauen wurde erkannt, und diese nutzten die neu gewonnene Unabhängigkeit tatsächlich zu einem beträchtlichen Teil. Der Schlüssel hieß: durch bessere Ausbildung zum besseren Einkommen. Die Töchter der Emanzipation erkannten schnell, dass Ideologien nichts wert sind, sondern dass nur ein wirtschaftlich unabhängiges Leben ihnen die Welt erschließen würde.

Gute Ausbildung und dennoch schwache Bildung der

Die Kehrseite der Medaille: Bildung ist nicht Ausbildung. Die heutige, einseitige Fixierung auf messbare „Leistungen“, wie etwa Schulnoten oder Universitätsabschlüsse, Diplome und Doktortitel und dergleichen mehr verführte die Frauen dazu, sich mehr und mehr von den mächtigen Naturkräften und den kulturellen Werten zu entfernen, die Frauen eigen sind.

Zwar wurde der Wunsch „Frau zu sein“ nicht aufgegeben, aber offenbar nahm man sich weniger Zeit dafür. Die deutsche Frau ist, anders als die Französin oder die Ungarin, niemals in erster Linie Frau gewesen, sondern jemand, der im Leben „gebraucht wird“. Auch die „neuen Frauen“ verhalten sich entsprechend: Sie geben sich selbstbewusst, unabhängig und oft kaltherzig. Man muss lange suchen, bis man eine kluge, sinnliche und erfolgreiche deutsche Frau findet. Charme und Leistung scheinen sich nicht zu vertragen, und die „weiblichen Waffen“ wurden ohne Not angelegt.

Waffen abgelegt: der Verlust von Charme und Raffinesse

Dadurch verging im Westen bei den „neuen“ Frauen auch die Raffinesse im Verhältnis der Geschlechter zueinander. Die Kunst, mit Charme, Sinnlichkeit, Raffinesse und Selbstbewusstsein zu führen und zu gestalten, geht heute immer mehr verloren. Wer sich teure, raffinierte Dessous und Designer-Dildos kauft, ist deswegen noch lange nicht sinnlich. Vergeblich sucht man Sinnlichkeit, erotische Raffinesse oder auch nur charmante Gespräche. Stattdessen wird Sex konsumiert wie ein Gabelfrühstück – oh ja, schicke Sache, sehr erregend – aber eben nur das.

Hat dieses Verhalten im Westen eigentlich etwas mit Emanzipation zu tun? Viele Beobachter meinen, es sei eher ein Spiegel der zunehmenden emotionalen Kälte, die bis zur inneren emotionalen Verwahrlosung gehen kann. Man isst nicht mehr raffiniert, man liebt nicht mehr raffiniert – schnell ein Burger zwischendurch, schnell ein Mann für die Nacht. Beziehungen? Lieber nicht, weil sie ja so schrecklich bindend sind. Die "neuen" Frauen suchen ihren Mann so lange, bis sie aufgeben - nicht mehr, solange, bis sie ihn gefunden haben.

Was unterscheidet nun den Westen vom Osten, wenn man die Emanzipation in den Fokus stellt?

Im Osten ist Emanzipation viel selbstverständlicher

Einmal das natürliche Selbstbewusstsein. Ärztin, Rechtsanwältin, Richterin, Ingenieurin? Das kennt man schon von den Müttern und Großmüttern, und es ist in einem Maße selbstverständlich, dass es nicht einmal der Erwähnung bedarf. Selbstbewusstsein zeigt sich bei Ostfrauen im Sein, nicht im Seinwollen. Wenn sie gelegentlich auch arrogant sind, dann ist dies eher ein Trick: „Hey, Mann, streng dich gefälligst an, wenn du mich haben willst“. Auch ihre Ziele sind völlig anders: Die Ostfrau will mit einem Mann leben und Kinder haben, die Westfrau sieht eine „Beziehung“ auf sich zukommen, die ihre Absichten stören könnte.

Verbreiten ich Vorurteile?

Klischees, Vorurteile, Fehlurteile? Mag sein. Jedes Pauschalurteil enthält eine Fülle von Fehlurteilen. „Hartherzigkeit“ ist ein Attribut, doch was steckt dahinter? Eine schleichende emotionale Verwahrlosung, wie man sie auch von erfolgreichen Männern kennt?

Falsche Prioritäten als möglicher Grund für die Herzenskälte?

Es mag andere Gründe geben. Ostfrauen, aber durchaus auch Frauen aus Mittelmeerländern, würden sich andere Prioritäten setzen: Ausbildung, eigene Wohnung, Erfolg, Anerkennung, Beziehung, Kinder – in dieser Reihenfolge. In vielen Ländern ist dies anders, dort lautet die Reihenfolge: Ausbildung, Beziehung, gemeinsame Wohnung, Kinder, Anerkennungen und Erfolg.

Ob es tatsächlich so ist? Deutschen Männern bleibt ein doppelter Trost: Nicht jede westdeutsche Frau ist eine dieser selbsternannten „Trendsetterinnen“, und im Osten warten viele Frauen, die mit 25 noch keine feste Beziehung haben, auf einen Mann, der sie heiratet und Kinder mit ihnen hat – emanzipierte Frauen, wohlbemerkt.