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Mythos fünf: Sanfte Männer sind potenziell bisexuell

Ein sanfter Mann ist oft liebevoller als ein harter Mann
Ach ja: Der Mann muss hart und zupackend sein, darf nicht lange fackeln, bevor die Couch bebt, muss immer einen steifen Penis haben, wenn die Frau Lust hat – aber er soll sanft, verständnisvoll und fürsorglich sein. Diese idiotische Sichtweise wird fast jeder Junge einmal gehört haben: Mütter, Schwestern, Tanten und Cousinen reden auf ihn ein, sanft und zärtlich zu sein, wenn er eine Frau zu lieben wünscht. Und die realen Frauen, die er trifft, die ja ebenfalls Mütter, Tanten, Schwestern oder Cousinen von jemandem sind, lachen ihn aus, wenn er dilettantisch, sanft und zögerlich um erotische Zugeständnisse buhlt.

Trotz solcher negativer Erfahrungen bleiben sanft Männer sanft, und nach und nach lernen sie, wann, wie und wo sie auch damit punkten können. Es sind Männer, die ihren Körper ein bisschen mehr lieben als andere Männer, die ihre Körper quälen und zermartern. Und es sind Männer, die gerne Zärtlichkeiten und Verführungen erleben möchten. Manche von ihnen verfallen dabei manchmal der offensivenVerführung eines Mannes und mal der sanften Süße einer Frau. Dies als „bisexuell““ zu bezeichnen, ist albern.

Wie auch immer - die meisten legen Härte nach – und behaupten sich in der Welt der heterosexuellen Beziehungen, in der von Männern das große Repertoire aller Tugenden und Untugenden erwartet wird. Immerhin reicht es von „mach mir den Hengst“ bis zu „Ach, könnest du mal dem Lütten die Windel wechseln.“

Um es klar zu sagen: Männer sind nicht schwul, weil sie gelegentlich „weichlich“ sind, oder empfänglich für Zärtlichkeiten, weiche Stoffe auf der Haut oder Süßigkeiten auf der Zunge. Wer schwul ist, ist es ganz und gar – und er kann ein Muskelprotz oder ein Hänfling sein. Richtig ist: Männer sind, was sie sind – mal empfindsam, mal empfindlich, mal abwägend und mal zupackend.

In der Welt der Mythen und Halb-Mythen werden Sie immer wieder finden, dass Frauen „mehr Nervenenden“ hätten als Männer, dass ihr Körper druckempfindlicher und sensibler sei, mehr erogene Zonen hätte und ganz generell eben auf Empfindsamkeit ausgerichtet wären. Selbst wenn das stimmen sollte, heißt dies nicht, dass sie dies „im Gegensatz zu Männern“ sind. Würde man wirklich ernsthaft vorgehen, würde man bald feststellen: Jeder Mensch hat eine sensible Haut, und manche Berührungen werden durch das Gehirn (und nicht etwa durch die Nervenenden) als sensibel und erotisch wirksam interpretiert. Die Frage, ob Frauen wirklich „schmerzempfindlicher“ oder (daraus abgeleitet) auch generell gefühlsintensiver sind, wird damit nicht beantwortet.

Also: Machen wir Schluss mit dem Mythos, sanfte Männer seien latent schwul, bisexuell oder „Weicheier“. Er ist etwas für die Dummen unter den Frauen – und erst recht unter den Männern.

Bild: Aus einer historischen Novelle, Ausschnitt.
mythos mannZum Thema: "Mythen über männliche Sexualität" erscheinen weitere Folgen.