Skip to content
Werbung Email:

Wie das Korsett die Schönheit aufwertete, auch wenn's zwickte

Die Wirkung des Korsetts - nach einer Zeichnung von 1884.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren viele Damen froh, dass sie nicht mehr gezwungen waren, einengende Korsetts zu tragen. Doch anderseits bemühte man sich auch weiterhin, die Schönheit des weiblichen Körpers mit Korsett hervorzuheben. In dieser eindrucksvollen Zeichnung wird klar, wie aus der verhuschten Jungfer eine große Dame werden soll.

Teilansicht des Originals
Es handelt sich um eine Teilansicht einer größeren Tafel, die Damen bei der Toilette zeigt. Im Original wird im Hintergrund immer noch ein "großer Auftritt" in diesen Korsetts darstellt. Die Original-Tafel zeigt mehrere Tages- und Abendgarderoben.

Dessous und ein geköpfter Prophet

Eigentlich sehr hübsch - ohne den Propheten
Die Geschichte der weiblichen Unterwäsche ist in vielen Büchern festgehalten. Die lüsterne Männerwelt der Vergangenheit hatte es allerdings zumeist mehr auf die schönen weiblichen Körper abgesehen, und die Dessous dienten als Vorwand, ihn sinnlich in Szene zu setzen.

Titel des Originals
Ein 1902 erschienenes Buch (Les dessous a travers les ages []de la femme]) trägt auf dem Titel eine Illustration von Louis le Riverend, die offenkundig die Salome darstellt. Diese Frau steht in der Bibel auf der Seite des Bösen, weil durch sie „Johannes der Täufer“ den Tod durch Enthaupten erleiden musste. Die gesamte Geschichte ist so unwahrscheinlich, dass die Vermutung besteht, sie sei frei erdichtet. Doch das Thema „Tod, Schönheit und Schleiertanz“ war offenbar für Künstler so erregend, dass zahlreiche Maler zugriffen. Zumeist wurde auf makabre Weise (aber getreu dem Text von Markus) eine Schale mit dem Kopf des Täufers dargereicht.

Historisch war die Salome allerdings lediglich als Tochter der Herodias und als schönste Frau ihrer Zeit bekannt.

Wie der Verleger Bernard oder der Autor Silvestre Armand auf die Idee kamen, die Geschichte der Dessous im Laufe der Jahre ausgerechnet mit einer Salome-Darstellung von Louis le Reverend illustrieren zu lassen, bleibt buchstäblich „schleierhaft“.
Im unteren Teil vulgär ... der Kopf des Propheten

Dachte er daran, dass eine Frau in Dessous, die einen „Schönheitstanz“ verführt, wirklich so mächtig ist, um einen Mord zu veranlassen? Die Darstellung der Salome hat übrigens eine auffällige Ähnlichkeit mit der Salome von Gaston Bussière, die allerdings erst 1923 entstand.

Übrigens war bei Markus nicht von einem „Schleiertanz“ oder irgendeiner Frivolität die Rede, sondern lediglich von einem „Tanz der Tochter der Herodias“ und dessen Faszination auf die Gäste des Königs.