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Der erfolgreiche verbale Flirt

Verbal flirten heißt im Grunde, ein absolut belangloses Gespräch anzufangen, um es dann nach und nach auf eine sinnliche Ebene zu verlagern. Wenn der Punkt gekommen ist, an dem die Sache wirklich heiß wird, schlägst du dem anderen vor, mitzukommen, um bei ihm oder bei ihr oder bei dir oder sonst wo noch etwas zu trinken. Wenn der oder die andere Lust hat, merkst du das schnell, und wenn er/sie mitkommt, läuft auch meistens etwas.

Brauchst du dazu „Skills“ oder besondere Fähigkeiten? Ich bezweifle es.

In der Wohnung zeigt sich, was er/sie dir wirklich bieten kann

Wenn du mit ihm oder ihr nach Hause kommst, wirst du schnell wissen, ob er oder sie dir mehr Lust schenken wird, als du erwartet hast. Oder vielleicht ein anderes Vergnügen, das du nicht erwartet hast. Oder manchmal eben auch gar nichts.

Mancher Mann und manche Frau führt niemals auf den Lippen, was er/sie gerne mit dir tun würde. Er oder sie wartet einfach darauf, dass du etwas vorschlägst, wozu er oder sie dann „na endlich“ oder „nein danke“ sagen kann.

Nein ist bitter, aber nicht zu vermeiden. Sei lieb und ruf ihm oder ihr noch ein Taxi.

Frauen, mir kommen die Tränen!

„Frauen müssen beim Online-Dating emotional mehr riskieren“, titelt WAZ-Redakteurin Caroline Rosales. In ihrem Artikel wird das Wort „emotional“ dann oft mit „finanziell“ ergänzt, und die Emotionen werden mit „mehr Risiko“ und „mehr leisten“ ergänzt.

Belegt werden solche kühnen Behauptungen durch eine gewisse Moira Weigel, die – wie kann es anders sein – ein Buch geschrieben hat.

Ach, du liebes Lieschen, und woran bemisst sich der Aufwand?

Schönheitspflege von heute und Psyche-Spielchen von damals

Wir finden zunächst, dass der Aufwand finanziell enorm ist: Schönheitspflege, Frisur und Sport werden erwähnt. Und die Emotionen? Oh ja, wir lesen, dass es früher einmal (in den USA, versteht sich) „ungeschriebene Regeln“ gab, wie sich ein Mädchen emotional zu verhalten habe, nämlich in „nicht leicht zu haben“ zu machen.

Mit Männern schlafen, um der Clique zu gefallen?

Und nun? Zur Abwechslung wir dann mal die Psychologin Sandra Konrad zitiert, die (natürlich) ebenfalls ein Buch geschrieben hat. Und die soll sinngemäß erklärt haben, dass „sich sogar junge Frauen schon in der Pflicht (fühlen), Sex zu haben, um in der Clique mitreden zu können.“

Mein Gott, Agathe, die Puppe kotzt! Die emotionale Leistung liegt also darin, gegen die eigene Überzeugung mit dem Mann gleich beim ersten Date „Sex zu haben“, um in ihrer Clique damit prahlen zu können? Mir kommen die Tränen ...

Hört auf euch selbst, und vergesst die Berater

Ich glaube, wie sollten dreierlei vergessen: redaktionelle Artikel über Online-Dating in der Tagespresse, die Auffassungen der Psycho-Branche und das, was wir sonst an Ratgeberliteratur kaufen können.

Und stattdessen?

Verlasst euch auf euch selbst, eure eigenen Gefühle und Bedürfnisse – und tut um Himmels willen all das, was ihr wirklich tun wollt. Beim „Dating“, in der Liebe und überall sonst.

Ich las dazu die WAZ.
Anmerkung: Die WAZ verhindert auf ihrer Webseite, dass ihr diesen Artikel lesen könnt, ohne Abonnent zu sein. Obgleich dies inzwischen viele deutsche Verleger tun, halte ich es dennoch für eine Unsitte, die den freien Zugang zu Nachrichten und Informationen behindert.

Psychologie des Online-Datings in 17 Thesen?

Muss man nun über 17 Brücken gehen, 17 Regeln beachten oder sich 17 „psychologischen“ Faktoren beugen, um Erfolg bei der Partnersuche zu haben?

Ich habe für euch alle 17 Tipps gelesen – ja, „Tipps“, den in ihnen steckt so viel Sinn wie ihn der Alltag nun mal beinhaltet, also von allem ein bisschen, ob mit Psychologie oder ohne.

Punkt eins: Partnersuche ist Partnersuche - kein Verschiebespiel

Eines sollte klar sein – wer auf Partnersuche geht, sollte wissen, dass er auf Partnersuche geht – und nicht glauben, dass Links-rechts-Verschiebungen etwas mit Partnersuche zu tun haben. Und da stimme ich den „Psycho-17“ einer Partnerbörse zu: Partnersuche setzt einen Beziehungswunsch voraus.

Das Eingemachte - was darf sich verändern udn wie soll es werden?

Wirklich ans „Eingemachte“ geht allerdings nur ein Punkt der gegenwärtig kursierenden 17 „psychologischen“ Faktoren:

Du solltest wissen, was was du beibehalten willst und was sich für dich verändern darf. Es ist genau dieser Punkt (Nummer neun bei der 17-P-Befragung, dem zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. (1) Wenn es dich betreffen sollte: Wenn du einen Partner gefunden hast, gibt es auf jeden Fall Veränderungen. Einige hast du gewollt und einkalkuliert, andere ahnst du nicht einmal. Die meisten sind – hoffentlich – positiv für dich und deinen Partner/deine Partnerin. Aber einige belasten auch, oder sie lösen Konflikte aus.

Die beste Lösung - die offene Partnersuche

Wenn du dies berücksichtigst, kannst du die beste Lösung wählen, nämlich die nach allen Seiten offene Partnersuche. Das einzige Kriterium: Deine zukünftige Partnerin oder dein zukünftiger Partner muss zu den Lebensbedingungen passen, die du auf keinen Fall verändern willst.

„Das ist alles?“, wirst du vielleicht fragen. Und ich sage: Ja, das ist alles. Was sonst noch wichtig sein könnte, ergibt sich, wenn du dich mit ihr (ihm) triffst. Dann ist deine soziale, intellektuell und emotionale Erfahrung gefragt – und sonst gar nichts.

(1) Zitat von Punkt Neun laut Pressemitteilung Gleichklang:

Ein Partner ist kein Zusatz, den man bestellen und dann sein Leben einfach weiterführen kann. Partnerschaft erfordert immer Veränderungen. Erfolgreich sind diejenigen, die für sich herausarbeiten, was tatsächlich beibehalten werden sollte und was verändert werden kann.

Fundsache – das harte, willkommene Leben

Über Partnersuche kann man viel schreiben. Sinnvolles und dummes Zeug, Predigten und leichtfüßige Sätze.

Über etwas wird selten geschrieben – dass die erfolgreiche Partnersuche Änderungen nach sich zieht – und diese Änderungen beinhalten Risiken, die in alle Richtungen tendieren können.

Großmütterchens und Schillers Rat: „Drum prüfe, wer sich ewige bindet“ ist ziemlicher Unsinn. Du kannst prüfen, so oft, und solange du willst, aber du kannst nicht verhindern, dich auf ein neues Terrain zu begeben, auf dem du dich nicht auskennst.

Und dazu fand ich ein Zitat, das es knapper sagt:

Änderungen in unserem Leben können hart sein, auch wenn sie an sich willkommen sind.

(Nach Mrs. Fever)

Sag "JA" zu Änderungen

Änderungen sind Risiken, und Risiken beinhalten Chancen und Verluste. Und doch wollen Partnersuchende Veränderungen, weil sie hoffen, dabei zu gewinnen.

Ich denke, das ist gut und richtig. Zugleich bedaure ich die Menschen, die sich vor Änderungen fürchten und deshalb niemals etwas gewinnen werden.

Scheitert die Ehe an übertriebenen Gefühlserwartungen?

Der Zeitgeist sagt uns, wie wichtig Gefühle sind – und da erinnere ich mich an eine Zeit, in der diese Frage schon einmal gestellt wurde: Man wollte ans Eingemachte, an die innersten Empfindungen. Nach Maslow passiert das immer dann, wenn man sonst keine Probleme mehr hat: Sozial und finanziell gesichert, etabliert und saturiert: Und nun will man mal sein Seelchen schmücken. Dagegen spräche nicht, wenn damit nicht Forderungen und Ansprüche verbunden würden.

Wenn die Esoterik- und Psycho-Branche frohlockt

Esoteriker, Gurus und Geschäftemacher versuchten schon Mitte der 1970er Jahre, eine neue, auf asiatische Religionen, neue psychologische Richtungen und allerlei Hokuspokus basierende Gefühlsbewegung aufzubauen. Sie hatte die üblichen dreifachen Folgen: einigen diente sie, finanziell wie emotional, manche ruinierte sie (überwiegend emotional) und die große Masse nahm sie verblüfft zur Kenntnis. Letztendlich ging man zur Tagesordnung über: „Ach, eine dieser Moden“. Wer sei Geld mit der Hände Arbeit verdienen musste, verstand die ganze Chose nicht, und wer seinen Geist einsetzte, um sein Brot zu verdienen, spottete schon damals: ach, die sind eben auf dem Psycho-Trip“. Ich kann mich an eine Episode erinnern, in der ich davor warnte, Gefühle zu hoch zu bewerten, zu weit herauszuhängen und vor allem, sie sie zu sehr zu verherrlichen, weil der Umgang mit ihnen eher ein Kulturphänomen sei.

Anmaßende Forderung: Ach, schenke mir doch Gefühle!

Nun kommt der Glaube an die Gefühle wieder zurück - aber aus anderer Sicht: Ehepartner maßen sich an, einen Anspruch auf ein reges Gefühlsleben des Partners zu haben. Sie kommen gar nicht erst auf die Idee, dass sie selber für ihre Gefühle verantwortlich sind, oder dass sie die Gefühle, die ihnen entgegengebracht werden, maßgeblich beeinflussen. Und sie sind sich absolut sicher, dass ihre Erwartungen „normal“ sind, also nicht über alle Maßen hoch. Der erwünschte Gefühlszuwachs soll vom Partner kommen. Er soll Liebe schenken, Intimität gewährleisten und letztendlich auch der Verantwortliche sein, wenn der Goldtopf der Gefühle nicht ständig randvoll ist.

Erwartungen herunterschrauben?

Nun könnte man sagen: Die Erwartungshaltungen von Ehepartnern aneinander sind offenkundig zu hoch – wie könnte man diese Erwartungen absenken? Das wäre möglicherweise sinnvoll, denn generell sind viele Erwartungshaltungen aneinander zu hoch geworden und die Enttäuschungen daher umso größer.

Oder Beziehungsarbeit verordnen lassen?

Oder aber, wir lassen uns von Psychologen, Beratern, Gurus und Esoterikern mehr „Beziehungsarbeit“ verordnen. Das klingt immer gut, und daran lässt sich nötigenfalls auch verdienen. Bücher, DVDs, Seminare … ungefähr so wie damals in den 1970ern.

Gefühlskonten plündern und plündern lassen?

Ich frage mich: Was ist aus uns geworden, mit solchen Ansprüchen zu leben? In den 1970ern ließen sich Frauen oft scheiden, weil sie glaubten, in einer neuen Beziehung mehr Freiheit zu verspüren. Zunächst aber mussten sie sich an andere Realitäten anpassen, was sie im Rausch der Erwartungen nicht einmal geahnt hatten. Heute wollen sie mehr Gefühle absaugen – und dann? Macht es Freude. Ständig die Sozial-und Gefühlskonten anderer zu plündern? Wobei auch Männer ständig wie die Taubenschwanzfalter im Abstand an weiblichen Gefühlen nuckeln und sich niemals auf einer Blüte niederlassen. Überhaupt Männer – sie sind zum Teil egoistisch im Konsum von Liebe, Lust und Leidenschaft. Dann wollen sie noch mal die „richtige“ Lust und Leidenschaft verspüren und junge, frische Haut riechen. Schade, aber kaum zu ändern.

Der erste esoterisch-emanzipatorische Aufbruch und sein Preis

Zur Erinnerung: In den 1970ern hatte die Freiheit ihren Preis, und er wurde selten einkalkuliert: Frust und Einsamkeit erwarteten (zumindest zunächst) die frisch Geschiedenen, denen man eingeflüstert hatte, sie würden nichts als ihre Fesseln verlieren. Die meisten stiegen sozial, wirtschaftlich und emotional ab,. Manche dauerhaft, manch vorübergehend. Und sie musste erst einmal lernen, was ein selbstverantwortliches Leben bedeutet. Mit anderen Worten: der Preis war viel höher als gedacht.

Zurück zu den Frauen (insbesondere ab 40): Sucht mal schön die Männer, die euch dauerhaft diese tollen Gefühle produzieren. Wenn ich zynisch wäre, würde ich sagen: viel Glück dabei!

Alle anderen sagen ich von Herzen: Sucht die guten Gefühle in euch selbst, und belästigt andere nicht damit, sie euch zu schenken.

Nachwort: ich erwarte nicht, jedem aus dem Herzen zu sprechen, der dies liest. Widersprecht mir, wenn euch danach ist. Und ich las, bevor ich dies schrieb, "ze.tt"