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Verliebtheit: Sinn, Gefahr und Nutzen

Verliebtheit ist, dies sei den vor allen den konservativen unter meinen Leserinnen (und auch Lesern) gesagt, ist eine psychische Ausnahmesituation. Sie ist nicht krankhaft, weil Mutter Natur sie genau so vorgesehen hat, wie sie sich auswirkt, aber sie ist auch nicht wirklich gesund, weil sie wenig in das Gefühl der Kulturgeborgenheit passt.

Verliebtheit -animalische Gefühle

Mit anderen Worten: Wie fühlen uns, wenn wir verliebt sind, einfach animalisch – da könnte man auch gleich sagen: animalisch geil. Denn warum hat Mutter Natur die Verliebtheit erfunden? Um uns davon ablenken, dass wir eigentlich ganz schön meschugge sind, uns von unserem Umtrieb, der Sexualität, beherrsche zu lassen.

Unter normalen Menschen vergeht die Verliebtheit

Den Normalos unter Ihnen kann ich übrigens Entwarnung geben: Der Zustand vergehrt nach ein paar Tagen, Wochen oder Monaten. Das normale Gehirn lässt sich nicht auf ewig an der Nase herumführen, auch nicht von Mutter Natur. Oder anders ausgedrückt: Die Drogen, die uns während der Verliebtheit beherrschen, wirken nicht ewig nach uns sie fressen auch nicht genügend Unsinn in unser Hirn, um dort ewig zu kreisen.

Verliebtheit kann auch zur Sucht werden

Leider gibt es auch die andere Seite: Vom Liebeswahn bis zur Sexsucht werden Menschen befallen, deren Hirn nicht einmal mit den körpereigenen Drogen umgehen kann – ein kleiner Webfehler der Natur, der böse Folgen haben kann. Nichtstoffliche Süchte nennt man das, und genaugenommen weiß man nicht, warum die Natur sich damit selbst überlistet. Dennoch lohnt sich ein Gang zum Arzt, wenn der Fall auftreten sollte.

Auf den Punkt gebracht: Verliebtheit ist das Gefühl, das uns zum Sex zwingen soll. Gelingt dies, so kommen via Begehren und Geschlechtsverkehr Liebeleien, Affären, Beziehungen oder Ehen zustande. Dann siegte Mutter Natur, die das alles für ganz normal hält. Sie hat uns rauschig gemacht, wir haben getan, was sie wollte: Damit ist ihr Plan erledigt.

Verliebt sein wandeln in Gemeinsamkeit

Genau zu diesem Zeitpunkt arbeiten wir daran, die Verliebtheit in eine sichere Beziehungsstruktur (für die Romantiker: "in Liebe") umzuwandeln – oder eben nicht. Dadurch kann es sein, dass wild Verliebte, die nicht zueinanderpassen, nach sechs Tagen, Wochen oder Monaten wieder auseinandergehen. Genauso gut können wir aber eine Lebenspartnerin finde, eine Ehe eingehen oder eine Familie gründen. Mutter Natur kennt für Primaten keine verbindlichen Sozialsysteme, sodass wir nun wieder auf die Kultur schauen müssen.

Warum Menschen mit Verliebtheit umgehen lernen müssen


Der Homo sapiens muss – auf Gedeih und Verderb – mit der Verliebtheit umgehen können – das ist alles. Wer es gelernt hat, kann Liebeleien, Affären und selbst eine „Amour fou“ durchstehen, wer es nicht kann, sollte die Hände gar nicht erst nach der großen Leidenschaft ausstrecken, sondern jemanden heiraten, der ziemlich gut zu ihm passt. Das wieder will der Kulturmensch mit seinem flausigen Kopf nicht – er glaubt, die freie Wahl zu haben. Wie es ausgeht, wissen wir mittlerweile zur Genüge: Irgendwann ab 35, bei Männern oft erst ab 40, dringt die kalte Gewissheit ins Hirn, sozial versagt zu haben.

Ob die Geschichte eine Moral hat? Nein, natürlich nicht. Wer sich mehrfach mit Lust hingegeben hat und dabei die Freuden und Leiden der Verliebtheit erfuhr, beklagt sich selten, und wer glücklich heiratete, auch nicht. Es ist nicht die Frage, ob man das eine oder das andere tut. Es ist die Frage, ob man es mit Genuss, Hingabe und Überzeugung tut.

Lob der Handarbeit

fingerspitzengefühl notwendig

Mir fiel dieser Tage ein Artikel auf, in dem es um den sinnlichen Genuss ging, und siehe, der Titel war „Sinnlicher Genuss - Handarbeit durchaus erwünscht“.

Keine Frage – die Handarbeit ist ein bedeutsamer Teil der sinnlichen Verführung, nicht wahr? Allerdings wird er gelegentlich vergessen –was ausgesprochen schade ist.

Fragen wir uns lieber nicht, wer die sinnliche Handarbeit erfunden hat –Onan jedenfalls scheint es nicht gewesen zu sein. Gerüchteweise soll es in den 1950er Jahren sehr beliebt gewesen sein, den Freier, Freund oder gar Verlobten mit der bloßen Hand zu erfreuen. Das schützte jedenfalls zuverlässig vor Schwangerschaft und erhielt die angeblich so existenziell wichtige Jungfernschaft.

Schade ist nur, dass die meisten jungen Frauen diese Technik nicht mehr beherrschen – und auch viel ältere haben sie nicht wirklich erlernt. Wichtig ist dabei nämlich dreierlei:

1. Die Bereitschaft, es dem Mann „schön zu machen“ oder ihn lange und ausgiebig zu reizen, sodass er ganz verrückt nach „mehr“ wird.
2. Das entsprechende „Feeling“ in den Fingern und im Hirn. Die Handarbeit ist ein Rückkoppelungsprozess, das heißt, Sie müssen spüren, „wie weit er ist“ und danach Ihre Aktivitäten ausrichten.
3. Die Technik – sie wird meist zuerst genannt, ist aber drittrangig. Wichtig ist, dass Ihre Hand warm und geschmeidig ist. Fassen Sie nicht zu, als ob sie einen Besenstil halten, sondern so, als würden sie ein Gefäß töpfern.

Eine Frage, die von Frauen oft gestellt wird: Kann der Mann dies nicht selbst besser? Wozu braucht er dazu eine Frau? Die Antworten sind vielfältig und oft schillernd, doch es gibt eine wirklich einzigartige Antwort: Weil er Geschwindigkeit und Intensität nicht selbst steuern kann und deshalb nicht weiß, wann und wie intensiv er seinen Orgasmus erlebt.

Zu detaillierten Fragen der sexuellen Techniken nehmen wir hier nicht Stellung – dies ist uns zu heikel. Zu erwähnen wäre aber, dass nicht alle Männer gleich empfinden und sich insbesondere Frauen, die Ihre Freunde häufiger wechseln, nicht drauf verlassen können, dass eine Technik, die gestern Erfolg hatte, heute genauso wirkt.

Indessen geben wir hier folgende Hinweise:

1. Sehen oder nicht? Vielfach sagen Ratgeber aus: Lass ihn zusehen! Wir raten stattdessen: Auch das Gegenteil erproben! Verbinden Sie ihm die Augen (möglichst auch Hände ein wenig fixieren) und versuchen Sie ihr Glück!
2. Mehrfachstimulation. Mit zwei Händen machen Sie’s besser. Denken Sie daran, dass „er“ auch noch andere erogene Zonen hat und stimulieren Sie diese parallel.
3. Denken Sie nicht ausschließlich an Ihre Hände. Sie werden bemerken, dass er (je nach ihrer Position beim Spiel) auch Berührungen anderer Art schätzt, die parallel ausgeführt werden können.

Das Wichtigste ist allerdings die „innere Einstellung“ zu Handarbeit. Wie im Berufsleben auch ist manchen Frauen Handarbeit zu schmutzig, andere bevorzugen gerade sie, weil sie dabei ziemlich schnell sehen können, wie erfolgreich sie sind. Wer bereits ist, „alle Register zu ziehen“ sollte in jedem Fall die Handarbeit am Mann als Chance erwägen.

Stöhnen und Kosen – was ist mit Frauen über 45?

drei frauen unbestimmten alters


Nicht erst seit gestern machen häufig Begriffe von sich reden, die man früher vermied. Als ein junger Mann Mitte der 1960er Jahre eine Bekanntschaftsanzeige aufgeben wollte, die er mit „die Gesuchte darf gerne etwas älter sein“ vorformuliert hatte, wurde er abgewiesen. Höflich, aber überaus bestimmt, sagte die Dame am Anzeigenschalter, solche Formulierungen könnten zu „Missverständnissen“ führen, wobei sie maliziös lächelte. Notgedrungen stand dann dort später „passenden Alters“, obgleich sich der junge Mann schon eine etwas ältere Freundin gewünscht hätte.


Beziehungen zwischen reifen Frauen und jungen Männer

Heute hätte ein junger Mann solche Probleme kaum noch – aber dennoch werden beide immer noch merkwürdig angesehen – der Singlebösen-Vergleich stellte zwar gerade einen Trend fest, der jüngere Männer veranlasst, reifere Frauen zu treffen, aber immer wieder hört man Sprüche: „Das kann ja nicht gut gehen“, „diese Frauen sind doch mannstoll“ und „den jungen Männern geht es doch nur darum, ihre Lust an diesen Frauen auszuleben“. Es wird sogar berichtet, dass sich immer wieder einzelne Veranstalter weigern, ihre Räume, Jachten oder Kreuzfahrtschiffe für sogenannte Cougar-Partys zur Verfügung zu stellen – das sind Partys und Reisen, auf denen die Damen gegen 50 sich mit jungen Männern um die 30 amüsieren können.

Reife Damen suchen - Werbung und Wahrheit

Auch Online-Plattformen, bei denen reife Damen ganz offiziell nach süßen jungen Männern suchen, stehen im Ruf, „widernatürlich“ oder gar „pervers“ zu sein. Zwar heißt es auf manchen Webseiten „Frauen treffen sich mit jüngeren Männern“ oder „Reife Frauen suchen hübsche Jungs“ oder „Lady sucht Zuckerjunge“, aber so recht will die Presse an diese Themen nicht heran.

Deshalb betonte ein Teil der Webseitenbetreiber, dass hier durchaus „seriöse Bekanntschaften“ geschlossen werden könnten – doch andere sagen ganz offen, was erwartet und geboten wird: hemmungsloser Sex mit einem 10 oder 20 Jahre jüngeren Mann.

Eine Frau gegen 40 brachte es auf den Punkt: „Der Lover von 21 oder 25 Jahren zieht mich schon auf dem Flur aus, der Mann von über 50 wartet damit erst, bis er sich eine Stunde lang über meine Befindlichkeit informiert hat.“

mit weichzeichnung sind alle frauen jung
Eines der Hauptprobleme, so raunen Experten für das Online-Dating einander zu, sei allerdings die Erwartungshaltung – sowohl bei den Frauen über 45 wie auch bei den Männern unter 30. Bilder von Schauspielerinnen gegen 50, meist heftig mit Bildbearbeitungsmitteln manipuliert, täuschen vor, dass alle männerhungrigen Ladys über 50 so aussehen. Das sei aber nicht der Fall – Krampfadern, Hängebrüste, Bauchfalten - all dies müsse schon in Kauf genommen werden, wenn man eine Frau gegen 50 sucht, sagen die Experten. Auch die Jüngelchen seien eben nicht immer drahtige Kerlchen, die sich sowohl einfühlsam wie auch kaninchenhaft eifrig an den Damen versuchten, sondern auch pummelige Jünglinge, die sich von den reiferen Damen eine Art „Liebeslehre“ erhoffen.

Warum überhaupt solche Begegnungen? Geht es ums Stöhnen oder ums Kosen? Um Erfüllung oder um Befriedigung? Um Beziehungen oder um flüchtige Begegnungen?

Eine Dame gegen 45 hatte eine gute Antwort: „Es ist eine Art Zeitfenster“, argumentiert sie, und „während dieser Zeit ist er mein Lover, mein Freund und mein Partner.“ Wenn er wieder ginge, würde auch das Fenster verschlossen –Zeit für komplexe Beziehungen habe sie ohnehin nicht. Anders argumentiert eine 51-jährige. Sie hält sich ihren Lover ausschließlich für rauschende Liebesnächte und verrät uns ein Frauengeheimnis: Seid sie diesen jungen Lover habe, fühle sie sich wieder ganz als Frau. Heißt ihm Klartext: Auch die Hormone würden wieder aktiviert und die Wechseljahre noch ein wenig aufgeschoben.

Bild (oben) © 2005 by byebye22 (bearbeitet)
Bild unten: Phantombild einer 50-jährigen, die durch Weichzeichnung 20 Jahre jünger aussieht, © 2012 by liebesverlag.de

Schlechte Zeiten für geldgeile Zicken - Männer suchen gute Frauen

nur die zicke darf zicken - die frau möglichst nicht


Frauen stehen heute Traumkarrieren offen – und vor allem daran merken sie, dass sie im 21. Jahrhundert angekommen sind. Doch ihr Beuteschema stammt immer noch aus dem 20. Jahrhundert – und daran scheitern viele an sich aussichtsreiche Beziehungen.

Ein junger Mann sagte in einem Gespräch mit „Yahoo“ , was heute wahrscheinlich viele Männer gutheißen würden:

Mir wäre eine echte Frau … wesentlich lieber als eine, die mich als bloßes Vorzugspaket betrachtet.


Wobei wir schon beim Knackpunkt wären: Männer wollen gemocht und nicht gebraucht werden. Hieß es noch bei „Rolo, dem Wikinger“ „Wir verbrauchen viel Frauen und tun Leute verhauen“, so ist es heute fast umgekehrt: Frauen verbrauchen viele Männer, was nicht weiter schlimm wäre, aber sie zehren auch die guten Männer aus – jedenfalls nach Männermeinung.

Das Fatale: Während immer mehr Frauen selektiv nach Spitzexemplaren unter den Männern fahnden, haben eben diese Männer längst durchschaut, was mit ihnen geschehen soll – und sie verweigern sich deshalb.

Denn Männer wollen sehr selten gebraucht werden, und schon gar nicht verbraucht. Sie reagieren allergisch, wenn sie merken, dass Frauen nicht sie, sondern ihre Macht, ihr Ansehen oder ihr Geld heiraten wollen. Sie wollen „gewollt“ werden und nicht „wegen etwas genommen“ werden. Für die Männer, die von Frauen ab 35 angeschmachtet werden, gilt zudem der Verdacht, das sie in erster Linie gar keinen Mann, sondern einen Vater für ein Kind suchen – auch dieser emotionale Betrug, der oft auf Selbsttäuschung beruht, bringt Männer auf die Palme – und vor dort kommen sie nicht mehr herunter.

Der Mythos, dass Männer gefühllos sind, nur Sex wollen und auf jede schöne Larve hereinfallen, ist immer noch weit verbreitet – und er wird von ein paar forschenden Falschmünzern sogar noch bestätigt. Was die Wissenschaft betrifft, tappt sie ständig wieder in die Falle ihrer eigenen, primitiven Methoden: Dort zählen Fotos, Videoszenen und flüchtige Begegnungen und dergleichen bereits als Indiz für den „Partnerwunsch“.

Doch in Wahrheit sind Männer nicht halb so primitiv, wie manche Frauen es gerne hätten. Sie wissen nämlich, was sie zu verlieren haben – und an eine „weibliche Zicke im Schäfchenpelz“ kann man so gut wie alles verlieren – Gut, Geld, Ansehen und sogar sein Selbstbewusstsein.

Natürlich darf man all dies nicht verallgemeinern, aber soviel steht fest: Die meisten Männer sind nicht so blöde, sich zum Ehekasper einer schönen Hochnasenfrau machen zu lassen – und das ist nun doch eine Auszeichnung für die Männer, nicht wahr?

Geschlechterrollen - Lesefutter für bedächtige Bildungsbürger?

Beide Rollen vereint: Ein Transvestit posiert


Nicht jeder liest die ZEIT – und nicht jeder kann mit dem Gefühl leben, das die ZEIT vermittelt. Das Bedächtig-wohlbedachte aus den Bürgerstuben, in denen man noch Sätze mit „zwar“ und „obgleich“ bilden kann und Bücher tatsächlich selber gelesen hat, dringt allzu deutlich hervor.

Gerade las ich den inzwischen viel beachteten Artikel einer Frau Nina Pauer. Im Artikel nimmt sie das auf, was die Mittelgeneration seit einiger Zeit wieder sehr gerne tut: Probleme der Geschlechterrollen zu „thematisieren“.

In Ihrem Artikel begeht Frau Pauer einen grundlegenden Fehler: Sie zeichnet Männer, die sie selber kennt, und man wird den Eindruck nicht los, als handele es sich gar nicht um Männer, sondern um einen einzelnen Mann. Wer bitte kennt denn einen sensiblen Bartträger mit Hornbrille und Strickjacke der Gitarre spielt? Ein Mann, der sich seine Welt erredet, statt sie sich täglich selber neu zu schaffen?

Die Bloggerin Julia Seeliger bringt es auf den Punkt, was im Grundsatz falsch ist an den Aussagen von Nina Pauer:

Sie verallgemeinert ihre persönliche Beziehungsgeschichte und leitet aus negativen Erlebnissen eine Kritik an modernisierten Geschlechterrollen ab.


Kritik an Geschlechterrollen - eigentlich unerträglich

Doch was ist wirklich dran an dem ständigen Gerede, ja, man möchte sagen „Geschwätz“ über die Geschlechterrollen?

Zunächst einmal: Konflikte zwischen den Geschlechtern sind weder etwas Ungewöhnliches noch etwas Beklagenswertes. Jeder junge Mensch erkennt früher oder später, dass es ein „anderes Geschlecht“ gibt, und dass dieses andere Geschlecht auch abweichende Merkmale hat – nicht nur körperlich. Menschen sind gewohnt, sich damit auseinanderzusetzen: In der Gruppe der „Mädchen“ wird anders gesprochen als in der Gruppe der „Jungs“, und wenn Hans und Grete miteinander sprechen, dann reden sie weder so wie in der einen Gruppe, noch so, wie in der anderen Gruppe, sondern sie bilden eine neue Gruppe, in der eigene gesetzt gelten. Wenn sie später einmal heiraten, werden sie sehen, dass sie sich in mehreren Gruppen mit abweichenden Regeln befinden: die Gruppe der Frauen, die Gruppe der Männer, die Gruppe der erweiterten Familie und die eigene Zweier-Gruppe.

Ob und an fallen Grete und Hans darauf zurück, sich ganz als „Frau aus der Frauengesellschaft“ oder „Mann aus der Männergesellschaft“ zu fühlen. Das muss offenbar gelegentlich so sein, doch liegt darin auch eine Gefahr: „Die Frauengesellschaft“ oder „die Männergesellschaft“, die man aus den Jugendjahren kannte, „fängt“ den Erwachsenen nicht mehr auf – nur wirklich gute Freunde könnten dies noch tun.

Der persönliche Mangel: Nicht lernen, mit der Geschlechterrolle umzugehen

Der Rückfall auf die Aussage „Ich gehöre zur Frauengesellschaft“ – du gehörst zur Männergesellschaft“ ist aber nicht nur für Ehepartner gefährlich, sondern für alle Erwachsene. Die Gesellschaftsordnung erwartet, dass sich ein Mensch über 25 auf das andere Geschlecht einstellen kann, dass er es toleriert, respektiert und Arrangements mit ihm treffen kann. Sagen wir es einmal überdeutlich: Dieses wichtige Kulturgut nicht erlernt und angenommen zu haben, ist ein persönlicher Mangel – und nicht etwa ein Privileg. Aus dieser Sicht müssen alle Erwachsenen, die über Genderprobleme (außerhalb des üblichen Ulks) nach Stammtischart sprechen, als unreif bezeichnet werden. Frauen sind so, Männer sind anders – man kann darüber sprechen, aber man kann es in Wahrheit nicht wirklich problematisieren – denn dass sie anders sind, ist ein Problem dritter Ordnung. – also eines, das man nicht lösen kann.

Die Gesellschaft verändert sich niemals wie "geplant"

Etwas kommt hinzu, und dies wird oft vergessen: Die Gesellschaft kann nicht nur über „Hebel“ verändert werden, wie dies extreme Frauen- und Männergruppen, aber durchaus auch glücklose Familienministerien versuchen – sie reguliert sich auch selbst. Wir erleben dies gerade bei den Jugendlichen, die „Treue“ als hohes Gut sehen, während die Mittelgeneration ihre Untreue bis zum Exzess auslebt. Das schlechte Vorbild weiblicher Karrieristinnen, die in ihrem Erfolgsrausch das Leben vergessen haben und sich ab 40 Männer „einkaufen“ müssen, ist noch nicht tief in die Seelen der jungen Frauen gedrungen, wird aber inzwischen unzweifelhaft bemerkt. Der weiche, einfühlsame Mann hat seinen Platz, ebenso wie der harte, unnachgiebige Macho, aber beide sind längst keine Vorbilder mehr bei den Jungen. Der junge Mann, um zum ZEIT-Artikel zurückzukehren, muss weder fragen, ob er eine Frau küssen darf, noch sollte er sie mit einem Kuss überfallen. Er muss einfach den Zeitpunkt erwischen, in dem der Kuss willkommen ist – und riskieren, dass er eventuell doch „etwas falsch macht“. Wir alle sollten uns vergegenwärtigen, dass wir „etwas falsch machen“ dürfen –die Hauptsache ist, langfristig daraus zu lernen.

Verändern Sie sich nicht, bevor sie wissen, was Sie wollen

Zum Schluss: Es ist besser, im Bereich der Beziehungen zwischen Frau und Mann die Selbstregulierungskräfte wirken zu lassen als zu glauben, man müsse ständig gesellschaftliche Korrekturen vorschlagen. Ich habe zu oft in meinem Leben gehört, dass sich mal die Männer, mal die Frauen, mal die Gesellschaft ändern müssten – und die tatsächlichen Entwicklungen folgten (selbst nach Weichenstellungen) immer den Gesetzen der Selbstregulation.

Verändern sollen wir uns? Warum eigentlich? Ich rate Ihnen etwas Anderes: Versuchen Sie, herauszufinden, was Sie wirklich wollen. Dann versuchen Sie, es mit einem anderen Menschen gemeinsam zu verwirklichen, und wenn es nicht gelingt – dann gehen Sie eine Weile in sich, erforschen Sie nochmals ihre Wünsche, und achten Sie darauf, es diesmal besser zu machen.