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Der Hunger nach der Haut der anderen

Die Lust auf Haut lässt sich nicht wegsperren
Wen darf ein Mensch eigentlich noch berühren? Und wie intim darf er oder sie dabei werden? Fragen wir dies Politiker oder Virologen, so bekommen wir Antworten, die wir längst kennen.

Am besten, so wird uns beschieden, sollten wir ihn gar nicht berühren. Die Hände stecken in unsichtbaren Handschellen, der Körper, der ohnehin nicht mehr attraktiv dargeboten wird, in einem virtuellen Kondom.

Wir gehen auf Abstand und finden keine Nähe zueinander

Wenn wir Abstand halten, halten wir uns auf Abstand, aber auch jeden anderen. Dadurch verhindern wir auch den erotischen Zufall, der durch Nähe entsteht. Eigentlich ist die Formel einfach: Nähe plus Lust plus Begierde plus Sympathie ergeben erotisches Verlangen. Ohne Hautkontakt funktioniert aber nicht einmal das. Oder wie es das Wiener Künstlerprojekt KISS ausdrückt (Zitat):

Die Arbeiten entfalten sich als Reaktion auf die Vorgaben und Konsequenzen des Abstandhaltens, das die Macht und das Potenzial eines Kusses durch Unbehagen und Unsicherheit untergräbt, und verdeutlichen, welche komplexe Wandlung die Idee des öffentlichen Raums momentan erfährt.

Es ist nicht allein der „öffentliche Raum“, es ist vor allem der „innere Raum“. Wie lange wird es dauern, bis wir meschugge werden, weil uns der Hautkontakt fehlt? Wann brennen die ersten Sicherungen durch und bei wem? Was passiert mit unserem „realen“ sozialen Zusammenhalt, wenn die Intimität entfällt?

Dem Zufall keine Chance - ist das gut?

Abstand zu halten bedeutet, dem Zufall keine Chance zu geben - schlecht für die Viren, zugegeben. Aber auch schlecht für diejenigen, die nach Berührungen lechzen. Sollen sie darben, emotional verkommen, die Fesseln des modernden Berührungstabus durchbrechen?

Wir tun so, als gäbe es gar keine Kontakte mehr, die durch die Haut gehen. Ja, ja ... natürlich ... die beständigen Paare, namentlich die Ehepaare - die haben doch noch Hautkontakt? Die Katholiken und alle anderen moralisch eher konservative veranlagte Menschen freuen sich über solche Äußerungen, gerade so, als ob sie zum Freuen wären. Doch was ist mit den jungen Menschen, die hier und jetzt erotische Erfahrungen machen wollen, vielleicht sogar die ersten ihres Lebens? Wie lange werden sie die mentalen Keuschheitsgürtel noch ertragen?

Das Leben ist ja so ... vorübergehend

Gut, ich höre es schon ... „es ist ja vorübergehend. Sie haben ja noch so viel Zeit.“ So reden ältere Herrschaften, die nicht mehr so viel Zeit haben. Die jungen Menschen und jene in mittleren Jahren wollen ihre Körper spüren, und zwar durchaus gegenseitig.

Die Liebe hat einen einzigen Verbündeten: Die Begierde, die ohnehin keine Regeln einhält. Sie ist absolut natürlich, eingebettet in die Evolution. Und sie wird mit und ohne Vernunft praktiziert - völlig unabhängig davon, ob sie ethisch „koscher“ ist oder eher nicht.

Ehrenwert dauert es am längsten

Ich bin keine Instanz - also fragt ich nicht, was ihr tun sollt. Was ich so höre ist dies: Bei der „hochwohlanständigen“ Suche bleibt man vorerst auf Distanz und hofft, dass der Austausch von Berührungen eines Tages folgen wird. Bei den weniger „ehrenwerten“ Begegnungen wird vollzogen, was die Natur verlangt - heimlich, mit hochrotem Kopf und schlechtem Gewissen.

Relative Nähe macht oft Mut zur Intimität

Nähe erweist sich dabei ab und an als Zauberwort: Wer sich ohnehin schon irgendwie „näherkommt“, fasst sich jetzt leichter ein Herz, um auch den letzten Schritt zu vollziehen. Manche Paare erzählen jetzt davon, und ich denke, dass es nicht so schlecht sein kann, die Nähe zu nutzen. Oder um es mit den Worten der Vorgängergeneration zu sagen: Wo ein Wille ist (und noch einer, versteht sich) , findet sich garantiert auch eine Gelegenheit, um die Lust zu vollziehen.

Jetzt: Richte deine Wohnung erotisch ein!

Auch Tagträume im Schlafzimmer sind schön ...
Bist du zur Zeit oft in deiner Wohnung? Und fühlst du dich darin alles andere als sexy, frivol oder erotisch?

Dann könntest du überlegen, ob du es nicht ein wenig „lustvoll aufhübschen“ könntest. Sieh mal: Die Lust ist nichts, was du verbergen müsstest. Und du musst niemanden in deiner Wohnung empfangen, der da nichts zu suchen hat. Also könntest du eigentlich alles ein wenig „erotisieren“: Flur, Badezimmer, Wohnzimmer ... und natürlich das Schlafzimmer. Du brauchst dazu keine Möbel, die es nur in Spezialgeschäften gibt ... es reicht völlig, alles ein bisschen umzugestalten. Und wenn du wirklich schamvoll bist ... nimm das Schlafzimmer unter die Lupe. Hat dort jemand anders etwas zu suchen außer Dir und deinen Lovern oder Geliebten?

Farben des Orients - vor allem Rot

Das Erste ist die Farbe. Warum nicht rot oder wenigsten rötlich? Die „Farben des Orients“ sind immer sinnlich. Wenn das absolut nicht geht, hilft die Beleuchtung: Rote Lampenschirme erzeugen ein perfektes Licht, in dem auch du wesentlich besser aussiehst, wenn du nackt bist. Egal, welches Bett du hast: Stell es so, dass es von beiden (oder von drei) Seiten zugänglich ist - das hilft dir dabei, dich selbst besser zu präsentieren und verschieden Stellungen auszuprobieren, die du beim Sex nutzen willst.

Ein Spiegel und lustvolle Bilder

Als hübsch erweisen sich erotische Skulpturen oder Bilder. Wenn du wenig Geld hast, kannst durchaus Fotos oder Drucke verwenden - sie wirken beim Schummerlicht genauso intensiv wie „echte“ Gemälde. Zu deinem eigenen Vergnügen und zur Kontrolle deines Aussehens sollte ein Spiegel nicht fehlen - er muss nicht groß sein. Interessant ist, einige erotische Bücher zu verstreuen - auch Bildbände.

Sehr modern - ein Monitor, um anregende Filme zu sehen

Wenn du im Bett liegst und Anregungen benötigst, ist ein unauffälliger Monitor oder ein Fernsehgerät nicht schlecht. Du kannst damit die Filme ansehen, die dich anregen - oder dich und deinen Lover.

Versteck nicht, was deine (seine,ihre) Lust anregt

Ich finde es hübsch, die kleinen „Essentials“ zu zeigen und nicht zu verstecken. Eine hübsche kleine Schale mit Kondomen, falls du männliche Liebhaber erwartest? Vielleicht eine kleine Peitsche oder ein paar Handschellen? Für alle Fällen sinnvoll - auch wenn die Gegenstände nur zu erotischen Gesprächen anregen sollte. Ähnlich verhält es sich mit „Spielzeugen“.

Wenn du ein bisschen nostalgisch bist: Es ist unglaublich erregend für ältere Herren, wenn du dich hinter einem Paravent entkleidest.

Ob allein, für erotische Spiele zu zweit, für Vanillesex oder Experimente - das Schlafzimmer ist immer ein Ort, an dem du dich vollständig hingeben kannst.

Schwiegermutter und Hund

Bitte an der Leine führen ...
„Hunde sind willkommen und deine Schwiegermutter auch.“ Nun gut, nicht meine Art von Humor, doch als ich das Bild jemandem zeigte, war es mit der Gemütlichkeit vorbei. „Schwiegermütter“, so wurde ich belehrt, seien doch so wichtig.

Na ja, wenn Vater und Mutter arbeiten gehen und die Kita geschlossen ist? Oder wenn man um Geld für das neue Auto nachsucht?

Ich könnte nun abwiegelnd sagen: Jeder Mensch ist wichtig. Doch wäre die nächste Frage: Was an ihm ist wichtig für mich?

Die Schwiegermutter ist auch Mutter - klar, sonst könnte sie nicht Schwiegermutter werden. Und sie liebt vermutlich ihre Tochter oder ihren Sohn. Und also ist sie auch wichtig für den jeweiligen Partner oder die Partnerin.

Wichtig für uns sind immer die Personen, die uns mögen, uns raten und trösten, ohne dabei zuerst an sich zu denken. Wer uneigennützig von dem gibt, von dem er genug hat, ohne sich dabei aufzudrängen, ist ideal für jeden Menschen, der Rat und Hilfe benötigt.

Wir sollten ihnen etwas zurückgeben, etwas, das nicht nach „Tauschhandel“ aussieht. Ein „Danke“ reicht oft schon.

Und auf welche Personen können wir verzichten? Vor allem auf solche, die sich ungefragt einmischen, und bevormunden, uns korrigieren und versuchen, uns zu disziplinieren.

Schwiegermütter können wichtig sein, aber auch unerträglich. Und was passiert, wenn sie Konflikte in unsere Beziehungen tragen? Was, wenn sich ein Paar entzweit, weil die Schwiegermutter „in die Ehe hineinfunkt“?

Nein, ich plädiere nicht für „Leinenzwang“. Aber durchaus für Zurückhaltung.