Skip to content
 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Ein Dating-Spiel: Doppeldeutig sein

Das generelle Spiel mit der Doppeldeutigkeit

In diesem Artikel erkläre ich einen kleinen Teil der „Doppelbindung“. Ich verwende das Wort „Doppelbotschaft“, weil zu dem Zeitpunkt, zu dem sie verwendet wird, noch gar keine Bindung vorhanden ist.

Doppelbindungen einstehen, wenn die Liebe oder auch der Erfolg an eine Emotion und zugleich deren Gegenteil gebunden wird. Ein bekanntes Beispiel für „Doppelbindung“ ist:

„Werde selbstständig, aber wehe, du folgst meinem Rat nicht.“

Im Folgenden betrachte ich nur zwei der Spiele, die damit zusammenhängen.

Zwei Dating-Spiele und ein geheimer Inhalt

A und B treffen einander. A spielt das Spiel "wehe wenn" (WW) oder "wehe wenn nicht" (WWN)

1. A: (WW): Ich erwarte es, aber wehe du versuchst es (1).

2. A (WWN): Ich erwarte es nicht, aber wehe, du versuchst es (1) nicht.


Was könnte das bedeuten?

1. Die Spielerin / der Spieler wartet darauf, ablehnen zu können. Ihr/ihm gibt das Genugtuung.
2. Die Spielerin / der Spieler ist enttäuscht vom anderen, wenn er sie/in nicht attraktiv zu finden scheint.

Das Spiel nach dem Schema "Zwei" kann dennoch zu einem zweiten Date (oder mehr) führen. In diesem Fall muss "A" den Knoten auflösen.

Achtung: Dieser Artikel beruht auf Beobachtungen, nicht auf wissenschaftlich belegten Tatsachen.
(1) "Es" im Text kann viele Bedeutungen haben - aber dahinter verbirgt sich immer eine Erwartung
Dieser Artikel wurde am 05.02.2021 mit einem erklärenden Vorwort versehen.

Worum beim „Date“ gespielt wird

Sie spielen ein Spiel - nur welches?
Der Psychiater Ronald D. Laing hat einmal geschrieben, dass viele Menschen ein Spiel spielen und zugleich das Spiel spielen, kein Spiel zu spielen.

Trifft dies auch auf Verabredungen zu?

Selbstverständlich, denn man spielt üblicherweise darum, dem anderen zu gefallen und dies aber nicht zu zeigen. Ich habe schon geschrieben, dass recht viele der „verlorenen“ Dating-Spiele auf der Formel: „Warum eigentlich nicht … ja, aber“ beruhen.

Das Spiel mit dem Möglichkeiten

Das zweite Spiel, das du wahrscheinlich auch kennst, besteht darin, die Möglichkeiten, die wir dem anderen bieten können, spielerisch zu zeigen. Insoweit gibt es Parallelen zwischen dem Flirt und dem Date. Beim Flirt spielen wir mit den Möglichkeiten der erotischen Begegnung. Beim Dating spielen wir mit den Vorzügen, die wir für eine Beziehung anbieten könnten. Wir können auch unsere Bedürfnisse offenlegen und hoffen, dass der andere sie gerne erfüllen würde. Doch dabei ist Vorsicht geboten, insbesondere, wenn jemand mit der „Tür ins Haus“ fällt. Deshalb wird kaum eine Frau sagen: „Ich bin jetzt 38, habe einen dringenden Kinderwunsch und möchte noch in diesem Jahr heiraten.“ Sie wird vielmehr fragen, wie wohl sich ihre Gegenüber im Familienkreis fühlt, ob er schon einmal Haustiere hatte und wie stark er unter dem Single-Dasein leidet.

Das Gegenteil der Direktheit („Willst du eigentlich Kinder, beabsichtigst du, zu heiraten?“) ist die Verschleierung. Bei ihr weiß das Gegenüber bis zum Schluss des Dates nicht, worauf der/die Partnersuchende eigentlich hinauswill.

Genau im Zwiespalt zwischen „zu direkt sein“ und „zu viel verschleiern“ bewegt sich das Spielgeschehen während des Dates.

Das will ich euch jetzt erklären.

Die ideale Ausgangslage beim Date

Die beste Ausgangslage ist, beide spielen ein Spiel und wissen, dass sie ein Spiel spielen. Für sie ist klar, dass sie zunächst einmal spielerisch abklopfen müssen, ob sie ein Paar werden können. Diese Situation ist ehrlich und spielerisch zugleich und führt meist zu eindeutigen, von beiden Teilen akzeptierten Beschlüssen.

Wenn beide damit spielen, kein Spiel zu spielen

Beide wissen nicht, dass sie ein Spiel spielen. Sie geben vor, etwas mit allem Ernst herausfinden zu wollen, uns sagen sich „das kann kein Spiel sein“. Und doch spielen sie ein Spiel: Sie blenden alles aus, was nicht zu „ernsthaft und edelmütig“ gehört. Das ist völlig absurd, denn man verhandelt in diesem Fall die Ausgestaltung der Zukunft, bevor sie überhaupt möglich wirdf. Am Ende steht dann oft die Erkenntnis, dass man nicht wirklich aufeinander eingegangen ist. Bedauerlicherweise wird oftmals dazu geraten, beim ersten Date ein Gespräch zu führen, dass sich streng an bürgerliche Konventionen der distanzierten Kommunikation hält. Das funktioniert auf gar keinen Fall.

Die „schräge“ Ausgangslage - vorgeben, etwas zu wollen

Die „schräge Ausgangslage“ ergibt sich, falls einer ein Spiel spielt, der andere aber keines oder ein anderes oder eines zu anderen Regeln. Typisch dafür ist: Jemand gibt vor, eine feste Beziehung zu suchen, will aber eigentlich Sex. Überall wird, die Mär verbreitetet, dass solche Absichten ausschließlich Männer hätten. Doch schon in den 1970er-Jahren begannen einzelne Frauen, in der Rubrik „Heiraten“ zu annoncieren, wenn sie Sex suchten. Das schützte sie vor dem „Schlampenverdacht“.

Ein Teil vieler Dating-Spiele: der Meinungswandel

Zum Spiel beim Date gehört der Meinungswandel. Ich höre oft, dass jemand sagte „Der Mensch war überhaupt nicht mein Typ“. Dennoch kam sich während des Dates näher und wurd ein Paar. Auf der anderen Seite sagen manche: „Wow, bei diesem Menschen hat es beim mir gleich gefunkt.“ Doch leider änderte sich diese Einstellung oftmals während des Dates. Ebenso wurden manche Menschen Paare, die eigentlich nur aus Leidenschaft zusammenkommen wollten, also ohne Heiratsabsichten. Und auch das Gegenteil ist oft der Fall: Die Suche nach einer Beziehung steht zwar im Raum, doch die sexuelle Lust aufeinander ist das Einzige, was beide verbindet. Erfahrungsgemäß ändert sich die Einstellung bisweilen auch nach dem ersten Date. Wahrscheinlich habt ihr schon mal davon gehört, dass zwei Personen „ein ganz tolles Date“ hatten, sich auch versprochen haben, doch bald ein zweites Date einzugehen. Dann jedoch änderte einer plötzlich seine Meinung. Über die Gründe lässt sich trefflich spekulieren, aber eine Tatsache bleibt: Ein „harmonisches Date“ sagt so gut wie gar nichts über die Aussichten für die Zukunft aus.

Was ist die beste Ausgangsposition?

Im Grunde kennt sie jeder: Nichts erwarten, aber auf alles vorbereitet sein. Der zweite Teil ist relativ leicht zu erfüllen. Der „Knackpunkt“ liegt im ersten Teil: Nahezu jeder und jede hat Erwartungen an die andere Person. Diese Erwartungen hemmen den Blick auf die Realität. Daher gilt: Je höher die Erwartungen, umso unwahrscheinlicher wird eine Beziehung.

Die Position, nichts zu erwarten, ist die Einzige, die zu entspannten, offenen und zufriedenstellenden Begegnungen führt. In einem Satz:

Mal sehen, wer kommt und was mit ihm/ihr möglich ist.

„Matches“ und oberflächliche Übereinstimmungen in Sport, Hobbys, Musik und dergleichen sind großenteils Humbug. Wer sich hingegen Profile genau ansieht, den Partner ein- bis zwei Mal anruft und ein offenes Gespräch erreicht, hat zumindest eine bessere Vorauswahl getroffen. Und dann: Am besten kein Spiel spielen.