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Sex und Partnersuche in den 1950ern

Wunschbilder wurden durch Magazine vermittelt ... sie Realität war völlig anders
Die Zeit zwischen 1949 und 1968 war für die damalige Jugend äußerst eigenartig. Zu Bonn am Rhein wurde das Volk moralisch seit 1949 von einem konservativen katholischen Greis beherrscht, dem damals bereits 73-jährige Konrad Adenauer. Unter seiner Herrschaft wurde mithilfe der CDU und unter Mitwirkung seines unnachgiebigen Familienminister Franz-Josef Wuermeling und (über die Verbindungen Wuermelings zur katholischen Kirche) mithilfe des Klerus eine verlogene und völlig unerträgliche Pseudomoral geschaffen.

Jede Moral war besser als die Moral der Eltern

Für die Jugendlichen der damaligen Zeit war es üblich, sich von allem, was die „Erwachsenen“ taten, zu distanzieren. Obgleich man keine Vorstellung davon hatte, wie weit die Eltern in die Ereignisse des „Dritten Reichs“ verstrickt waren, war man der festen Überzeugung, dass ihre Moralvorstellungen ohnehin keine Berechtigung mehr hatten.

Die Pubertät kommt - zur "Unzeit" für die Eltern

Erstaunlicherweise will man dann bei der Nachkriegsjugend festgestellt haben, dass ihre Pubertät „zur Unzeit“ (1) kam, und man sprach von der „frühreifen“ Jugend. Nachdem man diese Umstand als Störfaktor identifiziert hatte, wurde alles versucht, um die Jugend von der Sexualität abzulenken oder fernzuhalten. Die „innere Belastung durch den Triebschub“, der allen Erwachsenen höchst ungelegen kam, soll sich angeblich gar in Kriminalität, Prostitution und der Verbreitung von Geschlechtskrankheiten manifestiert haben. Besonders vermerkt wird, dass Jugendliche an der „Nötigung zur Unzucht“ mit „erschreckenden 40 Prozent“ beteiligt seien. Zu diesen „erschreckenden 40 Prozent“ konnten jedoch sogar Jugendliche gehören, einer „geistigen Mitwirkung“ an dieser Nötigung bezichtigt wurden.

Geschlechtsverkehr - lieber nicht

Üblicherweise gab es zu jener Zeit relativ wenig junge Mädchen, die zu einem "echten", aktiven Geschlechtsverkehr bereit waren, und diejenigen, die es gab, versuchten ihr Glück oder Verderben lieber bei Jungen, die zwischen drei und sechs Jahren älter waren als sie. Dabei war es keinesfalls so, dass die bürgerlichen Mädchen kein Interesse an erotischen oder gar sexuellen Abenteuern gehabt hätten. Doch die Angst vor Schwangerschaften und der Scham, als uneheliche Mutter dazustehen und dem Jugendamt ausgeliefert zu sein, hielt sie davon ab, risikoreiche sexuelle Beziehungen einzugehen.

Kann man vom Küssen Kinder bekommen?

Mit der sogenannten „Aufklärung“ war es nicht weit her. Üblicherweise überschätzte man das Wissen der Jugendlichen über Empfängnisverhütung und andere sexuelle Gegebenheiten. Die an sich alberne Frage, ob „man vom Küssen Kinder bekommen kann“, war damals alles andere als albern und nur die mutigsten Mädchen hatten vor ihrem 16.Lebensjahr einen Penis gesehen, geschweige denn einen berührt.

Kühle Fassade, laue Masse und heiße Partys

Die intensivere Partnersuche, die mit 16 einsetzte und mit 18 ihren ersten Höhepunkt fand, erwies sich als schwierig. War sie „seriös“, so fand das Bürgersöhnchen das Bürgermädchen in der gesellschaftlichen Umgebung des Vaters. Im etwas schwüleren und verdächtigeren „Mittelfeld“ suchte man sich Partnerin und Partner auf den zahllosen Tanzveranstaltungen, bei denen die Damen brav an Tischen saßen und darauf warteten, aufgefordert zu werden. Wer ein bisschen schneller ans Ziel kommen wollte, konnte Damen kennenlernen, die ihre Beziehungskarriere vermasselt hatten und nun jedem Mann folgten, der nett genug war, mit ihnen zu tanzen. „Ball der einsamen Herzen“ nannte sich das, und die Jungs waren entweder „ziemlich jung“ oder aber älter und verheiratet.

Zum Dank nimmt sie ihn oft in die Hand ...

War die Partnersuche schließlich „offen“ und gänzlich unseriös, so suchte der junge Mann seine ersten Partnerinnen in der unsicheren Welt jener Partys, die als „Melting Pots“ zwischen den „Klassen“ galten. Dort traf der männliche Student dann auf den weiblichen Lehrling aus dem Warenhaus, der selten „völlig unzugänglich“ war. Dabei und als Folge „großzügiger“ Einladungen gaben die Damen dann auch ein paar Nettigkeiten: Die einfachen Gunstbezeugungen bestanden meist darin, dass man die Frau in BH und Höschen sehen durfte oder Gelegenheit bekam, sie „intim zu berühren“. Manche jungen Mädchen hatten schon Routinen entwickelt, für welche Einladungen es welche „Geschenke“ gab – recht harmlose Vergnügungen, wie etwa das „Petting“, eine Art Handverkehr bis kurz vor dem Spermaerguss.

Bis zur Heirat ein bisschen Petting, sonst drohte der Absprung

Derartige Verfahren waren – außerhalb der etablierten bürgerlichen Verhältnisse, die parallel existierten – nötig, um den Mann möglichst lange an sich zu binden und ihn, wenn möglich, bald zu heiraten. Man erwartete, dass die Frau sehr bald nach Abschluss ihrer Lehre heiratete – und wenn sie zum Zeitpunkt der Volljährigkeit (damals 21) noch auf der Suche war, wurde sie nicht selten ermahnt, nicht „sitzen zu bleiben“. Man konnte sich einfach nicht vorstellen, dass eine Frau in der Mitte ihrer 20er noch „unbemannt“ war. Eltern hatten dann die schlimmsten Befürchtungen, dass sie entweder eine „alte Jungfer“ würde oder in Kreise abgleiten würde, die Liebe lediglich als Lust praktizieren würden. Beides galt als schrecklich und entehrend.

Dies alles ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was damals alles geschah – und was immer und überall verschweigen wurde, vor allem gegenüber den Eltern. Hätten die gewusst, dass es Zungenkuss- und Pettinglehrerinnen unter den Mitschülerinnen gab, dann wäre ihre Welt wohl zusammengebrochen.

Und dies wäre wohl auch dann der Fall gewesen, wenn sie selbst längst hübsche Afrikaner(innen) in ihre Villen einluden, um mit ihnen intime Triolen zu feiern.

(1) Die Aussagen zur "Nachkriegsjugend" wurden teilweise aus "Muchow - Sexualreife und Sozialstruktur der Jugend" von 1959 entnommen. Das Bild entstammt einem "Erwachsenenmagazin" jener Zeit.