Skip to content
Werbung Email:

Scham und Charme

Immer schamvoll - ausziehen
Scham und Charme - unser Thema für den November.

Du schämst dich? Prima! Dann wirst du dich darüber freuen, dass wir eine Scham-Offensive starten. Oder weißt du nicht, wie Charme geht? Dann kommt mit uns in den November … denn Charme ist immer noch gefragt, zumal, wenn er mit „Größe“ verbunden ist.

Wo wir schon mal beim Wortgebrauch sind: Nur Charme ist wirklich Charme. Liebenswürdig kann auch eine Frau sein, die naiv ist, „reizend“ zu sein ist eher abwertend. Und „bezaubernd“? … nun ja, das Wort gehört eher in die Trivialliteratur. Um charmant zu sein, benötigt eine Frau „Größe“, heute auch häufig als „natürliches Selbstbewusstsein“ bezeichnet.

Zu unserer Scham-Offensive brauchen wir dich. Toll, wenn du dich schämst … aber wofür? In welchen Situationen? Und errötest du dabei sichtbar? Eigentlich weißt DU es am besten, nicht wahr?

Ich hoffe, dass alles gelingt. Am liebsten mit DIR, und wenn wir auf DICH verzichten müssen? Nun ja ... unser Archiv bietet fast alles ... außer DIR.

Bild: Scham beim Ausziehen, Künstlerdarstellung, anonym

Erotik lesen – und sich schämen, es zu tun?

Beim Lesen erröten
Mal ehrlich – schämst du dich ein wenig, wenn du Erotik-Romane oder die meist verborgenen Erotik-Storys liest, die vor allem eines bewirken sollen: dass du geil wirst.

Wenn du jetzt erröten solltest, dann schämst du dich, weil du hin und wieder wirklich Erotik liest, und weil du weißt, wonach du dann gierst.

Solange es sich dabei um das „Übliche“ handelt, schießt den meisten von uns die Schamesröte nicht mehr so fix in die die Wangen. Klar, wir wissen, wie ein Penis aussieht, wie er sich in der hohlen Hand anfühlt und auch, wie er an anderem Orte wirkt.

Und wenn‘s nicht „das Übliche“ ist? Eine Frau in mittleren Jahren sagte mir vor ein paar Jahren: „Klar habe ich es gelesen, und ich werde auch die nächsten Folgen lesen. Es ging um die „Shades of Grey“ - erster Band - und sie erröte nicht.

Ob ihr die Röte in die Wangen gestiegen wäre, wenn sie gefragt hätte, ob sie’s schon mal probiert hat – lebensnah und mit ihrem Mann?

Egal mal – schämt ihr euch, Erotik zu lesen? Und tut ihr es trotzdem?

Bild: Koloriertes 1920er-Jahre-Foto

Kritischer Umgang mit der Liebe?

Können wir unbefangen an die Liebe herangehen? Ist es richtig, aus einer liberalen Position zu handeln? Dürfen wie gegenüber allem tolerant sein, auch wenn es als „Vermessen“ gilt?

Ich meine: ja, das dürfen wir. Im Gegensatz zum Erregungs-Deutschen, der zuerst eine Auffassung hat und sich dann informiert, beschreiben wir erst einmal, worum es geht. Der „neutrale Ton“ in vielen Texten ist bewusst so gewählt. Denn NEIN, wir machen keine Werbung dafür, „so“ oder „anders“ zu sein. Wir sagen lediglich, dass es „dies“ und „jenes“ gibt – und dass DU verdammt die Freiheit hast, dich dafür oder dagegen zu entscheiden - und auch die Freiheit, dass es dir völlig gleichgültig ist.

Wir schreiben nicht über uns - das wäre nicht objektiv genug

Ein großer Irrtum – vielleicht der Größte in der Leserschaft – ist der: Wir schreiben über das, was uns selbst berührt. Weit gefehlt. Wir schreiben über das, was wir verstanden haben und was andere berühren könnte. Dabei muss es sich nicht einmal um eine – wie immer geartete – Realität handeln. Die Träume und Masturbationsfantasien sind oft viel interessanter, wie Studien beweisen: Nein, tun würden sie es nicht, aber davon träumen – das wollen sie.

Die wilden Fantasien erkennbar machen - aber ja doch

Hilfreich ist allemal, dies zu wissen: In den anderen, sei es zu einem Drittel, der Hälfte oder gar zwei Drittel, schlummern ähnliche „wilde“ Fantasien wie in uns selbst. Das zu wissen, beruhigt – ansonsten müssten wir ja (fast) alle beunruhigt über unsere sinnlichen Träume sein. Oder wir müssten sie verdrängen. Oder – wie jüngst beschrieben - wir müssten uns für sie schämen.

Irgendwann hat Georg Kreisler, der bissige österreichische Satiriker, einmal Liebeslieder verfasst. Eines davon war „Barbara“, ein Lob des erotischen Traums:

Träume sind nicht Schäume
Sind nicht Schall und Rauch
Sondern unser Leben
So wie wache Stunden auch
Wirklichkeit heißt Spesen
Träume sind Ertrag.


Träume sind Ertrag – und wenn wir sie beschreiben, dann sind wir Autoren und keine verferkelten Schmierer. Und wenn wir über sie schreiben, ohne sie uns zuzuordnen, dann heißt dies nur: Wir haben jenen gut zugehört, die sie uns erzählen.

Seht ihr – und so müssen wir eben dann und wann die Träume so beschreiben, wie sie nicht im pornografischen Magazin stehen – sachlich und mit dem Ertrag, sie endlich zu verstehen.