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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Das Ende der "sinnlichen Geschichten"?

Geschichten -jeder will doch wissen, wie sie weitergehen, oder?
Der Versuch des Liebesverlags, eine Autoren-Webseite für ästhetisch schöne oder wenigstens erotisch aufschlussreiche „Sinnliche Geschichten“ einzurichten, ist restlos „in die Hose gegangen“. Vor einigen Tagen habe ich Hausmeister gespielt und die Pforten endgültig geschlossen.

Irgendwie konnten wir unsere Leserinnen und Leser nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Das ist schade, zumal sich in der erotischen Literatur kaum etwas bewegt. Ein Plot, schon tausendfach durchgekaut, ist in der Version 144 nicht mehr spannend - ja, er macht nicht einmal mehr jemanden geil.

Das interessante daran ist, dass kaum jemand Gefühle anspricht. Ein paar Beispiele:

1. Wie fühlt es sich für den Mann an, wenn sich der Inhalt seiner Prostata schlagartig, aber ungewollt in eine Vagina ergießt?

2. Was fühlt eine Frau konkret in dem Moment, indem sie ungeschützten Geschlechtsverkehr hat und der Mann „in ihr kommt“?

Die gleichen Fragen könnte man für jede Form von lustvoll-sanften oder aber heftig-schmerzhaften Begegnungen stellen.

Triolen, Dreier ... immer dasselbe Konzept?

Noch schlimmer ist die Lage bei Schilderung der Gefühle in den beliebten „Dreiern“. Diese Geschichten verbreiten sich wie die Gänseblümchen. Die Plots sind immer ähnlich: Paar wollte schon lange Dreier, irgendwann bringt er/sie das Thema auf. Und tatsächlich findet sich nach kurzer Zeit eine Person, die putzmunter das Höschen herunterlässt und sich dabei pudelwohl fühlt.

Ja, wo sind wir denn? Auf dem Ponyhof? „Schau mal, wie süß unser Einhörnchen ist, das wir eingefangen haben?“

Bist du Autor/Autorin?

So ganz haben wir nicht aufgegeben ... Gefühle sind ja reale Empfindungen, auch wenn sie „nur“ sexuell sind. Und warum sollte es - insbesondere den Älteren unter uns - nicht möglich sein, Tagesereignisse, persönliche Erfahrungen und Fantasien zu einem Rosinenkuchen zu verbacken?

Gut - ich habe gefragt. Bald ist ja Weihnachten - vielleicht bekomme ich dann doch noch einige Weihnachtsgeschenke in Form von Manuskripten, Ideen oder lebenswerten Vorschlägen für sinnliche Geschichten.

Wie viel Wahrheit steckt in erotischen Geschichten?

Teilhaben an den Lüsten anderer
Ich habe gewisse Zweifel, dass jemand erotische Geschichten lesen würde, die unzweifelhaft wahr sind. Und ich weiß, dass kaum eine professionelle Autorin oder ein professioneller Autor über ein so reichhaltiges, differenzierte und stets positives Sexualleben verfügt, dass alle Geschichten wahr sein können.

Ob etwas „wahr“ ist oder „glaubwürdig“ ist ein großer Unterschied. Die meisten Menschen versuchen, glaubwürdige erotische Schilderungen in ihre Werke einzubringen. Erstaunlicherweise ist die aber nicht nötig – denn die wildesten Werke der Weltliteratur wie auch der moderne erotische Bestseller „Shades of Gray“ sind weder glaubwürdig noch nachvollziehbar.

Was machen sie dann mit uns? Sie sprechen Instinkte, Begierden und Wünsche in uns an, die wir üblicherweise unterdrücken. Aber wie andere damit umgehen, das würden wir als Leser(innen) eben doch gerne wissen, weil wir heimlich davon träumen. Und genau aus diesem Grund trennen auch Autorinnen und Autoren einen Teil ihre eigenen geheimen Wünsche ab, um ihre Figuren als Stellvertreter vorzuschicken.

Wir schreiben nicht über uns, auch wenn dies viele glauben

Ich habe gelesen, dass wir uns, bevor wir Erotik schreiben, in uns gehen sollten, was sich so liest:

Wir dürfen niemals außer Acht lassen, dass der sexuelle Tenor der Zeit, des Ortes und der Familie, in der wir aufgewachsen sind, unauslöschlich mit unserer Psyche verbunden sind.

Das mag richtig sein, aber es ist kein gutes Konzept. Erotisches Schreiben bedingt zwar, dass wir unser „Selbst“ ein wenig kennengelernt haben. Aber wir schreiben nicht über unser „Selbst“, sondern über einen dünnen Faden, der möglicherweise auch dazu gehört, der aber erst einmal isoliert werden muss, um zu voller Blüte zu kommen.

Das eigene Erleben - meist ungeeignet für Erotik-Geschichten

Mithin schreiben Autorinnen und Autoren ihre erotischen Geschichten nicht nach dem Muster des eigenen, vergangenen Erlebens. Eine Figur muss in die Zeit passen, in die sie gestellt wurde, an den Ort, an dem sie agiert. Und dazu wird sie mit Eigenschaften, Fähigkeiten und Gefühlen ausgestattet, über die sie im Rahmen ihrer sexuellen Wünsche verfügen muss. Und - die Figur darf sie sogar weiterentwickeln, und das überrascht bisweilen sogar ihre Schöpferin.

Dies bringt mich dazu, einer gerade populären Behauptung entgegenzutreten, dies ich ungefähr so liest (Zitat einer Bloggerin):

Wenn du als Cis-Frau schreibst, aber eigentlich ein heterosexueller Cis-Mann bist, dann projizierst du deine eigenen Fantasien über Frauen in deine Figur. In Wirklichkeit sind Frauen (aber) keine eindimensionalen Charaktere, die genau zu deinen Fantasien passen, (sondern) vielseitige Menschen mit (eigenen) Gedanken, Überzeugungen und Wünschen, die oft überraschend sind.

Frauen sind in der Tat vielseitige Menschen – und erstaunlicherweise sind Männer ebenso vielseitig und überraschend. Der Effekt erotischer Geschichten besteht ja gerade darin, dass die Handlung nicht „voraussehbar“ verläuft, sondern Überraschungsmomente enthält. Und schon deshalb versuchen Autorinnen wie auch Autoren, genau diese Momente herauszuarbeiten – bei Frauen und Männern, sogenannten „Heterosexuellen“ und allen anderen Ausrichtungen.

Hinweise: Dieser Artikel wurde hier veröffentlicht, weil wir glauben, dass erotische Literatur für euch interessant sein könnte. Das Zitat der Bloggerin würde auf eine Seite hinweisen, auf die wir nicht verlinken können und wollen. Das andere Zitat entstammt dem Standardwerk "Erotik Schreiben" von Elisabeth Benedict.

Bizarre Pflegerin führt maskierte Lady an der Leine

Warum die Nurse die Lady an der Leine führt? Wir wissen es nicht.
Solange sich noch jemand an Masken erinnert, will, ich den Rest der gesammelten Maskenbilder zeigen.

Als die OP-Maskerade begann, entdeckten wir eine „Nurse“ japanischer Herkunft, die eine offensichtlich recht feine Lady an einer Leine führt - die Hände auf den Rücken und mit einer Maske (oder war es ein Maulkorb?) über dem Mund.

Wir konnten nicht in Erfahrung bringen, welche Geschichte sich dahinter verbirgt, und warum die „Nurse“ (Krankenschwester, Krankenpflegerin) so zufrieden grinst.

Weil wir aber große Mühe darauf verwendet haben, das Bild zu entflecken und nachzukolorieren, hier das Ergebnis.

Bild: Archiv historischer Bilder im Liebesverlag.

Zucht, Züchtigung und frivoles Vergnügen

Die Unzucht im 16. Jahrhundert
„Zucht und Ordnung“ ist ein Begriff, der aus der Reformation entlehnt ist. Er bezeichnet „geordnete Verhältnisse“, die durch Erziehung (Zucht) und Einordnung erreicht werden sollten. Wir erinnern uns: Die Reformation galt als ausgesprochen lustfeindlich.

Zucht und Unzucht

Wer solchermaßen „züchtig“ war, galt als keusch und sittsam, während andere, die sich nicht an „Zucht und Ordnung“ hielten, als „unkeusch“ oder „unzüchtig“ bezeichnet wurden.

Wer nun so gar nicht brav oder keusch sein wollte, riskierte die „Züchtigung“, die auch als “harte Ausübung der Zucht“ bezeichnet wurde. Dies galt insbesondere, wenn das „Fleisch gezüchtigt“ werden musste, wie es die Ordensbrüder bisweilen taten.

Die Züchtigung als Buße, Strafe und Lust

Die Züchtigung wurde eingeteilt in die scharfe und „exemplarische“ Züchtigung, die teils öffentlich vollzogen wurde, die „gelinde Züchtigung“ und die in Gefängnissen übliche körperliche Züchtigung“.

Bei einigen Flagellanten in Klöstern stellte man schon früh fest, dass sie ein Vergnügen an der Züchtigung hatten. Dies waren die ersten Schilderungen des Lustschmerzes, der später durch den Marquis de Sade weltweit bekannt wurde. Seither trägt die aktive Flagellation den Namen de Sades. Der Österreicher Sacher-Masoch hingegen hatte das zweifelhafte Vergnügen, noch zu Lebzeiten Namengeber des „Masochismus“ zu werden.

Wer züchtigt - die Lady oder der Gentleman?

Ganz offensichtlich gab und gibt es im Vereinigten Königreich zahlreiche Adepten beider Neigung, auch weselsweise. Durch die Sozialstruktur ergab sich, dass die wohlhabenden Herren gerne von schöpferischen Damen mit der Rute behandeln ließen - diese Vergnügen war nicht gerade billig. Bald kam aber auch der aus Rattan hergestellten Rohrstock dazu, der wesentlich leichter zu handhaben war und dabei intensivere Empfindungen hinterließ. Erst später kam offensichtlich die voyeuristische Freude an Fotoromanen auf, in der junge Dame von älteren Herren gezüchtigt wurden. Dabei wurde zunächst die eigene Hand, anschließend nahezu ausschließlich der Rohrstock verwendet.

Die dritte Welle der erotischen Züchtigungen

Die Welt erotischer Romane war seit Mitte des 19. Jahrhunderts voll von Geschichten, in denen Züchtigungen die Hauptrolle oder eine sehr wesentliche Nebenrolle spielten. Dieser Boom setzte sich in den 1930er-Jahren mit ähnlichen Themen fort und reichte bis etwa in die 1990er-Jahre. Ein weiterer Höhepunkt waren die 1930er-Jahre, als „Bücher über die körperliche Züchtigung beider Geschlechter“ sehr populär waren. Eine der Anzeigen versprach „Bemerkenswerte Einsichten darüber, welche seltsame Empfindungen das Schlagen mit der Rute bei beiden Geschlechtern bewirkt.“

Was vor einigen Jahren geschah, wissen wir: Der erotische Groschenroman verließ die Schmuddelkiste und stieg in Form einer kitschigen Cinderella-Geschichte in die Bestsellerlisten auf. Klar, dass die Kopierkatzen sofort aus ihren Fenstern heraussprangen und sich an den grandiosen Erfolg der „SoG“ anzuhängen versuchten.

Doch was war eigentlich geschehen? Nicht so schrecklich viel. Die „SoG“ sind weitaus braver als ihre Vorgänger aus der viktorianischen Zeit. Der Unterschied liegt allerdings darin, dass wir nun ein modernes Märchen lesen können, das sich an einem dürftigen Plot lang hangelt - nur in diesem Fall mit ein bisschen „Aua“.

Erträumen, erdulden oder genießen?
Einladung an einen Herrn zur Zucht - Neuzeit

Das Neue war auch, dass sich Mütter zwischen 30 und 50 plötzlich für erotische Züchtigungen interessierten, wenngleich nur wenige brave Ehefrauen „Anfänger Sets“ für entsprechende Spiele bestellten. Wie viele davon noch nie (oder nur einmal) verwendet wurden, bleibt ein Geheimnis der Damen, die dergleichen bestellten.
Ein Set für Anfänger ... mit künstlicher Rose

Ja - und wie ist es heute? Wer spielt sie noch, die frivolen Spiele? Damen mit Herren? Herren mit Damen? Damen untereinander? Oder Herren? Und bleiben sie im intimen Kreis der Paare, oder werden sie „aushäusig“ zelebriert? Plötzlich ist das Summen verstummt, das einige Monate lang überall zu hören war.

Die Krux der Realität ist allgemein bekannt: Vor dem frivolen, schmerzlich-süße Vergnügen müssen einige Hürden überwunden werden. Dazu gehört nicht nur die Kommunikation mit dem Partner über die Sache mit dem „Aua“, sondern auch die Überwindung der eigenen Scham. Der/die Stolze gibt sich nicht für „so etwas“ hin. Die emanzipierte Frau sieht bereits Mauern einbrechen, wenn sie es auch nur verlangt, und die selbstbewusste Frau hadert mit ihrem Selbstwertgefühl. Der „normale“ Mann hat gelernt, dass er selbst als Mann verliert, wenn er sich schlagen lässt, und erzittert, wenn „sie“ dergleichen von ihm verlangen sollte. Der Macho würde es wohl tun, doch fehlt ihm das nötige Feingefühl - und dann wäre da noch das „Überhaupt“, der ewige Elefant, der in fast jede Beziehung hinein trompetet: „Was wird aus euch werden, falls ihr es tut?“

Soweit die Abendgedanken des alternden Kulturkritikers.

Und ihr? Habt ihr kürzlich darüber nachgedacht? Kostet ihr die neuen Wonnen aus? Oder ist alles an euch vorbeigegangen?

Der längste erotische Entwicklungsroman

Die harmlose Variante - eine Prostituierte, die sich küssen lässt
Der längste und umfangreichste erotische Entwicklungsroman, der jemals geschrieben wurde, ist nach meinem Kenntnisstand „Walter - die Memoiren eines englischen Gentleman“. Die Originalausgabe soll elf Bände umfasst haben, die etwa 4000 Seiten beinhalten, die wieder etwa eine Million Wörter enthalten. Obgleich es der sprühenden Fantasie eines unbekannten Autors entstammt, gilt es doch als historisches Dokument, das insbesondere Auskunft über das viktorianische Leben im historischen London zulässt.

Aus unserer heutigen Sicht ist das Buch in vielfacher Hinsicht „sozial inkorrekt“, aber es zeigt deutlich die Auswirkungen der einsetzenden „ersten sexuellen Revolution“. Sie bestand hauptsächlich darin, dass es den begüterten Briten damals möglich war, sexuelle Ausschweifungen aller Art zu zelebrieren. Teils mit Angehörigen der „unteren Klassen“, teils mit Prostituierten, andernteils aber auch mit Damen der Gesellschaft. Es war nicht völlig neu, darüber zu schreiben. Erotische Novellen aller Art, auch solche von Frauen (1), erfüllten das Bedürfnis der adligen oder begüterten Leser(innen), sich über alles „Sexuelle“ zu informieren und sich daran zu ergötzen.

Als Autor wird gelegentlich Henry Spencer Ashbee genannt, der auch als Pisanus Fraxi schrieb, aber dies ist weder belegt noch beweisbar. Sicher ist lediglich, dass der ursprüngliche Autor über enorme Mittel verfügen musste, denn alle Bände wurden auf seine Kosten herausgegeben. Der Erscheinungsort wurde, wie damals üblich mit „Amsterdam“ verschleiert, als Erscheinungsdatum gilt 1888.

"The Origins Of Sex", London 2012
Bild: Aus einem Londoner Bordellführer , 1850