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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Die Woche: Fühlen, Rollenwechsel, Rollenspiele, Wissenschaft, Presse und Impfen

Das „Fühlen“ muss neu erklärt werden – aber wenn ich dies allein in der Liebeszeitung versuche, erreiche ich nicht genügend Leser. Co-Autoren? Lektoren? Verleger? Ich habe noch keine Fühler ausgestreckt. Nur eines ist sicher – das Wissen über „Gefühle“ ist in Deutschland noch auf dem Stand der Vorkriegsgeneration. Zumal, wenn es um Begierden, Sex und Liebe geht. Erst kürzlich habe ich beklagt, dass Empathie in Deutschland inflatorisch benutzt wird ein Wort aus dem „Bildungsbürgerdeutsch“, das sich einer genauen Definition entzieht.

Unterhaltung mit Hintergrund

Viel Spielraum für sinnvolle Artikel gab es diese Woche nicht. Die Autoren scheinen von einer Corona-Starre in die nächste zu fallen – was äußerst schade ist, denn gerade jetzt wäre es Zeit, mal einen Strich zu ziehen und „Tacheles“ zu reden.

Ich gestehe, der Artikel „Gibt s noch Rollenspiele in Uniform“ war eine Verlegenheitslösung – ein bisschen Entertainment, um den Meister aller Rollenspiele in Uniform anzukündigen: den Weihnachtsmann. Immerhin habe ich noch ein neues Buch über die verrückten Erlebnisse eines Mannes zu finden, der seltsame Dating-Erlebnisse hatte. Und ich wage mal, zu behaupten: Die meisten suchenden Männer um die 40 haben die eine oder andere merkwürdige weibliche Gestalten kennengelernt.

Mann oben, Frau unten?

Nein, es geht nicht um Adam und Eva, sondern darum, wie sich das Gewicht der Dominanz und Unterwerfung verschiebt- diesmal spielerisch. Denn plötzlich wandeln sich die stereotypen Sex-Fantasien ins Gegenteil, vor allem zwischen Frau und Mann.

Unbequeme Wahrheiten zum Singlesday

Zum „Singles Day“ habe ich drei unbequeme Sätze gesagt. Einer davon ist: Lass dich impfen. Er ist der Wichtigste, aber die beiden anderen sind auch interessant. Denn es geht bei Singles niemals darum, ein „Date“ zu absolvieren, sondern darum, dem Leben eine neue Richtung zu geben. Ich hoffe, das seht ihr alle so – oder?

Presse und Wissenschaft – eine heikle Allianz

Es wäre wirklich schön, wenn Redakteurinnen und Redakteure sich die Mühe machen würden, „wissenschaftliche“ Erkenntnisse zu überprüfen und „Umfragen“ auf die Quellen hin zu untersuchen. Ich kann nicht behaupten, dass ich dies von Anfang an getan habe. Und ja, liebe Akademikerinnen, es gibt da ein Problem. Aber diese neuen Bedingungen lassen sich nicht mit einer fragwürdigen Studie erklären, die vor 17 Jahren populär war – und schon damals nicht viel taugte.

Einige persönliche Worte zur Gesundheit

Ich hoffe, dass ich euch nächste Woche mehr interessante Nachrichten, Fakten und Meinungen servieren kann. Bliebt schön gesund, lasst euch impfen, und benehmt euch wie zivilisierte, verantwortungsvolle Menschen, wenn es denn möglich ist. Warum ich das dauernd sage? Weil die 15 – 34-Jährigen besonders gefährdet sind: Sie erkranken am häufigsten an Covid-19, wenn man die Infizierten in ein Verhältnis zur Gesamtbevölkerung setzt.

Und jetzt … überlege mal, was du am Wochenende für dich (oder vielleicht auch andere) tun kannst.

Und wieder eine neue Studie - von 2004

„Männer wollen keine intelligenten Frauen“ - das macht sich prima in Publikumszeitschriften und Internet-Diskussionen aller Art. Die Fakten hingegen sind dürftig - und weil das so ist, werden immer wieder „Forschungsergebnisse“ ausgegraben, die höchst fragwürdig sind.

Oh, Redakteurinnen und Redakteure ... ihr seid wirklich armselige Gestalten. Gerade wurde ein an sich aktuelle Thema mit einer „neuen“ Studie belegt. Kurz gefasst: Sehr intelligente Männer bevorzugen angeblich weniger intelligente Frauen. Was da so vollmundig dahingeschrieben wird, beruht allerdings auf einer Studie von 2004, an - ja wirklich - 121 britischen Männern.

Nebulöse Quellen, von Mund zu Mund weitergereicht

Die Studie an sich bleibt in fast allen Zeitungsartikel seit 2010 nebulös, doch wird stets von einer „neuen Studie“ gesprochen: Zitat dazu:

Eine Studie, die mit 121 britischen Teilnehmern durchgeführt wurde, sagt aus, dass Frauen mit hoher Intelligenz in ... (heterosexuellen) ... Beziehungen als problematisch angesehen wurden.

Elite Daily, 2014

Eine neue Studie zeigt, dass viele kluge Frauen letztlich Singles bleiben – nicht freiwillig, sondern weil Männer weniger intelligente Frauen bevorzugen.

Your Tango, 2021

Dabei werden teilweise andere, nicht relevante Quellen mit der „Studie“ abgemischt, die schon als solche ausgesprochen fragwürdig ist. Genau genommen passierte dies (Zitat):

Im Jahr 2004 veröffentlichten Forscher der University of Michigan eine Studie in der Zeitschrift „Evolution and Human Behavior,“ die grob zusammengefasst feststellte, dass die Männer in ihrer Stichprobe lieber eine Frau heiraten würden, die sie als Untergebene betrachteten, als eine Frau, die sie für überlegen oder gleichrangig hielten.


Dazu schreibt dieselbe Autorin, Dr. Christine B. Whelan weiter:

Diese "Nachrichten" basierten auf den Meinungen von 120 männlichen Studenten, denen Fotos von einem Mann und einer Frau gezeigt wurden, die ein Szenario über die Person entweder über oder unter ihnen in einer Bürohierarchie stehen könnten - anschließend stellten sie eine Reihe von Fragen zu der dargestellten Person.


Auch andere Autorinnen bezweifelten den Wert diese Studie (Zitat 2005):

In Wahrheit sind die Beweise für diese Vorstellung fadenscheinig – zweideutige Fragen wurden an winzige Stichproben gestellt, darunter in einer Studie 18- und 19-jährige Männer mit wenig Berufserfahrung.

Und dieser Tage? Da taucht das Murmeltier von 2004 plötzlich wieder aus der Versenkung auf. Patricia Neumann schreibt in WMN:

Diese neue Studie erklärt aber so einiges ... für die Studie wurden 121 Briten interviewt. Hierbei wurde herausgefunden, dass weniger intelligente Frauen als weniger problematisch angesehen werden.

Ei, potz ... so ist das also - wenn man einer Studie glaubt, die kaum jemand jemals gelesen hat und die - mit Verlaub - so gut wie keine Aussagekraft hat.