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Deine Rolle in der Dominanz

Versuch macht klug
Diesmal beginn ich mit den Männern. Ich kannte noch Zeiten, in denen die Alpha-Männchen ihren Affen herausließen, wie es ihnen Spaß machte. Das war zumeist etwas peinlich, wenn nicht gar „degoutant“.

Der Affe im Mann und seine Machtspiele

Doch was ist heute? Heute wird solches Verhalten in manchen Situationen gerügt, in anderen aber wieder erwartet - und nicht nur von Alpha-Männchen, sondern von der ganzen Palette der Männerwelt. Die Redundanzen weiblichen Verhaltens schlagen sich in Unsicherheiten im Verhalten sensibler Männer nieder, während die typischen Machos einfach tun, was sie immer getan haben. Das Unverständliche daran: Sie haben tatsächlich noch dann und wann damit Erfolg, Stichwort „endlich mal ein richtiger Kerl!“, oder um es mit Günter Neumann zu sagen: „Der nicht lange fackelt, bis das Sofa wackelt.“ (1)

Spieler und konsequente Nicht-Spieler

Heute ist nahezu jeder „gewöhnliche“ Mann in der Situation, sowohl die eine Rolle glaubhaft spielen zu müssen wie auch die andere. Und wer sie nicht spielen muss, weil er selbstbewusst genug ist, sich beiden Rollen konsequent zu verweigern, wird bald die Schwierigkeiten kennenlernen, die er beispielsweise bei der Partnersuche hat.

Kein Fehler: sich von Frauen führen lassen

Die Folgen der fehlenden Eindeutigkeit, Sicherheit und Konsequenz ist allenthalben spürbar, einmal daran, dass junge Frauen verwirrt sind, warum „er plötzlich nichts mehr von ihnen wissen will“. Dann aber auch, weil Frauen ablehnen, Männer ein zweitens Mal zu treffen, die nicht eindeutig zeigen, dass sie an ihnen auch sexuell interessiert sind. Einige Frauen haben die Rolle beim Dating deshalb umgekehrt: Sie schlagen vor, dass man sich sogleich „körperlich nahekommt“ - dann weiß der Mann wenigstens, dass er nicht herumeiern muss.

Frauen erproben Dominanz

Und die Frauen? Ein Teil von ihnen hat sich darauf eingestellt, beim Sex zu dominieren - jedenfalls als Einstieg. Wahrscheinlich sind sie die erfolgreicheren, zumindest, was Dates betrifft. Folgt der sexuellen Dominanz auch das erotische Rollenspiel, so sind diese Frauen auch neugierig genug, die dominanten Rolle zu versuchen. Zwar sagen Männer meist nicht, dass sie die unterwürfige Rolle spielen wollen, aber etwas mehr als die Hälfte von ihnen träumt davon - meist ohne Schmerzlüste, mit Schmerzlüsten sind es immerhin noch über ein Viertel.

Typisch für die heutige Zeit ist das „flexible Rollenverhalten“ - nicht nur beim Sex. Ein Mann, der eine Chefin hat, verhält sich anders als ein Mann, der einen Chef hat - und auch die Frau, die einen männlichen Chef hat, verhält sich dabei anders als jene, die einen weiblichen Chef hat. Und in der Lust?

Die dominante Rolle in der Lust

Nahezu jeder, den du fragst, wird dir sagen: Die unterwürfige Rolle ist wesentlich leichter zu spielen, und du gleitest viel schneller hinein, weil du nach Spielbeginn immer ein wenig abhängig bist von deinem Partner oder deiner Partnerin. Die dominante Rolle verlangt von dir eine gewisse Konsequenz, die deinem eigentlichen Bestreben auch zuwiderlaufen kann. Heißt: Du bist nicht in der Rolle, sondern du führst sie nur aus.

Das Beste ist immer, beide Rollen zu erproben. Das tun wir ja auch im „realen leben“, also warum nicht erotisch?

Wenn du beide Rollen kennst, egal, ob du dabei Lust verspürt hast oder nicht, dann weißt du, wie sich der jeweils andere fühlt. Das gilt übrigens nicht nur für den Sex, sondern überall im Leben.

Falls du dabei entdeckst, dass du eine bestimmte Rolle besonders gut spielen kannst und Lust dabei empfindest, dann spiel sie aus vollem Herzen und mit deiner ganzen Hingabe an die Rolle. Irgendwie spielen wir alle mal die „Spiele der Erwachsenen“, mal heftiger, mal sanfter - aber fast immer gehört ein „Gefälle“ dazu, wie uns Eric Berne (2) gelehrt hat.

Kommunikation als Beispiel

Wer sich mit dem „auf und ab“ der Unterwürfigkeit und des Gleichgewichts in der Kommunikation beschäftigen will, sollte mal das System „PACH“ ansehen. Es kann jedem dienen. Aber der Rollenspieler begreift anhand des Systems, warum die „schräge“ Kommunikation so reizvoll sein kann.

(1) Liedzeile aus "Der Neandertaler".
(2) Eric Berne, Psychiater, lebte von 1910 bis 1970.
(3) PACH (auch PAC - Parent - Aduld - Child , ein System, um ICH-Zustände transparent zu machen.