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Zeit der Viren - mit Humor

Die Viren selbst haben keinen Humor. Doch es mangelte früher nie an Storys über geheimnisvolle Viren, die von Computern auf Menschen überspringen. Diese Geschichten wurden aus Sensationslust erfunden - sie hatten keinerlei Bezug zu irgendeiner Realität.

Hier zwei Beispiele aus „Weekly World News“:

Ein Titel:

Wenn die Viren aus dem Computer überspringen ...

Und eine makabere Geschichte:

Gar schröckliches vom Computervirus


Bilder: Zitate aus „Weekly World News“.

Und es war Montag ...

Gestern war Montag und ich befand mich in einer Zwickmühle: Der Nachrichten-Eingangskorb war leer, abgesehen von den üblichen Verdächtigen, die darüber lamentieren, am Wochenende gar niemanden gevögelt zu haben oder jedenfalls den Falschen. Corona war am Wochenende noch nicht so populär wie heute, falls ihr danach fragt.

Gut - das ist jeden Montag so, aber manchmal fällt doch ein winziger Funke der Erleuchtung vom Himmel. Dann hat jemand nachgedacht und entweder eine besonders kluge oder eine besonders frivole Idee entwickelt. Chapeau, Mesdames.

Lila Haare, schlechtes Licht, fahle Brüste

Irgendwer muss das Jahr 2020 zum Jahr des miesen Selfies erklärt haben. Denn immer mehr Blogger(innen) stellen Bilder von sich oder ihren Körperteilen ins Netz, auf die ein Ästhet nur noch mit Abscheu reagieren kann, falls er es nicht vorzieht, Mitleid zu haben.

Und die Storys? Sie werden immer kürzer und belangloser.

Soll ich meine Archive öffnen?

Na, und ich selbst? Meine Archive - nun ja, die berühmten Archive aus drei Jahrhunderten enthalten noch manche überraschende Geschichte und manches frivole Bild ... aber ob das eine oder das andere die noch bei unserem Publikum ankommen?

Ich begebe mich erst einmal auf die Jagd nach den Viren, die es nicht gibt, bevor ich noch in den Wahn verfalle, über tatsächlich existierende Viren zu schreiben und meinen Humor dabei zu verlieren.

Der Übergriff auf offener Straße: „Ich will nur Hallo sagen“

Lassen wir das Vokabular der Männer mal weg, die Frauen grundsätzlich für „Material“ halten - sie verdienen nichts als Verachtung. Und nicht, weil sie Frauenverächter sind, sondern weil sie Menschen als Material betrachten.

Doch gerade fiel mir ein neuer Artikel auf, der eigentlich eine alte Masche beschreibt. Sie heißt „Daygaming“, und seit auch Frauenzeitschriften so etwas aufgreifen, fragen sie schon mal: „Wurdest du schon mal „daygamed“? (1)

Die geht ungefähr so:

Am Tage, Großstadt. Eine recht gut aussehende Frau stiegt gerade aus der Straßenbahn aus.
Angreifer (Mann): „Hey, du, ich will nur Hallo sagen.“
Opfer (Frau): „Ja“?
An dieser Stelle verlassen wir das Szenario schon.

Wir groß ist die Chance, dass uns jemand wirklich nur „Guten Tag“ sagen will? Die meisten der Figuren, die einen auf der Straße anquatschen, wollen etwas verkaufen, was anderwärts schwer zu verkaufen ist.

Also gehst du weiter, ohne den Angreifer zu beachten. Jedes weitere Wort erzeugt einen Dialog, und darauf wartet der Angreifer nur - egal, ob er einer dieser Anquatsch-Lümmel ist oder „nur“ ein „Werber“. Hat er dich mal am Wickel, dann fühlst du dich gezwungen, dich mit ihm zu unterhalten. Aus irgendwelchen Gründen, die ich nie begreifen werde, gilt es als unhöflich, solche Angreifer einfach eiskalt stehen zu lassen.

Fall der Angreifer ein Mann auf der Suche nach einem sexuellen Abenteuer ist, versucht er dies mehrfach am Tag - du bist also nichts als ein Zufallsopfer, keine gezielte Wahl.

Praktiziert wurde es schon seit Jahren - aber da war es noch kein Politikum, sondern es wurde unter „auffällige Männer mit seltsamen Ideen“ abgelegt.

Doch jetzt haben viele Frauen die Nase voll - und das mit recht. Der „Standard“ (UK) schrieb dazu in einem Beitrag von Kate Wills (2019) (2):

Lehrgänge für Verführer sind das Tor zu einer stärkeren Konzentration von Frauenverachtung in der sogenannten „Männersphäre“. Sie umfasst Männerrechtsaktivisten (MRAs), sogenannte Incels, also Männer die im unfreiwilligen „Zölibat“ leben und die sogenannten MGTOWs , eine anti-feministische Männergesellschaft. Sie alle teilen die gleiche grundlegende sexuelle Ideologie wie viele Pick-up-Künstler: Männlichkeit ist „in der Krise“, Frauen sind dazu da, dominiert zu werden, und jedes andere Ergebnis ist eine Perversion der natürlichen Ordnung.


Nun mag man sagen, dass manche Frauen die männlichen Prinzipienreiter provozieren - aber die meisten der weiblichen Aktivisten zählen ebenfalls nicht zu den Frauen, die differenziert denken können. In jedem Fall sind Radikal-Feministinnen und Männerhasserinnen eine Minderheit, die wegen der radikalen Meinungen mehr Presseaufmerksamkeit bekommt, als sie verdient hätten.

Die Idee, Frauen zu beherrschen ist sicher älter als das Zeitalter der PUAs. Und die spielerische Beherrschung im Rollenspiel von Frauen und Männern ist ein belebtes Thema in jeder Diskussionsrunde über Sexualität. Wenn wir zurückschauen, finden wir unglaublich viel Material - und eben auch Beweise dafür, dass es solche Fantasien in großem Ausmaß gibt. Nur sind dies Fantasien, die Männer und Frauen statistisch durchaus teilen.

Das Schlimme an den Trickverführern ist, dass sie versuchen, in kurzer Zeit psychische Macht über Frauen zu bekommen, die sie in Wahrheit verachten. Und noch verachtungswürdiger ist, dass sie auch noch stolz darauf sind.

(1) Via Medium, wenn du Mitglied bist,

(2) Zitat und ausführlich (englisch) im "Standard (UK)"