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Die selbstbewusste Frau und die Kompromisse bei der Liebe

der liebeskampf wird immer ausgefochten - doch wie?


Eigene Interessen durchsetzen – im Beruf wie in der Liebe – das ist das Ziel der intellektuellen Frauengeneration, die jetzt heranwächst. Als „Generation der zornigen Mädchen“ werden sie bereits bezeichnet. Allerdings scheint mir „zornig“ schient mir nicht das richtige Wort zu sein: Die heutigen jungen Frauen sind so selbstbewusst, dass sie die gleichen Chancen haben wie die Männer – und die gleichen Risiken eingehen.

Die gleichen Chancen? Der Gewerkschaftsfeminismus und die Salonsoziologie würden hier wohl widersprechen. Man ist inzwischen gewohnt, dass von dieser Seite das Lamento von unterschiedlichen Löhnen, fehlenden Aufstiegschancen und mangelnden wirtschaftlichen wie politischen Möglichkeiten gesungen wird. Doch wen interessiert das schon? Ein paar geschwätzige Genderforscher? Gewerkschaftssekretärinnen, die sich von Belegschaften wichtig tun wollen?

Es geht nicht um „gleiche Chancen“ für die Geschlechter. Chancen sind nie gleich, sondern immer von den Umständen abhängig, in denen sie gesucht und gefunden werden – im Beruf wie in der Liebe.

Freiheit in der Liebe - ein neues Phänomen für Frauen

In der Liebe sind Frauen erfolgreicher, um ihre Bedürfnisse durchzusetzen. In keiner Menschheitsepoche haben Frauen innerhalb weniger Jahrzehnte so viel Selbstständigkeit erreicht wie in der Jetztzeit. Alle Frauen können ihre Männer frei wählen – das konnten sie vor 100 Jahren noch nicht, wenn sie Bürgertöchter waren. Noch vor 50 Jahren konnten sie nicht wagen, ohne Trauschein mit einem Mann zusammen zu leben, und noch vor 25 Jahren wäre eine Welle der Empörung über sie hinweggefegt, wenn sie sich ab und an mal einen Mann zum Naschen ins Bett genommen hätten. Neben der Lust an Männern können Frauen heute auch ihre Lust am eigenen Geschlecht, an Rollenspielen und an Frivolitäten öffentlich zeigen, wenngleich hier immer noch ein Rest von moralischer Entrüstung zu beobachten ist.

Wer keine Zeit hat, stillt seine Lust bei erotischen Servicediensten

Allerdings hat das Leben in Freiheit, Selbstbestimmung und Durchsetzungskraft auch Schattenseiten – auch hier mag der Beruf als Beispiel dienen. Wer sich beruflich zu sehr engagiert, hat keinen Platz mehr für die Liebe. Das hätten Frauen von Manager-Männern lernen können, und in der Tat ist es schon fast so weit: Während die managenden Männer sich ihre Lust schon immer bei Frauen holten, die etwas davon verstanden und nicht lange fackelten, taten Frauen dies noch vor 25 Jahren kaum jemals. Sie hatten ja Zeit, Muße und die nötige Ausgeglichenheit, um sich „finden zu lassen“. Heute sieht die Sache anders aus: Die Casual-Dating-Agentur hat den passenden Mann, und wenn das nicht funktioniert, wäre da noch der Eskort-Service. Wer es bezweifelt, mag die Augen öffnen: Casual Dating boomt und verheiratete, erfolgreiche Frauen suchen mehr Abenteuer als je zuvor.

Heutige Frauen müssen ihre Beziehung zum Mann neu definieren

Frauen und Männer werden in den nächsten Jahren ihre Positionen neu definieren müssen – aber nicht als soziologisches Beobachtungsgut, sondern jeder für sich: Hans mit Grete und Clarissa mit Kelvin. Sie werden finden, dass die Zeiten schwerer werden. Einerseits muss man sich als Frau und Mann Freiräume schaffen, in denen es nur die Lust und sonst gar nichts gibt – andererseits muss man die wirtschaftlichen Voraussetzungen neu definieren, unter denen Ehe und Familie sinnvoll sind: von der Großmutter über den Kinderhort bis zum Kindermädchen.

Die eigenen Interessen rücksichtlos durchsetzen? Da müssen einige Frauen noch nachlernen, und zwar in jeder Hinsicht: Kaum jemand kann in der Liebe oder im Beruf die eigenen Interessen restlos durchsetzen. Wenn eine Chefin bei ihren Mitarbeiterinnen „verschissen“ hat, leisten diese weniger, und wenn eine Frau ihren ständigen Mann nur sexuell fordert, aber nicht mehr erotisch verführt, sucht er sich dieses Vergnügen anderweitig. Das ist die Kehrseite des „Durchsetzens eigener Interessen“.

Die größten Probleme ergeben sich bei der Partnerwahl

Am Schwierigsten aber wird die Partnerwahl der Zukunft werden: Zwei gestandene, selbstbewusste, durchsetzungsstarke Persönlichkeiten müssen viel mehr Kompromisse eingehen als solche Paare, bei denen sich einer dem anderen ein wenig beugt. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie sich die Partnerwahl wandeln wird. Schon jetzt ist zu erkennen, dass es Männer gibt, die durchaus ihren Frauen nachgeben würden und auch mit der zweiten Geige in der Ehe zufrieden wären.

Bereits in den letzten zehn Jahren wurde deutlich, dass Männer bei der Partnerwahl und in der Partnerbeziehung kompromissbereit sein müssen. Wir werden in Zukunft aber noch viel intensiver erleben, dass zukünftige Partnersuchende Kompromisse eingehen müssen – besonders die hochgebildeten und selbstbewussten Frauen, die heute noch auf ihrer „Anspruchshaltung“ beharren, einen noch gebildeteren, noch selbstbewussteren und noch erfolgreicheren Menschen zu heiraten, als sie selbst es sind.

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Titelbild © 2007 by Alejandro Forero Cuervo (Modifikation)