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Die Liebe mit den Augen finden

schau mir in die augen - wohin denn sonst?


Was sehen Männer an, wenn sie auf eine Frau schauen? Die Brüste? Den Po? Die Beine?

Es mag sein, dass Männer auf der Straße üppige wabbelnde Brüste, lustvoll schwingende Popos und fantasieanregende Oberschenkel ansehen. Es mag auch sein, dass die Männer tatsächlich Frauen scannen, wie dies neuerdings auf Flughäfen der Fall sein soll, und sie mir ihren Röntgenaugen bis auf die Haut ausziehen.

Doch all dies, liebe Damen, all dies ist ein Spiel, indem ihr ja nur allzu gerne mitspielt, nicht wahr? Kein Busen würde im November halb nackt auf der Straße zu sehen sein, wenn sich die Trägerin dabei nichts denken würde, und kein Rock würde den Blick auf den Schritt ansatzweise freigeben, wenn die Trägerin ihn nicht genau dorthin lenken wollte.

Die „wahre Liebe“, egal, wie ihr sie nennt, erreicht ihr allerdings in erster Linie mit den Augen. Ob sie nun der Spiegel der Seele sind oder nicht – sie sind jedenfalls ein Lockmittel ohnegleichen.

Die größte erotische Kraft geht vom Auge aus

Bei jedem Date und bei jedem Flirt versuchen die Partner, Augenkontakt zu halten – nicht nur, weil dies allgemein empfohlen wird, sondern auch, weil die Mimik rund um das Auge die Wünsche verrät – auch die erotischen. Das Gesicht spricht Bände, und die Augen sind der Ausgangspunkt. Die meisten Frauen wissen das und stärken die Ausdruckskraft ihrer Augen durch die Betonung der Augenlider und der Augenbrauen. Eine ähnliche erotische Kraft geht fast nur noch von den Lippen aus, doch bei Ihnen muss man schon etwas üben, um die gewünschten Effekte zu rereichen, während die Sache mit dem Augenflirt offenbar angeboren ist.

Brüste, Po und Beine - zählen die nicht?

Ja, aber die Bürste? Das berühmte Becken-Hüften-Verhältnis? Der Pop und die Beine? Bewirken die gar nichts?

Selbstverständlich senden sie Signale aus, aber nur dann, wenn sie in Bewegung sind. Die Gesichtsmuskeln, insbesondere aber die Augen, sind hingegen so gut wie immer in Bewegung. Das Wichtigste aber: Im Stehen oder im Sitzen nehmen wir fast nur die Gesichter wahr – und die meisten Flirts beginnen nun einmal im Stehen oder Sitzen.

Was ihr bedenken solltet: Jeder Flirt ist ein Beziehungsversuch – mal spielerisch, mal ernst gemeint – und weil dies so ist, empfehle ich jedem Menschen, sei er weiblich oder männlich, möglichst viel zu flirten. Wer wissen will, was im Gegenüber vorgeht, sieht dann besser auf die Augen. Wenn die Pupillen größer werden, obwohl kein äußerlicher Anlass dazu besteht, ist es dann an der Zeit, einmal ihre oder seine Hand zu berühren. Wenn ihr richtig in den Augen gelesene habt, dann bleibt sie eine Weile dort, bis ihr euch entschließt … nun, an dieser Stelle wurde im Kino früher immer abgeblendet. Ich empfehle, dann immer „zu ihr“ zu gehen – da fühlt sie sich sicherer.

Titelbild: © 2008 by Jorge Mejía peralta

Autorendialog: Der neue erotische Frust der Akademikerinnen

Wer sich sehr nach der Befreiung der Lust sehnt, der wird sich eines Tages auch dafür erniedrigen, sie zu bekommen. Aus dem realen Leben fällt mir sofort die Studienrätin ein, die sich in den Baggerführer verliebt und die Kraft dieses Machos in den Lenden so schätzt, bis sie eines Tages verstört aufblickt und sagt: „Was habe ich da nur getan?“ In der Literatur ist es Lady Chatterley, die unter den Stößen eines Wildhüters zur sexuellen Raserei kommt.

Doch inzwischen ist dieses Genre ausgestorben. Ob es sich lohnen würde, es wiederzubeleben?

Ich meine, es wäre sinnvoll. Denn der heutige Mann ist viel zu „smart and clean“, um die animalischen Instinkte der Frauen zu reizen, und der böse Räuber, von dem wir so oft in unseren Fantasien träumen, wirkt ein bisschen antiquiert. Doch für eine Schriftstellerin sollten sich nun wirklich neue Betätigungsfelder finden lassen: Die Zielgruppe wären gebildete Frauen über 30, die sich aus lauter Frust über fühlende Sexpartner schon mal einen Briefträger, Krankenpfleger oder Monteur ins Bett holen.

Aus der „Schieflage dieser Beziehungen“ lassen sich hervorragende, durch und durch erregende Geschichten erfinden, die auch literarischen Ansprüchen gerecht werden. Dabei gilt es zu schildern, welche Hemmungen anfangs bestehen, und wie sich diese immer mehr auflösen. Am Ende könnte die nackte Lust den größten Teil des Denkens der Heldin bestimmen, und die Geschichte könnte im emotionalen Verfall enden: Endstation Psychiatrie. Damit wäre der moralische Teil der Leserschaft gut bedient, und so hat man auch Chancen, am Jugendschutz vorbeizukommen.

Die Frauen wären wohl glücklicher, wenn sie Geschichten lesen würden, die zeigen, wie die Heldinnen in die Abhängigkeit hinein-, aber auch wieder herauskommen. Die Lösung könnte im Auftauchen eines edelen Charakters bestehen, der ihr Elend erkennt und sie davon heilt – etwa ein junger Arzt in der Psychiatrie. Hier kann man dann einen Kunstgriff anwenden: Die an sich kompromisslos auf Erfolg gepolte Frau verliert alles durch die unbeherrschte Lust, und sie gewinnt etwas, das sie vorher gar nicht kannte: Ruhe und Gelassenheit in den Armen eines viel zu jungen, aber gebildeten und liebevollen Mannes. Besonders als ICH-Erzählung wäre diese Geschichte ein Füllhorn voller wunderbarer Möglichkeiten – allerdings sollte man einmal einen Blick in die Psychiatrie geworfen haben, bevor man darüber schreibt.