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Der untergegangene Fetischismus: Handschuhfetischismus

Der Wink mit dem Handschuh begeistert noch immer

Als keine Damen von Stand ohne ihre Handschuhe das Haus verließ – Sommers wie Winters, gab es unter den sexuellen Abweichlern die Mode der Liebe zum Handschuh oder zur behandschuhten Hand. Für den Menschen des 21. Jahrhunderts ist nur schwer erklärbar, warum Menschen die behandschuhte Hand vergötterten oder weibliche Handschuhe stahlen, um sie in ihrer Wohnung zu horten. Doch nicht nur auf die armen Tropfe, die diesem seltsamen Trieb verfallen waren, hat der Handschuhfetischismus eine merkwürdige Faszination ausgeübt. Er beschäftigte offenbar auch deren Psychiater und Psychotherapeuten so sehr, dass es ganze Abhandlungen über Handschuhfetischisten gab. So wird ausführlich von einem Patienten berichtet, der einen Orgasmus dadurch erlangen konnte, indem einer Dame in langen Glacéhandschuhen „die Hand drückte“. Und nur, damit die Dimension sichtbar wird: Das „Bilder-Lexikon der Sexualwissenschaft“ verwendete 1930 nahezu drei Seiten, um den Handschuhfetischismus zu beschreiben.

Man behauptet allerdings, dass die gesamte angeblich wissenschaftliche Literatur zum Thema Fetischismus nur der Sensationsgier lüsterner Bürgerkreise diente – dorthin wurden die einschlägigen Werke auch großenteils verkauft.

Heute ist die Liebe zur nackten wie zur behandschuhten weiblichen Hand weitgehend unbekannt, obgleich das Saugen an Fingern immer noch zu Flirt- und Rollenspielen gehört. Wer es noch nicht erprobt hat, darf dabei heutzutage in Sinnlichkeit schwelgen, ohne als „Fetischist“ verteufelt zu werden. Dennoch wir der betont erotisch gehaltene Spitzen-, Latex-, Gummi- oder Lederhandschuh auch heute noch als optische Stimulation bei bestimmten Rollenspielen eingesetzt, wobei er allerdings nicht im Mittelpunkt steht, sondern ein Teil unter vielen stimulierenden Kleidungsstücken ist.


Das Schwergewicht der Erotik rund um die Extremitäten liegt heute allerdings eindeutig auf der Liebe zum weiblichen Fuß – auch hier nackt wie bekleidet.

Deutschlands Sex-Diskussion: Prüderie oder Libertinage?

Alles, nur bitte nichts über Sex ...

Wenn es um Sex geht, ist Deutschland, wie viele meinen, tief gespalten. Da sind einerseits die Vertreter der Kirchen, die nach wie vor versuchen, über die Gremien, in denen sie vertreten sind, Macht auszuüben. Schlimmer aber noch sind die evangelischen Eiferer und die Verfechter altkonservativer Werte aus dem Bürgertum des 19. Jahrhunderts, die man gemeinhin als „Gutmenschen“ kennt. Zu ihnen kommen noch Teile der Feministinnen, die ebenfalls versuchen, unter dem Deckmantel des Anti-Sexismus in Wahrheit antisexuelle Propaganda zu verbreiten. Wenn man alles zusammenfasste, könnte man sagen: Hier finden wir eine in sich widersprüchliche, aber dennoch starke Fraktion derjenigen, die sich eine neue Prüderie wünschen. Typische Forderungen sind dabei:

- Weniger erotische Produkt-Darstellungen in der Öffentlichkeit.
- Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit bei erotischen Themen.
- Einschränkungen bei der Sexualaufklärung oder Verhinderung der Sexualaufklärung in Schulen.
- Verbot jeder Art von Prostitution.
- Strafandrohung für Männer ("Freier" genannt), die Prostituierte aufsuchen.
- Verbot oder Einschränkung dessen, was sie als „Pornografie“ bezeichnen.
- Beharren auf Jungfräulichkeit vor der Ehe, auch wenn es (beispielsweise bei Volljährigkeit) eine menschenfeindliche Forderung ist.
- Ächtung sexueller Abweichler, auch dann, wann das, was sie tun, legal ist.
- Übertriebener Schutz von Frauen, der weit über gleiche Rechte hinausgeht.



Der liberale Geist ist heute überall - kaum Extremisten unter den Sexpositiven

Auf der anderen Seite stehen jene, die schockieren: vor allem weibliche Autoren, die über ihre Sexualität, ihre Lüste und das schreiben, was die Gegenseite gerne „Perversionen“ nennt. Doch „so richtig festmachen“ kann man die Befürworter nicht, weil der liberale Geist inzwischen sogar in die Gehirne von Katholiken und CDU-Mitgliedern, Gewerkschaftern und „Grünen“ Radikaldenkern zurückgekehrt ist, die sich früher eher auf die Seite der Gutmenschenschaft oder des Feminismus gestellt hätten.

Die sexpositiven Menschen forcieren auch kaum noch etwas, denn alles ist im Grunde gut, so, wie es ist. Lediglich bei der Pornografie und der Prostitution liefern sie sich gelegentlich noch Scharmützel mit der Gegenseite, die bestenfalls Unterhaltungswert haben.

Frauen haben sich verändert - zu bewusst sexuellen Wesen

Nach meiner Überzeugung spielen intellektuelle Frauen mit einem erotischen Erscheinungsbild und bewusst sexaktiven Ansichten die entscheidende Rolle im Meinungsbild. Nur, wer in die Geschichte zurückblickt, weiß, wie die Entwicklung war: Bis vor etwas 100 Jahren waren nahezu alle Forscher (1) überzeugt, dass Mädchen und Frauen bestenfalls schwache sexuelle Bedürfnisse hatten. In den 1950er Jahren galt als ziemlich verbindliche Volksmeinung, dass Frauen erst von Männern „erweckt“ werden müssten, bevor sie sich ihrer Sexualität bewusst würden. Erst gegen die 1970er Jahre setzte sich nach und nach die Meinung durch, Mädchen und Frauen könnten durchaus von sich aus sexuell aktiv werden, und erst gegen die 1990er Jahre begannen viele Frauen damit, diese Überzeugung auch öffentlich zu vertreten und zu leben.

Prostitution? Wer sich selbst im Spiegel sieht, ist oft nicht "anti"

So weit ich diese Frauen kennenlernen konnte, verfügte sie über die nötige Selbsterfahrung, um die dunklen und hellen Seiten ihrer Sexualität ausdrücken. Sie konnten sie größtenteils auch „ausspielen“ und verachteten deswegen kaum jene Frauen, die sich prostituierten – denn sie selbst hatten gelegentlich eben auch Charme, Sinnlichkeit und erotische Ausstrahlung eingesetzt, um das eine oder andere Ziel schnell und sicher zu erreichen. (2)

Wenn ich mich frage, was sich wirklich verändert hat, so ist es nicht der „männliche Blick“, der sexualisiert wurde, sondern viel wahrscheinlicher der weibliche Blick, der sich in der Paarung von Offenheit und Selbstbewusstsein zeigt. Ich will nicht zu weit gehen, aber eine Diskussion, die man heute in 2014 mit nahezu jeder selbstbewussten Frau in ungezwungener Atmosphäre über Sexualität führen kann, wäre anno 1964 in dieser Form nur mit Barfrauen und zwielichtigen Halbweltdamen möglich gewesen.

Was meinen Sie? Bringt uns die neue Prüderie etwas? Oder sollten wir weitermachen wie bisher und die Sexualität liberalisieren? Lesen Sie dazu bitte auch die Fragen in "FREITAG" zu "Sex 2014".

(1) Gilt für alle Autoren, die sich auf den Psychiater Krafft-Ebing berufen.
(2) Lesen Sie dazu bitte die Kolumne in der "Annabelle"

Bild: Bearbeitung eines 50er-Jahre-Fotos

Wie Sozialforscher Geld verbrennen

Toll, da verbrennen Forscher schnell mal eine halbe Million GBP, um Dinge über Beziehungen festzustellen, die sie Spatzen von den Dächern pfeifen.

Gemeint ist die „Enduring Love Study“, die anfangs mit hohen Erwartungen an den Start gegangen war, und die, wie sich nun herausstellt, außer ein paar Gemeinplätzchen nichts wirklich Neues hervorgebracht hat.

Die Bloggerin und Wissenschafts-Kritikerin Suzi Godson vermutet die unglaublichen Kosten der Studie darin, dass man unendlich viel Zeit mit Meetings verbrachte … und ich sage mal dazu: Und man musste selbstverständlich unendlich viel Papier damit vollschreiben, Grafiken hinzufügen und sich damit unheimlich wichtig machen.

Ich weiß, was Wissenschaftler hier einwenden werden: Selbst wenn die Studie nahezu gar nichts Neues oder Verwertbares hervorgebracht hat, war sie doch wichtig, um den bekannten Stand des Volkswissens exakt-wissenschaftlich abzusichern.

Nur: Für die Menschheit hat die Studie gar nichts erbracht, denn jeder Mensch will sein Leben selbst gestalten, und zunächst geht jeder davon aus, dass sein Weg ihm das Glück verheißt.

Also wurde doch „Geld verbrannt“ – und wen stört es? Niemanden. Forschung ist ja so unglaublich wichtig, egal, ob sie einen Nutzen hat oder eher gar keinen.