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Warum Liebe und Schmerz manchmal zusammengehen

Bei der Liebe ist die Sache eigentlich ganz einfach: Da braut sich im im Hirn nach und nach die Lust auf, die schließlich im Rausch endet und ganz am Schluss ziemlich schnell zu „komischen“ Gefühlen führt. Dafür ist im Wesentlichen der Botenstoff Dopamin zuständig, der aber nicht bei allen Menschen in gleicher Weise wirkt. Bei der Liebe wird dieser Botenstoff besonders beansprucht, da er nun ja nicht nur Glücksgefühle vermitteln soll, sondern auch das Bewusstsein lähmen. Wir der Stoff wieder abgebaut, reagiert die Gefühlsebene zumeist mit Unlust. Das Ziel der meisten Liebenden ist deshalb, den rauschhaften, aber durchaus noch bewussten Zustand lange aufrechtzuerhalten. Kurz und knapp: Je länger es gelingt, die Lust vor dem Orgasmus aufrechtzuerhalten, umso länger kann man das sinnliche Gefühl des Liebesrausches genießen. Relativ unbekannt ist, wie wenig die Organe beim Geschlechtsverkehr „eigenständig“ wirken – alle Prozesse werden vom Gehirn gesteuert, und wenn die „Leitung“ zwischen Gehirn und Genitalen gestört ist, funktionieren sie nicht gut, oder gar nicht mehr.

Schmerz wirkt anders als Lust - doch was ist, wenn beide zusammenkommen?

Beim Schmerz ist es etwas anderes. Betrachten wir nur den Schmerz, der uns von anderen wissentlich zugefügt wird, also beispielsweise ein Schlag mit der flachen Hand, so wird dieser erst als Geräusch, dann als stechender Schmerz und schließlich erst als „dumpfer Schmerz“ wahrgenommen. Man „hört“ den Schmerz also zuerst, dann empfindet man ihn scharf und oberflächlich, und schließlich als dumpf und entwürdigend. In diesem Moment setzt bei den meisten Menschen eine Strategie zur Schmerzvermeidung ein. Gelingt diese nicht oder wird sie durch Dritte verhindert, so versucht der Körper, durch Ausschüttung anderer Botenstoffe den Schmerz zu lindern. Dies geschieht durch die Monamide, zu denen wiederum auch das Dopamin gehört. Bekannter zur Reduzierung des Schmerzes ist aber das Serotonin.

Das Gefühlsleben gerät durcheinander - darf es das oder nicht?

Allein aus dieser Sicht ist erkennbar, dass Lust und Schläge, alternierend oder zur gleichen Zeit empfunden, das Gefühlsleben recht heftig durcheinanderbringen können. Deshalb ist es fast unsinnig, nach einer „psychologischen“ Erklärung für die Lust-Schmerz-Liebe zu suchen. Betrachtet man nun aber die Unterwerfung, so sieht die Sache etwas anders aus. Allerdings ist auch sie nicht ausschließlich „psychologisch-kulturell“ motiviert, sondern ein Teil der Natur. Ein Lebewesen der gleichen Art, das sich einem anderen unterwirft, tut dies, um den Kampf um die Macht zu beenden. Glücklicherweise werden diese Zeichen zumeist verstanden, und der Unterlegene überlebt. Das Rollenspiel zwischen sogenannten „submissiven“ und sogenannten „dominaten“ Charakteren ist also sozusagen eine Nachahmung der Natur. In der Tat kann man bei submissiven Spielern immer wieder feststellen, dass sie in den Zustand von Kindheit und Verantwortungslosigkeit zurückfallen wollen.

Man muss der Wissenschaft eine schallende Ohrfeige erteilen: Sie ist ständig damit beschäftigt, Annahmen zu produzieren, beweist aber niemals, was die Ursachen dafür sind, dass Menschen dieses intensive Begehren nach einer Mischung aus Unterwerfung, Schmerz und erotischer Lust empfinden.

Die Annahmen wandeln sich ständig:

- Masturbation und Promiskuität seien dafür verantwortlich.
- Schläge in der Kindheit seien der Grund für den Lustschmerz.
- Erste sexuelle Erlebnisse, die mit Lustschmerz verbunden waren, wirkten sich prägend auf die weitere Entwicklung aus.

Dabei wird nicht berücksichtigt, wie sehr das Spiel mit dem Schmerz zu den vielleicht nicht alltäglichen, aber doch intensiven und prägenden Erfahrungen des kindlichen Lebens gehören.

- Schüler „schlagen sich“ auf dem Schulhof.
- Mädchen kitzeln einander durch. (Kitzelfrei-Spiel)
- Schmerz und schmerzhafte Anstrengungen beim Sport, bei Jungen wie bei Mädchen, wird belohnt. (Kein Schüler fragt jemals „warum“)
- Einzelne Kinder werden von anderen „gefangen genommen“ (Indianerspiel).
- Schmerzspiele (Wachs auf die Haut tropfen lassen) gehören Weihnachten zu den heimlichen Mutproben.

Ist es nun wirklich bedauerlich, wenn Menschen Lust, Schmerz und Unterwerfung in einer Kombination miteinander erleben wollen? Noch immer spukt in den Köpfen der „guten Bürger“ das Märchen von der Perversion herum, werden grausame Bücher wie die des Marquis de Sade herangezogen, um die „Perversen“ Absichten zu beweisen. Doch was ist wirklich dran an diesem merkwürdigen Gefühl, das manchmal als Lustschmerz, dann wieder als Schmerlust bezeichnet wird, ist dem Bürger kaum zu erklären. Er denkt in abendländischen Gegensatzpaaren, nach denen etwas entweder süß oder sauer, entweder zart oder hart, oder eben lustvoll oder schmerzvoll ist.

Die nächste Folge beschäftigt sich damit, welche Gefühle der Lust und des Schmerzes harmonieren, und dass es neben vielen Formen der Lust auch unterschiedliche Formen des sinnlichen Schmerzes gibt.

Partneragenturen: Immer mehr vorgegebene Fragen – ist das sinnvoll?

Ich gebe zu: Es ist schwer, ganze Sätze zu formulieren, die am Ende auch noch Sinn haben und dazu positiv auf andere wirken. Dennoch ist es ein wenig nervig, wenn immer mehr Fragen vorformuliert werden oder immer mehr Sätze ergänzt werden müssen. Dabei verleitet man Menschen in der Regel dazu, den ohnehin schon ausufernden Ego-Trip noch zu verstärken: ich, ich ich …

Erst antworten, dann nachdenken?

Wenn ich einen Satz formulieren müsste wie „das Wichtigste im Leben ist …“ und dieser Satz jemals einen wirklichen Sinn haben sollte, dann müsste ich wenigstens eine Stunde nachdenken, möglicherweise eine kleine Selbstanalyse in wenigen Punkten entwerfen, bevor ich sie formulieren würde – aber dann wäre sie noch nicht werbewirksam verpackt. Nun sollten sie wissen, dass ich ein ausgezeichnetes Selbsterfahrungspotenzial habe – doch wer hat das schon, wenn er sich bei einer Online-Dating-Agentur anmeldet?

Unvorbereitet auf die Datingplattform gefallen

Das größte Dilemma, da sind sich alle Fachleute einig, ist unvorbereitet zur Anmeldung zu gehen. Die meisten Menschen, die Sie auf der Straße treffen, seien sie nun Akademiker oder Arbeiter am Fließband, können Ihnen ihre drei wichtigsten Eigenschaften nicht aus dem Stegreif nennen. Nicht einmal alle Bewerber im Berufsleben können dies, obgleich diese Frage immer wieder gestellt wird. Zu bemerken wäre allerdings, dass es relativ einfach ist, die drei Eigenschaften zu nenne, die uns am besten für den Beruf qualifizieren – und dass es ungleich schwieriger ist, die drei persönlichen Eigenschaften zu benennen, die bei anderen bei der Partnersuche auch „ankommen“.

Das Wichtigste? Was ist denn bitte DAS wichtigste?

Wenn dies schon so schwer ist, was soll dann dieser Ergänzungssatz: „Das Wichtigste in meinem Leben ist …“ ? Ich kann mir kaum vorstellen, dass man diese Frage ad hoc beantworten kann, zumal die Frage so ultimativ gestellt wird: „DAS Wichtigste?“

Zudem: Das Leben der meisten Menschen ist so einseitig, dass weder sie selbst noch andere in der Lage sind, es „schönzuschreiben“. Denn es geht ja nicht alleine darum, Tatsachen über sich zu sammeln und zu veröffentlichen, sondern darum, das eigene Leben wie auch das eigene denken und fühlen möglichst transparent, aber immer wieder positiv darzustellen.

Die Wahrheit, hübsch verpackt - wer besitzt schon die Fähigkeit, so zu schreiben?

Wissen Sie, die Partnersuchenden befragen ja mittlerweile das Internet, wie sie am geschicktesten auf die Fragen und Ergänzungssätze reagieren sollen. Dabei suchen sie nicht etwa nach Anregungen, sonder nach werbewirksamen Formulierungen. Denn die hübsch gedrechselten Sätze, die nötig wären, um die Wahrheit chic darzustellen, würde viel, viel Zeit und innere Einkehr kosten. Normalerweise haben Partnersuchende weder die Muße noch die Fähigkeit, damit umzugehen – wie im übrigen zahllose Negativbeispiele beweisen. Wenn dies aber so ist, dann ist jeder Satz, der einfach dahingekleckert wird, ein Satz zu viel.

Abkupfern statt sich Mühe zu geben?

Ich hatte vor einiger Zeit Gelegenheit, jemanden zu fragen, wie er den zu Zeitungsanzeigen-Zeiten seine Partnersuche formuliert habe. Ich ahnte die Antwort, die kommen würde: „Ich habe mir andere Anzeigen angesehen und das abgeschrieben, von dem ich meinte, dass es auch auf mich zutreffen könnte.“

Warum sollte es heute anders sein? Im Übrigen: Zu spezifische, gezielte Angaben über das eigene Wollen wirken egozentrisch und übertrieben. Wir wissen doch alle, dass wir Schwächen haben, nicht wahr? Und wir wissen auch, dass wir nicht alle Liebhabereien durchboxen können, wenn wir einen Partner suchen. Insofern rate ich zu Bedächtigkeit und Humor – aber hört mich jemand?

In einer Zeit, in der man alles aus dem Internet abkupfern kann, erwarte ich doch nicht, dass sich jemand einen halben Tag nimmt, um über sich nachzudenken, bevor er sein Profil vervollständigt. Doch wünschte ich mir, dass es mehr Menschen täten … wirklich.