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Die öffentlichen Schamlippen und die geheime Vagina

Die Vulva verborgen, ansonsten lustvoll behaart - Foto aus den Anfängen der erotischen Fotografie

„Hast du schon einmal eine Frau nackt gesehen?“ Jeder Junge, der in den Nachkriegsjahren aufwuchs, und der nicht zufälligerweise in eine FKK-Gemeinde hineinwuchs, hätte diese Frage eigentlich mit „Nein“ beantworten müssen. Nein. Nicht ganz nackt. Vielleicht einmal einen Brustansatz oder auch mal den nackten Oberkörper. Da war zum Beispiel die Schulärztin, die Mangels eines geeigneten Raumes die Turnhalle zur Massenuntersuchung der Schülerinnen der Oberstufen benutzte. Nicht nur, dass sich die Schwingtüren nicht verschließen ließen – man unternahm gar nicht erst den Versuch. Einige der Lehrerinnen und Lehrer, die die Turnhalle verbotenerweise als Durchgang zwischen den beiden Gebäudeteilen nutzen, aus denen die Schule damals bestand, wurden abgewiesen. Aber die Augen der männlichen Schüler fanden dennoch ihren Weg in die Turnhalle, in der die jungen Frauen mit nackten Brüsten auf die Untersuchung warteten.

Nackte Brüste an tatsächlich existierenden Frauen oder Mädchen waren für die Jungen damals eine absolute Faszination. Denn über den Brustwarzen der Zeitungsschönheiten prangten damals noch schwarze Balken, sodass man zwar die begehrten Rundungen, nicht aber die sinnlichen Brustwarzen sehen konnte.

Es gab Bilder, Geschichten und sogar einzelne Filmszenen, in denen Frauen sozusagen „splitterfasernackt“ dastanden – aber immer nur für einen kurzen Moment. Manche nutzen beide Hände dazu, um sie wie Schalen um ihre Büste zu legen, verfehlten aber dann den Schritt, was an sich nicht weiter schrecklich gewesen wäre, soweit sie schwarzhaarig oder brünett waren. Denn man sah dort zumeist nichts als ein lockiges oder strähniges Gewölle, das oft als „das behaarte Dreieck“ bezeichnet wurde. Was dazwischen lag, offenbarten die Damen normalerweise keinem Mann. Nicht einmal die Liebhaber, denen sie früher oder später den Zugang zu ihren Vaginen freigaben, durfte jemals sehen, wie die „Mysterien“ der sinnlichen Öffnung gestaltet waren. Sich visuell aufzuspreizen, um dem Mann die ganze Schönheit des Paradieses zu zeigen, dass er betreten durfte, galt als ausgesprochen degoutant. Und das hieß letztendlich: Keine anständige Frau zeigte so etwas vor. Und nicht einmal eine etwas Leichtfertigere. Eine Klitoris bei hellem Licht genau besehen oder gar liebevoll berührt zu haben, war kaum einem Mann vergönnt.

Inzwischen sind die schützenden Schamhaare auf den Vulven verschwunden, und zurück bleiben nackte, nicht sonderlich attraktive Schamlippen, die aussehen, als hätte man ein Huhn gerupft. Und, ihr Naseweise, ihr Schelmenpack – habt ihr mehr mehr zu sehen bekommen?

Mag sein, dass der nackte Unterleib für manche Männer visuell anregend ist. Mag sein, dass er dabei hilft, dem Mann die Scheu vor dem Cunnilingus zu nehmen. Und wenn er mehr sehen möchte? Kommt dann die Scham zurück, die mit dem Schamhaar zunächst einmal wegrasiert wurde?

Manche Männer werden nun sagen, dass sie „Frauenarztperspektiven“ hassen. Alles solle doch bitte schön, hübsch gedeckelt bleiben. Also weiterhin: Licht aus – und die Beine erst spreizen, wenn sie außerhalb seines visuellen Wahrnehmungsbereichs liegen?

Frauen: Den Busch wieder wachsen lassen?



Neulich hatte ich Kontakt mit einer jungen Frau, die ein bisschen schüchtern fragte, ob Männer vielleicht ein bisschen pervers wären, die wollten, dass Frauen ihre Schamhaare wieder sprießen ließen. Als ich sie dann höflich und dezent befragte, warum sie denn das wissen wollte, gestand sie mir, dass ihr neuer Freund sie gebeten hätte, die Schamhaare wachsen zu lassen. Er liebe einfach, sie so zu sehen, und (dies flüsterte sie mir ins Ohr) er genösse auch den Duft, der von den Schamhaaren ausginge.

So ändern sich die Zeiten. Noch vor ungefähr zwölf Jahren hätte eine Tübingerin oder Oldenburgerin eher das Gegenteil gefragt: „Du, sag mal, mein Freund will, dass ich mir die Scham blitzblank rasiere – findest du das nicht in bisschen pervers?

Gehen wir jetzt noch ein bisschen in der Zeit zurück, dann finden wir die kleinen Korrekturen am Schamhaar nur in der Branche, in der Sex gegen Geld gehandelt wird. Wer vor 25 Jahren die Schamhaare rasiert, frisiert oder auch nur in der Haupthaarfarbe gefärbt hätte, wäre sofort in die Schlampenkategorie gefallen: Lediglich bei den besseren Huren gehörte es zum guten Ton, sich auch die Schamhaare zu blondieren und ihren allzu wilden Wuchs zu stutzen. Aber eine gewöhnliche Bürgerin? Was hätte man denn die Damen vom Kaffeekränzchen gedacht, wenn man im Schwimmbad unter der Dusche gestanden hätte und man wäre „unten herum“ frisiert gewesen?

Nun gut – es gibt Situationen, da hätte man lieber keine Haare, klar. Wenn er zum Beispiel ein Leckermäulchen ist, dann stören sie vielleicht, und dann ist es auch nicht ganz so toll, wenn sie blondiert wurden – das riecht so komisch. Aber sonst? Heute wissen die Jungs ja schon gar nicht mehr, warum der durch den Tanga verbogene Teil der Frau „Kätzchen“ genannt wird, obwohl sie immer noch „Muschi“ dazu sagen. Ich verrate es euch hier mal: Weil das geöffnete süße rosa Mäulchen der Katze, wenn es aus dem dunklen Fell herausschaut, eben aussieht wie … nun ja, eben wie das viel begehrte „behaarte Dreieck“, wenn die Dame die Beine leicht spreizt.
Nun, die Dame, die mich fragte, nahm meinen Rat an und ließ sich wieder einen süßen lockigen schwarzen Busch wachsen, den sie jetzt regelmäßig ein wenig stutzt – und trägt dazu manchmal noch halbtransparente Höschen, wenn sie ihren Freund mal so richtig in die Steigbügel treiben will.

Manchmal denke ich, besonders die jungen Frauen trauen sich einfach gar nicht mehr, ihr schickes Schamhaar zu tragen, weil sie sich vor dem Spott anderer Frauen fürchten – denn die Männer sehen es wirklich nicht so ungerne, wenn Frauen ein bisschen animalisch daherkommen.

Was meint ihr?

Vielleicht seht ihr euch vorher mal diese Diskussion an?

Bild: © 2008 by Nowhere Zen of New Jersey