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Edel-Moralisten, Wissenschaft und spontane sexuelle Begegnungen

Nein, so wird es nicht werden ...
Das Gerede der Edel-Moralisten über das Ende spontaner sexueller Begegnungen ist in den USA ein viel diskutiertes Thema. Immer wieder werden Argumente aus den muffigen Kisten der Geschichte hervorgeholt, vom „Alten Testament“ über die „Viktorianische Zeit“ bis hin zur Adenauer-Ära. Doch heute leben wir in einer völlig anderen Zeit. Unser Leben ist vor allem geprägt von der Freiheit der Person - und zwar für Frauen und Männer. Es grenzt an Volksverdummung, wenn man so tun will, als sei die erworbene Freiheit des Individuums umkehrbar. Wenn sich Menschen in Freiheit und Gleichheit treffen, dann haben sie ein Recht darauf, miteinander auszuhandeln, was zwischen ihnen möglich ist. Alles andere ist - mit Verlaub - ein dummes Geschwätz. Und das gilt nicht nur für die USA, sondern auch für Deutschland.

Der Tanz auf dem dünnen Eis der Moral

Diejenigen, die derzeit auf dem dünnen Eis der Moral heiße Tänze aufführen, sind überwiegend Männer - und sie denken oft nicht darüber nach, in welcher Weise die Sexualität der Frauen bis ins 19. Jahrhundert unterdrückt wurden. Das geschah nicht ausschließlich durch „die Gesellschaft“, jenes graue Monster also, das bis heute für fast alles verantwortlich gemacht wird. Nein - es waren Wissenschaftler, die Frauen Abwerteten, unter ihnen neben Priestern auch Ärzte und Psychotherapeuten. Habt ihr es schon vergessen?

Die Zeit zurückdrehen zur Keuschheit?

Keusch bleiben?
Wer die alte Sexualmoral einfordert, stellt die Freiheit infrage. Dabei ist nicht nur die Freizügigkeit gemeint, sondern auch die Wahlfreiheit. Man kann diskutieren, was „oft“ oder „viel“ oder meinetwegen „abwegig“ ist - aber man kann nicht darüber diskutieren, was Menschen fühlen und (so weit es legal ist) sie miteinander im Bett treiben. Eine Begegnung sinnlicher Art kann eben immer im Bett enden, auch wenn sie nicht zu diesem Zweck geplant war. Oder mit anderen Worten: Ob wir die „Kurzzeitbeziehung“ nun befürworten oder nicht - es wird sie immer geben.

Ändert sich auf Dauer etwas? Nein - warum sollte sich etwas ändern?

Ich bin froh, dies jetzt zu hören:

Wenn sich zwei Personen treffen, muss das jeweilige Gegenüber sich jetzt viel sicherer sein, dass er oder sie (gesundheitlich) auf der sicheren Seite ist.

Wobei die Frage ist, was eigentlich passiert, wenn beide wirklich heiß aufeinander sind.

Und wird es auf Dauer eine erhebliche Veränderung im sexuellen Verhalten geben? Der Wissenschaftler sagt, er bezweifle ernstlich, dass wir mehr als eine Pause (in der Art der Begegnungen) erleben.

Wörtlich:

Sobald es einen Impfstoff gibt, werden (die Menschen) zu einem früheren Verhalten zurückkehren, sodass ich nur vorübergehende Abstinenz, Unterdrückung oder Angst vor der Sexualität sehe.

Auf Dauer sieht kein ernst zu nehmender Wissenschaftler einen dauerhaften Kulturwandel durch COVID-19. Man hat gute Belege dafür: Kein Ereignis der Weltgeschichte hat Menschen wirklich daran gehindert, dem Fortpflanzungstrieb zu folgen. Manche haben dabei größere Risiken in Kauf genommen als andere, und ganz sicher haben einige das Risiko falsch eingeschätzt. Aber das war und ist eine Frage der Vernunft, nicht der Sexualmoral.

Es wird Zeit, dass wir das erworbene Gut des freiheitlichen Geistes täglich neu verteidigen - sonst wird unsere Freiheit im Namen einer fragwürdigen Moral verfeuert.

(Zitate: Bostonmagazine. Diese Zitate stammen von Ritch Savin-Williams, Professor für Entwicklungspsychologie.
Bilder: Oben: Anonymer Autor, unten: Spottpostkarte aus Frankreich, historisch.

Nach der Pandemie: Die Begierden werden zurückkommen

Hier nicht küssen - am besten gar nicht ...
Nach der Pandemie ist vor der Flut der Begierden, die lange Zeit in Fesseln gelegt wurden. Doch statt uns darauf vorzubereiten, reden uns die Moralisten ein, dass danach das Himmlereich auf Erden eintritt. Es ist an der Zeit, ihnen auf die Füße zu treten.

Eine große Anzahl ansonsten weitsichtiger Menschen erwartet von der „Corona-Krise“ positive Auswirkungen – so wie beim „reinigenden“ Gewitter, das ja auch zunächst mal furchtbar rumst und dabei vor allem Schaden anrichtet.

Der gute Mensch der Moralisten - ein Trugbild

Die Moralisten erwarten, dass die Sexualität in der Zukunft nahezu ausschließlich in monogamen Betten stattfindet, die ewig Gestrigen pochen auf bürgerliche Werte und hoffen, dass die „guten Sitten“ zurückkommen mögen. Die Schöndenker träumen von der allumfassenden Solidarität, die der Krise folgen wird. Der „gute Mensch“, der bekanntlich stets edel und hilfreich ist, wird allenthalben als Kasperkopf auf den Rampen der Medien präsentiert.

Nun ist der ganz gewöhnliche „gute Mensch“ allerdings vor allem Mensch. Er will das Beste für sich, und er unterstellt dabei, dass sein Wille, das Beste zu schaffen, auch anderen nützt. Er kennt seinen Vorrat an Mitgefühl und weiß, dass er ihn nicht erschöpfen darf. Tut er es dennoch, fällt er aus als Versorger, Glücksbringer und Tröster.

Machen wir uns nichts vor: Moralisten reden mit falschen Zungen. Das, was sie im Munde führen, ist nicht menschlich, sondern ein Flickwerk aus vielerlei Dogmen. Im Grunde genommen ist ihnen gleichgültig, was Menschen bewegt.

Und dien Prognosen, alles würde „danach“ besser, edler und moralischer?

Der Keuschheitsgürtel der Jetztzeit - eine Maßnahme mit schweren Folgen

Die Wahrheit mag schwer zu ertragen sein, aber währen der Krise wurde das Individuelle, das Schöpferische, das Befreiende zunächst einmal weggesperrt. Den Ledigen wurde die Lusterfüllung verweigert. Der Keuschheitsgürtel der Jetztzeit heißt: „Abstand halten“. Er verhindert aber nicht nur Infektionen, sondern auch die Triebabfuhr. Man muss kein Priester, Psychologe, Psychotherapeut oder Psychiater sein, um zu beurteilen, was mit Menschen passiert, die ihre Triebe im Übermaß zügeln müssen. Die meisten Singles nehmen dies zähneknirschend in Kauf, aber auch die gutwilligsten warten auf den Tag und die Stunde, in dem sie ihren Keuschheitsgürtel abnehmen dürfen.

Die Befreiung von den Fesseln wird Begierden auslösen

Nein – es gibt sie nicht, die „positiven“ Auswirkungen der Krise. Sie werden aus fragwürdigen Motiven herbeigeredet. Die „Zeit nach der Krise“ wird davon geprägt sein, dass sich die Gierigen unter den Menschen um jeden Preis holen, was sie entbehren mussten. Wenn wir uns auf etwas verbreiten müssen, dann darauf, diese Situation zu beherrschen und dort regulierend einzugreifen.