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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Das richtige Leben ist nicht beliebig veränderbar

Zwischen deiner Selbst-Definition, einigen Hundert Vorschlägen zur Verbesserung deiner Karriere und zur Erfüllung deines Glücks liegt das richtige Leben.

Für mich ist es nicht sehr erstaunlich, dass dieses „richtige Leben“ nicht dem folgt, was deiner Selbstdefinition entspricht. Und falls du es schon einmal mit Modifikationen versucht hast, wirst du merken: Die meisten funktionieren nicht.

Einige doch. Sie werden benutzt, um kurzfristige, meist kurzlebige Ziele zu erreichen. Ziele, die sich im Grunde nicht lohnen. Man könnte sagen: Es ist ein Spiel, eine Wette mit sich selbst. Mit „dem Leben“ hat es langfristig nichts zu tun.

Falsche Fragen an das Leben

Ein Großteil der Menschen, die gerne in meinen ehemaligen Beruf einstiegen würden, fragen ausschließlich danach, was sie damit verdienen können. Zum Beispiel, welche Programmiersprache sie lernen sollten, um das meiste Geld zu scheffeln. Von der IT und ihre Bedeutung wollen sie gar nichts wissen, und von einer „Liebe zum Beruf“ konnte gar nicht die Rede sein.

Das Leben folgt – für Programmierer offenbar erstaunlicherweise – anderen „Algorithmen“ als die Programme, die sie erstellen. Es gibt viel zu viele Faktoren, die Einfluss auf die Lebensgestaltung haben. Liebe ist nur ein Faktor – wenngleich ein wichtiger. Und anders als in der IT lassen sich die Verzweigungen des Lebens nicht vorprogrammieren.

Wir Menschen vergessen oftmals, dass wir Produkte der Evolution sind – und es, soweit wir es übersehen können – auch bleiben werden. „Lebensentwürfe“ mögen noch dazugehören, solange sie nicht zu fest an das Bestehende gebunden sind. Aber das beliebige „Herumwerkeln“ an der Person, dem Lebensstil und der Karriere ist – mit Verlaub – ein ziemlicher Unsinn.

Lerne, mit Veränderungen zu leben

Wenn du heute jung bist – sagen wir zwischen 18 und 28, dann ist es am wichtigsten, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Das gilt nicht nur in diesen Zeiten, die von Krisen überschattet werden. Es gilt immer und überall.

Bist du bereit?

Der Zweifel an der Suche ist so alt wie die Suche selbst
In diesem Artikel wende ich mich an die Suchenden. An alle Suchenden. Solche, die schon „seit Jahren single sind“ und jene, die durch die Pandemie über ein Jahr lang an der Partnersuche gehindert wurden.

„Bist du bereit?“, ist unser Motto für Juni. Und dahinter verbirgt sich ja auch die Frage: „Wozu bist du bereit?“

Bereit für Veränderungen - der Schlüssel zur Partnerschaft

Um die Sache etwas zu verkürzen, noch mal präziser gefragt:

„Wozu bis du jetzt bereit, wenn du eine feste Beziehung suchst?“

Falls du antwortest: „In jedem Fall erwarte ich dadurch eine Veränderung“, dann ist schon gewonnen. Für eine Veränderung bereit zu sein ist die wichtigste Voraussetzung für eine Partnerschaft. Würdest du dich bei einer Firma bewerben, wenn du nicht bereit wärst, einen neuen Arbeitsplatz zu finden? Vermutlich nicht.

Der Weg zur Zweisamkeit - mit nur zwei Fragen

Die beiden anderen Fragen, die sich nun allerdings ergeben, sind:

Bist du bereit, nun deinen Horizont erheblich zu erweitern?
Oder bist du gar bereit, auf etwas zu verzichten?

Wenn ich euch etwas verraten darf: Die Antworten auf diese Fragen weisen den Weg zur Zweisamkeit. Und sie sind zugleich der Nährboden des Erfolgs.

Die erste Frage, also die Erweiterung, wird von vielen Menschen auf Nachfragen mit „Nein“ beantwortet. Gleiche Stadt, gleiches Land, gleicher (örtlicher) Arbeitgeber, gleicher Freundeskreis, gleiche Interessen - das ist die Haupthürde für die Masse der Partnersuchenden.

Nun ist die zweite Frage zwar auch wichtig (ich habe oft darauf hingewiesen), aber der Gewinn ist oft zugleich der Verzicht. Also beispielsweise: Im Ausland ein interessanteres, erfüllteres Leben zu finden, ist ein Gewinn – daheim den gewohnten Freundes- und Kulturkreis zu verlieren, ein Verlust.

Warum du immer ein Risiko eingehst und das auch gut ist

Das alles lässt sich auf eine neue Frage reduzieren: Bist du überhaupt bereit, das Risiko der Partnersuche einzugehen? Risiken sind bekanntlich mit Chancen und Misserfolgen belegt. Was überwiegt, ist zwar nicht immer absehbar, und viele von euch werde schnell ungeduldig, wenn es mal nicht sofort „funkt“. Aber es ist kalkulierbar. Je kleiner das Risiko, umso geringer die Chancen auf Gewinn. Das ist absolut gesichert, denn „null Risiko“ bedeutet: „Keine Begegnungen“ Wie groß das Risiko sein darf, musst du schon selbst entscheiden – denn nur du kannst es tragen.

Und nun frage ich dich noch einmal: Bist du bereit?

Bild: Nach einer Zeichnung aus dem Jahr 1908. Die Künstlerin ist unbekannt, es könnte sich aber um Jeanette Smth handeln, die das Original entwarf. Diese Version ist eine Rekonstruktion des Originals.

Zurück zu den realen Möglichkeiten des Kennenlernens

Nun also ist der Frauentag vorbei, an dem wir erfahren haben, was alles anders werden muss.

Nur wird so schnell nichts anders. Immer noch haben Frauen und Männer Vorurteile gegeneinander, und noch immer steht das Prinzip „für mich nur das Beste“ jeder Lösung entgegen. Kurz: So kommen Frauen und Männer nie zusammen, und bevor ihr fragt: alle anderen auch nicht. Jedenfalls nicht dauerhaft.

Das Gift der Selbstoptimierung

Ich sehe mit Entsetzen, wie viele Menschen mit „Selbstoptimierung“ beschäftigt sind. Diese Leute machen einen entscheidenden Fehler, der vielen später leidtut. Denn wohin sie sich auch „optimieren“ – das alles ersetzt keine gewachsene Persönlichkeit. Normalerweise sind kleine Korrekturen in der Kommunikation, dem Verhalten oder der Erscheinung immer möglich, und dies alles ist hier auch nicht gemeint.

Vielmehr rede ich von groß angekündigten Optimierungsplänen mit vielen Schritten und Stufen, die schon in kurzer Zeit zu Erfolgen führen sollen.

Mit den Plänen anderer, die sich zum Lebenserfolg führen wollen, erreichst du nichts für deine Zufriedenheit, und für keinen dieser Pläne bekommst du einen Garantieschein.

Mach deine eigenen Pläne - sie nützen dir

Also bleibt dir nichts anderes übrig, als einen eigenen Plan zu machen. Kleine, nachvollziehbare Schritte. Ziele, die du wirklich erreichen kannst. Menschen suchen, die zu dir passen könnten statt „den Einen“ („die Eine“) zu finden. Bereit sein, Liebe zu empfangen und Liebe zu geben. Abwägen, aber nicht ablehnen. Das sollte fürs Erste reichen.

Edel-Moralisten, Wissenschaft und spontane sexuelle Begegnungen

Nein, so wird es nicht werden ...
Das Gerede der Edel-Moralisten über das Ende spontaner sexueller Begegnungen ist in den USA ein viel diskutiertes Thema. Immer wieder werden Argumente aus den muffigen Kisten der Geschichte hervorgeholt, vom „Alten Testament“ über die „Viktorianische Zeit“ bis hin zur Adenauer-Ära. Doch heute leben wir in einer völlig anderen Zeit. Unser Leben ist vor allem geprägt von der Freiheit der Person - und zwar für Frauen und Männer. Es grenzt an Volksverdummung, wenn man so tun will, als sei die erworbene Freiheit des Individuums umkehrbar. Wenn sich Menschen in Freiheit und Gleichheit treffen, dann haben sie ein Recht darauf, miteinander auszuhandeln, was zwischen ihnen möglich ist. Alles andere ist - mit Verlaub - ein dummes Geschwätz. Und das gilt nicht nur für die USA, sondern auch für Deutschland.

Der Tanz auf dem dünnen Eis der Moral

Diejenigen, die derzeit auf dem dünnen Eis der Moral heiße Tänze aufführen, sind überwiegend Männer - und sie denken oft nicht darüber nach, in welcher Weise die Sexualität der Frauen bis ins 19. Jahrhundert unterdrückt wurden. Das geschah nicht ausschließlich durch „die Gesellschaft“, jenes graue Monster also, das bis heute für fast alles verantwortlich gemacht wird. Nein - es waren Wissenschaftler, die Frauen Abwerteten, unter ihnen neben Priestern auch Ärzte und Psychotherapeuten. Habt ihr es schon vergessen?

Die Zeit zurückdrehen zur Keuschheit?

Keusch bleiben?
Wer die alte Sexualmoral einfordert, stellt die Freiheit infrage. Dabei ist nicht nur die Freizügigkeit gemeint, sondern auch die Wahlfreiheit. Man kann diskutieren, was „oft“ oder „viel“ oder meinetwegen „abwegig“ ist - aber man kann nicht darüber diskutieren, was Menschen fühlen und (so weit es legal ist) sie miteinander im Bett treiben. Eine Begegnung sinnlicher Art kann eben immer im Bett enden, auch wenn sie nicht zu diesem Zweck geplant war. Oder mit anderen Worten: Ob wir die „Kurzzeitbeziehung“ nun befürworten oder nicht - es wird sie immer geben.

Ändert sich auf Dauer etwas? Nein - warum sollte sich etwas ändern?

Ich bin froh, dies jetzt zu hören:

Wenn sich zwei Personen treffen, muss das jeweilige Gegenüber sich jetzt viel sicherer sein, dass er oder sie (gesundheitlich) auf der sicheren Seite ist.

Wobei die Frage ist, was eigentlich passiert, wenn beide wirklich heiß aufeinander sind.

Und wird es auf Dauer eine erhebliche Veränderung im sexuellen Verhalten geben? Der Wissenschaftler sagt, er bezweifle ernstlich, dass wir mehr als eine Pause (in der Art der Begegnungen) erleben.

Wörtlich:

Sobald es einen Impfstoff gibt, werden (die Menschen) zu einem früheren Verhalten zurückkehren, sodass ich nur vorübergehende Abstinenz, Unterdrückung oder Angst vor der Sexualität sehe.

Auf Dauer sieht kein ernst zu nehmender Wissenschaftler einen dauerhaften Kulturwandel durch COVID-19. Man hat gute Belege dafür: Kein Ereignis der Weltgeschichte hat Menschen wirklich daran gehindert, dem Fortpflanzungstrieb zu folgen. Manche haben dabei größere Risiken in Kauf genommen als andere, und ganz sicher haben einige das Risiko falsch eingeschätzt. Aber das war und ist eine Frage der Vernunft, nicht der Sexualmoral.

Es wird Zeit, dass wir das erworbene Gut des freiheitlichen Geistes täglich neu verteidigen - sonst wird unsere Freiheit im Namen einer fragwürdigen Moral verfeuert.

(Zitate: Bostonmagazine. Diese Zitate stammen von Ritch Savin-Williams, Professor für Entwicklungspsychologie.
Bilder: Oben: Anonymer Autor, unten: Spottpostkarte aus Frankreich, historisch.