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Die Schmerzlust und die Normalität

Wenn der Po so dargeboten wird, mag es einen Grund dafür geben ...
Was die Liebeszeitung zum Thema BDSM, Flagellation und Schmerzlust schreibt, wird einerseits belächelt, andererseits aber auch verdammt.

Dabei ist das Interesse daran enorm, was sowohl anhand der Verkaufszahlen einschlägiger Bücher wie auch an den Umsätzen der Erotik-Shops in „Zubehör“ beweisbar ist.

Eine auffällig negative Rolle spielt dabei nicht nur der bürgerliche Wohlanstand, der das „Schlechte“ stets den anderen in die Schuhe schieben möchte, sondern vor allem die Psychoanalyse. Sie schreibt nach wie vor jede Abweichung im Erwachsenenalter den „Kindheitserfahrungen“ zu.

In einem auch sonst sehr interessanten Artikel über sogenannte „sadomasochistische“ Neigungen (auch das ist nur ein Wort) schreibt „Spektrum“:

Die meisten solcher psychoanalytisch orientierten Erklärungsansätze stützen sich allerdings auf Berichte von Patienten, die sich ohnehin in psychiatrischer Behandlung befinden. Die Möglichkeit, sadomasochistische Praktiken könnten auch gesund und einvernehmlich ausgelebt werden, wird so von vornherein ausgeschlossen.


Der Artikel enthält Hinweise auf eine Untersuchung der Université du Québec, in der es darum ging, objektiv festzustellen, was „normal“ ist. Die Forscher kamen zu überraschenden Ergebnissen, die sich kurz so fassen lassen: Fast alles, was der Volksmund (und die Psychoanalyse) als Abweichung sieht, gehört zum Menschsein – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen.

Bild: Aus einer Illustration von Félicien Rops (1878)


SM-Lust ist nicht, was sie zu sein scheint



Sowohl die SM-Szene als auch Frau Spießbürgerin und Herr Spießbürger haben Vorstellungen davon, wie „Sadomaso“ abzulaufen hat. Doch in Wahrheit verstecken Frauen wie Männer, die außerhalb von „Szenen“ und „Kirchgängermilieu“ leben, ihre wahren Fantasien und Neigungen nur allzu oft. Sie passen einfach weder in das Raster der Einen noch in das Raster der Anderen.

Schöne Gefühle können mal bitter und mal süß sein

Dieser Film aus Polen sagt aus, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint. Denn viele Menschen verwechseln die Dinge, zum Beispiel die Lust daran, Schuhe und Füße zu lecken. Es bedeutet nicht zwangsläufig, auch unterwürfig zu sein. Und unterwürfig zu sein bedeutet nicht, auch zugleich Schmerzliebhaber zu sein. Und Schmerzliebhaber zu sein, bedeutet noch lange nicht, Sadomasochist zu sein.

Und: Niemand, der eine sexuelle Präferenz oder sonst eine Leidenschaft hat, sollte über sie definiert werden – und sich schon gar nicht selbst darüber definieren.

Wenn ein Fußliebhaber ein armes Würstchen ist, ist es ein Anhänger des ersten FC erst recht. Und überhaupt: Wer sich ansieht, wie sich angeblich gestandene Frauen und Männer in den einschlägigen Fernsehsendungen öffentlich erniedrigen, sollte glücklich darüber sein, dass sich Menschen ohne Zwang und durchaus lustvoll privat erniedrigen lassen können.