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Mythos vier: Männer sind Voyeure (optisch fixiert)

Ähnliche Schaubilder sind in der Urologie bis heute üblich
Wenn ein Professor der Urologie über Potenz spricht, verwendet er meist ein Schaubild, das in erster Instanz einen Mann zeigt, dessen Auge auf eine nackte oder spärlich angezogene Frau fällt. Dann, so die darauf folgende Idee, wandelt das Hirn diese Impulse in Begehren um, und am Ende dieses Prozesses drängt sich (nach einigen Zwischenstufen) ein harter Penis gegen den Hosenladen, der auf Befreiung hofft.

Nun wird ihnen nahezu jede Frau bestätigen, dass Männer Voyeure sind, und manche Frauen wissen oder ahnen, dass Männer auf frivole Dessous an ihnen „abfahren“ – von pornografischen Filmen ganz zu schweigen. Also können wir annehmen, dass jeder Fetzen nackter Haut, den Männer sehen oder ahnen, schön verpackt und aufreizend dargeboten, automatisch zum „Klick“ in der Hose führt?

Nein, können wir nicht. Wie wir schon vielfach schrieben, ist männliche Sexualität komplexer als die meisten Frauen denken. Denn ähnlich wie bei Frauen wird der sexuelle Appetit der Männer durch eine Fülle von Reizen ausgelöst, zu denen eben auch optische Reize gehören. Doch diese Reize werden nun abgemixt mit dem Verlangen, der Erfahrung und – so vorhanden – von „taktilen Reizen“, also den Berührungen von Frauenhänden, Mündern, Brüsten oder Schamlippen.

Der Clou kommt noch: Klar werden Männer von optischen Eindrücken angeregt, vielleicht sogar „geil“, aber es ist für sie – Frauen, hört jetzt genau zu: eine Erregung, keine Erfüllung.

Oh, oh, da kommen wir auch ganz schnell auf ein Problem: „Einen hochzukriegen“, „erregt zu sein“ und Sex genießen ist nicht das Gleiche. Eine Erektion kann die Folge eines optischen Eindruck sein. Aber sie kann auch „ohne Zutun“ entstehen – denken Sie mal an die „Morgenlatte“. Und ein Mann kann lustvoll erregt sein, aber keine Erektion haben – deswegen gehen ja viele Männer zum Doc und lassen sich Pillen verschreiben.

Männer sind keine Automaten, bei denen oben Bilder reinkommen und unten Sperma ausfließt. Und insofern ist der Vorwurf, Männer seien Voyeure, ein Mythos.

Allerdings werden sie gelegentlich von frivolen Darstellungen (Extremstrip, Pornos) ziemlich „geil“. Und zwar zumeist von anderen Darstellungen als Frauen, die ja nun so gar nicht als „Voyeusen“ gelten. Und doch kann schon ein rammelnder Karnickelbock bei Frauen Sehnsüchte auslösen.

Gut – im Grunde wissen wir wenig darüber (1), wie die Nervenströme einen optischen oder taktilen Eindruck in einen steifen Penis oder eine feuchte Vagina wandeln. Und wir müssen sagen: Es ist nicht nur ein Mythos, dass Männer starke Antennen für optische Signale haben, sondern eine Tatsache. Was wir aber sagen können – das ist genau das, was die Natur hervorgebracht hat, um Menschen-Männer zu reizen. Denn was für einen Hund die Nase sein mag, ist für einen Menschen das Auge. Und wie, bitte schön, sollten denn die Flirtsignale, die ja nichts als versteckte Verführungen sind, denn ans Hirn kommen, wenn nicht über die Augen?

Wie bereits gesagt: Optische Reize gehen nicht barrierefrei in den Penis. Und: Sie sind absolut nötig, um Begegnungen herbeizuführen. Also könnten wir sagen: Männer empfangen optische Reize intensiv – aber dann sortieren sie diese erst einmal. Und was dann noch in Penis, Hoden und Prostata ankommt, liebe Frauen, das ist definitiv minimal.

(1) Wenn die Vorgänge zerlegt werden, ist es wissenschaftlich möglich, die einzelnen Komponenten zu benennen - der Prozess selber aber lässt sich damit nicht vollständig erklären.
mythos mannZum Thema: "Mythen über männliche Sexualität" erscheinen weitere Folgen

Mythos drei: Männer sind polygam oder jedenfalls nicht treu

Manche Wissenschaftler behaupten, es sei normal, dass Männer sozusagen Primatenchefs spielen wollen und ihr Sperma möglichst breit streuen. Deshalb würden sie zunächst mal überall herumvögeln und später gar die Ehe brechen.

Das ist ein Mythos, der nicht totzukriegen ist. In Wahrheit suchen Männer erregendere Partnerinnen als diejenigen, die sie schon kennen und Lüste, die sie noch nicht kennen oder die „ihre“ Frauen nur selten befriedigen. Und obgleich Frauen dies nicht gerne hören werden: Die gespielte Leidenschaft wird dabei noch eher goutiert als gar keine Leidenschaft, und die üblicherweise als „ein bisschen frivol“ eingestuften Praktiken sind immer wieder die lustvollen Höhepunkte.

Nun gilt es nicht eben als „fein“, in der Ehe „fremdzugehen“, sei es mit einer Escort-Frau oder mit einer lustvollen, vielleicht etwas leichtsinnigen jüngeren Frau, die Freude daran hat, Lust zu schenken. Also wird die Ethik bemüht, und dabei kommt dann heraus: Es ist unmoralisch, weil unsozial, eine Frau die darauf baut, immer und ewig mit dem Mann verbunden zu sein, wegen der puren Lust mit einer jüngeren Frau zu verlassen.

Ja, erwischt oder doch nicht?

Fremdgehen kann die Ehe zerstören, das ist richtig. Doch wenn Männer fremdgehen, machen Frauen ein Drama daraus. Sie drohen mit Auszug, Verweigern sich in Körper, Geist und Psyche oder bedrohen den Mann mit Scheidung. Und vor allem machen sie ihm die Hölle heiß, falls er’s noch mal versucht.

Männer sind ziemlich "moralisch" - Frauen nicht so sehr?

Merkwürdigerweise sind Männer moralischer als gedacht: Viele schämen sie sich ihrer Seitensprünge oder haben jedenfalls Skrupel. Sie versuchen, zu erklären, warum das so ist und sind ungeschickt beim Vertuschen. Kurz: Sie neigen dazu, Fehler zu machen, sich merkwürdig zu verhalten, sich nicht verstellen zu können oder gar Seitensprünge zu beichten.
Und Frauen? Normalerweise vergleiche ich nicht. Wenn Frauen die Ehe brechen oder ihre Freunde, Verlobten oder Ehemänner betrügen wollen, sollen sie es doch tun. Sie haben dabei einen enormen Vorteil: Sie sind besser im Organisieren von Seitensprüngen, gesickter im Versuchen und sie haben kaum Gewissensbisse, wenn sie es tun. Ob das auch ein Mythos ist? Möglicherweise. Und doch höre ich immer wieder, dass Frauen den Seitensprung es als ihr „gutes Recht“ annehmen, wenn sie glauben, nicht genügend geliebt, erotisch anerkannt oder eben – befriedigt zu werden.

Also doch nicht? Wie steht es bei Frauen mit der Treue?

Seitensprünge sind in der modernen westlichen Gesellschaft unter Frauen wie unter Männern etwas gleich beliebt. Je nach Autor der Umfrage und dem erwünschten/unerwünschten Ergebnissen liegen die Quoten bei Frauen manchmal etwas über denen der Männer, teils aber auch darunter.

Männer sind aus Prinzip untreu – ist es ein Mythos oder eine Tatsache?

Ein Mythos ist eine unrealistische Vorstellung. Insofern wäre die „untreue“ oder „polygame“ Vernanlagung kein Mythos, sondern eine Tatsache - nur eben nicht explizit für Männer. „Eheliche Treue“ ist ein kultureller Anspruch, den weder Frauen noch Männer derzeit erfüllen. Insofern ist es eben doch ein Mythos, wenn behauptet wird, er gelte nur für den Mann.
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