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Ein kurzes Lob der Schlampen

Freizügig schenken, erst dann herausfordern - keine schlechte Strategie
Nichts ist für einen Mann schöner, als einer wirklich lustvollen Schlampe zu begegnen, sogar dann, wenn er sie nicht „exklusiv“ hat. Denn die „Schlampe“ hat eine Persönlichkeit, die heute kaum noch vorkommt: Selbstbewusstsein kombiniert mit Wollust, und all dies kompromisslos.

Sie wählt willkürlich, und wenn sie einen Mann gewählt hat, dann will sie ihn auch. Wie sie ihren Genuss daraus zieht, weiß niemand so genau, doch die Hauptsache ist, sie selber weiß es. Das Dümmste, was man über sie sagen kann, ist „dass sie Sex will“. In Wahrheit will sie den Mann, den sie mit heimnimmt. Mit Haut und Haar, ohne Wenn und Aber, und wenn es sein kann, auch noch für ein paar Nächste länger.

Sie gibt, bevor sie nimmt, aber wenn sie nimmt, dann versucht sie, aus dem Mann alles herauszuholen, was möglich ist. Und tatsächlich erweist sie sich als sehr erträglich im Zusammensein, wenn mal gerade keine Vöglein singen.

Sei dankbar, Männer, dass es Schlampen gibt, lobt sie und preist sie. Es gab Zeiten, in denen man sie mit Gedichten bedacht und mit Dessous, Konfekt und Rosen überhäuft hat.

Die übrigen Frauen mögen keine Schlampen. Denn Schlampen haben alles, was sie nicht haben: Sie wissen, wer sie sind, sie können sich frivol kleiden und sehen noch gut darin aus, und sie kriegen jeden Kerl. Verdammter Mist, was? Aber so ist es eben. Die Schranke im Hirn „anständiger“ Frauen verhindert Karambolagen, aber auch das süße Risiko, sich einfach hinzugeben und sich dabei sauwohl zu fühlen.

Bild: Illustration von Girard, Illustrator, 20. Jahrhundert. Teilansicht

Lob der Schlampe

Weihnachten - Zeit für diese süße Schlampe
Psychologen haben uns gerade gesagt, dass es eigentlich die Mutter ist, die wir begehren. Selbstverständlich nicht unsere Mutter, sondern eine Frau, die „wie unsere Mutter ist“. Warum erinnert mich das nur an das Kabarettprogramm „Alles Schlampen außer Mutti“?

Natürlich – weil es eigentlich die Schlampe ist, die unser Leben einst befeuert hat. Denn sagen wir es mal so: Warum sollten wir die stille Mutter, die geschwätzige Tante Felicitas, oder die potthässliche Cousine Hilde denn als Vorbild für eine sinnliche Frau nehmen?

Haben die Jungs in der Psycho-Branche noch alle auf dem Christbaum?

Gemach, gemach, mein Freund“, sagen die Jungs aus der Psycho-Branche: „Wir reden nicht von den Frauen, mit denen du immer wieder ins Bett willst, sondern von denen, die du vielleicht heiraten würdest.“

Sind "Titten" wirklich wichtig?

Ach ja? Es ist ja erstaunlich, dass die Psychoheinis uns Männer immer sagen, wie würden uns verhalten, wie es die Steinzeitmenschen das angeblich getan haben. Das geben sie dann als „Ergebnisse ihrer Forschungen“ aus. Rausgekommen ist aber immer nur, dass wir so blöd sind, auf schöne Gesichter, Hüft-Becken-Verhältnisse und vorstehende Titten hereinzufallen. Mehr können sie nicht, diese „Wissenschaftler“, weil ihre angeblichen Forschungen darin bestehen, Studenten Fotos zu zeigen. Die Chose mit der Mutter fällt ihnen nur immer dann ein, wenn sie nachdenklich werden und uns sagen wollen, was gut für uns ist.

Unsere "erste Frau" - nur schön, weil es Sex war?

Auch die Sache mit der „ersten Frau, mit der wir geschlafen haben“, ist nicht sonderlich stichhaltig. Wer war denn die, bitte schön? Ach, Sie können sich noch erinnern? Wie nett für Sie. Und: War es toll? Ich sehe schon die langen Gesichter. Es war toll, weil es Sex war, aber nicht, weil die Frau, mit der Sie zusammen waren, alles gegeben hat, was man einem Mann schenken kann, nicht wahr? Also versuche ich mal, Tacheles zu reden: Die Frau, mit der wir Männer immer wieder schlafen wollen, ist die Frau, mit der uns Sex endlich wirklich begeistert hat – und das war zumeist eine „Schlampe“.

Es wäre an der Zeit, das Lob der Schlampe zu singen – und es gab tatsächlich mal eine Zeit, da haben sich die Dichter darin überboten, dies zu tun. Doch in den letzten Jahren haben Feminismus, Gutmenschentum und Neusprech aka „sozial korrektes Verhalten“ uns daran gehindert.

Die Schlampe - großzügig und lustvoll

Dabei ist die Schlampe edlere als viele andere Frauen: Sie ist großzügig im Geben und bescheiden im Nehmen. Sie macht uns das Leben schön statt uns ständig mit ihren (und unseren) Problemen zu konfrontieren. Sie trägt Kleider, die aus anregen und Dessous, die uns aufregen.

Früher hat man ja mal behauptet, dass Frauen aus „beengten Verhältnissen“, wie etwa die berühmte Kiki de Montparnasse, den Aufstieg in die besseren Schichten geschafft haben., weil sie eine animalische Sinnlichkeit verkörperten. Doch das ist längst nicht mehr so. Die sinnliche Schlampe kann Pfarrer- oder Schreinertochter sein, und sie kann den Beruf der Ärztin oder des Zimmermädchens ausführen. „Schlampe sein“ ist eine Einstellung, die Frauen im Gehirn haben, nicht in der sozialen Stellung. Auch die Erziehung spielt eine eher untergeordnete Rolle: Hat die Schlampe einen „bildungsfernen Hintergrund“, so muss sie wenigstens lernen, sich ein bisschen Vornehmheit anzuschminken. War sie hingegen „Tochter“, etwa im Bildungsbürgertum, dann weiß sie genau, wie man mit Charme und Dessous, süßen Frechheiten und anatomischem Wissen die Männer um den Finger wickelt.

Die Ächtung der Schlampen - ein Skandal

„Schlampen“ werden geächtet – von Frauen, von Männern und insbesondere von der Gutmenschenschaft. In ihrem Sinne „taugt die Schlampe nichts“. Die sogenannte „gute“ Gesellschaft redet ihren Töchtern ein. „ja nicht in den Ruf einer Schlampe“ zu kommen – da reicht es schon, vier Mal im Jahr den Freund zu wechseln. Es ist ein Skandal, wie die Gesellschaft mit denjenigen Frauen umgeht, dei Sinneslust schenken, ohne jemals nach einer "Gegenleistung"zu fragen.

Lobt die Schlampen - sie verdienen es

Könnten nicht wenigstens wir Männer die Schlampe loben und verehren? Nichts sollte uns hindern, die Frauen zu loben, die uns die Lust in allen Variationen geschenkt haben, und die wir vor allem deshalb in guter Erinnerung behalten. Sie sind das Lob allemal wert, und sie verdienen es.

Slutwalk – oder Sex ist etwas, das man gemeinsam tut

Frauen und Männer realisieren oft gar nicht mehr, wie gut sie es im 21. Jahrhundert haben - ein Rückblick, ein Ausblick und die Bedeutung des "Slut Walk" vom Herausgeber Gebhard Roese. Dieser Artikel unterliegt dem strikten © 2011 by Gebhard Roese, Altenburg, Thüringen.

Der Männer-Spruch „eine Frau flachlegen“ ist ein Relikt aus der Zeit der 1950er und 1960er Jahre,, als Frauen und Männer noch nach einem einfachen Muster vorgingen:

1. Keine Frau tat es, es sei denn, sie tat es dennoch. Das bedeutete: Jede Frau sagte, sie habe kein Interesse an „so etwas“ wie Sex, und in der Tat hatten nur wenige (meist über 30-Jährige) Interesse daran. Falls jedoch wirklich ein Bedürfnis bestand, musste die Frau vorgeben, uninteressiert zu sein – das wollte die Etikette so.
2. Aus eigenem Antrieb sagte keine Frau: „Schlaf mit mir“, auch wenn sie es wirklich gerne gewollt hätte. Der Mann musste also nach der Trial-and-Error-Methode vorgehen. Frauen wussten dies und entwickelten Strategien, die Männer entweder abzuweisen oder interessiert hinzuhalten. Erfolge waren selten, zumal in der bürgerlichen Mittelschicht, in der erwartet wurde, dass die jungen Mädchen mindestens so lange Jungfrau blieben, bis sie verlobt waren. Nur von wenigen Frauen war klar, dass sie sich „herumkriegen“ ließen – sie galten bald als „Schlampen“ oder „Matratzen“.
3. Weil es so schwer war, eine aufrichtige sexuelle Beziehung zu einer Frau einzugehen, versuchten die Männer jede Art von Tricks, „Frauen zu knacken“, die nicht im Ruf standen, „Schlampen“ zu sein. Alkoholreiche Partys, zweifelhafte Einladungen, süße Worte, Heiratsversprechen und vor allem das ständige „Bedrängen“ sollten sie „weichmachen“. Worte wie „einvernehmlicher Sex“ wären damals gar nicht verstanden worden.

Ärgernis Flachleger-Literatur: Frauen als Objekte

Es scheint so, als ob Reste davon bei vielen Männern vorhanden sind, obgleich es nie einfacher war, sich gemeinsam erotischen Abenteuern und sexuellen Lüsten hinzugeben. Insbesondere eine ziemlich ekelhafte Literatur bemüht sich darum, Frauen weiterhin als Objekte zu zeigen, die man nur genügend „betrommeln“ muss, um sie dann letztendlich „flachzulegen“. Diese Bücher und Schriften wenden sich an junge Männer oder ältere Loser, aber auch an Männer, die glauben, dass Frauen leichter „herumzukriegen“ sein könnten, wenn man nur über besondere Techniken verfüge.

Die neue Schlampenbewegung sagt "a Dress is Not a Yes

sich kleiden, wie man will - hier nur als showeffekt
Derweil herrscht auch bei manchen „guten Bürgern“ noch das alte Muster. Beispielsweise dann, wenn Frauen sich erotisch attraktiv anziehen. Der ekelhafte Spruch „Frauen sollten sich nicht wie Schlampen anziehen, wenn sie nicht vergewaltigt werden wollen“ stammt von einem kanadischen Pfarrer, und der hätte kaum damit gerechnet, dass er damit eine Bewegung auslösen würde: Die Schlampenbewegung, die jeder Frau das Recht zubilligt, sich erotisch attraktiv zu kleiden. Sie lädt zu Schlampenmärschen und anderen Veranstaltungen ein – inzwischen hat sich der 13. August dafür eingebürgert. „Sex ist etwas, das man gemeinsam tut und nichts, das man jemandem antut“ steht auf einem Plakat, aber das Motto ist „A dress is not a Yes“, ins Deutsche kaum zu übersetzen bedeutet es: „Ein sexy Kleid heißt nicht, dass ich Sex will“.

Die Bewegung ist witzig-aggressiv, und genau das missfällt traditionellen Salon-Feministinnen. Sie tun so, als sei Feminismus eine Antiquität, die man am besten in Museen ausstellt und der Weiterentwicklung nur privilegierten Lichtgestalten unter den Frauen vorbehalten ist. Barsch fährt die Kolumnistin des Guardian den jungen Frauen über den Mund und sagt, welchen Weg sie gefälligst zu nehmen hätten, so, wie es die Feministinnen der 1970er Jahre bereits taten: Doch damals wie heute suchen junge Frauen ihren eigenen Weg und scheren sich nicht um die Belehrungen der Gralshüterinnen des Feminismus.

Nein, diese jungen Frauen haben absolut recht – es geht darum, in Freiheit und Gleichheit sexuelle Kontakte aufnehmen oder sie ablehnen zu können, aber auch darum, sich nicht vorschreiben zu lassen, wann man eine „Schlampe“ ist und wann nicht.

Im Grunde tun diese jungen Frauen genau das, was die Guardian-Kolumnistinnen eigentlich fordern: Sie sollen etwas Neues und Kreatives erproben – und dass sie das Wort “Schlampe“ dafür verwenden, zeigt nur, dass sie die Botschaft verstanden haben, in der heutigen Welt prägnante Begriffe verwenden zu müssen, um viele Menschen zu erreichen.

Mehr Informationen im schweizerischen Tagesanzeiger.
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