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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Heraufheiraten, hinunterheiraten - alles dummes Geschwätz?

In regierenden Fürstenhäusern war einst wichtig, eine Partnerin (manchmal auch einen Partner) aus adligen Kreisen zu heiraten. Diese Form der Ehe wurde gerne vom Bürgertum kopiert - man nannte sie „Konvenienzehe“. Und lange Zeit galt: Beide müssen von gleichem „Stand“ sein, was in der Stadt bedeutete:

Der Kaufmannssohn heiratet die Kaufmannstochter.
Der Sohn eines Beamten heiratet die Tochter eines Beamten.
Der Arbeitersohn heiratet die Arbeitertochter.
Der Sohn des Handwerkers heiratete die Tochter eines Handwerkers.
Der Sohn des Herrn Doktors (man kannte fast nur Ärzte und Juristen als „Akademiker“) heiratete eine Tochter aus dem Haus eines Akademikers.

Standesgemäß, ebenbürtig - das war gestern

Im Grund genommen war es der „soziale Stand“, der unbedingt gewahrt werden sollte. Das lag daran, dass die entsprechenden Berufe mit einem gewissen Ansehen ausgestattet waren. „Standesgemäß heiraten“ bedeutete vor allem, in ein bekanntes Milieu hineinzuheiraten und dort den Lebensstil pflegen zu können, den man kannte. Auch heute noch werden solche Begriffe gerne benutzt, beispielsweise das Wort „ebenbürtig“ oder auf „Augenhöhe“.

Heute: Geld, Macht - und Ausbildung

Liest man in heutigen Diskussionen weiter, so wird neben dem „Lifestyle“ vor allem „Ausbildung“, „Einkommen“ und „Persönliches Wachstum“ als Grundlage angesehen, um eine „glückliche Ehe“ zu führen.

Interessanterweise meinen die meisten Autoren, dass „Bildung“ eine entscheidende Rolle spielt - doch sieht man hinter die Kulissen, dann wird „Bildung“ nur als Treppe zu Geld und Macht angesehen. Und dazu zitiere ich gerne einen Satz der Autorin Melissa Alvarez:

Insgesamt spiegelt unser Lebensstil wider, was wir verdient haben. Als jüngere Frau wurde mir gesagt, ich solle aufs College zu gehen, um Zugang zu einem höher bezahlten Beruf zu haben. Dieser Job würde es mir dann ermöglichen, in einem schönen Haus zu leben und ein tolles Auto zu fahren.


Ausbildung ist kein Verdienst

Wer glaubt, dass Ausbildung allein bereits ein Verdienst ist, liegt falsch. Und auch die beste Ausbildung bedeutet nicht viel, wenn man glaubt, allein durch die Ausbildung einen Anspruch zu erwerben.

Schon der Eintritt ins Berufsleben zeigt: Jeder Job erfordert weiteres (eventuell auch anders) Lernen, und eine Persönlichkeit, die unabhängig von ihrer Ausbildung weitere Befähigungen ausweist.

Erwirbt man nun durch die Ausbildung den Anspruch auf eine Ehe, die auf Komfort, Vergnügen und Luxus basiert?

Ich bezweifle dies. Was wir im anderen suchen, ist keine „intellektuelle Gleichschaltung“ sondern eine Ergänzung, um unser Leben möglichst zu komplettieren. Das würde allerdings bedeuten, dass unsere Partner(innen) eher andere Fähigkeiten haben als wir selbst. Dies allerdings ist nicht vom Ausbildungsgrad oder einem sozialen Anspruchsniveau abhängig, sondern nahezu ausschließlich von der Persönlichkeit und den Fähigkeiten, die wir in die Ehe einbringen.

Rauf und runter - doch wo ist "oben" und "unten"?

Können wir es uns also „leisten“ hinunter- oder herauf zu heiraten?

Wenn wir diese Frage beantworten wollen, wäre wieder die Frage, wo denn bei uns „oben“ und „unten“ ist. Gehen wir noch einmal zurück ins 19. Jahrhundert, dann war der Adel „oben“ und die jungen Frauen träumten davon, einen Adligen zu heiraten. Doch was ist heute „oben“? Der höhere akademische Grad? Das höhere Einkommen? Die bessere Vermögenslage? Das „Hinaufheiraten“ ist ja in den letzten Jahrzehnten vor allem deshalb unattraktiv geworden, weil sich die Einkommen und akademischen Grade von Frauen und Männern angleichen. Wer will da noch in den Konkurrenzkampf der Frauen eingetreten, die „nach oben heiraten“ wollen, sprich: nach Wohlstand und Titel des Mannes?

Und „nach unten“? Mir werden seit Jahren Beispiele aufgetischt, nach denen es für eine Akademikerin unerträglich wäre, einen Hausmeister zu heiraten. Die Begründung ist, man habe sich dann doch nichts zu sagen. Inzwischen kenne ich mehrere Personen, die ähnliche Ehen führen.

„Unten“ liegen Bereicherungen aller Art - und es muss nicht immer die Schulleiterin und der Hausmeister sein, um das Beispiel zu strapazieren. Eine Ärztin und ein Makler? Warum eigentlich nicht?

In den letzten Jahren, so wird mir berichtet, starten junge Leute zwar mit akademischer Bildung, aber keinesfalls mit ausreichenden Grundlagen für eine Berufstätigkeit ins Arbeitsleben. Wäre es da nicht sinnvoll, eher nach den Grundlagen der Lebensführung zu fragen, als auf „Augenhöhe“ wert zu legen?

Ich habe in diesem Artikel noch gar nicht von der Liebe geredet, nicht wahr? Aber wie soll jemand in der Lage sein, zu lieben, der sich nur auf den Glanz einer luxuriös geführten, intellektuell perfekten Beziehung verlässt? Solche Menschen halte ich - mit Verlaub - für armselig.

Zitat: Die Autorin schreibt für Medium.com in der Kategorie "be loverd"

Die Liebe zu Kollegen – Tabu oder Alltag?

Bild © 2007 by Carolyn Coles


Die Büroangestellten laufen sogar der Boulevardpresse den Rang ab, wenn es um das Geschnatter über Affären geht. Selbst, wenn es Liebe ist, wird gemunkelt und abgewertet. Man kann es grau in grau malen, so, wie es meine Kollegin Monika Behrendt ausdrückte:

Eine Beziehung unter Kollegen kann im Büro so einige negative Seiten mit sich bringen. Die Karriere leidet irgendwie in den meisten Fällen, was nicht am Paar selbst, sondern auch an den Kollegen liegen kann“.

Bitte, verehrte Liebesberaterinnen und Liebesberater – das Büro ist der ideale Ort, um Beziehungen unter Gleichgesinnten anzuknüpfen. Die Menschen, die dort arbeiten, haben oft ähnliche Lebensziele, sind von ähnlicher sozialer Herkunft und haben eine ähnliche Ausbildung. Sie haben täglich die Möglichkeit, einander kennenzulernen und können dabei vor allem das gemeinsame Essen in der Kantine nutzen. Natürlich kommt es hin und wieder auch zu „schrägen Affären“ zwischen Angestellten, bei denen zumindest ein Teil verheiratet ist – aber das sind eher die Ausnahmen, ebenso wie die angeblich zahlreichen ONS nach Weihnachtsfeiern.

Wenn es der Chef mit der Sachbearbeiterin "treibt"

50-er-Jahre Vorstellung von der Büroliebe
Ja, und wie ist es nun mit den angeblich so spektakulären Beziehungen zwischen Abteilungsleiter und Sachbearbeiterin? Sie sind in Wahrheit nur halb so spektakulär, wenn beide ledig sind. Nach einer Weile kann man sich ohne Weiteres dem Personalchef offenbaren, der eine Lösung für die Versetzung finden wird- die meisten Betriebe legen viel Wert darauf, solche Probleme im Sinne ihrer Angestellten zu lösen. Übrigens sind auch Beziehungen zwischen Abteilungsleiterin und Abteilungsleiter nicht ungewöhnlich – und in ihnen steckt oft viel mehr Zündstoff als in den „gewöhnlichen“ Bürobeziehungen.

Viele selbst ernannte Warner vor Bürobeziehungen fuchteln mit der Peitsche des Karriereendes herum. Das trifft nur selten zu, und wenn, dann höchstens bei „schrägen Beziehungen“. Jedem vernünftigen Personalchef oder Personalentwickler geht es darum, gutes und verlässliches Personal auch weiterhin zu halten und zu fördern, sodass eine „normale Bürobeziehung“ nicht zum Karriereabbruch führt.

Sehr viel anders ist es, und hier sage ich auch mal „leider“ mit homosexuellen Beziehungen im Büro. Hier zeigt sich oft, wie konservativ Büromenschen oft noch sind, und sie verdammen deshalb noch sehr häufig solche Beziehungen, vor allem dann, wenn sie unter Männern stattfinden. Frauen werden indessen sogar lesbische Seitensprünge verziehen, wenn sie den Betriebsfrieden nicht stören.

Hochschlafen ist größtenteils dümmlicher Büroklatsch

Das „Hochschlafen“ oder "Hinaufschlafen" , ein anderes beliebtes Thema für den Büroklatsch, ist selten geworden. Wer sich zur Abteilungs- oder Gruppenleiterin hochschlafen will, muss mindestens die gleichen Qualifikationen haben wie die Konkurrentin – sonst fällt es bei der Personalleitung zu sehr auf. Zudem sind heute zahlreiche Gruppen- oder Abteilungsleiter bereits solche mit (-innen) am Ende, sodass sich die Frage des Hochschlafens weitgehend erübrigt.

Hinaufheiraten ist weiterhin möglich

Das „Hinaufheiraten“ hingegen ist noch in Büros möglich, in denen das Personal recht unterschiedlich qualifiziert ist – und manchmal sind nicht nur die gewöhnlichen Angestellten zu haben, sondern auch der Geschäftsführer oder Inhaber.

Die Liebe zu Kollegen ist also kein Tabu – sie ist Alltag, und je alltäglicher man sie behandelt, umso besser. Gefährlich sind nur „schräge“ Affären unter Kollegen, die an die große Glocke gehängt werden. Dabei wäre zu sagen, dass es in manchen Branchen sicher noch gefährlicher ist, mit Kunden oder Lieferanten ins Bett zu steigen als mit Kollegen.

Rat für Bürobeziehungen

Was immer ihr in Büros tut – geht es vorsichtig an, solange die Liebe noch jung ist und wieder zerbrechen kann. Doch wenn sie so ernst ist, dass es Heiratspläne oder gemeinsame Wohnungspläne gibt, dann ist es in jedem Fall Zeit, ein vertrauensvolles Gespräch mit dem Personalchef zu suchen. Wer jetzt wieder warnend sagt: „Ja, aber die Karriere!“ der dürfte nicht begriffen haben, worauf es einem liebenden Menschen im Leben ankommt.