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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Ist es Ehebruch, eine Domina zu besuchen?

Ob real, in Fotografierpose oder als Comic: die Domina fasziniert
Eine Frage, die dieser Tag im Internet gestellt wurde, hat mich auf das Thema gebracht. Wenn wir es noch ein wenig ausweiten, dann wäre die Frage: Ist es ein Akt der Untreue, wenn sich jemand bestimmte Bedürfnisse „anderwärts“ befriedigen lässt?

Ob Domina oder Dominus, ob gegen Bargeld oder aus Neigung: Es ist weitgehend üblich, bestimmte Neigungen „auszusourcen“, also ihre Befriedigung „jemand anderem“ zu überlassen - und der Partner oder die Partnerin ahnt oft nicht einmal etwas davon.

Die erste Frage: Warum tut es die Partnerin / der Partner nicht?

Wer so fragt, sticht in ein Wespennest: Da fühlen sich die Partner(innen) so richtig aufgescheucht. Einmal, weil sie es ekelhaft finden, dann weil sie als „unethisch“ ansehen und schließlich, weil sie es eben schon als Untreue auffassen, allein „solche“ Bedürfnisse zu haben - auch ohne Ausführung.

Wer jetzt von Toleranz getrieben ist, der sagt vielleicht: „Na, seine Fußpflegerin (ihr Fußpfleger) massiert ja auch die Füße - wie krank ist denn das?“ Aber in Wahrheit zählt das nicht. Fremde Füße zu küssen ist nicht das Gleiche wie die eignen Füße massiert zu bekommen, nicht wahr? Und allein vor einem fremden Menschen Hose oder Höschen herunterzulassen - ei, ei - das ist nicht fein.

Der Weg zur "außerhäusigen Erfüllung" ist oft einfacher als der Konflikt mir dem Partner

Der einfachere Weg für den nach Lüsten lechzenden Partner ist fast immer, die schöne und bequemen Lust in der Beziehung auszuleben und die heftigen Lüste außer Haus zu verwirklichen. Wie bekannt, ist dies nicht immer ganz risikolos, zumal bei den „temporär sichtbaren Folgen“ solcher Aktivitäten.

Wo beginnt Untreue?

Die Fragen tauchen immer wieder auf, und sie treffen auf einen Begriff er „Untreue“, der nicht wirklich scharf definiert ist. Bekanntlich ist die Ehe ein Vertrag, der traditionell auch beinhaltet, den Geschlechtsverkehr mit Dritten nicht willentlich zu suchen. Doch geht es bei Dominas, Servas und ihren männlichen Äquivalenten wirklich um „Geschlechtsverkehr“? Vielfach wird der Begriff der „Therapie“ verwendet, der aber als unseriös gilt. In Wahrheit erfüllen diejenigen Frauen und Männer in ihren Rollenspielen Träume, die sich als professionelle, dominante Partner(innen) anbieten. Die Motive der Anbieter mögen allein finanzieller Natur sein, doch ist es eben auch ein großes Kasperletheater für Erwachsene, was dort geschieht.

Untreue beginnt bereits beim Träumen - oder?

Das ist die eine Ansicht. Die andere wäre, dass jeder Körperkontakt zwischen Frau und Mann, der nicht aufgrund einer Notwendigkeit stattfindet, Betrug am Partner (der Partnerin) ist. Mit anderen Worten: Wenn ein Mann mit einer anderen Frau, seine Träume oder Emotionen erfüllt, körperlich in Kontakt kommt, dann ist er bereits ein Ehebrecher.

Partner(innen) erfüllen selten alle Wünsche und Bedürfnisse

Nun ist allerdings die Frage, ob ein Mensch alle offenen und verborgenen Bedürfnisse erfüllen kann, die eine Frau oder ein Mann hat - unabhängig vom „Status“. Hier dürfte die Antwort „selten“ zutreffen - aber es gilt eben auch, dass nirgendwo geschrieben steht, der Partner oder die Partnerin müssen alle Bedürfnisse erfüllen.

Wenn der Partner (die Partnerin) mitwirken soll

Die Frage eines oder einer Dritten in der Zweierbeziehung ist ohnehin umstritten. Manche Paar holen sich einen Dritten oder eben eine Dritte an Bord, um den „Ehebruch“ gemeinsam zu vollziehen - dann ist es offenbar keiner. Und in zahllosen modernen Kurzgeschichten wird eine Freundin ins Boot geholt, um den Ehemann gemeinsam heftig zu „behandeln“.

Doch die Frage bleibt: Ist das Vertrauensverhältnis zwischen Paaren bereits gestört, wenn einer von beiden sich auf ein Rollenspiel mit einer anderen Person einlässt? Fallen SM-Spiele unter die Kategorie „Sex“, nur wie einer der Partner üblicherweise den Slip auszieht? Und falls alles wirklich so schrecklich sein sollte: Gibt es überhaupt eine Lösung?

Ich lasse euch mit dieser Frage allein. Beantwortet sie für euch selbst, aber denkt daran: Mehr als die Hälfte aller Frauen und Männer haben die Fantasie, entweder zu dominieren oder dominiert zu werden.

Fremdgehen – Veranlagung, Evolutionsfolge oder Erziehungsergebnis?

Folgenreicher Lüsternheit, und ein folgenreicher Seitensprung nach biblischer Art
Die immerwährende Frage, ob ein Verhalten angeboren, anerzogen oder eher kulturell bedingt ist, wird neuerdings immer wieder auf eine einzige Sichtweise reduziert: Da war doch die Evolution, nicht wahr?

Nun wissen wir, dass Forscher von ihrem Selbstverständnis her eher einseitig (wenn nicht gar mit Scheuklappen versehen) sind. Zudem gehen sie in letzter Zeit gerne den Weg eines primitiven Populismus. Und da macht sich eben gut, wenn pragmatische Männer am meisten Sorgen haben, dass die Frau fremdvögelt. Während Frauen vor allem glauben, Fremdgehen würde sich darin zeigen, dass sich der Mann in eine andere Frau verliebt.

Zahlenspiele über "Sex ohne Liebe" und "Liebe ohne Sex"

Gut – wenn man sich nur fragt, ob körperliche oder emotionale Untreue überwiegen, dann bekommt man bei Männern und Frauen unterschiedliche Ergebnisse. So waren angebliche 54 Prozent der Männer, aber nur 35 Prozent der befragten Frauen der Meinung, dass Sex ohne Liebe bereits Untreue sei, während sich das Verhältnis bei der umgekehrten Frage erheblich änderte. Liebe ohne Sex wurde nämlich von 46 Prozent der Männer, aber 65 Prozent der Frauen als eine Art der „Untreue“ angesehen.

Wissenschaft? Es könnte, es wäre und vielleicht ist es auch ...

Das alles wären nur Zahlen, wenn man darüber nicht herrlich spekulieren könnte. Aha! Es könnte ein Beweis für die Nachwirkungen der angeblich „zutreffenden“ Evolutionstheorie sein: Männer wünschen sich, dass die Nachkommen dem eigenen Sperma entspringen, Frauen fürchten, während der Schwangerschaft verlassen zu werden. Man braucht nicht allzu viel historische Kenntnisse, um dies als Unsinn abzutun. Menschen sind während der Evolution ander Wege gegangen als Löwen, bei denen die Männchen die Nachkommen töten, die offenkundig nicht von ihnen stammen.

Es könnte aber auch eine Folge der Mädchen- und Knabenerziehung sein. Oder einfach ein Kulturphänomen. Oder ein Relikt der Christenmoral. Alles könnte irgendwie sein … nur ist dergleichen eben nicht sicher.

Untreue bei "Liebe ohne Sex"?

Bevor wir uns alle den Kopf zerbrechen: Die Ergebnisse der Forscher haben kaum einen anderen Inhalt als die blanken Zahlen. Zudem muss man sich fragen, wie oft im Leben eigentlich „Liebe ohne Sex“ vorkommt, und falls ja, was die Studienteilnehmer dann überhaupt unter dem vielschichtigen und schillernden Begriff „Liebe“ verstanden. Meine Meinung dazu: Absoluter Bullshit – die Studie taugt bestenfalls zum Nachdruck auf Toilettenpapier.

Immerhin tröstlich, dass so viele Frauen glauben, Sex ohne Liebe sei noch keine „Untreue“ – aber ob diese Zahl der Realität standhält, ist ebenso zweifelhaft.

Bild: FRANCIABIGIO zugeschrieben, 16. Jahrhundert "Bathseba | בַּת־שֶׁבַע)" - eine Frau der Bibel, die in ihrer Untreue wahlweise als Täterin oder Opfer dargestellt werden kann