Skip to content
Werbung Email:

Die Zeit der Rohrstöcke - ist sie heute vorbei?

Die Zeit der Rohrstöcke und was damit geschah - wissen Sie es? Ahnen Sie es? Haben Sie jemals einen Rohrstock gesehen oder gar gespürt? Wir geben Ihnen einen kurzen Abriss über den Stock als solchen - und warum es wenig Vergnügen bereitet, damit behandelt zu werden.
Die strenge Tante in der Fantasie


Was ist eigentlich ein Rohrstock?

Die meisten unter Ihnen werden weder in der Schule noch im Elternhaus jemals die Bekanntschaft mit einem Rohrstock. Dieser Stock wird aus Rattan (Peddingrohr) hergestellt. Weniger geläufige Bezeichnungen den Rohrstock sind „der gelbe Onkel“ oder „das spanische Rohr“. Im Englischen spricht man allgemein vom „Cane“. Es gibt sehr unterschiedliche Qualitäten, und jeder Hersteller behauptete (und behaupten noch) die besten Qualitäten zu produzieren, die dann klangvolle Namen erhalten. Um diese Materialien wird ein ungeheueres Brimborium veranstaltet, zum Beispiel, dass es Exportbeschränkungen für das Material geben würde und das es nur von Ureinwohnern aus dem Urwald gerodet wird.

Allgemein zeichnet sich Rattan dadurch aus, sehr leicht und ausgesprochen flexibel zu sein. Neben den vielen wohlanständigen kommerziellen Verwendungen, insbesondere im Möbelbau, wird das Material immer noch zur Herstellung von Rohrstöcken verwendet. Diese Rohrstöcke dienen nach wie vor zur „körperlichen Züchtigung“, allerdings zumeist in Rollenspielen und nicht in realen Strafszenarien. Allerdings beginnt hier ein Graubereich, denn im Grunde sollten Rohrstöcke niemals mit voller Wucht und schon gar nicht auf nackten Gesäßen angewendet werden.

Was stimmt an der "Rohrstockerziehung"?

Von der Schule in die Familie: der Rohrstock
Nicht jede Enzyklopädie des 19. Jahrhunderts kannte den Begriff „Rohrstock“, doch ist das Wort ab ca. 1840 nachweisbar. Aus den Schulen heraus soll diese Bestrafung in die „häusliche Züchtigung“ übergegangen sein – doch während in der Schule kontrolliert gestraft wurde, war die im häuslichen Bereich (auch gegenüber dem Gesinde) nicht so sicher. Es gibt Berichte, dass im privaten Bereich ganz bewusst ehrverletzend und viel zu heftig und ausdauernd geschlagen wurde. Je nach Schulordnung waren bis zu fünf, in England bis zu sechs Schläge möglich, und vor allem dufte in der Schule nicht auf das nackte Gesäß geschlagen werden. Der Einsatz des Rohrstocks erfolgte aus ökonomischen Gründen, weil Birkenruten nicht lange hielten und erst frisch geschnitten werden mussten – und mit der Hand duften in Schulen zumeist gar keine Körperstrafen vollzogen werden.

Wie wirkt ein Rohrstock?

Der Rohrstock zeichnet sich durch eine hohe Beschleunigung aus – er dringt deshalb tief in die Oberhaut ein und erzeugt dort sowohl heftige wie auch lang anhaltende Schmerzen. Zudem sind die Schläge sichtbar und sie können, wenn sie auf das nackte Gesäß appliziert werden, auch erhebliche Verletzungen hervorrufen. Man muss dabei bedenken, dass die gesamte Intensität des Schlags, aber auch die Beschleunigung, vom nackten Gesäß aufgenommen werden muss, bevor die Energie des Schlags verpufft ist.

Vorsicht bei Selbstversuchen

Falls Sie daran denken, sich einmal mit einem Rohrstock „behandeln“ zu lassen, sie es im Rollenspiel oder ganz bewusst, um die Wirkung an sich selbst zu spüren. Die Schläge können Sie tagelang daran hindern, schmerzfrei zu sitzen, und Blutergüsse und eine aufgeplatzte Haut sind oft die Folge von heftigen Schlägen. Lange, dünne Stöcke erzeugen dabei die hefigsten und einschneidendsten Schmerzen (man sagt auch „helle Schmerzen“ dazu). Dickere Stöcke erzeugen eher dumpfe Schmerzen und „blaue Flecken“. Wenn Sie nicht gerade einen Roman schreiben, in dem die Schläge vorkommen – lassen Sie es bleiben.

Strafe und Lust

Normalerweise erzeugen alle Rohrstöcke und andere Schlagstöcke oder Peitschen, die eine starke Beschleunigung und/oder einen geringen Luftwiderstand aufweisen, ausschließlich Schmerz, aber bei halbwegs „normaler“ Veranlagung keine Lust. Die Beschleunigung kann auch der Laie daran erkennen, dass ein zischendes Geräusch wahrnehmbar ist, wenn mit dem Instrument „in die Luft geschlagen“ wird. Manchmal (und leider zu oft) werden sie dazu verwendet, die eigene Belastbarkeit oder die Belastbarkeit anderer bis zu den Grenzen auszutesten. Dann entstehen aber nicht nur die „hübschen rosa Streifen“, sondern es können auch erhebliche körperliche Schäden entstehen.

Finger weg vom Rohrstock

Der Rat der meisten seriösen Autoren zum Thema Rohrstock heißt: Finger weg von diesem Instrument, wenn es um spielerische Bestrafungen geht. Vor allem aber sei in den Zeiten der „50 Shades of Grey“ gesagt: Lassen Sie sich nie von Fremden überreden, einer Rohrstockzüchtigung beizuwohnen, sie es als Aktiver, Passiver oder Zuschauer. Das Risiko ist zu hoch.

Grafik: Helga Bode, die diese und ähnliche Zeichnungen 1920 geschaffen haben soll.

Ganz altmodisch – liebe Hiebe

Schicke Hiebe - Zeit für das Ausziehen gönnen


Körperliche Züchtigung“ ist, ernsthaft besprochen, ein Gräuel. Kein Mensch würde heute mehr ernsthaft fordern, sogenannte „Backfische“, „Mädchen in den Flegeljahren“ oder „leichtfertige junge Dinger“ zu züchtigen.

Trotz alledem gibt es sie noch, die „alten Bräuche“ – sie haben sich nur vom Jugendzimmer in das Schlafgemach sinnlicher und experimentierfreudiger Paare verlagert, was dreierlei bedeutet:

1. Es handelt sich nicht um Jugendliche, sondern um Erwachsene.
2. Sie spielen Rollenspiele und strafen einander nicht ernstlich.
3. Sie empfinden Lust dabei – wenigsten einer von beiden hat dies Vergnügen.

Warum viele Frauen und Männer, die in der Jugend niemals Hiebe bekamen, so auf Spiele mit körperlicher Züchtigung“ abfahren, ist eines der Mysterien der modernen Gesellschaft. Man vermutet, es läge daran, dass der Einzelne inzwischen so große Freiheiten hätte, schwere Fehler im Alltag zu begehen, dass er sich förmlich nach Vergeltung sehnen würde. Andere sagen, dass Schläge im Erwachsenenalter einfach viel sinnlicher sind, weil das Gefühlsleben stärker entwickelt ist und man unter „schicken“ Schlägen einfach wundervoll „geil“ wird.

Sich wieder einmal richtig schämen dürfen?

Unklar ist, wieso das Szenario der Beschämung noch so populär ist. In nahezu allen Romanen, Erzählungen und Berichten aus verschiedensten Epochen ist die Rede davon, dass es zunächst darum ginge, dass sich der die Dame oder der Herr betont schamvoll entkleiden müsse, damit der „Arzteffekt“ gar nicht erst einträte. Bekanntermaßen schämen sich Patientinnen und Patienten bei Ärzten umso weniger, je diskreter sie sich ausziehen können. Ein „vollständiges Programm“ besteht demnach entweder in einer schamvollen Entkleidungszeremonie, auf die dann später die Hiebe folgen, oder aus einer abgestuften, integrierten Entkleidungs-Hiebe-Kombination. Dabei werden die ersten erniedrigenden, aber noch wenig schmerzenden Schläge auf den Rock (selten auch auf die Jeans) gegeben, die nach einigen Hieben ausgezogen werden müssen, um sie nunmehr auf das Höschen zu heben, das dazu noch einmal „strammgezogen“ wird. Diese Prozedur ist an sich bereits entehrend und trägt dazu bei, sich ganz in die erotische Strafe zu versenken. Schließlich fällt dann auch noch das Höschen, worauf in der Regel eine längere Betrachtung des nackten Körpers folgt – erst dann werden die Hiebe „auf den Blanken“ appliziert.

Der Tanz des Rohstocks

Der Tanz des Rohrstocks auf dem nackten Gesäß besteht anschließend keinesfalls ausschließlich in der Verabreichung genüsslich angestufter Hiebe, sondern beinhaltet eine Art Konzert, bei dem der Rohrstock eher als heftig wirkender Dirigentenstab den als schnödes Schlaginstrument eingesetzt wird.

Erstaunlicherweise wirken solche Prozeduren eher durch ihre Inszenierungen als durch die Strafen an sich. Das heute eher unbekannte „Erdulden“ und „Erleiden“ ist der eigentliche Kick, den sich Frauen und Männer durch Rollenspiele dieser Art holen.

Ob es moralisch verwerflich ist? Ja, was meinen Sie?