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  Eigenwerbung

Die Wahrheit lässt sich nicht beliebig manipulieren

Das Leben als solches beruht auf biologischen Grundlagen. Deshalb muss unser eigens Leben noch lange nicht „bionormativ“ sein. Indessen treten heute immer mehr Sektierer auf, die an den biologischen Grundlagen des Menschseins zweifeln: Gender-Ideologen, Feministinnen, und nicht zuletzt „Kreationisten“. Sie treten in letzter Zeit in vielen Variationen auf und vermenge sich immer mehr mit politischen Gruppen, mal mit links, mal mit rechts.

Dazu zitiere ich einen Auszug aus diesem Artikel der „NZZ“, den ich jedem empfehlen kann, der ernsthaft die Wahrheit für sich selbst sucht.

Den Einfluss der Biologie zu bestreiten, kann einerseits eine Debattenstrategie sein: Man nimmt eine Extremposition ein, dann horchen alle auf. Und anderseits lässt sich so klarmachen, dass die kulturellen Einflüsse verdammt wichtig sind. Das kann ich als Biologe bestätigen: Die Probleme, mit denen die Frauen heute kämpfen, kommen von der Kultur, nicht von der Biologie.

Ich selbst staune immer wieder, wie viele Menschen die Natur in sich leugnen, oder die Naturwissenschaften als sekundär ansehen. Es ist wahrscheinlich brutal, zu sagen: Diese Leute haben ein unzutreffendes Menschenbild - seien sie nun Angehörige von Sekten, Religionen oder Ideologien. Aber es ist die Wahrheit, und sie kann gar nicht deutlich genug verbreitet werden.

Das christliche Elternhaus und die sexuelle Abweichungen

Humoristische Betrachtung - der Teufel beherrscht über die Lüste
Noch heute glauben manche religiösen Fanatiker, der Teufel persönlich habe jene befallen, die ihre Sexualität auch in den zahlreichen (legalen) Abweichungen ausleben wollen. Züchtigungen als solche waren und sind für viele Katholiken und Evangelikale durchaus hinnehmbar. Sobald dabei aber eine sexuelle Lust entsteht, muss wohl Luzifer persönlich beteiligt sein.

Auch wenn keine Schläge appliziert werden, haben solche Familien ein Rezept, das unweigerlich zu Konflikten führt. Sie legen einfach eine Konzeption vor, nachdem einige Handlungen „sündig“ sind. Wer die Sünden dennoch plant oder begeht, versündigt sich und muss mit seiner Schuld leben. „Schuld bleibt Schuld“ heißt es bei vielen Evangelikalen – Katholiken haben da einen anderen Weg: sie „dürfen“ ihre Sünden beichten. Im Grunde ist auch dies entwürdigend, wenngleich manche Katholiken behaupten, es verschaffe ihnen Erleichterung.

Eine Frau, die ein streng religiöses Elternhaus durchlebt hat, schreibt (stark gekürzt):

Ich habe mich wegen einiger Gedanken und Taten schuldig gefühlt, weil sie im Elternhaus als „sündig“ eingestuft wurden, oder nicht dem entsprachen, was „was Gott von mir erwarte.“ Ich bin nicht der Meinung, dass die Bibel oder eine Interpretation derselben die eigenartigen Triebe stoppen kann, und wahrscheinlich werden es die Menschen dennoch versuchen. Es kann eine schwierige emotionale Last sein, wenn jemand sagt, dass sexuelle Triebe sündig sind, vor allem, wenn man in einer Umgebung aufwächst, aus der man nicht ausbrechen kann.

Das Zitat (1) gibt auch Aufschluss darüber, warum manche Menschen erst im Erwachsenenalter beginnen, zu ihren (meist absolut harmlosen) erotischen, sexuellen oder anderen sinnlichen Bedürfnissen zu stehen.

Psychologisch gesehen schwanken die Ansichten darüber, wann und wie die Lüste entstehen, die über das hinausgehen, was Adam und Eva taten. Manche behaupten, sei seien eine Folge früher Kindheitserlebnisse, andere behaupten, sie würden aufgrund von Erlebnissen während der Pubertät. Woher aber die plötzliche Lust an Rollenspielen mit der „Disziplin“ im reifen Erwachsenenalter rührt, ist weitgehend ungeklärt und nach wie vor Gegenstand von Spekulationen.

(1) Das Zitat wurde an die Sprache angepasst, die in diesem Blog verwendet wird und es ist daher nicht nachverfolgbar.
Illustration nach einem Werk von Jules-Georges Anquetil, 1925

Die Natur und die Liebe

Die Natur schafft Lebewesen ...
Wir müssen reden. Über die Liebe. Ja, über die Liebe.

Zunächst sollten wir feststellen, dass wir zu allererst Teil der Natur sind. Noch bevor wir im Ansatz denken konnten, waren wir Natur. Ich habe neulich einen Säugling auf dem Arm der Mutter gesehen – ich sehe wenige kleine Kinder, weil ich nicht dort bin, wo sie sind. Er unterschied sich im Verhalten nicht sehr von meinem Lieblings-Gorillababy im Leipziger Zoo (oben).

Wir sind ein Teil der Natur

Nachdem ich dies gesagt habe, wiederhole ich: Wir sind ein Teil der Natur, und die Natur bleibt in uns. Sie verabschiedet sich nicht eines Tages und sagt: „Ach ich schäme mich so für dich, Geisteswesen, deswegen hau ich jetzt ab.“ Im Gegenteil: Sie fordert ihre Rechte.

Die Mehrheit sieht die Liebe als ihr "eigen" an

Ich denke, für 90 Prozent der Bevölkerung (wenn nicht noch mehr) ist die Liebe eine wundervolle, wenngleich nicht leicht zu erwerbende Wonne, die auf naturgegebenen, vom Geist etwas modifizierten Regeln beruht. Liebe ist für uns so gut wie immer Nähe, Innigkeit der Gefühle, intime Berührung. Wer Liebe lediglich als Sozialkitt begreift, liegt zwar nicht falsch, denn auch die Rudel- oder Familienbindung stammt von der Natur – sozusagen „jede Spezies nach ihrer Art“. In der Form des reinen „Zusammenhalts“ finden wir in der Soziologie. Dort wird Liebe gelegentlich „als ein gesellschaftlich wirkendes Symbol für Interaktionen betrachtet“ – schon die Wortwahl zeigt: Da werden Gefühle verschleiert und Worten wird eine neue Bedeutung gegeben, um eine Theorie daraus abzuleiten. Humpty Dumpty (1) lässt grüßen.

Nur wenige vereinnahmen die Liebe für sich

Womit wir bei den zehn Prozent wären, für die Liebe nichts Sinnliches ist. Zu ihnen gehören Soziologen, Sophisten und Pfarrer. Die Soziologen und Sophisten sezieren die Liebe, bis sie letztlich leblos am Boden liegt, und die Pfarrer interpretieren das Liebesgebot ihres Religionsstifters – aber so, als ob es eben nicht zur Natur gehöre.

„Liebe“ ist in Wahrheit kein Wert „an sich“, sondern die Bedeutung und damit der Wert der Liebe entsteht durch uns selbst. Durch unsere Entwicklung, namentlich durch die Qualität unsere Begegnungen von Jugend an.

Wie Liebe erfahren wird

Wer in der Jugend kaum Liebe erlebt hat, hält sie für ein begehrenswertes Gut, das später teuer erkauft werden muss: durch Wohlanstand, Gefälligkeiten und gelegentlich auch durch Geschenke. Wenn jemand weiterhin daran scheitert, Liebe zu erwerben, läuft er Gefahr, in Abhängigkeiten zu geraten, die ihn bedrohen.

Anders jene, die in ihrer Jugend alle Liebe dieser Welt geschenkt bekamen. Sie bleiben unbekümmert und wundern sich, wenn jemand für die Liebe einen Wegzoll fordert. Obgleich sie sich anzupassen wissen, verweigern sie doch die Forderung nach „Liebe nur bei Leistung oder Wohlverhalten“. Weil sie sich beständig weigern, sich den Gesetzen des Wohlwollens zu unterwerfen, erschaffen sie sich selbst als Persönlichkeit. Und werden geliebt, weil sie Persönlichkeiten geworden sind.

Sicher – beide Wege sind extrem dargestellt. Das Beispiel soll auch nur zeigen, dass Liebe höchst individuell erlebt wird und keinem „Wertesystem“ folgt.

Zuneigung ist ein Element der Natur, das nicht untersucht werden muss. Es ist Natur pur, mal Zufall, mal das Ergebnis einer langen Suche. Und Liebe ist nach wie vor das Wort, das wir für die innige Zuneigung nutzen sollten. Auf andere Definition können wir wirklich verzichten.

(1) Nach Lewis Carroll. Humpty Dumpty sagt, er könne jedem Wort die Bedeutung geben, die er sich wünscht. "The Question is, which is to be master - thats's all.

Was ist Verführung?

Eva bietet die Frucht vom Baum der Erkenntnis an
In kaum einem deutschsprachigen Lexikon findet ihr einen neutralen, wissenschaftlich haltbaren Satz darüber, was eigentlich eine „Verführung“ ist. Die generelle Haltung zur Verführung ist mit Vorurteilen und Ideologien besetzt, sodass am Ende etwas herauskommt, was mit hochgehaltenem Zeigefinger verkündet werden kann.

Weil es so populär ist, beginne ich mal mit WIKIPEDIA. Dort heiß es:

Verführen (substantiviert Verführung, auch Verlockung oder Seduktion) bedeutet, jemanden gewaltlos so zu „manipulieren“, dass er etwas tut, was er eigentlich nicht wollte oder sollte (zum Beispiel, sich regelwidrig zu verhalten, sich sexuellen Handlungen hinzugeben, eine Religion anzunehmen, etwas Bestimmtes zu kaufen).

Einige Zeilen später, und etwas aus dem Zusammenhang gerissen heißt es dann:

Mit Verführungskunst bezeichnet man alle kommunikativen Strategien und Handlungen, mit denen eine Person eine andere Person für sexuelle Handlungen gewinnt.

Klischees aus der Vergangenheit - die schwache Frau wird verführt

Dabei ergeben sich gleich drei Fragen:

1. Behauptet wird, die Verführung geschähe in der Absicht, jemanden zu etwas zu bewegen, was er „eigentlich“ nicht wollte. „Wollte“ die Person es wirklich nicht? Oder traute sie sich nicht? Wagte sie es nicht?
2. Die sogenannte „Verführungskunst“ ist eine Anleitung zur Verführung. „Verführen“ (oder verlocken, verleiten) ist aber – zumindest auf sexuellem Gebiet - eine natürliche Ressource, also kein „erlerntes Verhalten“. Natürlich kann diese Ressource „manipulativ“ eingesetzt werden – aber das würde Bände füllen. Lassen wir’s also. Fragen wir lieber: Was ist an der Verführung „natürlich“, wie wirkt die „Verstärkung“ natürlicher Prozesse und ab wann kann man von einer „Machenschaft“ sprechen?
3. Kein Wort darüber, dass „Verführung“ sowohl negative Aspekte als auch positive Aspekte hat. Etwas tun zu wollen, aber sich nicht zu trauen dies dann auch wirklich auszuführen, ist ein guter Grund, sich dazu verführen zu lassen. Was also ist die positive Seite der Verführung?

Zwei Quellen für die Einseitigkeit: Religion und veraltete Sichtweisen
Der angebliche Verursacher: Hi, Eva, wie wär's mit 'nem Apfel?
Die Tendenz, das Wort „Verführung“ negativ auszulegen, hat zwei Quellen: Religiöses Schrifttum und die Annahme, die Person, die verführt wird (oder sich verführen lässt), sei willensschwach, während die zweite Person sie mit dem starken Willen bezwingen würde.

Dazu schreibt Büchner (1890):

Verführung sei einen von der Heerstraße der himmlischen Wahrheit und dem Wege der Tugend abbringen, und in Abwege der Sünden und Laster, ja zeitliches und ewiges Verderben stürzen.


Andere verweisen auf die Verführungen durch Satan in Gestalt einer Schlange (die Eva verführte), auf Casanova und Faust (wieder mithilfe des Satans).

Und so stehen wir vor dem Dilemma, völlig einseitig, und zudem äußert negativ von den Erläuterungen beeinflusst zu werden. Inwieweit dieses Vorgehen Fahrlässigkeit oder gar Manipulation ist, müssen die Autoren entsprechender Artikel selbst verantworten.

Seltene Lichtblicke: Die Natur spielt die erste Geige

Indessen gibt es Lichtblicke. Im englischen Wikipedia finden wir einen sehr lange Abschnitt darüber, dass sexuelle Verführung weder negativ noch manipulativ ist. Man beruft sich auf neuere Forschungsergebnisse und greift nun sogar auf die Naturphänomene zurück.

Ich zitiere daraus auszugsweise (1):

Sowohl Männer als auch Frauen setzen die Strategie der Verführung ein, um ihre sexuellen Beziehungen auszuhandeln. Dies beruht in erster Linie sowohl auf das physische Verlangen wie auch auf der Anziehungskraft der Geschlechter. (Die Personen, die so handeln) wenden dies oft unbewusst an und berichten lediglich über die Gefühle und Gedanken, die sie subjektiv erlebt haben und die … umgangssprachlich mit „Anziehung“ oder „Liebe“ vergleichbar sind.
Des weiteren führen die Autoren aus, dass Verführungen im Grunde nichts weiter sind als der Ersatz für die Balz der Säugetiere. Die Absicht ist,

Dass diese Form der sexuellen Verlockung verwendet werden kann, um gewünschte Personen zum Geschlechtsverkehr und letztendlich zur Fortpflanzung zu bewegen. Dieses Verhalten zielt auch darauf ab, jemanden zu überreden, eine kurzfristige oder langfristige sexuelle Beziehung zu ihm aufzubauen.
Wobei wir endlich wieder bei der Natur sind. In ihr ist die Verführung das einzige Mittel, um zum erwünschten Ziel zu kommen - wobei wir selbstverständlich etwas kompliziertere Bedingungen vorfinden als bei Katzen und Katern. Aber das Prinzip ist gleich: Nur, wer im Prinzip bereit ist, ist auch verführbar, was letztlich bedeutet:

Jeder ist verführbar, nur nicht jederzeit und nicht von jedem.
Unseren Sophisten und allen anderen moralisierenden Schwätzern kann ich nur raten, einmal vom hohen Ross hinabzusteigen.

Verführung zu Liebeslüsten ist kein Teufelswerk, sondern ein Werk der belebten Natur.

(1) Übersetzung und Kürzungen durch den Autor.

Jugend, Sex und Religion – wer folgt wem?

junge paare wollen ihren eigenen weg finden


Eine Studie über Jugend, Sex und Religion soll gegenwärtig erhellen, inwieweit die Religion Einfluss auf die Sexualität hat und wie die Sexualität wiederum das religiöse Empfinden beeinflusst. Dabei werden gerne Teilwahrheiten aus der Studie veröffentlicht – nämlich derjenige Teil, indem festgestellt wird, wie der Glaube die Sexualität beeinflusst. Der zweite Teil, in dem aufgezeigt wird, wie die Sexualität nun auch wieder den Glauben beeinflussen kann, wird meist ausgespart. Ebenso wird die Kritik der Jugendlichen an den verkrusteten religiösen Institutionen nur gekürzt wiedergegeben. Hier die ganze Wahrheit aus der Stellungnahme des Forschungsleiters:

Trotz unterschiedlicher kultureller und religiöser Hintergründe gehen viele der heute 18- bis 25-Jährigen ihre eigenen Wege. Dabei greifen sie auf unterschiedliche Quellen zurück wie religiösen Glauben, Jugendkultur, Medien sowie auf ihren Freundeskreise. Sie schaffen sich damit sexuelle Normen, die von ihrem religiösen Glauben beeinflusst werden. In gleicher Weise beeinflusst ihre Sexualität auch wieder ihre Sichtweise ihres religiösen Glaubens.


Dies bedeutet freilich, dass sie sich auf gar keinen Fall an der Amtskirche orientieren, denn einen eigenen Weg zu gehen, heißt ja nicht, der kirchlichen Obrigkeit in Form von Priesterhierarchien zu folgen. Im Gegenteil – die religiösen Führer werden ausgesprochen kritisch gesehen:

Eine Mehrheit der Jugendlichen glaubt, dass religiöse Führer kaum Ahnung von Sexualität hätten – besonders aber von Jugendsexualität. Andere empfinden die etablierten religiösen Institutionen als ein soziales Kontrollsystem, das sexuelle Verhaltensweisen über Gebühr reguliere, ohne auf die Bedürfnisse der jungen Leute Rücksicht zu nehmen.


(Zitate von Dr. Andrew Kam-Tuck Yip, Übersetzungen von Gebhard Roese)

Quelle: News Medical Net, wie im Link angegeben, sowie Universität von Nottingham.


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