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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Der einzig richtige Mann – ein Dauerthema

Auf der Suche ... oder "mal begucken"?
Ich lese oft bei anderen Autorinnen und Autoren, wobei „Autoren“ durchaus in der Minderheit sind. Denn wer über die Liebe schreibt, ist meist weiblich, deutlich unter 40 und enorm mitteilsam.

"Gute" Frauen bekommen Eherat

Jeden Morgen bekomme eine kleine Sammlung vorgelegt. Die meisten Artikel beschäftigen sich damit, wie frau „den richtigen“ findet, was frau dabei beachten muss und wie frau erkennt, was „gutes Ehematerial“ ist. Das ist der Teil für die „guten“ Frauen, die nichts wollen als den besten Mann abzufischen, den das Universum für sie bereithält. Oder höflicher ausgerückt: Die das meiste wollen, ohne irgendein Risiko einzugehen. Fehlen noch die üblichen Beiträge für die andere Gruppe. Ihre Autorinnen heben darauf ab, wie du dein Äußeres, seltener dein Inneres, so weit optimieren kannst, dass jeder mit dir ins Bett hüpfen wollte, wenn er dürfte.

Reden wir mal nur von denen, die von den Autorinnen als brav identifiziert werden und die auch so angesprochen werden. Keine Frage: Ihr Standpunkt ist konservativ, und dahinter scheint diese Aussage zu stehen:

Du hast nur einmal die Chance, den einzig richtigen Mann zu finde, und falls du die vergeigst, ist dein Leben verpfuscht.

Misserfolge gelten ja als tödliches Gift der Neuzeit. Sie kommen dem Versagen bereits recht nahe und wir wissen ja: Westliche Länder haben kaum noch eine Versagenskultur.

Berater, Psychologen, Wahrsager - alle wissen es besser als du?

Nun lese ich nicht nur die dümmlich-dreisten Artikel, wie man den besten Mann aus all den Männern da draußen heraussiebt. Ich weiß auch, dass vermeintliche Psychologinnen/Psychologen und selbst ernannte Wahrsager(innen) behaupten, kompetent voraussagen zu können, ob eine Beziehung passt. Und ich kann die Bücher (geschweige denn, die darin vorkommenden Kandidaten) kaum noch zählen, in denen erlogene und halbwahre Berichte über die männlichen Partnersuchenden verfasst wurden.

Am Ende des Tages bleibt nur eines: Warum machen angeblich emanzipierte und vermeintlich selbstbewusste Frauen so ein Buhei um den „einzig richtigen“ Partner?

Und nein – ich meine nicht jene, die noch den einen oder anderen Mitmenschen fragen: „Meinst du, er ist wirklich der Richtige für mich?“ Das tun fast alle. Ich meine jene, die zögern, zaudern und zagen und am Ende behaupten: Keiner taugt wirklich etwas.

Hast du etwas dazu zu sagen? Dann schreib es.

Das Motto für Juli: „Jetzt lieben und richtig entspannen“.

Mit dem Monatsmotto klappt es manchmal und manchmal eben auch nicht. „Zurück zu den Sinnen“ war unser Motto für Juni – aber da wollte kaum jemand hin. Sinnlichkeit, Hautkontakte, Verlieben, alle Arten von Sex?

„Vorsicht!“ schallt es uns von überall entgegen, und mal ganz ehrlich: Ich gebe auch nicht Pfötchen dieser Tage. Und trage manchmal eine Maske, wo’s nicht unbedingt nötig ist. Der Unterschied ist allerdings: Ich bin keine stolze 25 mehr und kann nicht mehr beliebig Risiken eingehen.

Und nun ist schon Juli - richtig Juli mit sommerlichen Temperaturen, Starkregen und Gewittern. Und das Motto?

Jetzt lieben und richtig entspannen!

Das wäre es doch, oder? Mal richtig entspannen, nicht an Viren Denken, nicht an Risiken, sondern einfach … laufen lassen. Die Nase in den Wind halten und schnuppern. Vorsichtig sollt ihr natürlich trotzdem sein..

Früher sagte man ja: „Die (den) muss ich erst mal richtig beschnuppern“. Erst mal aneinander riechen soll wirklich nicht nur für Hunde empfehlenswert sein, sondern auch für uns Menschen. Der Hautkontakt soll bei Sympathie ja auf dem Fuße folgen (nicht nur auf dem Pfötchen).

Und da wäre ich beim Thema: Die Quasselstrippen wollen uns nach wie vor einreden, dass es gut ist, „schriftlich miteinander zu verkehren.“ Aber mal hoppla: das tun eigentlich nur erbitterte Feinde. Für potenzielle Paare ist dies Bullenscheiße („Bullshit“, wenn euch das lieber ist), und sie stinkt zum Himmel.

Und weil das so ist: Die Liebe hebt die Körperschranken auf, sie verfestigt sie nicht. Und genau da liegt der Fehler der sprachgewandten Faktenverdreher. Die behaupten nämlich, dass die Liebe durch sorgfältige Abwägung von Ansichten und Befindlichkeiten entsteht. Wer diesen Quatsch behauptet, sollte sich mal mit dem Begriff der „Konvenienzehe“ beschäftigen. Zurück ins 19. Jahrhundert, wieder eintauchen in die bürgerlichen Wertvorstellungen?

Nein – die Liebe kann uns alle „auf dem linken Fuß“ erwischen, und sie erfordert auf gar keinen Fall von vornherein, „abzuchecken“ was geht und was nicht geht.

Zurück heißt: "zu den Wurzeln der Liebe"

„Zurück zur Normalität“ heißt auf keinen Fall, in die „moderne Konvenienzehe“ einzutauchen, die daran besteht „auf Augenhöhe“ miteinander zu sein und sie an der Bildung oder dem sozialen Stand zu bemessen, wie es heute der Fall ist.

Wenn wir „zurück“ wollen, sollten wir dahin zurückgehen, wo die moderne Zeit begonnen hat: Beim Wandel der Verheiratung durch „Vernunft“ und „Standesbewusstsein“ durch die Liebesheirat.

Also – gebt der Liebe eine Chance.

Männer sind nicht so, wie Frauen sie gerne hätten

Wenn der vorsichtige Mann die Absicht erkennt ...
Die Diskussion über Weiche Männer im Netz ist lustlos, dumm und dreist. Gleich ob in den geschwätzigen Foren oder den sich wissenschaftlich gebenden Kolumnen: Die Debatte folgt immer demselben Schema.

Und das heißt: Männer sollen so sein, wie Frauen sie gerne hätten, dann wäre alles in Ordnung. Dabei gehen die Konservativen davon aus, dass Männer immer „richtige Männer“ sein müssten, zum Beispiel (Forum einer Partnervermittlung) (1):

Die Gesellschaft braucht einfach echte Männer und echte Frauen. Geschlechter, die sich komplementieren und Synergien freisetzen. Frauen suchen Männer, die noch echte Männer sind. Viele Menschen sind heutzutage Single, weil Frauen zu maskulin und Männer zu verweichlicht sind.

Das ist mal eine klare Ansage, nicht wahr? Ähnlich äußert sich eine Dame, die gerade einen Mann einlud, der sie beim ersten Date absolut nicht … na ja, ich glaube nicht, dass es ums Küssen ging … wollte. Wenn ich es richtig gelesen habe, dann ist der Mann geflohen „obgleich er mich zum Treffen überredet hatte.

Männertypen aller Art

Gibt es diese andere Gruppe von Frauen überhaupt? Diejenigen, die froh und glücklich sind, mit nugatweichen und dennoch potenten Männern zu vögeln? Nun, ein Kolumnist der ZEIT (3) weiß immerhin, dass es verschiedene Männertypen gibt. Er nennt einen Mann, den seine Freundin als „sentimental und kitschig“ bezeichnete, weil er sagt, er vermisse sie. Ein anderer will gar kein Mann sein, sondern eher ein Junge. Der Dritte ist ein Kontrollfreak von alter Machoart, der Vierte ist betroffen davon, einen frauenfeindlichen Witz gerissen zu haben.

Und Frauentypen alle Art

Ja – und es gibt verschieden Frauen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alle erwische, wenn ich sage: erstens diejenigen, die einen Macho fürs Vögeln haben wollen und einen Softie für Heim und Kinder. Nicht nacheinander, sondern zugleich. Dann diejenigen, die ein bisschen die Sicherheitskarte spielen: Treue und sicherer Einkommen dominieren – denn wenn’s mit der eigenen Karriere mal nicht klappt, dann ist da ja noch der Mann. Die Frau, die mit 30 noch „Mädchen“ ist? Ja, auch die gibt es noch. Schwankend zwischen Karriere und Familie, unsicher über sich selbst, aber sicher, dass ein Mann auf das „mädchenhafte“ hereinfallen wird. Schließlich gibt’s noch diejenigen, die Lust und Freude daran haben, es einem Mann „schön“ zu machen – sei es sexuell oder sonst wie.

Harsche Worte: Männer werden als Jungs weichgekocht und später will sie niemand

Auf jedes Klischee folgt die „Schuldzuweisung“, hier am Beispiel Cicero (4):

Erst hat man sie (die Männer) zu Memmen gemacht, mit Puppen und Gender-Erziehung zu sensiblen Softies geformt – und nun sollen sie plötzlich wieder den harten Kerl herauskehren, der Schutz bietet und den Widrigkeiten des Lebens trotzt.

Und damit sind wir beim Punkt: Männer, so wird immer wieder behauptet, sollten so sein, wie Frauen sie sich wünschen. Das reicht von den ultrakonservativen Kreisen bis zu den auf Geschlechterkampf getrimmten feministischen Ideologinnen.

Frauen wollen - na und?

Das Problem dabei ist allerdings: Frauen haben eine Unzahl von Wünschen, die in allen Farben chargieren. Eindeutige, widersprüchliche, doppelbindende und alles, was dazwischen und daneben liegt. Die Frage ist deshalb gar nicht, was „Frauen wünschen“, sondern was jede einzelne Frau erreichen will. Das sollte sie wissen, und auch, ob ihre Kapazität oder Marktwert ausreicht, dies oder jenes zu verwirklichen.

Männer werden nicht so, wie Frauen sie gerne hätten

Männer sehen sich üblicherweise gar nicht veranlasst, so zu sein, wie Frauen sie gerne hätten. Das hat gute Gründe, denn für einen Mann ist das eine Eule, was für den anderen Mann eine Nachtigall ist. Der Mann will sich (wie auch die Frau) weder grundlegend verändern noch verstellen. Tut er es dennoch, so ist Feuer unter dem Dach. In nahezu jedem Frauenforum wird über Männer gemotzt, die sich verstellen, um schnell und unkompliziert die „kleine Erfrischung“ zu bekommen, die sie vorn Frauen erwarten – und nicht mehr.

Illusionen suchen und von Männern getäuscht werden

Fragt sich, warum das gelingt, nicht wahr? Und die Antwort liegt sicher nicht daran, dass diese Frauen so standhaft an ihren Grundsätzen festgehalten haben. Also beispielsweise einen soliden Mann zu treffen, der sich als Beistand, Gefährte und Vater eignet. Eher ist zu vermuten, dass sie auf die Illusionen hereingefallen sind, dass unerfüllbare Wünsche über Nacht Wirklichkeit werden.

Marginalien

Und übrigens – das Erste, was hervorstach, als ich nach weichen Männern suchte, war eine Werbung für BHs für Männer (7,99 €), gefolgt von einer für einen „sexy Männerbikini“ und sexy Männer-Strumpfhosen. Womit klar sein dürfte, wie „weiche Männer“ von der Werbebranche eingeschätzt werden … und das ist wirklich zum Abkotzen.

(1) Ich verzichte darauf, diesen Beitrag zu verlinken.
(2) GoFeminin
(3) Nach einem Beitrag der ZEIT
(4) Zitat aus einer Kolumne in "CICERO"
(5) Werbung, die bei einer Suchmaschine sofort in Bildern aufkam.

Beziehungen: Wahl zwischen Pest oder Cholera?

Das Alleinleben hat Schwächen und Stärken. Eine Beziehung auch, und eine Ehe sowieso, weil sie über eine lange Zeit allerlei Varianten von Beziehungsproblemen mit sich bringt. Und Mehrfachbeziehungen – egal, welches Etikett ihr vorne draufklebt – erzeugen andere Schwierigkeiten.

In diesem Zusammenhang las ich folgende Einstellung zum Thema:

Kennt die Ehe ihre Probleme, so dürfte klar sein, dass auch polyamore Beziehungen kaum ein problemloses Leben garantieren. Aber das Recht, sein eigenes Unglück wählen zu können, scheint dennoch bedenkenswert.


Das eigene Unglück zeigt sich offenbar innerhalb einer Leipziger Poly-Gruppe – nicht nur bei den „Polys“, sondern bei Paaren schlechthin. Strak vereinfacht kann man sagen: Monogame Ehe ohne Seitensprung ist schwer zu verwirklichen, und mit Seitensprung wird alles auch nicht besser. Offene Ehen? Mitwirkend Seitensprünge (Dreier, Partnertausch, Cuckolding?) Das ist alles ziemlich „retro“ in den Augen jener, die sich ohnehin für die Polyamorie entschieden haben.

Und wir lernen: Ja, irgendwie ist alles schwierig, nur aus unterschiedlichen Gründen. Nein, das junge Paar, das als Beispiel herhalten muss, will die bestehende Ehe nicht „grundsätzlich infrage stellen“, sich also nicht trennen. Und dies, obgleich sich die Ehefrau inzwischen sehr für „Poly“ interessiert – so sehr, dass sie sich schon als „Teil der Szene“ fühlt.

Und da denke ich: Wer sich als Teil einer Szene fühlt, fühlt sich nicht mehr als Teil einer Beziehung. So ist es jedenfalls in all diesen pseudo-religiösen Psycho-Sekten. Ach, „Poly“ ist keine Psycho-Sekte? Na schön, dann eben nicht.

Zitat aus der NZZ.

Die Ehe

Möglicherweise auch ein Grund: das Hochzeitskleid
Eine ungeheure Anzahl von Menschen glaubt, etwas zur Ehe sagen zu müssen. Beispielsweise davon, dass die Ehe eine sehr ernste Sache sein. Oder darüber, wer wohl zum wem passen möge. Schließlich gibt es noch die Eheberater, heute meist als Paartherapeuten bezeichnet, die nahezu ausschließlich Paare kennen, die sich in Krisen befinden. Ganz zu schweigen von Katholiken und anderen ideologisch motivierten Gruppen, die in der Ehe eine Art „Überhöhung“ des Zusammenlebens erkennen wollen.

Die Ehe lässt sich aber auch nach den Gründen beschreiben, aus denen sie eingegangen wird:

1. Moralischer oder religiöser Zwang.
2. Legale Entfaltung der Sexualität.
3. Wirtschaftliche Notwendigkeit.
4. Rechtssicherheit.
5. Zusammengehörigkeitsbestätigung.
6. Familie und Kinderaufzucht. (1)


Die 1950er Jahre - die Notwendigkeit der Ehe

Noch in den 1950er Jahren war religiöser und moralischer Zwang der größte Antrieb, um zu heiraten. Die meisten Paare kümmerten sich damals nicht um die wirtschaftliche Notwendigkeit, eher schon darum, dass es unmöglich war, als unverheiratetes Paar eine Wohnung zu bekommen. Theoretisch war Sex nur verheirateten Paaren „erlaubt“, und mancherorts wachte die Gesellschaft mit Argusaugen darüber, dass dieser Grundsatz auch eingehalten wurde. Langfristig war der wirtschaftliche Zwang aber durchaus zu spüren, weil sich Frauen in den am häufigsten gewählten Berufen nicht verselbstständigen konnten, also beispielsweise nicht zugleich für ihren Unterhalt sorgen, eine schöne Wohnung beziehen und ein Auto fahren. Hingegen war die Bestätigung, zusammenzugehören, ein wichtiger Punkt, denn viele junge Leute wollten sich damals vor allem vor allem vom Elternhaus lösen. Rechtssicherheit wurde vor allem von Frauen gesucht – und die Ehe bot ein relativ sicheres Fundament dafür. Nahezu alle Frauen hatten den Wunsch, früher oder später die eigene Berufstätigkeit aufzugeben und sich ganz der Familie zu widmen.

Und wie ist es heute? Die Gründe für die Ehe bröckeln weg

Nur noch wenige Gesellschaftsschichten und gesellschaftliche Gruppen über einen moralischen oder religiösen Zwang auf ihre Mitglieder aus, zu heiraten, und ebenso wenig ist ein wirtschaftlicher Zwang erkennbar. Viele Frauen und Männer verzichten bewusst auf die Rechtssicherheit der Ehe, andere wieder suchen sie, zum Beispiel gleichgeschlechtliche Paare. Die Bestätigung, zusammenzugehören, ist nach wie vor wichtig. Indessen tritt der Wunsch, einmal eine Familie zu gründen, spät auf, oft viel zu spät. Da sich relativ viele Paare in den „mittleren Jahren“ wieder trennen, ist es üblich geworden, mit mehr als 40 Jahren noch einmal das späte Glück zu suchen. Dann herrschen ganz andere Kriterien: Man sucht den verlässlichen Partner, um nun wirklich miteinander alt zu werden.

Das Fazit

Ich will es salopp sagen: Es gibt kaum noch nachvollziehbare Gründe, Ehen einzugehen, es sei denn, aus Gründen der Rechtssicherheit, um die Zusammengehörigkeit gegenüber der Gesellschaft zu demonstrieren oder um eine Familie zu gründen. Neuerdings suchen viele Menschen in mittleren Jahren vor allem eine neue, stabile Beziehung für das Alter, denn es ist im Alter wesentlich einfacher, das Leben als Paar zu meistern als allein durchs Leben zu gehen.

(1) Es gab (und gibt) noch weitaus mehr Gründe für eine Ehe. Sie werden in einem späteren Artikel behandelt.